Trends und Investoren sind die besten Freunde. Kein Wunder, denn schließlich können Trends lange anhalten und Investoren so hohe Renditen bescheren. Kein Trend aber hält ewig. Früher oder später kommt es zu Konsolidierungen, Korrekturen, scharfen Kurseinbrüchen, oder gar großen Abwärtstrends. Die Frage ist nur wann!

    Übertreibungen messen

    Eine Möglichkeit den laufenden Trendfortschritt zu beschreiben, liegt in der Möglichkeit, den Abstand des aktuellen Kurses von seinem mittel/längerfristigen Durchschnitt zu messen. Ein viel beachteter Durchschnitt ist der EMA(200) und mit unserem Guidants-Screener haben Sie die Möglichkeit, den Markt in Sekundenschnelle genau nach diesem Kriterium zu durchforsten. Abbildung 1 zeigt die deutschen Aktien, die im gestrigen Handel den größten Abstand zu diesem Durchschnitt vorwiesen.

    Crashs-erkennen-Wann-sind-die-temporär-Kurse-zu-weit-gelaufen-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-1

    Wann ist eine Aktie zu teuer?

    ANZEIGE

    Unschwer zu erkennen ist, dass die Bandbreite des Abstands zum gleitenden Durchschnitt sehr groß ist. Eine Siltronic notiert 74,21 % über diesem, eine Deutsche Bank lediglich 15,92 %. Die Unterschiede sind gewaltig und es stellt sich die Frage, ab welcher prozentualen Abweichung von einer Übertreibung gesprochen werden kann.

    Allein der Blick auf Abbildung 1 lässt vermuten, dass es eine pauschale Antwort auf diese Frage, die für alle Aktien gleichermaßen gilt, wahrscheinlich nicht geben wird. Vorstellbar wäre eine Differenzierung zwischen Wachstumsaktien und Valueaktien, wobei erstere größere Abstände aufweisen dürften. Der Dax zeigt seine Schwelle beispielsweise um 12-18 %, während im MDax häufiger höhere Werte zu finden sind (siehe Abb. 2+3).

    Crashs-erkennen-Wann-sind-die-temporär-Kurse-zu-weit-gelaufen-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-2

    Crashs-erkennen-Wann-sind-die-temporär-Kurse-zu-weit-gelaufen-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-3

    Keine halben Sachen

    Eine weitere Möglichkeit bestünde darin, jede Aktie individuell zu behandeln. Ausgangspunkt der eigenen Researchtätigkeit können die gefundenen Schwellenwerte sein, so das der Screener beispielsweise mit einem Abstandsfilter von über 15 % eingestellt wird, um in einem ersten Schritt das große Aktienuniversum überschaubar zu machen. Im zweiten Schritt können die gefundenen Aktien individuell unter die Lupe genommen werden.

    Die zentrale Frage hierbei ist, wo in dieser in der Vergangenheit die potentiellen Schwellenwerte lagen. Dazu ist der Abstand des Kurses zum gleitenden Durchschnitt als Indikator nötig. Eine Option die bald auch im Guidants möglich darstellbar sein wird, hier möchte ich jedoch nicht zu viel verraten. Deshalb anbei ein paar Impressionen bezüglich der Dax-Aktien, um ein Gespür zu bekommen. Zudem unterstreichen die Grafiken nochmals den zyklischen Charakter des Abstands zum gleitenden Durchschnitt.

    Adidas

    Crashs-erkennen-Wann-sind-die-temporär-Kurse-zu-weit-gelaufen-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-4

    BMW

    Crashs-erkennen-Wann-sind-die-temporär-Kurse-zu-weit-gelaufen-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-5

    Commerzbank

    Crashs-erkennen-Wann-sind-die-temporär-Kurse-zu-weit-gelaufen-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-6

    Deutsche Bank

    Crashs-erkennen-Wann-sind-die-temporär-Kurse-zu-weit-gelaufen-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-7

    Linde

    Crashs-erkennen-Wann-sind-die-temporär-Kurse-zu-weit-gelaufen-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-8

    Abschließend noch eine zusammenfassende Darstellung der DAX-Aktien. Zwar können in dieser die Schwellenwerte nicht abgelesen werden, aber sie zeigt, dass die Zyklik sich durch alle DAX-Aktien zieht.

    Crashs-erkennen-Wann-sind-die-temporär-Kurse-zu-weit-gelaufen-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-9

    Zusammenfassung

    Trends sind eine feine Sache, aber kein Trend hält ewig. Vor diesem Hintergrund macht es Sinn, sich über die Frage Gedanken zu machen, ob eine Aktie nicht bereits zu weit gelaufen ist. Schließlich möchte man die im Trend angehäuften Gewinne weitestgehend gerne behalten bzw. nicht der "letzte Depp sein", der einsteigt.

    Mit der Abstandsmessung des aktuellen Kurses zum gleitenden Durchschnitt haben wir eine Möglichkeit beschrieben, Übertreibungsphasen auf die Schliche zu kommen. Diese Methodik ist keine mathematisch exakte Wissenschaft, gibt uns aber einen ersten Hinweis. Dieser ließe sich mit weiteren Filtern ausbauen, um so den Ausstieg und/oder eine Shortposition zu timen. Zudem kann er helfen, neue Engagements in bereits zu weit gelaufenen Aktien zu vermeiden.

    Neben einer Analyse der weiteren Filtermaßnahmen bestünde eine Erweiterung des Konzepts darin, andere Trendlängen zu unter die Lupe zu nehmen. Mit dem EMA200 wurden eher mittel-/längerfristige Trends beschrieben. Über die Wahl der Periodenlänge des gleitenden Durchschnitts lassen sich jedoch unterschiedliche Trends abbilden und analysieren.

    Viel Erfolg

    René Berteit

    Wenn Sie sich für Trading-Know-how im Allgemeinen und kurzfristigen Handel im Speziellen interessieren sind Sie bei mir genau richtig. Folgen Sie mir auf Guidants!