Als Anleger wissen Sie vielleicht, dass der Deutsche Aktienindex jährlich ca. 7,68 % zulegt. Dabei spielt es bei dieser Durchschnittsbildung keine Rolle, wann Sie einsteigen. Der Mittelwert errechnet sich aus der Summe aller Handelstage über die letzten knapp 18 Jahre. Verantwortlich für diese Performance dürften sowohl Kursgewinne, als natürlich auch Dividendenzahlungen sein. Dies ist eine Besonderheit unseres Dax, denn im Gegensatz zu seinen US-Kollegen handelt es sich bei diesen um einen Performanceindex. Hier werden, anders als beispielsweise im Dow Jones, die Dividenden reinvestiert.

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Angesichts dieser Performance dürfte klar sein, warum das Investieren so beliebt ist. Man hat, sofern kein Zeitdruck besteht, große Chancen am Ende zu den Gewinnern zu zählen – selbst wenn man vom Timing her sehr ungünstig einsteigt. Kombiniert man sein Investment noch mit gestaffelten Einstiegen, dürfte einer netten Rendite nichts im Wege stehen.

Plan 1 – Der faule Investor!

Wenn es ihnen darum geht, langfristig eine gute Chance auf einen Gewinn zu haben, während Sie gleichzeitig bereit sind, einige Schwankungen in Ihrem Konto auf sich zu nehmen und parallel dazu nicht unter Zeitdruck leiden, dann dürfte das klassische Investment eine interessante Strategie für Sie sein. Setzen wir diese Grundidee in Indizes um und kombinieren diese mit gestaffelten Käufen, schlagen wir gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Wir machen uns unabhängig vom Einstiegskurs (Timing), mischen unseren Kurs, nutzen die langfristig positive Statistik im Aktienbereich und den Portfolio-Effekt, da wir in einen Index bestehend aus vielen Einzelwerten investieren. Setzen wir das ganze in einem Sparplan auf kostengünstige Produkte um, verdient man sein Geld wirklich fast im Schlaf.

Genug ist nicht genug!

Wir wären aber nicht wer wir sind, wenn wir uns mit dem zufrieden geben, was auf relativ einfachem Wege erreichbar ist. Der Wunsch nach mehr wird umso stärker, umso eher einem auch bessere Angebote gemacht werden und davon hat die Börse mehr als genug! Mit einer Durchschnittsrendite von 7,68 % im Jahr könnten wir mit Plan 1 ein ordentliches Vermögen über die Zeit anhäufen. Sofern man sich jedoch mit dem Thema Börse intensiver beschäftigt, werden einem die Chancen quasi täglich unter die Nase gerieben (siehe Abb: Wahrscheinlichkeit eines Gewinns…)

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Abb1: Wahrscheinlichkeit eines Gewinns...

Wie die obige Abbildung zeigt, schwanken die jährlichen Renditen zum Teil extrem. Der Durchschnitt mag zwar bei 7,68 % im Jahr liegen, die höchsten Einzelwahrscheinlichkeiten treten jedoch bei Gewinnen größer 15 % und kleiner/gleich 25 % auf. Das weckt natürlich begehrliche Interessen, denn schließlich sind diese Renditechancen zum Teil dreimal so groß wie der Durchschnitt.

Sollten Sie also einmal aufgefordert werden, ein Kursziel für die nächsten 250 Handelstage im Deutschen Aktienindex auszugeben, wobei Sie einen Spielraum von 5 % haben, dann sollten Sie auf ein Ziel zwischen 20 und 25 % setzen. Sie werden zwar in nur 14,7 % der Fälle Recht haben, das ist aber immer noch der Topwert über die letzten Jahre. Mit allen anderen Schätzungen, so die obige Grafik, liegen sie noch schlechter.

Tauchen wir weiter in die Performance-Statistik ein!

Bisher haben wir feststellen können, dass es im Dax eine statistische Wahrscheinlichkeit gibt, in 250 Handelstagen knapp 8 % zu gewinnen. Wie wir an der Verteilung der jährlichen Renditen jedoch sehen können, schwankt die tatsächliche Performance deutlich. Die höchste Einzelwahrscheinlichkeit haben wir zwischen 20 und 25 %, im Minimum mussten jedoch auch fast 60 % Verluste in Kauf genommen werden. Bei perfektem Timing konnte man im Maximum eine Rendite von 88 % realisieren. Spätestens jetzt wird deutlich, wie oberflächlich die durchschnittliche Betrachtung ist. Sie wird einfach von den zum Teil großen Ausreißern zu stark beeinflusst.

Neben der höchsten Einzelwahrscheinlichkeit dürfte uns Trader/Investoren eine weitere Kennzahl viel mehr interessieren. Eine Einzelwahrscheinlichkeit stellt lediglich die Chance da, in einem Jahr genau in der anvisierten Zielzone zu landen. Uns interessiert aber oft die Zielzone, die wahrscheinlich im Minimum erreicht wird.

Für den Deutschen Aktienindex liegt diese Zielzone über die letzten 18 Jahre bei 13,93 %. D.h. das 50 % aller Performancewerte liegen unter und 50 % über 13,93 % liegen. Wenn Sie also gerne Recht haben und nicht auf die extreme spekulieren, sollten Sie zukünftige Jahresziele bis maximal 13,93 % ausgeben. In der Mehrzahl der Fälle werden Sie Recht haben.

Die folgende Abbildung gibt Ihnen einen Überblick darüber, wie die sogenannten kumulierten Wahrscheinlichkeiten für den Deutschen Aktienindex aussehen.

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Die Grafik sagt aus, wie groß die Wahrscheinlichkeit dafür ist, dass der Dax in250 Handelstagen mindestens die auf der X-Achse angegebene Performance überschreitet. Auf der X-Achse ist also die Rendite und auf der Y-Achse die Wahrscheinlichkeit angegeben. Gehen wir auf der X-Achse zum Wert 25, können wir an der Y-Achse eine Wahrscheinlichkeit von knapp 20 % ablesen, dass der Kurs des Dax in 250 Handelstagen mindestens 25 % über dem aktuellen liegt. Geben Sie eine Schätzung von 5 % als Kursziel aus, liegen Sie in 63,3 % der Fälle richtig.

Plan 2 – Mit Timing ist einiges möglich!

Die Verteilung der Renditen im Deutschen Aktienindex zeigt, warum die gesamte Industrie so viele Anstrengungen unternimmt, das Timing beim Investment zu verbessern. Die Durchschnittsrendite von 7,68 % kann deutlich übertroffen werden. Unausweichlich ist nach dieser Erkenntnis natürlich die Frage, wie ein solches Timing aussehen kann.

An dieser Stelle möchte ich keine konkrete Strategie vorstellen. Tests dieser Art finden Sie von mir auf dem Godmode-Trader eine ganze Menge (siehe hier). Eine kleine Grafik habe ich jedoch noch für Sie.

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In der obigen Abbildung sehen Sie in blau noch einmal die grundlegenden Einzelwahrscheinlichkeiten, wie wir sie schon eingangs ermittelt haben. In Orange sind nun ebenfalls die Einzelwahrscheinlichkeiten für das Erreichen eines Gewinns von X % in 250 Handelstagen abgebildet, jedoch unter der Maßgabe, dass der Dax rückwirkend bereits zwischen 10 und 20 % zugelegt hat. Dieser zusätzliche Filter bedeutet im Grunde nichts anderes, als dass ich erst dann aktiv werde, wenn sich der Dax im vergangenen Jahr bereits gut entwickelt hat und eine Performance zwischen 10 und 20 % vorweist.

Wenn der Trend schon gelaufen ist, liegt natürlich die Vermutung nahe, dass wir im nächsten Jahr eine vielleicht nicht ganz so gute Performance erzielen. Tatsächlich sehen wir in der orangenen Darstellung eine Linksverschiebung der Einzelwahrscheinlichkeiten. Die Grafik unterstützt also die Aussage, mit fortschreitendem Trend vorsichtiger sein zu müssen. Das Timing wird zunehmend wichtiger, ansonsten läuft man Gefahr, ein Jahr später vielleicht sogar im Minus zu stehen.

Spannend fand ich jedoch auch die Erkenntnis, dass zumindest mit Blick auf die letzten 18 Jahre die höchsten Einzelwahrscheinlichkeiten immer noch zwischen 15 und 25 % liegen. Insgesamt erfährt die Verteilung zwar einen Linksruck, Spitzenrenditen sind aber selbst bei Einstiegen inmitten eines Bullenmarktes noch möglich. So ganz unkritisch sollte man aber - und das zeigt die Grafik - der Börsenweisheit „the trend is your friend“ nicht blind folgen.

Zusammenfassung

Abseits großer Details haben wir heute einen Blick auf grundlegende Statistiken im Deutschen Aktienindex geworfen. Was können wir erwarten, wenn wir an einem beliebigen Tag den Index kaufen und ca. ein Jahr später wieder verkaufen? Wie hoch ist die durchschnittliche Rendite und wie stark schwankt diese im Zeitablauf? Lohnt sich das Timing?

Wir konnten festhalten, dass die größte Einzelwahrscheinlichkeit für einen Gewinn zwischen 15 und 25 % liegt, während durchschnittlich knapp 8 % möglich sind. Sollte der Index im vergangenen Jahr schon gut gelaufen sein, steigt das Risiko für Investoren etwas an. Entsprechend lukrativ wird es, seine Engagements zu timen. Gelingt dies, können deutlich größere Renditen als der Durchschnitt realisiert werden. Die Schwankungsbreiten sind extrem, leider aber in beide Richtungen. Die wirklich absoluten Pechvögel mussten Kursverluste von fast 60 % in einem Jahr hinnehmen. Glücklicherweise bedarf es nur ausreichend Zeit und Sitzfleisch, um selbst daraus noch ein Gewinn zu machen. Ebenfalls klar dürfte geworden sein, dass bei gutem Timing zwar starke Renditen möglich sind, aber Mega-Performance im dreistelligen Bereich die Ausnahme ist. Im DAX kam diese bezogen auf ein Jahr in diesem Jahrtausend noch nicht vor. Die Wahrscheinlichkeit für eine Rendite von mindestens 50 % liegt bei nur 1,1 %.

Viel Erfolg

Rene Berteit