Auf dem Godmode-Trader und in Guidants finden Sie täglich dutzende von Analysen und Tradingideen und als Trader&Redakteur weiß ich, wie schnell man dem Renditewahn verfallen kann. Höher, schneller, weiter ist dann auch beim charttechnischen Ausblick das Motto, denn welcher Leser möchte schon eine Aktie sehen, die gerade einmal ein oder zwei Prozent Potential hat? Irgendwie müssen ja auch die CRVs stimmen, ein Trade soll sich schließlich lohnen, auch noch nach Gebühren.

An diesen Anforderungen und Wünschen ist absolut nichts auszusetzen, aber als Anleger ist es unabdingbar zu wissen, wo die Realität aufhört und die Phantasie beginnt. Überzogene Erwartungen können tödlich sein, sich leider aber auch viel zu schnell entwickeln. Werfen wir also einen sachlichen Blick auf die Performancechancen im Aktienmarkt!

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Performancechancen im DAX

Verschaffen wir uns mit der Analyse des Deutschen Aktienindexes einen ersten Überblick. Dazu werfen wir einen Blick auf den Monatschart. Uns interessiert, wie viel Prozent der Dax per Monatssaldo zulegen oder verlieren kann. Dafür schreiben wir ein kleines Programm, in dem jeden Monat zur Eröffnung 100.000 EUR im Dax investiert werden, während der Trade zum Schlusskurs des Monats abgerechnet wird. In Abbildung 1 sehen Sie die dazugehörige Statistik.

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Chart erstellt mit Tradesignal-Terminal

Dadurch, dass wir immer ca. 100.000 EUR investieren, geben uns die durchschnittlichen Gewinne und Verluste einen Überblick darüber, was im Dax in einem Monat möglich ist. Die Trefferquote zeigt uns zunächst, dass es sinnvoller ist, den Index monatlich von der Longseite anzugehen. Wir haben eine 59-prozentige Chance, dass der Dax am Monatsende höher steht, als zu seiner Eröffnung. Dabei gewinnt der Index durchschnittlich 3,98 % bzw. 3.980,47 EUR. Fast genauso groß ist die Standardabweichung für gewinnende Trades (3,43 %).

Machen wir aus diesen Zahlen eine kleine Geschichte, um die Messwerte zu verdeutlichen. Schreiben wir zu Beginn des Monats eine Analyse, können wir durchschnittlich Prognosefeile in einer Länge von ca. 4 % gen Norden zeichnen. In diesem Preisbereich wird der Dax zum Monatsende wahrscheinlich notieren. In knapp 40 von 100 Analysen liegen wir jedoch falsch. Zudem betrachten wir nur den Durchschnitt, um den herum die realen Ergebnisse schwanken werden. Die Standardabweichung gibt uns Aufschluss darüber, wie stark diese Schwankungen sein können. Mit einer 68,27-prozentigen Wahrscheinlichkeit (Normalverteilung unterstellt) liegt der Kurs irgendwo zwischen dem Durchschnitt und dem Band der einfachen Standardabweichung. Bezogen auf unser Zahlenwerk liegt die Performance zum Monatsende mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen 0,55 % (3,98 – 3,43) und 7,41 % (3,98 + 3,43). Bedenken Sie in diesem Zusammenhang, dass eine Outperformance in einem Monat in einem anderen negiert werden muss, um zum mathematischen Durchschnitt zurückzukehren.

Erwarten Sie nicht zu viel!

Die Bäume wachsen also alles andere als in den Himmel. Unterstellen wir in jedem Monat ca. 21 Handelstage, dann können Sie sich selbst ausrechnen, wie weit die Kurse im Durchschnitt je Tag steigen oder fallen werden. Natürlich schwanken die realen Kursbewegungen um den Durchschnitt herum, wobei es in Sondersituationen auch zu starken Abweichungen kommen kann. Ungeachtet dieser Volatilität kehrt man am Ende immer wieder gerne zum Durchschnitt zurück. Die Statistik zeigt, dass Anleger nicht zu viel erwarten sollten. Wer jeden Monat Prognosen und Renditen von zehn oder mehr Prozent erwartet, dürfte es unheimlich schwer haben, seine Träume Realität werden zu lassen.

Welche Aktienrenditen sind möglich?

Jetzt übertragen wir unsere Logik auf die Aktien selbst. Gekauft werden alle 30 aktuellen Dax-Aktien nach obiger Logik. Investiert werden dabei jeweils 10.000 EUR. Abbildung 2 zeigt die dazugehörige Statistik, aus der wir erneut eine reale Erwartungshaltung für das Kursgeschehen im kommenden Monat ableiten können.

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Chart erstellt mit Tradesignal-Terminal

Wie sich zeigt, liegt die Wahrscheinlichkeit für einen gewinnenden Monat ebenfalls über 50 %, fällt mit 54,2 % aber etwas kleiner aus, als im Dax. Diese Statistik könnte jedoch durch den Umstand der Dividendenabschläge zum schlechteren verzerrt worden sein. Nahezu alle Dax-Aktien schütten regelmäßig Dividende aus, um die der Chart bereinigt wird. Diesen Effekt konnte unsere Systemlogik nicht berücksichtigen. Da wir im Rahmen unserer Statistik knapp 18 Jahre untersuchten, macht dies immerhin je Aktie 18 Monatsdaten aus. Würden wir unterstellen, dass all diese Monate tatsächlich im negativen Bereich enden und wir korrigieren dies, würde die Statistik besser ausfallen. Natürlich aber springt die Wahrscheinlichkeit auch dann nicht auf 70 % oder mehr. Ich vermute, sie wird ähnlich ausfallen wie im Dax, denn dieser berücksichtigt als Performanceindex die Dividende bereits auf "korrekte" Art und Weise.

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Interessant für die Frage, wie weit sich Aktien im Laufe eines Monats bewegen können, sind erneut die durchschnittlichen Gewinne und Verluste. Hier zeigt sich eine monatliche Rendite bei gewinnenden Trades von durchschnittlich 693 EUR bzw. nur 0,693 % auf das eingesetzte Kapital. Die Standardabweichung beträgt 679 EUR bzw. 0,679 %. Für einen Verlustmonat sind die Zahlen übrigens ähnlich, was sich zudem auch im Dax Index zeigte und oben nicht besprochen wurde.

Diese Zahlen in eine Analyse zu übersetzen, hat schon etwas Deprimierendes. Wir würden in der Mehrzahl der Fälle eine korrekte Prognose erstellen, wenn wir beispielsweise in Adidas zum Beginn des Monats einen Prognosepfeil gen Norden (Wahrscheinlichkeit 54,2 %) und diesen lächerliche 0,693 % weit einzeichnen würden. Das ist die durchschnittliche Performance, die wir in einer Dax-Aktie auf Sicht von einem Monat oder ca. 21 Handelstagen erwarten können. Die Schwankungen um diesen Durchschnitt herum halten sich zudem in Grenzen. Wird erneut die Normalverteilung unterstellt, können wir mit einer 68-prozentigen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Monatsschlusskurs eine Performance irgendwo zwischen 0,014 % und 1,372 % liegen wird. Auch das ist alles andere, als eine gigantische Chance.

Das sind doch alles „Zufälle“

Abschließend könnten wir unterstellen, dass all diese Zahlen mehr oder minder Zufall sind. Immerhin haben wir lediglich die letzten 18 Jahre berücksichtigt und in diesen hatten wir teilweise extrem starke Bärenmärkte. Man erinnere sich nur an die Dot.Com-Blase und die Finanzkrise oder jüngst Corona, wobei diese Daten im Test nicht berücksichtigt wurden. Lassen Sie uns deshalb zum Schluss noch einen Blick auf den Dow Jones werfen, für den ich auf eine lange Historie seit 1935 zurückgreifen kann. In diesem Index werden wiederum 100.000 EUR investiert und in Abbildung 3 können Sie sehen, dass wir auch mit Blick auf die letzten fast 100 Jahre ähnliche Ergebnisse erreichen, wie im Dax. Natürlich könnte der absolute Skeptiker immer noch argumentieren, dass die betrachtete Zeitspanne zu kurz und das Ergebnis eher Zufall ist. Für mich hingegen zeigt die Statistik eine durchaus hohe Signifikanz, auch über Ländergrenzen hinweg.

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Chart erstellt mit Tradesignal-Terminal

Wer zu viel erwartet, wird enttäuscht!

Ich hoffe ich konnte mit diesen Beispielen ihre Sinne für das, was an der Börse möglich ist, schärfen, sofern sie sich nicht bereits der Realität gestellt haben. Ohne Zweifel gibt es immer wieder Ausreißer und grandiose Storys, in denen die Kurse scheinbar in den Himmel wachsen. Andere Unternehmen hingegen bekommen jahrelang keinen Fuß in die Tür und die Aktienkurse fallen von einem Tief zum nächsten. Im Durchschnitt aber sind die Renditen, sowohl im positiven wie im negativen Sinne, recht überschaubar und letztlich werden Ausreißer früher oder später auch durch Bewegungen in die andere Richtung wieder kompensiert.

Diese Realität vergisst man nur allzu schnell, wenn man sich täglich mit den Märkten auseinandersetzt. Eine geniale Nachricht in Aktie A hier, eine Übernahme dort, da muss sich der Aktienkurs doch ordentlich bewegen! Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Im Gegenteil, das was wir durchschnittlich erwarten können, ist eher ernüchternd. So gerne wir alle auch mit weiten Prognosepfeilen arbeiten, so nehmen die Wahrscheinlichkeiten für ein Erreichen großer Ziele entweder ab oder aber man muss der Analyse sehr viel Zeit geben. Ein Punkt, den Langfrist-Investoren bereits am eigenen Leib erfahren haben dürften. Als Trader hingegen soll Ihnen diese Statistik helfen, sich eine realistische Erwartungshaltung anzueignen, anstatt irgendwelchen nicht existenten Phantasien oder zufälligen Ausreißern hinterher zu jagen. Das schöne ist jedoch, dass Sie auch mit relativ kleinen Tagesrenditen über die Zeit sehr viel Geld verdienen können! Sie müssen also nicht immer auf den Lucky Punch hoffen! In diesem Sinne

Viel Erfolg

Ihr Tradingcoach Rene Berteit