Was sind Optionen eigentlich?

Was haben Warren Buffet und John Paulson gemeinsam? Auf den ersten Blick könnte man meinen nicht viel, bis auf die Tatsache dass beide zu den reichsten Amerikanern gehören und ihr jeweiliges Vermögen an den Börsen erzielt haben. Der eine, Warren Buffet, gilt als Ikone aller Value Investoren und langfristiger Anleger wohingegen der andere, John Paulson, in den letzten Jahren das vielbewunderte Aushängeschild der Hedgefondsszene war, der allein im Jahr 2008 die Rekordsumme von über 3 Milliarden US-Dollar durch Wetten auf einen Zusammenbruch der Immobilienblase verdiente.

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Vergleicht man das Handeln der beiden Milliardäre, dann könnten die Widersprüche jedoch kaum größer sein. Auf der einen Seite der bescheiden auftretende nette ältere Herr aus Omaha, der höhere Steuern für Superreiche fordert und einen Großteil seines Vermögens schon zu Lebzeiten an wohltätige Organisationen vermacht hat und auf der anderen Seite ein Mann, der für viele (Stichwort Occupy Bewegung) die hässliche Fratze der Wall Street darstellt, indem er auf einen Zusammenbruch des gesamten System setzt, um privaten Nutzen daraus zu ziehen. Gibt es also überhaupt Gemeinsamkeiten zwischen diesen Männern und der Art von Börsenhandel welche beide repräsentieren?

Schaut man genauer hin, dann findet sich eine Gemeinsamkeit, die auf den ersten Blick erstaunen auslösen dürfte: Beide Männer setzen immer wieder auf den Einsatz von Derivaten! Derivate, diese „Massenvernichtungswaffen“, vor denen Warren Buffet höchstpersönlich schon vor Jahren warnte und die von vielen Politikern als Ursache für Staatspleiten und Börsenturbulenzen angesehen werden? Um diesen Widerspruch aufzulösen, müssen wir etwas tiefer in das Thema einsteigen.

Das Wort Derivate, stammt vom lateinischen „derivare“ ab und bedeutet so viel wie „ableiten“ oder „Abkömmling“. In der Finanzindustrie bezeichnet man eine Vielzahl von Produkten als Derivate, wobei diese oftmals einen vollkommen unterschiedlichen Charakter besitzen. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass alle diese Produkte bzw. deren Preis abhängig von einem anderen Produkt sind und davon abgeleitet werden. Schauen wir uns einige einfache Beispiele an:

Der Preis eines Optionsscheines ist abhängig davon ob der Preis einer Aktie, Währung, Rohstoff oder eines Zinsmarktes steigt oder fällt.

Das gleiche gilt auch für Zertifikate (in allen Formen) oder CFD‘s.

Auch Derivate, aber in einer gänzlich anderen Form sind all die Produkte, welche vorrangig von institutionellen Anlegern gehandelt werden und in den letzten Jahren zu Dutzenden aufgetaucht sind:

CDS – Credit Default Swaps sind Versicherungen, welche zur Zahlung fällig werden, wenn beispielsweise ein Unternehmen oder ein Staat seine Verpflichtungen aus Krediten (Anleihen) nicht mehr erfüllen kann und „pleite“ geht.

MBS – Morgage Backed Securities sind besicherte Anleihen, die durch Zins- und Tilgungszahlungen aus grundpfandrechtlich gesicherten Forderungen getragen werden. Auf gut deutsch ist es ein Bündel verschiedener Hauskredite, welche im Paket an Finanzinvestoren verkauft werden.

CDO - Collateralised Debt Obligations sind ebenfalls Pakete verschiedenster Kredite, Anleihen und Forderungen, welche allerdings unterschiedliche Risiken aufweisen und daher in verschiedene Tranchen aufgeteilt sind, deren Qualität durch abgestufte Ratings beurteilt werden.

Diese Liste ließe sich noch ein gutes Stück fortsetzen, aber man kann schon jetzt erkennen, dass die Anzahl und Auswahl der verschiedenen Derivate enorm groß ist.

Kommen wir nun noch einmal zu Warren Buffet und John Paulson zurück. Beide setzen auf den Einsatz von Derivaten, allerdings auf ganz unterschiedliche. Während der Hedgefondsmanager Paulson sich in der Welt der CDS, MBS und Co. bewegt, nutzt Warren Buffet bei vielen seiner Investments eine Form der Derivate, welche auch dem privaten Anleger und Investor offensteht – börsengehandelte Optionen.

Was sind aber eigentlich Optionen?

Optionen sind an einer Terminbörse gehandelte Papiere, welche dem Käufer das Recht einräumen, ein spezielles Wertpapier (Aktien, Futures, Währungen, Zinspapiere) innerhalb einer festgelegten Frist und zu einem genau festgelegten Preis entweder zu kaufen (Calloption) oder zu verkaufen (Putoption). Der Käufer der Option, welcher auch Inhaber genannt wird, hat das Recht zu kaufen oder zu verkaufen aber, und das ist der entscheidende Punkt, nicht die Pflicht dies zu tun.

Investoren setzen Optionen vorrangig aus zwei Gründen ein. Entweder weil sie sich gegen Preisschwankungen absichern wollen oder aber weil sie auf die Entwicklung eines Preises spekulieren wollen.

Ein Beispiel veranschaulicht dies:

Ein Investor besitzt 100 Unzen Gold, welche er zum Preis von 1200 USD/Unze gekauft hat. Er erwartet in den kommenden Jahren steigende Preise und möchte daher dieses Gold behalten. Er hat aber auch die Befürchtung, dass der Preis von Gold eventuell doch viel stärker als von ihm erwartet fallen könnte und sucht nach einer Möglichkeit, in diesem Fall ohne Verlust aus seiner Position aussteigen zu können. Er könnte natürlich jetzt einfach einen Stopp Loss Auftrag platzieren und sobald Gold unterhalb eines von ihm festgelegten Preises fällt würde seine Position automatisch verkauft. Was in der Theorie allerdings so einfach klingt, ist in der Praxis mit einigen Hindernissen gepflastert. Was ist denn, wenn der Preis unter den Stopp Kurs fällt, das Gold wird verkauft und danach steigt der Preis wieder an? Soll der Investor dann wieder einsteigen oder nicht? Was passiert in volatilen Seitwärtsphasen wenn der Preis über mehrere Wochen oder Monate stark schwankt ohne einen klaren Trend auszubilden? Eine Option könnte hier die Lösung sein.

Eine Putoption (Verkaufsoption) gibt dem Käufer das Recht, innerhalb einer festgelegten Zeit und zu einem festgelegten Preis ein Wertpapier oder einen Rohstoff zu verkaufen. Der Käufer hat das Recht zu verkaufen, aber er muss nicht verkaufen.

Unser Goldinvestor kann sich also eine Putoption auf Gold kaufen und sich somit über Wochen oder Monate gegen einen fallenden Preis absichern ohne in die Pflicht genommen zu werden und verkaufen zu müssen. Er kann, aber er muss nicht. Damit kann er volatile Phasen sehr gut überstehen und steht auch nicht vor dem Problem, bei einem wieder ansteigenden Markt nach einem Neueinstieg suchen zu müssen. Er ist damit sehr viel flexibler als ein Investor, der ausschließlich mit Stopp Loss Aufträgen arbeitet und dies ist sicherlich ein Grund, warum gerade auch Investoren wie Warren Buffet Optionen so häufig einsetzen.

Im nächsten Teil erfahren Sie, wie man Optionen nutzen kann um sich an Aktien wie Apple oder Rohstoffen wie Gold zu einem Bruchteil der eigentlichen Kosten zu beteiligen und wie man dadurch in die Lage versetzt wird, auch mit kleinen Konten effektiv und erfolgreich am Börsenhandel teilzunehmen.

Trading mit Optionen

Wie bereits beschrieben, können und werden Optionen vorrangig von Investoren zur Absicherung von Preisrisiken genutzt. Ein Getreideeinkäufer kann sich mit Hilfe von Kaufoptionen (Calls) gegen steigende Preise absichern und erhält somit eine kalkulierbare Preisgrundlage für seine Produkte. Ein Getreideproduzent kann sich dagegen durch den Kauf von Verkaufsoptionen (Put) gegen fallende Preise absichern und somit das Überleben seines Betriebes sichern. Ersetzen wir jetzt Getreide durch Öl, Gold, Silber, Benzin, Kaffee, Kakao, Zucker, Kupfer usw., dann haben wir schon eine ganze Reihe von Märkten, in denen solche kommerziellen Marktteilnehmer aktiven Optionshandel betreiben. Alle diese Marktteilnehmer haben eines gemeinsam, nämlich den Wunsch nach Preisabsicherung und somit der Schaffung einer sicheren Kalkulationsgrundlage.

Und natürlich gilt dies auch für Währungs-, Zins- oder Aktienmärkte. Währungsoptionen werden beispielsweise von Firmen genutzt, welche im globalen Import oder Export von Waren oder Gütern tätig sind. Ein deutscher Automobilproduzent der seine PKW auch in Nordamerika oder Asien verkaufen möchte, muss sich gegen mögliche Währungsschwankungen genauso absichern, wie etwa ein asiatischer Importeur von Maschinen oder anderen Gütern aus dem Euro- oder US-Dollarraum.

Banken sichern sich gegen Schwankungen an den Zins- und Aktienmärkten ab. Je mehr man über diese Dinge nachdenkt, umso mehr werden uns solche Absicherungsideen einfallen.

Wie und vor allem warum sollte aber auch der private Investor sich mit dem Handel börsennotierter Optionen beschäftigen? Sind diese nicht nur ein weiteres Instrument neben CFD’s, Zertifikaten, Optionsscheinen, ETF’s usw.?

Bevor wir auf die Unterschiede zu diesen anderen Instrumenten eingehen, wollen wir uns zuerst ein Beispiel anschauen, wie ein privater Händler Optionen nutzen kann. Bei den meisten privaten Händlern dürfte weniger der Gedanke der Preisabsicherung im Vordergrund stehen, sondern die Erzielung einer Rendite mit Hilfe von Spekulation. Diese Idee ist grundsätzlich weder falsch noch verwerflich, allerdings scheitern viele Neueinsteiger ins Börsengeschäft schon frühzeitig und „zerlegen“ ihr Konto. Einer der Gründe für dieses Scheitern ist oftmals der zu große Hebel, mit dem der Handel begonnen wird. Der Grund, warum viele Händler mit solch großen Hebeln arbeiten liegt aber nicht im Unwissen oder gar der Gier dieser Neueinsteiger, sondern vielmehr an der oftmals zu geringen Kapitalausstattung. Jeder erfahrene Börsenhändler weiß, dass ein Mindestmaß an Kapital vorhanden sein muss, um im Börsenhandel erfolgreich sein zu können. Aber gerade Neueinsteiger verfügen oftmals nicht über diesen notwendigen Kapitalstock, um beispielsweise mehrere Positionen gleichzeitig und sinnvoll handeln zu können. Um dies auszugleichen, greifen sie dann zu Produkten mit sehr großen Hebeln. Da aber der Hebel immer in beide Seiten wirkt, kommt es dann schnell zu Verlusten, welche das Konto pulverisieren. Könnten da Optionen helfen? Schauen wir uns ein einfaches Beispiel an.

Ein Händler möchte sich in einer Aktie wie Microsoft (MSFT) engagieren. Nun kostet diese Aktie allerdings derzeit um die 32 USD pro Stück. Gerade mit einem kleinen Konto wird er kaum in der Lage sein 50 oder 100 Stück dieser Aktie kaufen zu können. Also doch ein Hebelprodukt? Wie wäre es denn jetzt, wenn er stattdessen eine Option auf MSFT handeln würde?

Aktienoptionen beziehen sich in der Regel immer auf 100 Aktien, d.h. eine MSFT-Option bezieht sich auf 100 Aktien von MSFT. Eine Kaufoption (Call) gibt dem Käufer das Recht (aber nicht die Pflicht) 100 Stk. der MSFT Aktie zu einem im Voraus festgelegten Preis zu kaufen, und zwar innerhalb einer festgelegten Zeit. Eine Verkaufsoption (Put) gibt dem Käufer dagegen das Recht (aber wiederum nicht die Pflicht) 100 Stk. der MSFT Aktie zu einem im Voraus festgelegten Preis zu verkaufen und dies wiederum innerhalb einer festgelegten Zeit. Damit kann ein Optionskäufer sowohl auf steigende (Call) als auch fallende (Put) Kurse bei MSFT setzen.

Angenommen der Händler erwartet steigende Preise bei MSFT in den kommenden 6 Monaten. Er hätte natürlich jetzt die Möglichkeit, einfach die Aktien zu kaufen und zu warten was passiert. Angenommen er kauft 100 Aktien. Das kostet ihn aktuell 3200 USD (32 USD x 100). Hier werden jetzt gleich drei Probleme sichtbar.

  1. Die durchschnittliche Kontogröße viele Neueinsteiger liegt unter 10.000 USD. Sollte man aber über 30% seines Handelskapitals in eine einzige Position stecken?
  2. Was passiert, wenn die Aktie plötzlich stark einbricht?

Würde die Aktie auf 0 USD fallen, dann würde der Händler 3200 USD verlieren. Auch wenn wir wissen, dass dies unwahrscheinlich ist, ist doch der Verlust theoretisch möglich. In der Praxis wird es aber viel öfters vorkommen, dass die Preise um 20% - 30% einbrechen. Was macht unser Händler dann? Setzt er einen Stopploss und verkauft? Wo setzt er den Stopploss und wie viel Geld ist er bereit zu verlieren? Und, was macht er nachdem er ausgestoppt wurde? Dies führt uns nämlich sofort zu Problem Nummer drei...

  1. Was macht der Händler wenn die Aktie ausgestoppt wird und danach wieder ansteigt? Steigt er wieder ein oder nicht, wann, zu welchem Preis, wie? All dies sind Fragen, die sich Händler stellen müssen und die in der Praxis sehr schwer zu beantworten sind.

Wie wäre es dann aber mit dieser Variante?

Der Händler kauft anstatt der 100 Aktien jetzt eine Kaufoption (Call) die ihm das Recht gibt innerhalb der kommenden 6 Monate jederzeit 100 Stk. der MSFT Aktie zum aktuellen Preis von 32 USD per Stk. kaufen zu können. Für diese Option zahlt er einmalig 164 USD zzgl. Gebühren (ca. 2-4 USD insgesamt).

Schauen wir uns nochmals die 3 vorher aufgezeigten Probleme an:

1. Kapitaleinsatz

Es ist wohl keine Frage, dass auch für kleine Konten der Kauf einer Option für 164 USD wesentlich einfacher darzustellen ist als der Kauf von 100 Aktien zu insgesamt 3.200 USD. Der theoretisch maximale Verlust liegt bei beiden Varianten im Kaufpreis. Der Optionskäufer kann also maximal 164 USD verlieren, der Aktienkäufer 3.200 USD.

2. Kurseinbrüche

Bricht der Kurs der Aktie ein, dann besitzt der Aktienkäufer immer noch 100 Aktien, welche jetzt deutlich billiger geworden sind, sein Kapital hat abgenommen. Der Optionskäufer hat immer noch das Recht (aber nicht die Pflicht!) 100 Aktien von MSFT zu 32 USD kaufen zu können, mehr als seine 164 USD die er für den Kauf der Option eingesetzt hat, kann er nicht verlieren. Er muss keinen Stopploss setzen, er kann den Dingen einfach ihren natürlichen Lauf lassen. Im Vergleich zum Kauf der Aktie riskiert der Optionskäufer nur ca. 5% der Summe, die der Aktienkäufer aufgewandt hat. Fällt die Aktie also mehr als 5%, dann hat der Käufer der Aktien schon definitiv mehr verloren als der Optionskäufer. Können Aktien mehr als 5% fallen?

3. Wiedereinstieg

Was passiert, wenn die Aktien 15% fällt und danach wieder ansteigt. Angenommen der Aktienkäufer hatte einen Stopploss bei 10% Verlust gesetzt und wurde ausgestoppt. Er hat 320 USD verloren und muss jetzt überlegen, ob er wieder einsteigt oder nicht. Was ist wenn nach dem Wiedereinstieg die Aktien erneut fallen? Der Käufer der Option hat 6 Monate lang Zeit sich zu entscheiden, ob er die Aktie für 32 USD pro Stück kaufen will oder nicht. Egal ob die Aktie stark fällt oder stark ansteigt, ob dies einmal oder mehrmals passiert, durch den Kauf der Option hat er alle Wahlmöglichkeiten, die es nur gibt. Eine echte „Option“ im Sinne von Wahlfreiheit. Und dies alles für 164 USD.

Dieses kleine Beispiel zeigt, dass Optionen einen wesentlich preiswerteren Handel ermöglichen und es somit auch Inhabern kleineren Konten möglich wird, am „Spiel der Spiele“ erfolgreich teilzunehmen. Zusätzlich besitzen Käufer von Optionen viel mehr Freiheiten bei der Gestaltung von Trades und können kurzfristige (und oftmals sehr teure) Schwankungen an den Börsen wesentlich besser überstehen als Käufer von Aktien oder Futures.