Trader sind immer auf der Suche nach Vorteilen und glauben wir den Lehrbüchern der technischen Analyse, können uns Candlestickformationen einen solchen verschaffen. Haramis, Engulfings und Hammer sind vielversprechende Namen, aber welche Kraft besitzen Candlesticks wirklich? In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit einem der bekanntesten Candlestickmuster, dem Hammer.

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    Die japanischen Kerzencharts (Candlesticks) sind eine der ältesten Versionen der Chartdarstellung bzw. der Charttypen. Neben Informationen über den aktuellen Verlauf eines Basiswertes lassen sich aus ihnen auch direkte Kauf- oder Verkaufssignale ableiten. Einen einführenden Artikel zu Candlestickcharts und einigen Mustern finden Sie auf Godmode-Trader.de, den ich Ihnen vorbereitend auf diesen Artikel empfehlen möchte.

    Wie bereits einleitend geschrieben, dreht sich in diesem Artikel alles um die Hammer-Formation. Abbildung 1 zeigt den Kursverlauf der Adidas Aktie im Barchart. Lediglich Tage, an denen sich ein Hammer ausbildete, sind als Kerzen dargestellt.

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    Um dieses Kerzenmuster näher untersuchen zu können, müssen wir exakt definieren, was ein Hammer ist. Nur so können wir den Computer nach dem Muster suchen und potentielle Kaufsignale auswerten lassen. Dazu wendeten wir folgende Regeln an. Ein Hammer liegt vor, wenn:

    • Eine weißer Kerzenkörper vorliegt
    • Der Kerzenkörper in Relation zur gesamten Kerze klein ist. Die von mir definierte Grenze liegt bei 25%. Damit soll sichergestellt werden, dass die Kerze lange Lunten besitzt
    • Der Schlusskurs im oberen Viertel der Kerze liegt

    Da Trading dem KISS Prinzip folgen soll, habe ich im ersten Schritt auf jeglichen Filter verzichtet. Liegt eine Hammerformation nach unserem Muster vor, wird zum Schlusskurs dessen eine Longposition eröffnet. Die Frage ist, wieviel Kraft diese Kerze hat? Liest man sich die Interpretationen des Hammers durch, wäre im Anschluss mit steigenden Notierungen zu rechnen. Wie groß sind die Gewinne bspw. in allen 30 DAX Aktien, wenn wir einen, zwei oder mehr Tage nach Ausbildung eines Hammers aussteigen? Beim Ausstiegskriterium handelt es sich folglich um ein reines Zeitkriterium. Auf separate Stopps oder Kursziele wurde verzichtet und um den unterschiedlichen Preisniveaus bei Aktien gerecht zu werden, wurden in jede Hammerformation 1.000 Euro investiert. Von einer hochpreisigen Aktie, werden folglich weniger Stück gekauft, als von einer niedrigpreisigen. Jeder Hammer soll dadurch mit Blick auf die Performance gleich gewichtet werden. Das Ergebnis unseres Tests ist in Abbildung 2 zu sehen.

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    Im Testzeitraum seit dem Jahr 2000 konnte der Hammer ohne weitere Filter lediglich überraschen, aber nicht überzeugen. Ein Hammer besteht aus nur einer Kerze und es liegt nahe anzunehmen, dass die Prognosekraft ebenfalls nur kurzfristig ist. Wie man in Abbildung 2 jedoch sieht, erzielte der Ansatz seine maximale Performance bei einem Ausstieg am 17 Tag und nicht einen oder zwei Tage nach Ausbildung der Formation. Sehr schön ist auch die Tendenz nach oben hin zu erkennen. Im Optimum von 17 Tagen hat der Hammer eine Trefferquote von 55 Prozent und einen Profitfaktor von 1,29 vor Kosten. Das sind beides keine überwältigenden Ergebnisse, denn bei 2.345 Trades entsteht vor Kosten lediglich ein Gewinn von 18.359 Euro (bei der Anlagesumme von 1.000 Euro je Trade). Der Trader kann sich bei einem so knappen Ergebnis keine 10 Euro Ordergebühren leisten. Die Portfolioequity in Abb. 3 zeigt zudem, dass es teils sehr wild zugeht.

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    Alles in allem liegt noch kein zufriedenstellendes Ergebnis vor und wir müssten uns wieder einmal in den Bereich der Optimierung begeben. Ansätze dafür hätten wir genug. Zum einen könnten wir die Hammerformation selbst variieren. Muss es unbedingt ein weißer Kerzenkörper sein? Sollte der Schlusskurs vielleicht direkt am Hoch liegen und nicht einen 25%igen Spielraum besitzen? Optisch aber gefielen mir die gefundenen Hammerformationen schon recht gut, so dass ich mich auf den Einsatz eines Filters konzentriere. Da der Hammer als bullisches Umkehrsignal gesehen wird, packen wir die große Keule aus und spielen das Worst Case Szenario durch. Der Hammer muss nun in einem Bärenmarkt auftreten und einem schwachen Tag folgen. Den Bärenmarkt definieren wir über das 200er Momentum. Sobald dieses im negativen Bereich liegt, können wir aktiv werden. Im zweiten Filterungsschritt brauchen wir eine Hammerformation, die sich nach mindestens einem schwachen Tag gebildet hat. Abbildung 4 veranschaulicht unser jetzt zu analysierendes Muster.

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    Folgen wir der klassischen Interpretation des Hammers, dann werden wir ein weiteres Mal enttäuscht. Abbildung 5 zeigt den Profit vor Kosten, wenn wir unser System auf allen 30 DAX Aktien anwenden und wiederum nach X Tagen die Position schließen.

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    Erneut zeigt sich eine positive Tendenz zu längeren Haltedauern hin. Die maximale Performance von gerade einmal 2.514 Euro wird bei einem Ausstieg von 18 Tagen erreicht, wobei insgesamt nur noch 428 Trades zustande kamen. Ziehen wir erneut pauschal 10 Euro Kosten je Trade hinzu, landet auch diese optimale Einstellung im Minus. Zudem liegt die Trefferquote erneut nur leicht über 50% und ein Profitfaktor von nur 1,14 rundet das kritische Bild ab.

    Wenn ein Hammer in einem Bärenmarkt nicht funktioniert, wie schlägt er sich dann in einem Bullenmarkt? Um dies zu analysieren, verändern wir unseren Momentum-Trendfilter. Das Momentum muss nun oberhalb von 0 liegen, was nichts anderes bedeutet, als dass der heutige Aktienkurs größer sein muss als er vor 200 Tagen. Ein Beispiel ist in Abbildung 6 zu sehen.

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    Optimistisch erwartete ich das Ergebnis des neuen Testlaufs in unseren DAX Aktien und als die Grafik aufploppte (siehe Abb. 7), folgte schnell der nächste Dämpfer. Um es kurz zu machen: das gleiche Spiel wie bisher. Die gleichen Tendenzen in allen Belangen und signifikant bessere Kennzahlen wurden nicht erzielt.

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    Ich muss gestehen, enttäuscht zu sein. Nicht, dass mich das Ergebnis überraschte, aber sowohl als Trader und in diesem Fall gerade auch als Autor wünscht man sich natürlich, mit positiven Ergebnissen aufwarten zu können. Uns ist es zwar gelungen, einer Hammerformation einen gewissen bullischen Grundton nachzuweisen und das relativ unabhängig davon, wo diese im Kursgeschehen auftreten, aber wer meint, einen solchen direkt kaufen zu können und dann nur einige Tage warten zu müssen, bis die Gewinne sprudeln, der wird enttäuscht. In unserem Test haben wir einfache und logische Kriterien genutzt, um die Performance des Candlestickmusters „Hammer“ zu verbessern. Ohne Erfolg. Ich bin mir sicher, dass der Hammer als Candlestickmuster seinen Beitrag zum Erfolg leisten kann, dafür aber sind weiterführende Analysen notwendig.

    Fasse ich das bisherige Ergebnis zusammen, bliebe für mich folgendes Fazit: Der Hammer deutet im Markt ein Aufbegehren der Bullen an und könnte in den nächsten Tagen zu einem Turnaround führen. Da gerade das direkte Kaufen des Hammers und Schließen der Position in den nächsten ein, zwei Tagen nicht profitabel ist, liegt es nahe, den Hammer als eine Art Vorboten zu betrachten. Immerhin haben wir gerade mit Blick auf die nächsten 10 bis 20 Handelstage die Chance, nochmals spürbar höhere Kurse als den Hammer zu sehen. Die Aufgabe des Traders besteht nun darin, mit seiner Erfahrung und konkreten Einschätzung der aktuellen Situation das Timing für den Einstieg zu übernehmen. Dies gilt auch für das Einbauen potentieller Stoploss und Kursziele. Ob es uns gelingt, diese Gedanken systematisch zu erfassen, können nur weitere Tests zeigen. Blind eine Hammerformation zum Kauf zu nutzen, kann ich anhand dieses Tests jedoch nicht empfehlen.

    Viel Erfolg

    Rene Berteit