Im Trading geht es darum, Gewinne zu erwirtschaften und angesichts der Tatsache, dass viele Trader daran scheitern, könnte man schnell zur Zielstellung übergehen: Hauptsache im Gewinn! Natürlich sind Gewinne im Trading eine feine Sache, aber täglich 8 Stunden wie ein Wilder zu handeln, nur um dann leidlich Jahr für Jahr ein paar Gewinne zu erzielen, kann es ja nicht sein. Es gilt nicht nur, im Gewinn zu „traden“, sondern letztlich auch den „Markt zu schlagen“.

    Eine einfach erscheinende Aufgabe, an der jedoch viele Handelsansätze scheitern. Wenn Sie meine Beiträge auf Godmode verfolgen, dürfte diese Erkenntnis für Sie nicht neu sein. Selbst Tradingstrategien, die von erfolgreichen Tradern genutzt werden, können einer systematischen Analyse oft nicht befriedigend genug standhalten. Dies zeigt, wie groß der „persönliche“ Anteil am Erfolg im Trading sein kann.

    Aber gut, dies ist eine andere Baustelle. Kommen wir zurück zur ursprünglichen Frage: wie lässt sich der Markt „schlagen“?

    Dazu muss zunächst klar definiert werden, was es heißt, „den Markt zu schlagen“. Viele Trader/Anleger reduzieren diese Frage allein auf den Profit. Dies ist jedoch problematisch, denn entscheidend ist immer auch, unter welchen Risiken der Gewinn zustande gekommen ist. Je mehr Risiko ein Trader eingeht (systematisches Risiko & Positionsgrößenrisiko), desto größer sollte auch sein Gewinn ausfallen. Unter diesen Bedingungen sind 10.000 DAX-Punkte nicht zwangsläufig besser als 7.500 DAX-Punkte.

    Ein Maß für das Risiko könnte die maximale Schwankungsbreite innerhalb der Kontokurve sein. Wer im DAX Ende Januar 1991 startete, konnte bis dato 9.072 Punkte Gewinn erzielen. Zwischenzeitlich aber brach der DAX um 5.947 Punkte ein. Hieraus ergibt sich ein Gewinn/Risiko-Profil von 1,52 (siehe Abb.1).

    Den-Markt-DAX-schlagen-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-1

    Chart wurde mit Tradesignal erstellt

    Auf der Suche nach Taktiken, um den Markt im Sinne des Chance-Risiko-Profils zu schlagen, kommt man schnell zu einem im Investmentbereich tragenden Gedanken: Man schlägt bspw. den DAX bereits dann, wenn man die Abwärtsbewegungen nicht allumfänglich mitmacht. Gemein ist allen „größeren“ Abwärtsbewegungen, dass die Kurse fallen und dabei zwangsläufig unter das Tief des letzten Monats absacken. Dies könnte als Ausstiegskriterium genutzt werden. Im Anschluss darf man potentiell neue Trends nicht verpassen. Dabei kommt kein echter Aufwärtstrend an einem Überschreiten des vorangegangenen Monatshochs vorbei - ein einfaches und logisches Kaufsignal, oder?

    In Kombination von beiden Signalen ergibt sich ein „aktives“ Swingtrading im Monatschart. Im Deutschen Aktienindex kam es im gleichen Zeitraum wie in der Buy&Hold Taktik von Abb. 1 zu 52 Trades. Dabei stehen derzeit knapp 5.735 Punkte Gewinn auf dem Konto, wobei zwischenzeitlich 2.667 Punkte Verluste aufliefen.

    Den-Markt-DAX-schlagen-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-2

    Den-Markt-DAX-schlagen-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-3

    Chart wurde mit Tradesignal erstellt, Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

    Das Gewinn/Risiko-Profil liegt bei 2,15 und ist spürbar besser, als der reine Buy&Hold-Ansatz. Dies ließe sich noch ein wenig steigern, wenn das Kapital in den nicht im DAX investierten Phasen anderweitig zinsbringend untergebracht werden kann. Diese Outperformance hat jedoch einen Preis. Zum einen ist man „aktiver“, man muss quasi mehr arbeiten, auch wenn es ich immer noch um einen relativ ruhigen Ansatz handelt. Zum anderen werden nur 48 % aller Trades mit Gewinn abgeschlossen. Ein potentielles Problem auf emotionaler Ebene.

    Fazit

    Mit einfachen Mitteln ist es zumindest formal möglich, den Markt zu schlagen. Natürlich sind Test der Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft, aber zumindest gewisse Hinweise können diese geben. Mit der hier vorgestellten „Logik“ wurde in Sachen Optimierung zumindest nicht übertrieben. Vielmehr versucht der Ansatz der Börsenweisheit Gewinne laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen, zu folgen. Beides stimmt hinsichtlich der Stabilität des Ergebnisses durchaus positiv.

    Einige Bedenken gibt es trotzdem. Dies betrifft vor allem die Frage, wie stabil das Ergebnis zum Beispiel bei Aktien direkt ist. Oder auch wie der Ansatz in anderen Indizes abschneiden kann. Gerade der DAX ist systemtechnisch mit einigen Schwierigkeiten verbunden, da er als Performanceindex ein rein komplexes Konstrukt ist. Genug Fragen für eventuell weiterführende Beiträge.

    Viel Erfolg

    Rene Berteit