Das Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren wird ohne Konzept sonst zur Lotterie und schmerzhafte Emotionen, z.B. Verlustängste, dominieren die eigene Geldanlage.

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Auf meinen Stationen durch die Finanzwelt habe ich so ziemlich alle Strategien gesehen, mit denen professionelle Anleger Geld an den Finanzmärkten investieren. Ich habe mit Insti-Tradern Unternehmensnachrichten gehandelt, mit Programmierern Handelssysteme entwickelt, als Analyst Aktien fundamental bewertet und als Fondsmanager Portfoliostrategien entwickelt. Immer mit einem Ziel im Hinterkopf: die Suche nach der besten Börsenstrategie.

Doch in der Realität hat kaum eine der von mir beobachteten Handelsstrategien zufriedenstellend funktioniert. Die meisten Anleger verloren über kurz oder lang Geld oder wurden von solchen zwischenzeitlichen Enttäuschungen überrascht, dass sie das Vertrauen in ihre Anlagen verloren und zum nächsten günstigen Zeitpunkt verkauften.

Viele Portfoliomodelle und Strategien haben in den Börsencrashs der letzten Jahrzehnte komplett versagt.

Hier einige der größten Katastrophen für Anleger:

1987: Portfolio-Insurance
1998: Long Term Capital (unter den Gründern waren Nobelpreisträger...)
2000: Neuer Markt
2008: Absolute-Return- und Hedgefonds-Versagen (Spitze des Eisbergs: Betrugsfall Madoff)

Die meisten Anlagekonzepte beruhen auf Beobachtungen und statistischen Untersuchungen. Finanzprofis meinen ein wiederkehrendes Muster an den Märkten zu erkennen und fangen an darauf zu wetten, dass sich dieses Verhalten der Börsenkurse auch in Zukunft wiederholt. Das ist im Prinzip auch der einzige Weg Handelsmodelle zu entwickeln und letztlich das „Handwerk“ eines guten Portfolio-Ingenieurs.

Die Gefahr besteht dabei, dass die Finanzkonstrukteure aus ihren Beobachtungen die falschen Schlussfolgerungen ziehen. Das ist eine Fehlprogrammierung unseres Gehirns, das permanent versucht Muster zu erkennen - manchmal auch dort, wo es keine gibt (wie ich in diesem Experiment gezeigt habe: Trading - Über Zusammenhänge, die es nicht gibt.)

Die meisten Strategien sitzen dadurch der sogenannten „Truthahn-Illusion“ auf. Ein Truthahn, der jeden Abend von seinem Metzger gefüttert wird, nimmt aufgrund seiner regelmäßigen positiven Erfahrungen an, dass es der Metzger nur gut mit ihm meint. Im fehlt die Information, dass die Fütterung nur einem Zweck dient: am Tag vor Thanksgiving, bei dem die Truthähne traditionell geschlachtet werden, erlebt er daher eine böse Überraschung: statt mit dem Futter, erscheint der Metzger mit einem Messer.

Eine der innersten Erkenntnisse meiner Börsenlaufbahn ist: eine Strategie darf niemals Geld verlieren.

„Rule No.1: Never lose money. Rule No.2: Never forget rule No.1.“

- Warren Buffett

Eine solche Strategie müsste robust sein, unabhängig von äußeren Faktoren und jeden auch nur erdenklichen Sturm an der Börse überstehen können.

Doch wie kann man eine Strategie „perfekt machen“? Leider gar nicht. Es ist schlichtweg die falsche Frage, auf die man immer wieder die gleichen unbefriedigenden Antworten erhält.

Denn die perfekte Strategie gibt es nicht. Einer vergangenheitsbezogenen Analyse muss logischerweise eine zukünftige Information fehlen (wie dem Truthahn die wahre Absicht des Metzgers) und es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis sie früher oder später versagt. Die simple, aber verblüffende Lösung für dieses Dilemma heißt Diversifikation.

Diversifikation ist der Schlüssel zu allem an der Börse:

1.) Wenn es keine perfekte Börsenstrategie gibt, dann könnte es Sinn machen mehrere Strategien im Portfolio anzuwenden, die sich gegenseitig ergänzen.

2.) Wenn es unmöglich ist, Gewinneraktien im Vorfeld zu erkennen, dann könnte es Sinn machen so viele Aktien wie möglich im Portfolio zu halten.

Deshalb investiere ich im Index-Manager in eine Vielzahl verschiedener Aktienmodelle und setze das ausschließlich mit Indexfonds (ETFs) um.

Dieser "doppelte Boden" garantiert mir, dass ich niemals zum Truthahn werde. Mein Depot darf schwanken, steigen und fallen, aber niemals unter gehen.

Fluctuat nec mergitur!

Viele Grüße
Jakob Penndorf