Das Feld der (chart)technischen Analyse ist extrem groß und mit den heutigen Technologien kann wirklich jeder ein breites Spektrum an Tools nutzen, um sich an der Börse einen Vorteil zu erarbeiten. Kein Wunder, dass sich viele Trader anhand der großen Auswahlmöglichkeiten verlaufen. Die Frage nach dem besten Indikator, dem besten gleitenden Durchschnitt oder wie man eine Trendlinie richtig einzeichnet, ist angesichts solcher Rahmenbedingungen nicht verwunderlich. Diese und weitere Fragen erreichen mich im Rahmen des Coachings regelmäßig. Heute möchte ich Ihnen ein kleines Geheimnis verraten!

Streichen Sie diese Worte aus ihrem Gedächtnis!

Kommen wir gleich zum Punkt! Im praktischen Trading gibt es das vermeintlich Beste oder einzig Richtige m.M.n. tatsächlich nicht. Dies steht in keinem Widerspruch zu dem, was viele von Ihnen wahrscheinlich schon erfahren haben. Natürlich gibt es Strategien, in denen mehr verdient wird als in anderen. Aber gerade was die Werkzeuge angeht, die in unterschiedlichen Strategien genutzt werden, bin ich nach 20 Jahren aktiven Tradings überzeugt, dass vieles relativ ist und es das Beste bzw. einzig Richtige nicht gibt. Lassen Sie mich dies an einem simplen Beispiel erklären, wobei wir auf die ewige Diskussion zu gleitenden Durchschnitten zurückgreifen. Was ist besser, der EMA oder der SMA?

EMA oder SMA?

Historisch gab es den einfachen gleitenden Durchschnitt (SMA) zuerst. Die folgende Abbildung zeigt den Adidas-Chart mit einem 50-Tage Durchschnitt.

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Bei der Nutzung dieses Durchschnitts als Trendindikator haben sich viele Trader „darüber beschwert“, dass der Indikator relativ träge reagiert. Ein Trendwechsel wird relativ spät angezeigt. Diese und weitere Überlegungen haben dann zur Entwicklung des EMA geführt, der, wie die folgende Abbildung zeigt, definitiv schneller ist. Er dreht einfach etwas früher ab, was daran liegt, dass die jüngsten Kurse in diesem Durchschnittstyp stärker gewichtet werden.

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Aber wissen Sie was! Diese absolut korrekte Erkenntnis ist eigentlich irrelevant. Ohne Zweifel ist ein EMA 50 schneller als ein SMA 50, aber wer sagt denn, dass ich eine 50-Tagperiode wählen muss? Wenn mir der 50-Tage Durchschnitt zu langsam ist, dann kann ich doch einfach auch einen 40-Tage Durchschnitt oder einen 30er nehmen. Machen wir dies einfach einmal.

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Wie in der vorangegangenen Abbildung unschwer zu erkennen ist, ist jetzt auf einmal der SMA, also der vermeintlich langsamere Indikator schneller als der EMA und zeigt damit Trendwechsel viel früher und aggressiver an. Eine Aussage, der EMA ist der bessere gleitende Durchschnitt, weil er schneller und früher reagiert, ist mathematisch zwar korrekt, inhaltlich aber völliger Nonsens. Ein besser oder schlechter gibt es nicht, denn was im vorangegangenen Chart ebenfalls gut zu sehen ist: beide Indikatoren funktionieren in guten Trends super und haben ihre Schwierigkeiten in Seitwärtsbewegungen.

Und wie sieht es mit der richtigen Trendlinie aus?

Greifen wir unsere letzte Erkenntnis auf und spinnen den Faden weiter. Ist dann vielleicht die richtige Trendlinie das bessere Werkzeug, um einen Trend zu erkennen?

Die Antwort darauf können Sie sich denken. Falls nicht, probieren Sie es einfach aus. Legen Sie sich verschiedene gleitenden Durchschnitte in den Chart und beginnen Sie anschließend Trendlinien zu zeichnen. Natürlich werden Sie nicht hundertprozentig die gleichen Ergebnisse erzielen. In einer bestimmten Periode X hat mal der eine und mal der andere Indikator bzw. Trendlinie einen Vorteil. Wenn es aber zu wirklich guten und stabilen Trends kommt, werden Sie mit all diesen Tools zu den gleichen Schlussfolgerungen kommen. Genau das macht doch einen guten Trend aus. Er ist so gut und stark, dass im Grunde alle Trendindikatoren das gleiche Bild anzeigen bzw. sich durch Veränderungen der Periodeneinstellungen ineinander überführen lassen.

Ist es denn wichtig, bei einer Trendlinie Schlusskurse oder Hochs/Tiefs zu nehmen?

Wo wir schon einmal bei diesem, wie ich finde spannenden Thema sind, greife ich gleich auch noch ein anderes Problem vieler Trader auf. Wir nutzen hierfür das Beispiel der Trendlinie, wo sich jeder von uns die Frage stellt, ob es besser ist, solche Linien in einem Candlestick-Chart auf die Hochs und Tiefs der Kerzen oder auf die Schlusskurse zu legen.

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Die Antwort auf diese Frage ist die gleiche, wie die bisher gefundene in Sachen EMA und SMA. Es spielt eigentlich überhaupt keine Rolle. Lediglich die Handelslogik wird je nach Wahl unterschiedlich ausfallen müssen. Passen wir die Handelslogik an, können wir mit beiden Methoden ähnliche Erfolge erzielen. Am Ende ist es ausschließlich eine Frage der Übung und Erfahrung, ob man mit einer Trendlinie Erfolg hat oder nicht.

Jetzt ist es Zeit für ein kleines Wortspiel, denn tatsächlich ist eine Trendlinie lediglich eine Linie im Sand, anhand der wir uns orientieren und Erfahrungen sammeln können. Wenn wir dann hunderte Male gesehen haben, wie Reaktionen an unserer Trendlinie (egal für welche wir uns entschieden haben, Hauptsache wir bleiben bei diesem Typ) aussehen, können wir darauf aufbauend auch erfolgreich handeln. Dass ist selbst dann der Fall, wenn Sie Ihre Trendlinien ständig mitten durch die Kurse ziehen.

Denken Sie einmal über die soeben getroffenen Aussagen nach. Wenn der Groschen fällt, kann Sie dies im Trading sehr weit nach vorne bringen, weil Sie sich letztlich auf die wirklich wichtigen Fragen konzentrieren werden und Indikatoren bzw. sämtliche Tools nur als Mittel zum Zweck nutzen.

Viel Erfolg

Rene Berteit