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Bei der Spekulationsstrategie der Carry Trades profitieren Investoren nicht nur von der absoluten Wertentwicklung der gekauften Devisen, sondern auch von Unterschieden in den Zinserträgen, die die gekaufte Währung gegenüber der parallel verkauften Währung mehr abwirft. Kurz gesagt: Der Anleger erhält aufgrund der Zinsdifferenz bzw. des Zinsunterschiedes der beteiligten Länder, jeden Tag eine Zinsgutschrift. Das liegt daran, dass technisch betrachtet jeder Trade am Kassadevisenmarkt am Ende eines jeden Handelstages geschlossen und neu aufgebaut wird. Wenn der Anleger also eine Übernachtposition hält (englisch: to carry = tragen/halten), dann wird ihre Position auf den nächsten Tag gerollt. Der Broker schließt und eröffnet ihre Position zur gleichen Sekunde und schreibt ihnen dann ihren Zins gut. Da Carry Trades in der Regel mit Fremdkapital durchgeführt werden, darf die Bedeutung dieser Zinsdifferenz nicht unterschätzt werden.

Ein Beispiel zu den Mechanismen der Carry Trades

Sehen wir uns einmal die Hintergründe eines beliebten Carry Trades an: Dem AUD/USD-Carry-Trade. AUD/USD ist das Währungspaar australischer Dollar gegenüber dem US-Dollar. Bei diesem Trade wird ein Kredit in US-Dollar aufgenommen. Der US-Dollar wird verkauft und der australische Dollar gekauft.

Der Investor, der einen solchen AUD/USD-Carry Trade durchführt, profitiert von dem wachsenden Delta der beiden Währungen. Wenn der US-Dollar während der Carry Trade-Dauer gegenüber dem australischen Dollar abwertet, dann erwirtschaftet der Investor mit diesem Carry Trade Kursgewinne. Da Australien ein großer Exporteur von Eisenerz, Kohle und anderen Rohstoffen nach China und anderen Ländern ist, ist die Wahrscheinlichkeit einer weiterhin hohen Nachfrage nach australischen Dollars hoch. Chinesen, die Eisenerz in Australien kaufen wollen, müssen ihre Renminbi (die chinesische Landeswährung) schließlich erst einmal in australische Dollars wechseln, um etwas in Australien kaufen zu können. Das spricht für eine anhaltend hohe Nachfrage nach australischen Dollars und auch für eine entsprechende Stabilität der Währung aus „Down Under.“ Gibt es gleichzeitig Anzeichen und fundamentale Ursachen für eine weiteranhaltende Schwäche des zweiten Währungspaares, hier also des US-Dollars, so steigen die Vorteile des Carry Trades. Neben dem Delta zwischen AUD und USD profitiert der Carry-Trader außerdem von der Zinsdifferenz zwischen den beteiligten Staaten, d.h. Unterschiede in den Leitzinsen der Länder wirken sich positiv auf den Carry Trade aus, solange die Leitzinsen Australiens höher sind als die der USA, wie in unserem Beispiel.

Einige Forex-Broker ermöglichen es auch Privatkunden, Carry-Trades zu tätigen. Alles, was man tun muss, um einen Carry-Trade durchzuführen, ist bei diesen Brokern der Kauf eines Währungspaars, zum Beispiel des australischen Dollars zum US-Dollar (AUD/USD). Sie profitieren dann zum einen gehebelt von dem steigenden australischen Dollar gegenüber dem US-Dollar und erhalten zudem täglich eine Abschlagszahlung des täglichen Äquivalents desjährlichen Zinses auf die gesamte bewegte Summe.

Carry Trades selbst durchführen:

Um Carry Trades etwas plastischer zu erklären, widmen wir uns einem praktischen Beispiel. Nehmen wir also an, ein Anleger bekommt 10.000 US-Dollar zu Geburtstag geschenkt. Der Anleger trägt diese 10.000 US-Dollar zur Bank und will sie anlegen. Da der Anleger gut verhandeln kann und schon lange Kunde der Bank ist, bekommt er einen Zins von 3%. Am Ende des Jahres erhält er also 10.300 US-Dollar zurück.

Der Anleger entscheidet sich aber im letzten Moment gegen eine Festgeldanlage und plant einen Carry Trade im AUD/USD. Er eröffnet ein reales Konto bei einem Forex-Broker und zahlt seine 10.000 US-Dollar dort ein. Damit kauft er das Währungspaar AUD/USD für 100.000 US-Dollar. Da der Forex-Broker von unserem Anleger nur 1% des Kaufwerts als Sicherheitsmarge hinterlegt haben möchte, bindet der Trade ein Kapital auf seinem Konto von 1000 Dollar. 9000 US-Dollar liegen weiterhin auf dem Konto in Cash. Jetzt bekommt er die Zinsdifferenz zwischen Australien und den USA von beispielsweise 3% pro Jahr, wobei der Zins täglich gutgeschrieben wird.

Was kann jetzt passieren, wenn der Anleger ein Jahr lang nichts macht?

Drei Dinge:

  1. Währungsposition verliert an Wert. Der australische Dollar fällt wie ein Stein. Wenn der Verlust die verbleibende Marge von 9000 Dollar erreicht, wird der Carry Trade geschlossen. Was bleibt sind 1000 Dollar auf dem Konto.
  2. Das Währungsverhältnis bleibt auf dem gleichen Niveau. In diesem Fall blieb der Wert des AUD/USD-Trades gleich, der Anleger hat aber am Zins verdient. 3% von100.000 Dollar sind 3.000 Dollar! Voilà: Eine Rendite von stattlichen 30% auf sein eingesetztes Kapital von10.000 Dollar.
  3. Die Währungsposition gewinnt an Wert. Des Anlegers AUD/USD steigt wie eine Rakete an. Also bekommt der Anleger nicht nur den Zins von 3.000 Dollar ausbezahlt, sondern kann zu seinem Gewinn auch die gehebelten Gewinne des Carry Trades zählen. Durch den 100erHebel hat er durchaus die Möglichkeit, pro Jahr eine Rendite mit diesem Carry Trade gerechnet auf sein Kapital von 10.000 Dollar von 50% zu erzielen.

Soweit das Beispiel zu einem Carry Trade im AUD/USD. Darüber hinausgibt es eine Reihe von Dingen zu beachten. Auch bei einem Carry Trade müssen Risiko- und Money Management-Regeln angewandt werden. Ein Verlust von 9.000 Dollar auf ein eingesetztes Kapital von 10.000 Dollar ist nicht akzeptabel. Möchten Sie maximal 3% Ihres eingesetzten Kapitals verlieren, oder noch weniger, so müssen Sie die Carry Trade Position entsprechend geringer wählen und einen strikten Stopp für die Position setzen. Bei 3% maximalem Risiko dürfen Sie maximal 300 Dollar verlieren. Dennoch haben Sie eindeutig die Möglichkeit, eine über dem Festgeld liegende Rendite zu erzielen, wenn Sie strategisch das richtige Währungspaar ausgewählt haben und die Position lange genug gehalten werden kann, bevor siea usgestoppt wird. Bei der strategischen Auswahl des richtigen Währungspaars gibt es zahlreiche Kriterien. Das wichtigste Kriterium ist allerdings, dass die im Carry Trade gekaufte Währung einen höheren Zins ausschüttet, als die verkaufte Währung. Bei einer Short-Position im AUD/USD zahlen Sie nämlich die Zinsdifferenz zwischen Australien und den USA. Es entstehen dadurch Kosten von derzeit 3% p.a. (Zinsdifferenz).

Der neue Dollar Carry Trade und seine Folgen

Fast 20 Jahre lang gab es für die Weltwirtschaft einen versteckten Motor namens Yen Carry Trade. Der Motor produzierte für seine exklusiven Teilnehmer Geldmengen im Billionenbereich, was durch die ultralockere Politik der japanischen Zentralbank und durch ihre Interventionen am Devisenmarkt sichergestellt wurde. Die japanische Wirtschaft profitierte von ihrer niedrigen und stetig weiter fallenden Währung, indem Unternehmen wie Honda, Toyota, Mitsubishi, Niko, Fuji, Komatsu, Toshiba und Toyota ihre Produkte auf dem Exportmarkt zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten konnten. Die Finanzzentren in den Industrieländern profitierten von der Flut des Geldes aus Japan. Der japanische Yen war der wichtigste Kanal für die Geldbeschaffung. Diese wichtige Geldmaschine erlaubte es, die japanischen Zinsen und den Yen auf einem niedrigen Niveau zu halten, während der US-Dollar relativfest und die Zinsen in den USA hoch blieben. Das wurde durch die Verwendung von hohen Mengen Fremdkapitals durch die Carry Trader sichergestellt. Carry Trader investierten in die Aktienmärkte in Europa, den USA, in neue Wachstumszentren in den Emerging Markets, in deutsche Staatsanleihen oder – wie seit 1999 – in Rohstoffe. Einige Marktkommentatoren führen auch die Seitwärtskonsolidierung des Goldpreises seit Anfang des Jahres 2008 auf die Tatsache zurück, dass der Yen Carry Trade gleichzeitig abgewickelt wurde.

Doch die Zeit des Yen Carry Trades ist vorbei. Mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und der Finanzkrise kam auch der Zusammenbruch des Yen Carry Trades. In nur drei Monaten zwischen August und Oktober 2008 wurde der Carry Trade aufgelöst: In diesen drei Monaten wurden die gesamten Rückgänge des japanischen Yen aus den sieben Jahren davor vernichtet. Der Crash des Währungsverhältnisses Euro/Yen hat sich synchron zum Rückgang des Aktienmarktes vollzogen. Beide Kurven zeigen in dieser Zeit steil abwärts. Das belegt, dass immense Geldmengen vom Aktienmarkt zurückgezogen wurden, um den Yen Carry Trade abzuwickeln.

Die neue Carry Trade-Währung ist der US-Dollar

Was für den japanischen Yen vor 20 Jahren galt, gilt heute exakt genauso für den US-Dollar. Denn der US-Dollar hat den Eignungstest für eine Carry Trade Währung erfüllt: Die USA haben ein angeschlagenes Bankensystem, das einen dauerhaft niedrigen Leitzins der Notenbank erfordert, eine angeschlagene Währung, aus der das Vertrauen der Welt entweicht wie Dampf aus einem Kochtopf und eine Vielzahl von Investitionsmöglich-keiten für das in der Währung aufgenommene Geld.

Eine dieser Investitionsmöglichkeiten ist Gold, das seit Beginn des Dollar Carry Trades ansteigt. Der US-Dollar als Basis für einen Carry Trade begann mit dem Platzen der Immobilienblase, der Pleite von Lehman Brothers und dutzenden anderen Banken, der Senkung des Fed-Leitzinses auf einen Korridor zwischen 0-0,25%im Sommer 2009, der Bekanntgabe des Kaufs langläufiger Staatsanleihen durch das Fed im Wert von hunderten Milliarden Dollar im März 2008 und der Verlängerung der Fed-Bilanz um 1250 Mrd. Dollar. Carry Trader nehmen heute einen in Dollar lautenden Kredit auf und kaufen damit Aktien und Rohstoffe. Das ist der Grund, warum der US-Dollar immer weiter fällt, während andere Aktiva wie Rohstoffe oder Aktien immer weiter steigen.

Der US-Dollar versorgt heute die Weltwirtschaft mit Liquidität. Steigt der US-Dollar zu stark an, würde die Liquidität weltweit austrocknen und müssten zur Rückführung des Dollar Carry Trades massiv Aktien, Rohstoffe und andere Aktiva verkauft werden. Aus diesem Grund gibt es keine Exitstrategie für das Fed. Eine Stabilisierung des Dollars durch eine Erhöhung der Zinsen würde die Erholung weltweit abwürgen. Das Fed kann seine Leitzinsen nicht anheben, ohne zu riskieren, den Dollar Carry Trade mit allen genannten Folgen zu gefährden.