Herr Salomon, wie sind Sie zum Trading gekommen?

Das war ein schrittweiser Prozess. Meine erste Aktie habe ich 1980 gekauft, damals war ich 17 Jahre alt. Es handelte sich um ein Papier des Mischkonzern Preussag, aus dem später die TUI hervorging. Für rund 200 Deutsche Mark gekauft, kletterte die Aktie um etwa 50% auf 300 Deutsche Mark.

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Trading im Sinne des eher kurzfristigen Kaufens und Verkaufens begann ich erst ab Mitte der 90er

Jahre. Eine aufregende Zeit, vor allem als man nicht mehr nur über die Hausbank per Telefon handeln konnte, sondern das für damalige Verhältnisse „schnelle“ BTX nutzte – mit dem Telefon in der Hand flimmerte dann Zeilencode über den Rechner. Neben Aktien kamen dann auch Futures und Optionen hinzu. Ich musste damals lernen, meine Trades ebenso wie die mittel- und langfristigen Aktienengagements sorgfältig zu planen. Andererseits machte ich die Erfahrung, wie wichtig es ist, schnell und flexibel auf Nachrichten und Marktbewegungen zu reagieren.

Worauf haben Sie sich spezialisiert?

Mit Beginn des schnellen Handelns entdeckte ich auch die Candlesticks für mich. Das war ein echtes Aha-Erlebnis und hilft mir bis heute, die Märkte effizient und gewinnbringend einzuschätzen. Allerdings machte ich damals den Fehler, mich zu einseitig auf Candlesticks und deren Interpretation zu verlassen. Ich vernachlässigte die Trend- und Formationsanalyse und im schnellen Handel auch die übergeordneten Trends. Erst die Verknüpfung der klassischen Charttechnik mit den aus Japan stammenden Candlesticks brachte mir den kurz- und langfristigen Erfolg.

Auf welche weiteren Hilfsmittel setzen Sie?

Mit Einzug der PC-Chartprogramme und der vielen Möglichkeiten hinsichtlich Indikatoren habe ich natürlich auch diverse Indikatoren und deren Einstellungsmöglichkeiten getestet. Und dies bei den unterschiedlichsten Produkten, ob Bund-Future, DAX-Future, Optionen, Aktien, Rohstoffen und Devisen. Heute arbeite ich nur noch mit einigen wenigen Indikatoren, die mir vor allem in der langfristigen Perspektive anzeigen, ob ein Markt sich in einer Euphorie- oder Depressionsphase befindet.

Sind Sie über die vielen Jahre immer dem Trading treu geblieben?

Nein. Insbesondere zu Beginn meines Tradings habe ich auch eine persönliche Krise erlebt, die mir eine mehrwöchige Pause auferlegte. Eine entsprechende „Auszeit“ ist immer dann ein persönlicher

Gewinn, wenn die eigene Methodik und Strategie hinterfragt werden kann. Hierzu bedarf es aber auch eines Trading-Tagebuches. Über die Jahre habe ich gelernt: Zu einem typischen Handelstag gehört für mich neben der Festlegung einer Strategie auch meine mentale Vorbereitung auf den Tag.

Welche Vorteile bringen 20 Jahre Trading-Erfahrung?

Ich bin heute sehr viel gelassener als vor 20 oder auch vor 10 Jahren. Mein Trading-Ansatz ist heute einerseits auf Lebensqualität und Trendoptimierung ausgerichtet, andererseits betreibe ich an ausgewählten Tagen auch sehr kurzfristiges Day-Trading oder Scalping, um mich mental zu fordern. Die Erfahrung des sehr kurzfristigen, aggressiven Day-Tradings hilft mir zudem, geplante Trades für mittel-bis langfristige Positionen optimal auch im Sinne von Chance-/Risiko-Relationen umzusetzen. Zudem haben mir die Börsenkrisen in den vergangenen Jahren deutlich gezeigt, dass niemand weiß,

wohin die Reise geht. Man muss einfach den Trends folgen und darf sich keine noch so fundierte wirtschaftswissenschaftliche Meinung zu eigen machen. Das wichtigste Gesetz an der Börse lautet: „Der Markt hat immer Recht“.

Haben Sie einige Ratschläge vor allem für Börseneinsteiger?

Einsteiger in die Welt der Börse brauchen vor allem Geduld und klare Regeln. Zu unterscheiden ist jedoch, ob sich ein Einsteiger für die Aktie als Geldanlage interessiert oder eher für das kurzfristige Trading begeistert. Insbesondere Trading-Einsteiger begehen meist einen entscheidenden Fehler: Sie handeln zu viel und versuchen mit zu großem Kapitaleinsatz Geld zu machen. In der Regel sind so Verluste vorprogrammiert und das Depot schmilzt dahin wie Schnee in der Frühlingsonne.

Der Einsteiger ins Anlagegeschäft hingegen macht in der Regel den Fehler, Aktien ohne eigenes Research zu kaufen und liegen zu lassen, auch wenn diese in den Verlust laufen. Für beide gilt letztlich: Zuallererst sollte sich der Anleger und Trader mit kleinen Beträgen versuchen, eine klare Strategie und Regeln aufbauen, die Grundlagen der Charttechnik beherrschen sowie das Geld zusammenhalten. Dazu gehört auch, möglichst zu Beginn die Kosten so gering wie möglich zu halten.

Die Gebühren für Börsenbriefe und eine professionelle Chartsoftware sollten auch im Einklang zum Börsendepot stehen. Trotzdem sollten Anleger und Trader und natürlich vor allem Börseneinsteiger in eine fundierte Ausbildung investieren. Und hier auch den mentalen Aspekt der Geldanlage und des Tradings nicht vernachlässigen. Der Erfolg beginnt im Kopf.

Letztlich sollten Börseneinsteiger die Tätigkeit an der Börse – ob Trading oder langfristiges Investieren – wie eine Geschäftsgründung angehen. Dazu gehört die Aufstellung eines Business-Plans, die Abschätzung der Risiken und die Sicherung des Geschäftskapitals. Erst wenn sich die ersten Gewinne kontinuierlich einstellen, sind die Positionen und damit auch das Risiko, das jede Transaktion darstellt, schrittweise zu erhöhen.

Welche Vorteile hat Ihnen das Traden für Ihr berufliches und privates Vorankommen geboten?

Da ich in den letzten 20 Jahren überwiegend als Trader tätig war, konnte ich ein Höchstmaß an finanzieller und zeitlicher Freiheit genießen. In dieser Zeit habe ich einfach sehr viel intensiver meine Familie und meine fünf Kinder erlebt als andere Familienväter, die einem „normalen“ Job nachgehen. Dies sehe ich als ein großes Privileg an. Ich vermochte zudem meine Frau bei der Verwirklichung ihres Traumberufs tatkräftig zu unterstützen. So kommt es wohl, dass wir seit 18 Jahren glücklich verheiratet sind.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Privat läuft bei mir alles rund. Beruflich wünsche ich mir eine spannende und herausfordernde Zeit. Zudem erwarte ich in den nächsten Jahren weiterhin steigende Aktienmärkte. Ich bin mir sicher, dass meine langjährigen Erfahrungen vielen Anlegern, Tradern und Börseneinsteigern bei ihrer Karriere helfen können. Mein Ziel ist es, dass die Leser von GodmodeTrader mit meinen Analysen und Projekten einen echten Mehrwert geboten bekommen.

Die Fragen stellte Helge Rehbein.

Stefan Salomon arbeitet seit März 2013 als Technischer Analyst für GodmodeTrader.de. Er ist Spezialist für Candlesticks in Verbindung mit der Trend- und Formationsanalyse. Mit fast 20 Jahren Erfahrung ist Stefan Salomon gefragter Medienpartner und Vortragsredner. Einem breiten Publikum ist er darüber hinaus als Analyst bei n-tv und DAF bekannt. In Seminaren und Webinaren vermittelt er sein Wissen an Börsen-Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis.