Die Charttechnische Analyse ist seit über 15 Jahren einer der Schwerpunkte unserer Arbeit. Es wird daher Zeit, Ihnen eine umfassende Erläuterung der erstellten Charts an die Hand zu geben.

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Charttechnische Analyse basiert auf der Auswertung des Kursverlaufs einer Aktie, eines Aktienindex, Rohstoffs oder Devisenpaares. Grundlegend untersucht die Charttechnik die Ergebnisse des Anlegerverhaltens und der Einschätzungen der Marktteilnehmer, die sich als fortlaufende Kurse im Chart widerspiegeln. Aus der Beobachtung typischer Verläufe hat die Charttechnik Regeln und Methoden entwickelt, die wir ebenfalls anwenden und die explizit oder implizit in unsere Artikel einfließen.

In diesem Artikel möchten wir Ihnen eine Übersicht über den Aufbau und die Lesart unserer Analysen geben.

Chartanalysen auf GodmodeTrader und Guidants bestehen im Wesentlichen aus zwei Teilen:

  1. Die Chartanalyse in Schriftform, aufgeteilt in einen Rückblick bzw. eine Bestandsaufnahme der Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit, sowie der charttechnische Ausblick, der die Prognose des Analysten und etwaige Alternativszenarien umfasst.
  2. Die Chartanalyse im Chart – der Schwerpunkt dieser Anleitung

Lesen Sie hier warum wir Kerzencharts in unseren Analysen verwenden.

Die Interpretation der Charts im Schnelldurchlauf

1. Das präferierte Szenario des Autors wird durch blaue Pfeile, das Alternativszenario durch graue Pfeile dargestellt.

Dabei geben die Pfeile sowohl die Richtung, als auch das zu erwartetende Kursziel der Analyse an.

2. Charttechnische Widerstands- und Unterstützungsniveaus werden im Chart durch graue horizontale Linien hervorgehoben. Handelt es sich dabei um besonders wichtige oder breite Niveaus, kann dies zusätzlich durch grüne (zentrale Unterstützung, breiter Unterstützungskorridor) oder rote (zentraler Widerstand, breiter Widerstandskorridor) Balken visualisiert werden. Lesen Sie auch Widerstände und Unterstützungen in Chartanalysen - ein kurzer Überblick zur Konstruktion und Interpretation dieser Handelsmarken.

3. Aufwärtstrendlinien werden im Chart als grüne Diagonalen, Abwärtstrendlinien als rote Diagonalen eingezeichnet.

4. Stopniveaus für Trading- und Investmentideen werden mit kurzen roten Horizontalen markiert.

Beispiele aus der Praxis

Im ersten Beispiel geht der Autor von einer Fortsetzung des intakten Aufwärtstrends bis an einen bestimmten, charttechnisch ermittelten Kursbereich aus. Dieser potenzielle Zielkurs wird durch den blauen Pfeil visualisiert. Bedingung für das Szenario ist allerdings, dass als "Startschuß" für den Anstieg ein bestimmtes Kursniveau überschritten wird. Dieses Kursniveau wird sowohl im Text benannt, als auch in der Chartanalyse durch den horizontalen Anfang des blauen Prognosepfeils markiert. In diesem Fall verzichtet der Autor auf ein Alternativszenario. Allerdings legt er mit der Stopmarke im Chart (rote horizontale Linie) einen Kursbereich fest, dessen Unterschreiten das Szenario hinfällig werden lässt. Die angegebene Stopmarke kann auch zur Begrenzung des Verlustrisikos bei einem potenziellen Investment herangezogen werden.

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Abb. Beispiel 1 

Im zweiten Beispiel liegt ein kurzfristiger Anstieg des Basiswertes nach einer steilen Abwärtsbewegung vor. Der Autor rechnet in seinem präferierten Szenario mit einer weiteren kurzen Abwärtsbewegung, ehe ein größerer Aufwärtstrend mit einem durch den ersten blauen Pfeil dargestellten Kursziel einsetzen kann. Der zweite blaue Pfeil stellt die Ansicht des Analysten dar, dass es nach einem Ausbruch über die im Chart eingezeichnete Widerstandszone zu einer Fortsetzung der Aufwärtsbewegung kommen kann. Dieser Anstieg ist jedoch direkt an die Bedingung geknüpft, dass der Widerstandsbereich zuvor überschritten wird.

In diesem Beispiel arbeitet der Autor auch mit einem Alternativszenario. Es tritt in Kraft, falls der Basiswert unter den in grün gehaltenen Unterstützungsbereich zurückfällt. Der graue Alternativpfeil visualisiert den Verlauf und das Ziel einer anschließenden Abwärtsbewegung.

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Abb. Beispiel 2 

Im dritten Beispiel befindet sich der Basiswert in einer Kursphase, die aus Sicht des Autors eine direkte Abwärtsbewegung nach sich ziehen dürfte. Dabei ist das wahrscheinlichere Szenario ein Abverkauf, der unterhalb eines bestimmten Kursniveaus einsetzt (horizontaler Anfang des blauen durchgezogenen Pfeils). Mit dem gestrichelten blauen Pfeil weist der Autor darauf hin, dass es vor dem erwarteten Einbruch zu einer leichten Aufwärtsbewegung an ein markantes Widerstandsniveau kommen kann. An der Kernaussage fallender Kurse ändert dieser alternative Verlauf nichts. Erst ein Anstieg über den Widerstand würde die Wahrscheinlichkeit auf fallende Kurse signifikant reduzieren und für die Fortsetzung der Aufwärtsbewegung an das frühere Hoch sprechen. Dies wird im Chart durch den grauen Pfeil kenntlich gemacht.

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Abb. Beispiel 3 

Zur Unterscheidung von durchgezogenen und gestrichelten Pfeilen:

Das vom Autor präferierte, also auf Basis der aktuellen Entwicklung des Basiswertes charttechnisch wahrscheinlichste Szenario wird mit durchgezogenen blauen Pfeilen visualisiert. Das wahrscheinlichste Alternativszenario mit durchgezogenen grauen Pfeilen.

Gestrichelte Pfeile kommen dagegen in unterschiedlichen Fällen zum Einsatz:

1. wenn es für ein präferiertes oder alternatives Szenario einen zweiten wahrscheinlichen Verlauf gibt, z.b. bei einem potenziellen Kursverlauf, der sozusagen über Umwege wie eine deutliche Zwischenkorrektur oder einen vorherigen kurzen Gegentrend erfolgen kann, schließlich jedoch zum selben Zielbereich führt.

2. wenn nach dem Erreichen des Zielbereichs des präferierten Szenarios die Möglichkeit besteht, dass sich dieser Haupttrend nochmals zu einem weiter entfernten Kursziel fortsetzt.

Wie sind Pfeilverlauf und Endpunkt zu interpretieren?

Einer der großen Vorteile der Charttechnik ist die Ableitung von Kurszielen auf der Basis laufender oder abgeschlossener Kursbewegungen. Die Methoden zur Berechnung von Kurszielen sind vielfältig und leiten sich aus unterschiedlichen Herangehensweisen ab. Neben der Beobachtung und Analyse von typischen Marktbewegungen (zb. Kursziele auf Basis von Kursmustern, Widerstands- oder Unterstützungsniveaus), gibt es auch Methoden, die mathematisch an die zugrundeliegende Marktdynamik herangehen (z.b. Fibonacci, Gann, Zyklentheorie, geometrische Muster, Trendlinienmethoden etc.).

In unseren Chartanalysen werden viele dieser Methoden angewandt und das Ergebnis der Analye in den Chart als Pfeil abgetragen. Der Verlauf des Pfeils kann dabei sogar den wahrscheinlichsten Weg des Kurses bis zum Kursziel widerspiegeln, also inklusive zwischengeschalteter Gegenbewegungen oder Seitwärtsphasen. In der Regel geben wir allerdings „nur“ Richtung und Zielbereich mittels des Pfeils an.

Der Zielbereich der Analyse gibt dabei eine Kurszielzone oder einen Kurszielpunkt an, der vom betrachteten Basiswert erreicht werden dürfte und dem anschließend eine signifikante Bewegung in die entgegengesetzte Richtung folgen kann. D.h. auf diesem Niveau ist eine klare Marktreaktion z.B. in Form einer Korrektur zu erwarten, die in Einzelfällen sogar in eine Umkehrung des Haupttrends münden kann (Trendwende). Werden Kurszielbereiche dagegen im weiteren Verlauf direkt und ohne spürbare Pausen über- oder unterschritten, so ist dies ein Zeichen für die Intaktheit des vom Analysten antizipierten Trendverhaltens. Daher arbeiten wir gerade bei mittel- bis langfristige Chartanalysen mit zusätzlichen, weiter entfernten Kurszielen, damit Sie als Leser auch für den Verlauf der kommenden Wochen oder Monate sinnvolle und aussagekräftige Marken an die Hand bekommen, die Sie in Ihre Investmentüberlegungen einfließen lassen können.

Analyseansätze und Zeithorizonte

Grundsätzlich bieten wir in Bezug auf den betrachteten Zeithorizont einer Analyse drei verschiedene Formen an. Chartanalysen ohne weiteren Zusatz in der Überschrift beziehen sich zeitlich in der Regel auf die kommenden Wochen bis 2-3 Monate. Mit (Intraday) gekennzeichnete Analysen behandeln primär kurzfristige Zeitfenster beginnend beim aktuellen Tagesverlauf bis hin zur potenziellen Kursentwicklung der kommenden Handelsstunden über die nächsten 3-5 Tage. „Big Picture“ – Analysen werten dagegen die Kurshistorie der letzten Monate bis Jahre aus und befassen sich entsprechend mit der Kursentwicklung der kommenden 6- 12 Monate. Diese zeitlichen Angaben sind jedoch nur als Richtwerte zu sehen. Zudem nehmen wir in den unterschiedlichen Analysearten auch Bezug zu kurz- bis langfristigen Marken und potenziellen Zielbereichen.

Eine weitere Vorgehensweise, auf die wir einen Schwerpunkt gesetzt haben, ist die Kombination von Charttechnik mit fundamentaler Aktienanalyse. Hier greifen die Vorteile beider Methoden perfekt ineinander: Die fundamentale Unternehmensanalyse fördert zukunftsträchtige, profitable oder günstig bewertete Firmen zutage, die im zweiten Schritt nach charttechnischen Kriterien auf ideale Einstiegsmöglichkeiten und Kurszielbereiche untersucht werden.

Pluralismus und gestalterische Freiheit

Unsere Portale sind damit groß geworden, dass unterschiedliche Persönlichkeiten und Analysemethoden gleichberechtigt und partnerschaftlich ihre Einschätzungen erstellen. Neben der Unterscheidung zwischen fundamentaler oder makroökonomischer Markteinschätzung auf der einen und charttechnischer Analyse auf der anderen Seite, werden Sie als Leser bestimmt schon festgestellt haben, dass wir auch innerhalb der Chartanalyse unterschiedlichste Methoden anwenden, die gleichberechtigt nebeneinander stehen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, denn jede Methode hat ihre Berechtigung und ihre Erfolge vorzuweisen. Zudem reicht unsere Leserschaft vom professionellen Daytrader bis zum langfristigen Investoren. Und für alle sehen wir uns verpflichtet, mit einem breiten Spektrum an Analysemethoden, betrachteten Zeithorizonten und Themen ein interessantes, abwechslungsreiches und lesenswertes Portal zu bieten.

Chartanalyse – Vorteile und Grenzen

Chartanalyse hat zum Ziel, auf Basis der vergangenen Handlungen aller Marktteilnehmer, Einschätzungen oder Signale über den weiteren Verlauf abzuleiten. Die Charttechnik hat sich auf die Beobachtung, Erfassung und Interpretation der komplexen Marktstrukturen und Kursverläufe spezialisiert. Sie versucht diese Komplexität durch Regeln für das Trendverhalten, aber auch durch die Suche nach wiederkehrenden Kursmustern, die Anwendung von technischen Indikatoren oder die Entwicklung von Handelsregeln zu reduzieren. Ihre Stärken liegen im Timing und in der Unabhängigkeit von fundamentalen Rahmenbedingungen.

Hat der nicht-charttechnikaffine Anleger eine Kursentwicklung ausgemacht, die sich von den „logischen“ oder fundamentalen Fakten komplett abkoppelt, kann dieser nur staunend oder mit kritischen Blick zusehen. Die Chartanalyse bewertet den Kursverlauf dagegen nicht unter den Aspekten des Logischen oder Fairen - sie ist neutral. Ihr Erfahrungswissen beschreibt neben moderaten Trend- oder Seitwärtsphasen auch genau die Zeiten der Übertreibung nach oben wie nach unten als völlig normale, wiederkehrende Etappen innerhalb einer Kursentwicklung. Und sie liefert Instrumente, um auch mit Extremsituationen umgehen zu können. Herdentrieb und Aufschaukelungstendenzen sind ihr vertraut, gerade weil sie ein natürlicher, immer wieder auftretender Teil der Börse sind.

Die Grenzen der Chartanalyse liegen insbesondere auf der Zeitachse. Zeitlich eingegrenzte Ziel- oder Wendepunkte zu definieren, erfordert einen großen zusätzlichen methodischen Aufwand und auch die Ergebnisse sind längst nicht so gut zu ermitteln, wie bei Preiszielen. Man muss einfach damit leben, dass manche Kursentwicklungen, für die wir als Analysten auf der Basis der jüngsten Bewegungsgeschwindigkeit des Basiswertes etliche Tage, ggf. Wochen veranschlagt haben, aufgrund externer Faktoren oder starker Trendbeschleunigungen auch binnen weniger Stunden erreicht werden können. Daher sollten unsere Prognosepfeile in den Charts als Richtwert gesehen werden, der die aktuelle Trendstärke und Anstiegs- oder Fallgeschwindigkeit ein Stück weit mit berücksichtigt. Der klare Fokus liegt aber auf den preislichen Entwicklungen und den zugehörigen Ziel- und Wendemarken.

Autor: Thomas May