Gibt es eine Anlagephilosophie, mit der man in allen Marktphasen gute, möglichst positive Renditen erwarten kann? Ray Dalio, Gründer der weltgrößten Hedgefondsgesellschaft Bridgewater Associates, hat sich diese Frage in den 1990er Jahren gestellt - und die "All Weather"-Strategie entwickelt, die genau das ermöglichen soll. Das Konzept entwickelte Dalio eigenen Aussagen zufolge zunächst für seine eigene Familienstiftung, um das Kapital möglichst risikoarm und gleichzeitig mit guter Renditeentwicklung anzulegen. Seit dem Jahr 1996 wird die Strategie im "All Weather Fund" von Bridgewater Associates auch für Kunden umgesetzt.

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Ausgangspunkt der neuen Strategie war die Beobachtung, dass es für alle Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe besondere Marktphasen gibt, in denen sie sich entweder gut oder schlecht entwickeln. Dalio definierte vier Marktphasen, die sich jeweils durch steigendes bzw. fallendes Wachstum und durch steigende bzw. fallende Inflation auszeichnen.

Für jede dieser Marktphasen analysierte Dalio, welche Anlageklassen sich typischerweise durch eine positive Wertentwicklung auszeichnen und ging dabei nach eigenen Aussagen "Jahrhunderte" zurück. Das Ergebnis zeigt die folgende Grafik. Sie gibt für jede der vier Marktphasen an, welche Anlageklassen sich durch eine positive Wertentwicklung auszeichnen.

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Die neue Idee von Dalio war nun, diese Anlageklassen nicht anhand der erwarteten Rendite, sondern anhand ihres Risikos zu gewichten. Dabei ging Dalio sehr einfach vor: Für jede der vier Marktphasen und die in ihnen gut performenden Anlageklassen sah Dalio ein Risiko von 25 Prozent vor. Die pro Sektor enthaltenen Wertpapiere sollten also immer jeweils 25 Prozent zur Schwankungsintensität des Gesamtportfolios beitragen.

Mit seiner Idee, nicht die erwarteten Renditen, sondern das Verlustrisiko zu betrachten, war Dalio die Inspirationsquelle für zahlreiche Strategien, die unter der Bezeichnung "Risk Parity" zusammengefasst werden. Gemeinsamer Nenner als dieser Strategien ist es, dass sich die Gewichtung unterschiedlicher Anlageklassen nach ihrem Risiko, das sie zum Gesamtportfolio beitragen, richtet. Steigt die Volatilität (und damit das Risiko) einer bestimmten Anlageklasse an, so wird diese schwächer gewichtet. Sinkt die Volatilität (und damit das Verlustrisiko), wird die entsprechende Anlageklassen höher gewichtet. Durch ein regelmäßiges Rebalancing wird die Gewichtung der einzelnen Anlageklassen der Zielgewichtung angepasst.

Wie der "All Weather Fund" von Bridgewater Associates das Risiko genau bestimmt und die einzelnen Anlageklassen gewichtet, ist nicht im Detail bekannt. Um das Risiko anzupassen, kann Bridgewater Associates auch einen Hebel einsetzen und so zum Beispiel Staatsanleihen, die von Natur aus eine geringere Renditeerwartung als Aktien haben, hebeln, um so ein vergleichbares Risiko- und Renditeprofil wie bei Aktien zu erreichen. Auch das ist typisch für die von Dalio inspirierten Risk-Parity-Strategien.

Eine stark vereinfachte Version des "All Weather Portfolios" hat Tony Robbins in seinem Buch "Money – Master the Game" populär gemacht (und es dort als "All Seasons Portfolio" bezeichnet). Nach dem Ansatz von Robbins wird das Kapital (und nicht das Risiko!) des Anlegers einfach konstant nach folgendem Schema auf unterschiedliche Anlageklassen verteilt:

  • 30 % Aktien
  • 40 % langlaufende Staatsanleihen
  • 15 % mittelfristige Staatsanleihen
  • 7,5 % Gold
  • 7,5 % andere Rohstoffe

Die Umsetzung von Tony Robbings verzichtet auf die variable Gewichtung der unterschiedlichen Anlageklassen nach ihrer Volatilität, was gerade kennzeichnend für die Risk-Parity-Strategien ist. Stattdessen dient einfach die langfristige Schwankungsintensität als Grundlage der Gewichtung. Staatsanleihen sind in dem Depot deutlich höher gewichtet als Aktien, weil sie eine geringere Volatilität haben. Die Strategie lässt sich sehr einfach zum Beispiel mit passenden ETFs umsetzen. Einmal im Jahr muss ein Rebalancing durchgeführt werden, um die einzelnen Positionen wieder auf ihre Ausgangsgewichtung zurück zu setzen.

Nach einer Auswertung von "Portfolio Architect" schneidet die stark vereinfachte Version des Portfolios im langfristigen Backtest sehr positiv ab. Aus 100 Dollar wären von 1973 bis Ende 2016 demnach ganze 4.700 Dollar geworden. Dies entspricht einer Rendite von immerhin rund 8,5 Prozent pro Jahr. Das besondere Merkmal der Strategie war aber, dass es nur sehr geringe Drawdowns gab. Anders als bei einer reinen Aktienanlage mussten Anleger also nicht zwischenzeitlich mit deutlichen Wertverlusten rechnen. Im Vergleich zu einer reinen Aktienanlage schnitt das "All Seasons Portfolio" wegen der nur sehr geringen Drawdowns risikobereinigt also deutlich besser ab.

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Allerdings war die Phase seit 1980 von stark fallenden Zinsen geprägt, was insbesondere bei Aktien und Staatsanleihen zeitweise zu einer stark überdurchschnittlichen Wertentwicklung geführt hat. Ob sich die Strategie in Zeiten steigender Zinsen ähnlich gut schlagen wird, dürfte zumindest fraglich sein.


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