Der "Commitments of Traders Report" (auch: CoT-Report) wird regelmäßig von der sogenannten Commodity Futures Trading Commission (CFTC) veröffentlicht. Laut CFTC wird dieser seit dem 30. Juni 1962 erstellt, seit 6. Oktober 1992 erscheint der CoT-Report in der heute bekannten Form wöchentlich jeden Freitag um 15.30 Uhr (Eastern Time) bzw. 21:30 Uhr (MEZ) auf der Website der CFTC.

Ziel des CoT-Reports

Der CoT-Report bezieht sich auf die Handelspositionen anzeigepflichtiger Marktteilnehmer in Termingeschäften. Ziel ist es, Transparenz über die Positionen in Form einer Auflistung des Open Interest, also aller offenen Future- und Optionenkontrakte, zu schaffen. Jeden Freitag werden dabei die Bestände veröffentlicht, die Dienstagabend nach Handelsschluss existieren. Somit lassen sich für Händler Aussagen über die "Positionierung" großer Marktteilnehmer erahnen.

Was ist das Open Interest?

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Das Open Interest bezeichnet das Volumen aller offenen Future- bzw. Optionenkontrakte (sog. unbedingte und bedingte Termingeschäfte) der Marktteilnehmer. Dabei ist zu beachten, dass die Summe des Open Interests über alle Marktteilnehmer stets Null ist, da jeder Verkäufer einem Käufer gegenübertritt. Auch wenn dies ein Nullsummenspiel darstellt, kann die Verteilung der Positionen auf verschiedene Marktteilnehmer eine sehr wertvolle Information sein.

Um diese Verteilung darstellen zu können, unterscheidet die CFTC bei ihrem Report zwischen drei wesentlichen Marktakteuren:

  • Commercials
  • Non-Commercials
  • Non-Reportables

Sofern das Open Interest insgesamt ansteigt, bedeutet das ein Anstieg des Handelsvolumens. Analog fällt das Handelsvolumen mit abnehmendem Open Interest.

Die verschiedenen Marktteilnehmer im CoT-Report

Da ein Teil der Terminhändler anzeigepflichtig ist, können die Positionen (bei den älteren Reports) grundsätzlich drei Marktteilnehmern zu geordnet werden. Inzwischen wurden die Kategorien erweitert, dazu weitere Informationen weiter unten unter "erweiterter CoT-Report".

1. Commercials

Commercials (auch "Kommerzielle") beschreibt diejenigen Händler, die an Terminmärkten überwiegend aus Gründen von Absicherungsgeschäften auftreten. Diese bauen also regelmäßig Gegenpositionen auf und sind gemeinhin unter dem Begriff "Hedger" bekannt. Selbstverständlich existiert eine sehr detaillierte Definition über die Commercials seitens des CFTC, die grundsäzlich aus zwei Faktoren besteht: Einerseits muss die gehaltene Position die vorgeschriebene kritische Anzahl an Kontrakten überschreiten, andererseits muss der Marktteilnehmer sich als „Hedger“ deklariert haben.

Beispiel: Commercials sind in erster Linie erzeugende, verarbeitende bzw. produzierende Unternehmen, die sich aufgrund ihrer Abhängigkeit etwa von Rohstoffpreisen am Terminmarkt absichert. Ein Beispiel von vielen könnten Großbauern sein. Wichtig ist hierbei die Intension, dass Commercials ihre Produktionskosten absichern möchten und keine Spekulationen tätigen, also häufig entgegen ihrer Markterwartung Positionen aufbauen.

2. Non-Commercials

Non-Commercials unterscheiden sich von den Commercials darin, dass sie im Wesentlichen einer Gewinnerzielungsabsicht folgen und bestizen eine spekulative Motivation. Non-Commercials sind institutionelle Marktteilnehmer wie etwa Money Manager, die zwar aufgrund ihrer Positionsgröße (in der Regel über 20 Kontrakte) unter die Meldepflicht der CFTC fallen, aber nicht das Kriterium eines „Hedgers“ erfüllen.

Beispiel: Non-Commercials sind in der Regel performanceorientierte institutionelle Händler wie etwa Hedefonds, oder aber solvente Privatinvestoren, die die meldepflichtigen Mindestkriterien erfüllen.

3. Non-Reportables

Definitionsgemäß handelt es sich bei den Non-Reportables um die Differenz aus Open Interest und den anzeigepflichtigen Positionen - eben weil bei den Non-Reportables keine Meldepflicht besteht. Somit verstecken sich hinter diesem Begriff überwiegend kleine und individuelle Marktteilnehmer.

Beispiel: Unter diese Kategorie fallen größtenteils Privatanleger. Aufgrund mangelnder Positionsgrößen und der Tatsache, dass diese oftmals verspätet in Trends einsteigen, werden sie umgangssprachlich auch als "Dumb Money" bezeichnet.

Verwendung des CoT-Reports

Der CoT-Report kann nun entscheidende Einblicke in die Positionen der verschiedenen Marktteilnehmer geben. Da die Summe der Positionen jedoch stets Null ergeben muss, steht die Frage im Raum, welche der drei Teilnehmer genauer berücksichtigt werden sollte. Hier liegt ein verbreiteter Ansatz darin, dem "Smart Money" zu folgen bzw. zumindest Handelspositionen entgegen der Positionen des Smart Moneys zu vermeiden. Als Smart Money werden nach herrschender Meinung die Commercials angesehen. Hier hat man es mit Profis in der jeweiligen Assetklasse zu tun, die über eine hohe Kaufkraft verfügen. Sollte beispielsweise ein Unternehmen, dass große Mengen Zucker für die Produktion benötigt, sich auffällig intensiv gegen fallende Kurse absichern, so ist es wahrscheinlich, dass dieses von fallenden Kursen ausgeht. Dazu im Folgenden ein Beispiel.

Commercials als Indikator für Trendwechsel

Ein gängiges Beispiel, den CoT-Report in die eigene Prognosen einzuarbeiten, ist die Berücksichtigung der Nettopositionen der Commercials (dargestellt als blaue Linie unterhalb des Kursverlaufes). Im folgenden Beispiel ist ein Zuckerfuture zu sehen, darunter befindet sich der Verlauf der Nettopositionen der drei Marktteilnehmer. Das geschulte Auge erkennt sofort, dass die Positionen insgesamt Null ergeben müssen und somit die Kurven stets gegenseitig verlaufen. In der Regel nehmen Non-Commercials und Non-Reportables die Gegenpositionen der Commercials ein.

Der Ansatz besteht nun darin, große Veränderungen der Hedgingpositionen der Commercials auszumachen, daraus Handelstaktiken abzuleiten und mit anderen Methoden wie etwa der technischen Analyse anzureichern. So ist im Zuckerfuture zu sehen, dass die Verkaufspositionen der Commercials von Mai 2012 bis Ende Juni 2012 drastisch abgebaut wurden (auch wenn per Saldo nach wie vor ein geringer Verkaufsbestand zu Buche stand). Gleichzeitig nahm auch das Open Interest ab (alle drei Linien nähern sich der Null Linie). Dies ist ein Indiz dafür, dass die vorangegangene Abwärtsbewegung mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Ende findet und in einen Seitwärtsmarkt mündet. Ein frühes Anzeichen für eine bevorstehende Gegenbewegung.

Auch zum Ausstieg eignet sich der Verlauf der Nettopositionen der Commercials: Ab Anfang Juli nahmen die Verkaufspositionen der Commercials wieder zu. Die Wahrscheinlichkeit für eine Gegenbewegung wird so zumindest höher und eigene bestehende Positionen können bei Bedarf verringert oder glattgestellt werden.

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CoT-Report im Zeitverlauf am Beispiel von Zucker · Quelle: timingcharts.com

Der CoT-Index

Besonders beliebt für die Verwendung beim Handel ist auch der CoT-Index. Dieser setzt die jeweiligen Nettopositionen der drei Marktteilnehmer ins Verhältnis zum Höchst- bzw. Tiefstand einer (selbst gewählten) vorangegangenen Periode. Somit entsteht ein Oszillator, der zwischen zwei Extrembereichen und um eine Nulllinie herum schwankt.

Hier wird die Bestandsänderung, auf die im vorherigen Chart eingegangen wurde, noch deutlicher. Die ersten beiden roten Boxen zeigen einen hohen Abbau der Verkaufspositionen (unten) bzw. den dazugehörigen Kursverlauf (oben). Die zweiten roten Boxen zeigen, wie die Nulllinie durchkreuzt wurde und wieder zunehmend Verkaufspositionen aufgebaut wurden (unten) und wie der Kursverlauf in diesem Bereich ein Top ausbildet (oben). Auch hier können diese Informationen wieder als Indikator in den eigenen Handel miteinfließen.

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CoT-Index im Zeitverlauf am Beispiel von Zucker · Quelle: timingcharts.com

Letztlich gibt es kein einheitliches Muster bzw. eine eindeutige Anleitung, wie man den CoT-Report bzw. den daraus abgeleiteten CoT-Index verwendet und die obigen Beispiele sind nur ein Teil der Möglichkeiten. Jeder Markt tickt letztlich anders. Grundsätzlich gilt jedoch: Gerade für mittel- bis langfristige Investoren kann es sich lohnen, die einzelnen Basiswerte genau im Bezug auf die Positionierung von bedeutenden Marktteilnehmern zu untersuchen um größere Umschichtungen erkennen zu können.

Der erweiterte CoT-Report seit 2009 

Seit dem Jahr 2009 wird der bisherige Report um einen erweiterten CoT-Report ergänzt, der sich auf 22 Rohstoffmärkte bezieht und die Transparenz über die Positionen der Marktakteure ergänzt. Die verschiedenen Teilnehmer und der Bezug zum bisherigen Report ist hier aufgelistet:

  • Producer, Merchant, Processor, User (Commercials)
  • Swap Dea­ler (Commercials)
  • Money Mana­ger (Non-Commercials)
  • Andere Mel­de­pflich­tige bzw. Other Reportables (Non-Commercials)
  • Nicht Mel­de­pflich­tige (Non Reportable)

Nachteile

Durch die Charaktereigenschaften des Reports lassen sich einige Nachteile ableiten, die zumindest berücksichtigt werden sollten.

  • Nur Terminkontrakte
    Der CoT-Report bezieht sich wie erwähnt nur auf Termingeschäfte (Optionen und Futures) und lässt sich bspw. auf einzelne Aktien nicht oder nur sehr indirekt anwenden. Im Bereich von Währungen, Rohstoffen oder aber auch auf Indizes bezogen ist der CoT-Report aber eine durchaus nutzbare Information.
  • US-Bezug
    Kritisch zu sehen ist, dass sich der CoT-Report ausschließlich auf die in den USA gehandelten Terminkontrakte bezieht und somit nur einen Bruchteil der Gesamtpositionen ausmacht. Als Indikator kann der Report jedoch sicherlich trotzdem taugen.
  • Wöchentliche Veröffentlichung
    Ein weiterer Nachteil ist die nur wöchentliche Veröffentlichung der Daten. So ist der Report überwiegend für lang- und mittelfristige Investoren geeignet. Daytrader werden den Report höchstens als Indikator für die institutionelle Grundstimmung verwenden können.

Wie komme ich an die CoT-Daten?

Die Datensätze des CoT-Reports können kostenlos von der Website des CFTC heruntergeladen werden: CFTC-Daten. Dabei ist zu beachten, dass stets zwei Alterativen angeboten werden. Erstens die reinen Handelspositionen der Futurekontrakte sowie als weitere Alternative zusätzlich auch die Optionenkontrakte. Letztere Version ist bei Investoren beliebter, da sie einen umfassenderen Indikator über die Stimmung der verschiedenen Marktteilnehmer darstellen. Ebenfalls empfehlenswert sind die historischen Daten, mit denen der Verlauf der CoT-Reports über viele Jahre dargestellt werden kann.

Unser Tipp: Auf der Investment- und Analyseplattform Guidants können Sie sich die CoT-Positionen zu den wichtigsten Basiswerten anzeigen lassen! Das CoT-Widget fasst den wöchentlich erscheinenden Commitment of Traders-Report zusammen und verschafft somit einen klaren Überblick über das „Open Interest“. Sehen Sie mit dem CoT-Widget, wie Commercials, Non-Commercials und Non-Reportables auf Rohstoffe, Währungen und Indizes gehandelt haben und schätzen Sie so deren Positionierung im Markt ein.