Sondern auch und vor allem eine Verkettung vieler wertvoller Erkenntnisse ist, die es mir persönlich erst ermöglichten, mein gesammeltes Wissen zu verstehen.

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Konfuzius meint: „Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man tut, das ist Wissen.“

Oder um es mit den Worten Goethes zu sagen: „Es ist nicht genug zu wissen – man muss auch anwenden.“

Der Weg zu einem erfolgreichen Anleger scheint also am Prozess des „Trial and Error“ nicht vorbeizuführen. Die berühmte heiße Herdplatte muss wohl einige Male auch an den Finanzmärkten berührt werden, bis wir die in Büchern und Seminaren gesammelten Gedanken in die richtige Ordnung bringen.

Das ist einerseits eine recht ernüchternde Feststellung, andererseits entspannt sie auch ungemein und lässt das gefürchtete Fehler machen zu einem notwendigen Bestandteil unserer Ausbildung werden.

George Soros, wohl der erfolgreichste Trader unserer Zeit, schreibt: "Once we realize that imperfect understanding is the human condition, there is no shame in being wrong, only in failing to correct our mistakes."

„Sobald wir erkennen, dass Irren menschlich ist, ist es keine Schande mehr Fehler zu machen, sondern nur noch diese nicht zu korrigieren.“

David Tepper, Verwalter von Appaloosa, einem der größten Hedgefonds der Welt sagt:

„Replaying losses in your head is the only way you learn from your mistakes.“

„Verluste gedanklich zu wiederholen, ist der einzige Weg, um aus Fehlern zu lernen.“

Sich erlauben Fehler zu machen, um aus ihnen zu lernen, scheint eine grundsätzliche Einstellung guter Börsenhändler zu sein.

In einem Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk vertrat André Kostolany einmal die notwendigen Eigenschaften eines erfolgreichen Börsianers.

Kostolany: „Um mit Erfolg spekulieren zu können, muß man die vier „G“’s haben. General Moltke sagt: „Man muß vier ‘G’’s haben bei der Kriegsführung”. Das sage ich für die Börse auch. Erstens: Moltke sagte ”Genie”.

Nein, an der Börse braucht man kein Genie zu sein, die Börsianer sind nie Genies.

Aber Gedanken braucht man, also „G“ für Gedanken. Dann Geduld. Die braucht man unbedingt, um warten zu können, bis sich die Vorausahnungen realisieren. Dann braucht man genügend Geld, um Geduld haben zu können. Und dann braucht man natürlich auch Glück, das braucht man auch. Aber Geduld ist sehr wichtig, denn an der Börse sind zwei mal zwei nie vier. An der Börse sind zwei mal zwei fünf – minus eins!

Es kommt vier heraus, es kommt so, wie es kommen sollte und müßte, aber eben nicht sofort.

Man muß abwarten, bis diese krumme Linie wieder gerade ist und bis das ”minus eins” ausgesprochen wird: Zwei mal zwei ist fünf minus eins. Es kommt schon zur vier. Denn das Geld, das man an der Börse macht, also nicht verdient, das ist Schmerzensgeld: Zuerst kommen die Schmerzen, dann kommt das Geld.“

Geduld haben und langfristig zu denken ist auch etwas, das ich erst mit der Zeit lernen durfte.

Manchmal wollen wir den Erfolg über Nacht erzwingen, und machen ihn damit erst unmöglich.

Schon Rosseau lehrte uns: „Das Geld, das man besitzt, ist das Mittel zur Freiheit, dasjenige, dem man nachjagt, das Mittel zur Knechtschaft.“

Doch ich verstand es erst, nachdem ich dem Geld an der Börse selbst nachgejagt war.

Andy Warhol hat mal gesagt: „As soon as you stop wanting something, you get it.“

„Sobald wir aufhören etwas zu wollen, bekommen wir es.“

Die wohl wichtigsten Lektionen erteilte mir der Markt erst, als ich aufhörte zu glauben etwas zu wissen, aufhörte überlegen sein zu wollen, besser zu sein als andere Marktteilnehmer.

Als ich losließ und anfing zu beobachten, war ich bereit für das Wissen, das ich eigentlich schon vor langer Zeit in mir aufgenommen hatte.

Doch unser Bild von der Börse, unsere Erwartung ist oftmals zu Beginn noch völlig fehlgeleitet.

Als ich meine erste Anstellung bei einem Börsenmakler in Frankfurt antrat, wurden meine Vorurteile von der Börse zuerst voll und ganz bestätigt.

Im Handelsraum war es laut und hektisch. Wenn die Märkte sich bewegten, ging es zu wie in einer Männerumkleidekabine nach einem knapp verlorenen Fussballspiel.

Ich habe erst im Laufe der Zeit verstanden, dass unser Bild von der Börse, das wir vielleicht aus dem Fernsehen kennen, ein völlig falsches ist.

Denn diese schreienden Profis auf dem Parkett sind keine Risikokapitalgeber, sondern Wertpapierdienstleister. Sie verdienen ihr Geld mit dem Ausführen von Transaktionen (mit meist sehr großen Beträgen, deswegen sind sie so aufgeregt) und nicht mit der Spekulation auf Kursgewinne.

Jim Rogers, der ehemalige Hedgefonds-Co-Gründer von George Soros und gefragter Börsenkommentator, sagt:

“Most successful investors, in fact, do nothing most of the time.”

„In Wirklichlichkeit machen die meisten erfolgreichen Anleger die meiste Zeit gar nichts.“

In einer Studie von Stiftung Warentest erzielten sehr aktive Investoren die höchste Rendite, jedoch nur vor Kosten. Da bei jeder Transaktion Kosten für An- und Verkauf anfallen, drücken die Tradingkosten oftmals schnell die Rendite. Nach Kosten waren die sehr aktiven Investoren mit Abstand die schlechteste Testgruppe, wohingegen passive Investoren die beste Rendite nach Kosten erzielten.

Geduld und Weitsicht scheinen für einen erfolgreichen Anleger unabdingbar zu sein. Aber ist es nicht auch eine Lebensweisheit, die nur hier in einer anderen Disziplin erneute Bestätigung erfährt?

Friedrich Hölderlin war in seinen frühen Jahren als Hauslehrer u.a. für die Frankfurter Bankiersfamilie Gontard tätig (bis er Frankfurt im Jahr 1800 fluchtartig verlassen musste, weil die Affäre mit der Ehefrau des Bankiers aufflog). Hölderlin vertrat als Hauslehrer für die damalige Zeit beinahe „anti-autoritäre“ Methoden, die weniger auf Wissensvermittlung und mehr auf Lebensbeobachtung setzten.

In einem Bewerbungsschreiben aus dem Jahr 1795 formuliert Hölderlin das bis heute berühmte Zitat (fettgedruckt):

„Ich weis zu gut, daß die Natur nur stuffenweise sich entwikelt, und daß sie den Grad und den Gehalt der Kräfte unter die Individuen vertheilt hat, um von dem Kinde Wunder zu erwarten.

Ich glaube, daß die Ungedult, womit man seinem Zweke zueilt, die Klippe ist, woran gerade oft die besten Menschen scheitern.

So auch in der Erziehung. Man möchte gerne in sechs Tagen mit seinem Schöpfungswerke zu Ende seyn.“

Auch Hölderlin teilte vor über 200 Jahren schon die Erkenntnis, dass Geduld ein Schlüssel zum Erreichen vieler Ziele ist und dass ebenso Wissen ohne Erfahrung unbrauchbar ist. In jenem Brief schreibt er weiter:

„Ich muß das Kind aus dem Zustand seines schuldlosen aber eingeschränkten Instinkts, aus dem Zustande der Natur heraus auf den Weg führen, wo es der Kultur entgegenkommt, ich muß seine Menschheit, sein höheres Bedürfniß erwachen lassen, um ihm dann erst die Mittel an die Hand zu geben, womit es jenes höheres Bedürfnis zu befriedigen suchen muss.“

Diese Momente, in denen das Wissen plötzlich einen Sinn ergibt, weil wir es selbst erlebt haben, sind die, in denen wir wirklich etwas lernen und nur so wieder ein Stück weit besser werden.

Weitsicht, Geduld und mein heute positiver Blick auf das „sich ausprobieren“ und Fehler machen, sind große Etappen meiner persönlichen Börsenreise, die noch lange nicht zu Ende ist.

Viele Grüße
Jakob Penndorf

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(1) Anlagefehler vermeiden: Nicht zu viel umschichten. Anlagefehler-Serie auf www.test.de vom 18.11.2014.