Die Grundidee meines „TA-Ratings“ (TA steht für Technische Analyse) ist das Prinzip der Trendfolge. Wie ich schon im Artikel: Let's see what works: Trading nach Trendfolge beschrieben habe, ist es „sicherer“ (oder mit den Worten Charlie Mungers „less stupid“) sich mit der aktuellen Marktbewegung zu positionieren, statt gegen sie.

    „Long“ oder „Short“: wie ist denn der aktuelle Trend gerade?

    Was sich eigentlich recht einfach anhört, ist in der Praxis oft gar nicht so klar und vor allem objektiv zu bestimmen. Das Problem sind die unterschiedlichen Zeitebenen, in denen ich mir Märkte anschauen kann.

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    Bei Dr. Alexander Elder habe ich die „Triple Screen Strategy“ kennengelernt. Alexander Elder hat das Problem, das schon Charles Dow („Dow Theory“) mit der Unterteilung eines Trends in einen „Major trend“, einen „Intermediate (secondary) trend“ und den „Short-term trend“ definiert hatte, gelöst, indem Elder alle Zeitebenen in ein Handelsmodell integriert hat. Dieser Ansatz bewährt sich bis heute, da Trader mit diesem Ansatz ihre Handelsentscheidungen in Abhängigkeit von mindestens zwei, am besten drei Zeitebenen treffen und damit immer automatisch mit dem allgemeinen Markttrend handeln.

    Im „TA-Rating“ analysiere ich ebenfalls drei Zeiteinheiten: den Wochen-, Tages- und Stundenchart.

    Ich vergebe jeweils einen Punkt, wenn der Indikator ein Kaufsignal anzeigt und null Punkte, wenn der Indikator auf Verkaufen steht. In Summe kann ein Aktienindex 15 Gesamtpunkte erreichen, was ein sehr starkes Kaufsignal anzeigen würde. Andererseits würden 0 Punkte in Summe ein klares Verkaufssignal indizieren.

    Als Indikatoren nutze ich (jeweils für jede Zeitebene):

    1. Schlusskurs > EMA (200, 100 und 50 Perioden)
    2. Schlusskurs > PSAR-Indikator
    3. Histogramm des MACD-Indikators > 0-Linie.

    Ist die Bedingung erfüllt, gibt es einen Punkt. Wenn nicht null Punkte.

    Das Ergebnis unterteile ich dann in

    1. Long (Gesamtsumme ist größer oder gleich 10 Punkte)
    2. Short (Gesamtsumme ist kleiner oder gleich 5 Punkte)
    3. Neutral (Gesamtsumme ist größer 5 Punkte und kleiner 10 Punkte).

    Die Auswahl der Indikatoren und die Definition der Signalparameter ist von mir persönlich gewählt. Man kann diesen Prozess um andere Indikatoren erweitern, komplexer oder einfacher gestalten. Der Fantasie sind (wie immer) keine Grenzen gesetzt.

    Denkt man diese Idee weiter, dann lassen sich die Aussagen der jeweiligen Aktienindizes zu einer Gesamtbetrachtung zusammenziehen.

    Im Ergebnis erhalte ich ein „Trendbarometer“, wie es um die technische Verfassung des globalen Aktienmarktes bestellt ist.

    In Summe können die von mir ausgewählten Aktienindizes 105 Gesamtpunkte erreichen. Ich unterteile das Gesamtergebnis wieder in

    1. Long (Gesamtsumme ist größer oder gleich 70 Punkte)
    2. Short (Gesamtsumme ist kleiner oder gleich 35 Punkte)
    3. Neutral (Gesamtsumme ist größer 35 Punkte und kleiner 70 Punkte).

    Mit einer quantifizierten Risikobetrachtung des Marktes lassen sich durchaus interessante Trading-Chancen ableiten, wie wir gleich noch im Anschluss in einem Einzelbeispiel durchsprechen werden.

    In jedem Fall lässt aber mit dem „TA-Rating“ sehr genau sagen, welche Positionierung ich aus Chance-Risiko-Gründen nicht eingehen sollte.

    Dazu weiterlesen: Über Geduld und das Nicht-Trading

    DAX – Analyse nach dem TA-Rating

    Der DAX (12.167,94 -0,11 %) bekommt in der Einzelanalyse 11 von 15 Gesamtpunkten.

    Im Wochenchart handelt der DAX derzeit noch über allen EMA-Durchschnitten. Erst ein Rückfall per Wochenschluss unter 11.830 Punkte (EMA-50-Linie) würde hier Punktabzug bringen.

    Im Tageschart sieht die Lage schon etwas gefährlicher aus. Spätestens wenn der DAX unter die EMA-200-Tagelinie bei 11.960 Punkten fallen sollte, dürfte sich das Blatt in der Gesamtbewertung wenden. Derzeit unterstützen der frühzeitig gedrehte PSAR- und MACD-Indikator die Erholung. Dies gilt, solange die Kurse über 12.009 Punkte (PSAR-Linie) bleiben.

    Im Stundenchart beginnt der kurzfristige Aufwärtstrend bereits zu bröckeln. Sollte es unter die EMA-Durchschnitte bei 12.171 – 12.186 Punkten im Tagesverlauf fallen, sind die Chancen für eine weitere Erholung vertan.

    Der DAX weist in Summe eine „Long“-Indikation aus.

    Damit gibt es keine Garantie für weiter steigende Kurse (denn Trendsfolgerindikatoren sind immer nur eine durchschnittliche Aufzeichnung der Vergangenheit), aber es signalisiert, wo derzeit noch die besseren Chancen liegen könnten.

    Mit Hilfe der TA-Kursziele-Tabelle ließe sich ein kurzfristiges Ziel bei 12.302 und 12.343 Punkten bestimmen. Hier sind vor allem Überkreuzungen von Widerständen interessant, wie wir sie auch in höheren Zeitebenen beim Dow Jones (22193 und 22223 Punkte) oder S&P 500 Index (2498 und 2500 Punkte) finden. (1)

    Bewertung des globalen Aktienmarktes nach dem TA-Rating

    Schaut man sich das technische Gesamtbild aller hier analysierten Aktienindizes an, dann ist zu erkennen, dass die seit Mai/Juni 2017 laufende Konsolidierung in eine spannende Phase gekommen ist.

    Mit 64 Punkten ist der Gesamtmarkt zwar noch weit entfernt von einem großen Short-Signal (unterhalb von 35 Punkten), aber die Tage der Sorglosigkeit aus dem ersten Halbjahr sind wohl definitiv vorbei. Der Nikkei ist bereits in die Short-Lage geraten und der DAX dürfte ihm unterhalb der oben genannten Kursmarken folgen.

    Bis dahin ist es für mittelfristige Warnungen oder gar „Crash-Prognosen“ aber noch zu früh.

    Viele Grüße
    Jakob Penndorf

    (1) Als "Kurszielindikator" verwende ich die Bollinger-Bänder in ihrer Standardeinstellung mit 20 Perioden.