Immer wieder wird mir die Frage gestellt, welcher Markt Einsteigern zu empfehlen ist? Dahinter steht die Hoffnung, dass es einen Markt gibt, der einfacher ist. Genauer gesagt, in dem es leichter ist, Geld zu verdienen.

So naheliegend eine solche Frage aus Sicht eines Einsteigers auch ist, ich muss Sie leider enttäuschen. Wenn man sich die Sache ein wenig genauer überlegt, wird sehr schnell klar, warum. Gäbe es einen Markt, in dem sich einfacher Geld verdienen ließe, der also für Einsteiger in diesem Sinne besser geeignet wäre, wie … muss dann ein Profi sein, wenn er einen anderen, einen schwereren Markt handelt? Das macht doch keinen Sinn! Gäbe es leichte Märkte, würden diese mit Liquidität überflutet werden, weil früher oder später jeder Trader, ob nun privat oder institutionell in diesem Markt landen würde. Alle anderen Märkte würden austrocken und am Ende wahrscheinlich verschwinden. Da es aber auch heute noch viele Märkte gibt, scheint es den perfekten Einsteigermarkt mit den besseren Gewinnchancen nicht zu geben.

Und es folgt der nächste Irrtum!

Nach unserer ersten Feststellung liegt nichts näher, als davon auszugehen, dass alle Märkte gleich sind. Ungünstigerweise unterliegen Sie hier dem nächsten Irrtum. Natürlich hat jeder Markt seine Eigenheiten und ist letztlich nicht für jeden geeignet. So würde ich den Deutschen Aktienindex, den viele private Trader lieben, ob nun im CFD- oder Zertifikatehandel, als "zickig" bezeichnen, vor allem Intraday. Die gleichen Tradingansätze in einem anderen Markt, bspw. einer Aktie direkt sind oft erfolgsverprechender. Letztlich aber können Sie auch im DAX Intraday-Trading viel Geld verdienen.

Nicht der eigene Erfahrungsstand ist entscheidend!

Die Frage, ob ein Markt geeignet ist oder nicht, hat weniger etwas mit dem aktuellen Erfahrungsstand des Traders zu tun. Vielmehr spielen Sie als Person die entscheidende Rolle. Egal welchen Markt Sie handeln, diesen müssen Sie kennen wie ihre Westentasche. Diesen Lernprozess wird Ihnen keiner abnehmen und natürlich gibt es bei dem einen Markt ein wenig mehr oder etwas anderes zu lernen, als in einem anderen Markt. Entscheidend für die Frage, in welchem Markt Sie Zeit investieren sollten, den Lernprozess in Gang zu setzen, hängt vielmehr von Ihren Voraussetzungen ab. Vielleicht ist es vergleichbar mit einer Ehe. Sie gehen eine Beziehung ein und der Partner sollte passen. Sie sollten ihn mögen, sein Verhalten, seine kleinen und großen Macken. Aber was Sie mögen und was nicht, ist Geschmackssache. Mit Blick auf die Märkte zeigt sich dies am Beispiel der Volatilität. Der eine kommt besser damit klar, wenn sich der Markt ruhiger oder gar behäbig bewegt. Ein anderer hingegen besitzt nicht die Geduld und braucht möglichst viel Bewegung.

Der beste Praxistipp…

… den ich Ihnen als Tradingcoach geben kann, ist simpel: testen Sie sich aus. Heutzutage gibt es unzählige Möglichkeiten, sich an den Märkten zu engagieren, ohne gleich volles Risiko gehen zu müssen. Das fängt damit an, in Excel ein kleines Depot zu führen. Oder Sie nutzen eines unserer Demo-Konten in Guidants, um den Handel zu simulieren.

Viele werden an dieser Stelle vielleicht kritisieren, dass es sich dabei ja nicht um echtes Trading handelt. Dies ist deshalb von Nachteil, so eine weit verbreitete Meinung, weil man im Demo-Trading die Emotionen nicht merkt, denn schließlich ist kein echtes Geld im Spiel.

Es stimmt zwar, dass die Wirkung des Geldes im engeren Sinne fehlt, aber letztlich ist es lediglich eine Frage danach, wie ernst Sie das Demo-Trading nehmen. Wenn Sie wirklich reales Trading in diesem simulieren und realisieren, dass es sich bei dem Kontostand, der dort angezeigt wird, um das handelt, was Sie auch real bekommen würden, sieht die Sache schon etwas anders aus. Versuchen Sie es einmal selbst! Setzen Sie sich klare Regeln im Demo-Trading und traden Sie diese einen Monat oder länger. Na, wie oft haben Sie sich nicht an die Regeln gehalten? Wie oft war ihnen langweilig? Wie oft haben Sie aus Frust und entgegen Ihrer Tradingregeln im Verlust nach gekauft oder den Stopp versetzt? Und wem dies noch nicht reicht, der veröffentlicht jeden Tag seine Trades beispielsweise in Guidants. Spätestens hier werden Sie sehen, wie schnell Demo-Trading Emotionen hervorruft, die absolut vergleichbar mit dem realen Trading sind.

Wer hingegen einfach mal rumspielt und keine Regeln hat, gegen die er verstoßen kann, wird im Demotrading tatsächlich keine Emotionen spüren. Sie machen hier jedoch Dinge, die Sie real gar nicht umsetzen können. Real können Sie bspw. nicht einfach ein neues Demo-Konto aufmachen, wenn das Ergebnis des anderen Ihnen nicht gefällt. Es liegt also nicht am Demokonto, dass es Sie emotional nicht tangiert, es liegt an Ihnen und Ihrem Vorgehen, Ihrer Einstellung & Co.

Viele verzichten aber aus einem noch anderen Grund auf das Demo-Trading, denn dieses kostet Zeit und in dieser Zeit verdienen Sie kein echtes Geld. Es ist die Angst, etwas zu verpassen, die viele dazu verleitet, sehr schnell mit dem realen Trading zu beginnen. Ein großer Fehler, wie die offiziellen Statistiken von CFD-Brokern zeigen. 75 % aller Trader verlieren dort im Betrachtungszeitraum Geld und es ist nicht gesagt, dass die 25 % Gewinner in der nächsten Periode erneut zu den Siegern zählen. Das einzige was Sie also in meinen Augen tatsächlich verpassen, sind wahrscheinlich Verluste!

Fassen wir zusammen!

Sich als Einsteiger an der Börse zu fragen, was der perfekte Markt ist, ist absolut nachvollziehbar. Auf diese gibt es sogar eine Antwort, die jedoch nichts mit dem aktuellen Stand Ihrer Stufe auf der Karriereleiter zu tun hat. Vielmehr sollten Sie den Markt traden, der Ihnen am meisten liegt. Nutzen Sie Demo-Konten, um herauszufinden wo Sie sich wohl fühlen und das nicht nur beim Markt. Sie können in diesem Zusammenhang auch unterschiedliche Tradingsstile und andere Dinge ausprobieren. Hierbei wünsche ich Ihnen

Viel Erfolg

Ihr Tradingcoach Rene Berteit