…nur weil diese mal eine schwierige Zeit haben, in der die Kontokurve tendenziell nach unten zeigt – oder würde Sie etwa die in Abbildung 1 gezeigte Performancekurve für eine Handelsstrategie im DAX traden?

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Auf den ersten Blick scheint diese ja noch ganz passabel. Vielleicht kommen Sie aber schon ins Grübeln, wenn Sie sehen, dass der DAX in 1997 um 2.700 Punkte gehandelt wurde, während aktuell über 9.400 Punkte zu Buche stehen. Wozu dann die Taktik handeln, wenn eine simple Buy & Hold Taktik besser abgeschnitten hat? An dieser Stelle vergessen Sie aber, dass reine Performancevergleiche unsinnig sind, schließlich stellt sich doch immer auch die Frage: Wie wurde die Performance erzielt? Oder noch konkreter: Welche Risiken mussten dafür eingegangen werden? Hier zeigt sich der Vorteil unserer Strategie, denn das Risiko bspw. gemessen an dem zwischenzeitlichen Rückgang in der Performance war deutlich kleiner als im DAX. Wir könnten in dieser Taktik folglich mehr Stückzahlen kaufen, um auf die gleichen Risiken wie in der Buy & Hold Variante zu kommen und würden dann einen größeren Gewinn als mit dieser erzielen.

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Obwohl die Taktik ihren Zweck erfüllt, profitabel ist und besser als der Markt abschneidet, dürften sich wohl nur wenige Trader dafür entscheiden, diese zu handeln. Ich meine, wer will schon von Mai 2000 bis Mai 2002 einige Trades platzieren und dabei Geld verlieren. Genau so lange aber dauerte die erste größere Durststrecke und das alte Kontohoch wird sogar erst wieder im Mai 2006 erreicht. Das ist doch Wahnsinn, oder? Also auf zur nächsten Strategie oder rein in die Optimierung! Das muss doch besser gehen!

Die Ursache für das bescheidene Abschneiden der Taktik zwischen 2000 und 2002 ist schnell gefunden. Die Taktik selbst agiert nur auf der Käuferseite und erhält seine Signale dabei aus dem trendfolgenden Rainbow Indikator. Dieser generiert in der Zeit von 2000 bis 2002 einfach zu viele Signale und da sich der DAX in dieser Zeit im Abwärtstrend befindet, werden aus diesen typische Fehlsignale. Mit diesem Wissen geht das Experimentieren los. Was, wenn ich den Stopp weiter weg lege? Oder was, wenn ich eine andere Einstellung beim Rainbow vornehme? Wie wäre es mit einem übergeordneten Filter, um den Abwärtstrend herauszufiltern oder warum nehme ich nicht am besten gleich alle drei Neuerungen zusammen? Nach ein paar Testrunden das ernüchternde Ergebnis: Tatsächlich können wir an der ein oder anderen Stelle Verbesserungen erzielen, aber selten gibt es diese umsonst. Während wir vielleicht den Drawdown reduzieren können, sinkt die Trefferquote dramatisch oder der Gesamtgewinn wird ein wenig kleiner oder, oder, oder…

Unterbrechen wir an dieser Stelle den Kreislauf, in den die meisten Trader bei diesen und ähnlichen Problemen hineinlaufen und schauen stattdessen auf die Fakten:

  1. Bekanntlich sollen 95% aller Trader verlieren! Die Taktik hingegen würde Sie somit auch ohne Optimierungen in die Gewinnerliga aufsteigen lassen.
  2. Die Taktik agiert nur auf der Käuferseite und das im Tageschart. Ziel dieser ist es, in laufenden Bullenmärkten Gewinne zu erwirtschaften.
  3. Die Taktik ist stabil und bei weitem nicht überoptimiert. Sie folgt einfachen Regeln und lässt Gewinne laufen, während Verluste möglichst zügig realisiert werden.
  4. Die Taktik wurde in diversen Märkten getestet und funktionierte auch in diesen. Per Saldo konnte im Dow, S&P, Nasdaq 100 und in den meisten der 30 DAX Aktien ein Gesamtgewinn erzielt werden. Dies unterstützt These 3.

Für unsere weiteren Überlegungen sind zunächst die Punkte 2 und 3 entscheidend. Die Taktik arbeitet ausschließlich auf der Käuferseite. Kann man unter dieser Maßgabe überhaupt etwas anderes in Abwärtstrends erwarten? Wie soll Ihrer Meinung nach die Performance einer auf die Käuferseite fokussierten Taktik aussehen, wenn sich der Markt im Rückwärtsgang befindet? Klar, ich könnte die Fehlsignale im Abwärtstrend in Gewinne verwandeln, wenn ich einfach kleinere Kursziele ansetze. Schließlich gibt es auch in Bärenmärkten immer wieder eingestreute Erholungen. Aber der Preis dafür ist klar. Läuft ein Bullenmarkt, steige ich mit dieser Regel viel zu früh aus. Hier müsste ich die Gewinne wieder laufen lassen, logisch oder? Oder ich baue einen zusätzlichen Filter ein, so dass in den großen Bärenmärkten die Signale des Rainbows nicht wahrgenommen werden. Aber auch hierfür zahle ich meinen Preis, der in der Regel darin besteht, bei den dann wieder anlaufenden Bullenmärkten erst wesentlich später wieder in den Markt zu kommen, da der Filter seine Zeit brauchen wird, um wieder auf „Go“ zu drehen. Das ist alles nicht das „Gelbe vom Ei“, oder?

Genau jetzt kommt ein meiner Meinung nach gedanklicher Fehler vieler erfolgloser Trader. Eben weil es nicht gelingt, mit dem Rainbow alle Eventualitäten perfekt zu erfassen, wird das Konzept des Rainbows, welches in den letzten Monaten intensiv studiert wurde, vollständig verworfen. Es ist einfach nicht in der Lage, einerseits in Bärenmärkten schnelle Ausstiege zu machen, während in Bullenmärkten Gewinne laufen gelassen werden. Aber was für ein Glück für uns, es gibt doch noch so viele andere Konzepte. Wie sieht es denn mit der klassischen Charttechnik und seinen Formationen aus? Ach ja, und die Elliott-Wellen waren da doch auch noch oder die gerade zuletzt durch Voigt wieder populär gemachte Markttechnik. Also auf ins nächste Gefecht.

Gerne dürfen Sie auch diese Ansätze erforschen, aber das Ergebnis kann ich Ihnen heute schon verraten: Sie werden einen Ansatz nach dem anderen verwerfen und das ist alles andere als ungewöhnlich. Im Gegenteil. Sie müssen sich klar machen, dass jede Tradingstrategie – und sind die Regeln noch so ausgefeilt – immer nur für bestimmte Marktphasen geschaffen wurden. Wer einen Trend reiten will, muss seine Positionen laufen lassen und kann nicht nach nur wenigen Punkten Gewinn aussteigen. Der gedankliche Fehler besteht darin, zu glauben, es gibt irgendwelche Möglichkeiten, im Vorfeld mit hohen Wahrscheinlichkeiten entscheiden zu können, dass ein und dasselbe Muster heute zu einem Trend, morgen aber nur zu einer Range führt.

Diesem unscheinbaren aber gravierenden Gedankenfehler bin ich Jahre aufgesessen. Jahre, in denen ich mir zwar unheimlich viel Wissen über die Börse und das Trading angeeignet habe, aber in denen meine Performance nicht besser wurde. Und dass ich damit nicht alleine dastehe, sehe ich immer wieder im Rahmen des von mir betreuten Ausbildungsservices auf Godmode-Trader.de. Aus diesem Bereich stammt auch die eingangs aufgeführte Tradingstrategie und die Reaktionen auf dieser waren einstimmig: Keiner will sie wirklich handeln, stattdessen kamen Verbesserungs- und Optimierungsideen. Grundlegend sind solche Vorschläge nicht verkehrt, solange wir uns nicht im Kreis drehen. Lassen Sie uns noch ein wenig bei der eigentlichen Problematik bleiben. Ich bin mir sicher, am Ende des Artikels wird Sie die Lösung unseres Dilemmas förmlich anspringen und Sie werden sehen, dass eine Glaskugel, die uns die morgigen Kurse zeigt, gar nicht nötig ist.

Ansetzen müssen wir mit unseren Überlegungen bei einem einfachen Fakt: Im Trading haben wir es mit unterschiedlichen Marktphasen zu tun. Wir können grundlegend in einen Aufwärtstrend, Abwärtstrend und in Seitwärtsbewegungen ohne klaren Trend unterscheiden. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Marktphasen unterschiedlich volatil ablaufen können. Schauen Sie sich hierzu einfach Abbildung 3 und 4 an, welche jeweils typische Seitwärtsbewegungen zeigen. Gemein ist beiden, dass die Kurse innerhalb relativ klarer Grenzen schwingen, während diese Grenzen in Abbildung 3 jedoch 800 Punkte auseinander liegen, sind es in Abbildung 4 nur noch 225 Punkte.

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Ähnlich verhält es sich in Trendphasen. In jedem Trend gibt es eine Bewegung in Richtung des Trends, die kurzzeitig von einer Gegenbewegung, der Korrektur, unterbrochen wird. Mal sehen wir im Rahmen dieser Korrekturen nur sehr kleine Rücksetzer von wenigen Kerzen und Punkten/Euros. Ein anderes Mal fallen diese wesentlich größer aus. Der Chart aus Abbildung 5 zeigt dies mehr als deutlich. In einer einzigen Kaufwelle in der Continental Aktie sehen wir insgesamt vier Korrekturen, von denen jede ein anderes Aussehen als auch eine andere Volatilität besitzt. Schauen wir genauer hin, werden wir wahrscheinlich viel mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Korrekturen finden. Dauert die eine nur wenige Kerzen, gibt es bei einer anderen gleicht doppelt so viele. Kommt es bei der zweiten Korrekturphase nicht annähernd zu einem kompletten Pullback zurück an die alten Ausbruchsniveaus, ist dies bei der dritten Korrektur durchaus der Fall. Mal gibt es also Überschneidungen, mal nicht. Mal kommt es zum Rücklauf direkt bis auf den gleitenden Durchschnitt wie bei Korrektur 1 und 3 und mal wieder nicht, wie in Korrekturphase 2.

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Greifen wir nur diese Marktphasen auf, kommen wir auf sechs mögliche Ausprägungen, in denen der Kurs verlaufen kann. Diese sind zusammenfassend in Abbildung 6 dargestellt und sind alles andere als theoretisch, sondern bittere Realität – egal ob in Aktien, Indizes, Währungen, Rohstoffen, ob im Monats-, Wochen-, Tages- oder Intradaychart. Ebenfalls bittere Realität ist, dass wir mit einem konkreten Regelwerk lediglich auf eine Alternative setzen können. Entweder wir haben einen Trailingstopp eingebaut, der uns in die Lage versetzt, Gewinne laufen zu lassen oder wir haben uns mit unseren Regeln dazu entschieden, die Gewinne durch Kursziele zu beschneiden. Entweder wir setzen mit unserer Strategie auf eine Range und spekulieren darauf, dass der Widerstand hält oder wir spekulieren auf einen Trend, in dem der Widerstand letztlich durchbrochen wird. Und wenn Sie jetzt noch versuchen, sich davon zu lösen, dass es irgendeine Möglichkeit gibt, mit hohen Wahrscheinlichkeiten entscheiden zu können, dass heute der Widerstand hält, morgen aber unter den gleichen Bedingungen gebrochen wird, dann bleibt nur eine Lösung für unser Dilemma übrig: Wir entwickeln mehrere Strategien und handeln diese parallel.

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Unsere Rangetaktik wird in Seitwärtsmärkten gut funktionieren und in Trendphasen ihre Schwierigkeiten kriegen. Hier aber trumpft unsere Trendtaktik auf. Für volatile Korrekturen setzen wir Limitorders auf oder weit in alten Konsolidierungsbereichen, während wir schwach volatile Korrekturen innerhalb eines Trends nur mit anderen Einstiegssignalen oder viel höheren Limitpreisen erwischen können. In der Summe dieser Strategien dürfte es uns viel eher gelingen, eine „passende Kontokurve zu kreieren“, als nach einer Allerweltsformel zu suchen.

Diversifikation auch bei den Tradingstrategien ist also ein Schlüssel zum Erfolg. Dabei können im theoretischen Rahmen sogar Konstellationen möglich sein, die für sich genommen völlig unmöglich scheinen. Glauben Sie nicht? Dann werfen Sie bitte einen Blick auf Abbildung 7. Hierbei handelt es sich um eine rein schematische Darstellung, die verdeutlichen soll, dass es sogar Sinn machen könnte, eine Tradingstrategie zu nutzen, die für sich alleine genommen verlustig arbeitet (grün = Strategie 2). In Kombination mit der profitablen Strategie 1 jedoch ergibt sich eine weniger volatile und damit risikoärmere Gesamtstrategie (blau). Aber warum dann nicht nur rot alleine handeln, schließlich hat diese doch einen größeren Gewinn als unsere Gesamtstrategie? Falls Sie genau dieses Aber einwerfen, dann schauen Sie doch einmal auf die Risiken von blau und rot. Unschwer zu erkennen ist, dass die blaue Kurve viel eher einer Geraden gleicht, als die rote. Die Performance der Gesamtstrategie schwingt viel weniger. Optisch könnten wir diese vielleicht als nur halb so groß einschätzen, was uns im Gegenzug veranlassen könnte, doppelt so große Positionen einzugehen. Damit hätten blau und rot in etwa die gleichen Risiken, aber verdoppeln wir die Positionsgrößen in unserer gemixten Taktik, hätten wir natürlich auch einen doppelt so großen Gewinn und dieser liegt dann deutlich über der Performance von Strategie 1.

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Fassen wir zusammen

Vielleicht sind Sie mit Ihrem Trading schon seit gefühlten Ewigkeiten unzufrieden und das, obwohl Sie wirklich vieles ausprobiert und getestet haben. Egal was Sie angefasst haben, immer gab es irgendwelche untragbaren Schwierigkeiten – viele davon wahrscheinlich sogar zu recht - und immer wieder haben Sie versucht, Ihrer bestehenden Taktik weitere Regeln hinzuzufügen, um diese Schwierigkeiten zu meistern, nur um am Ende alles über Bord zu schmeißen, weil Sie das gewünschte „glatte“ Ergebnis nicht erzielen konnten. Dann versuchen Sie vielleicht einmal einen anderen Weg. Versuchen Sie nicht, das gesamte Spektrum von Bewegungsmöglichkeiten in eine Strategie / Technik zu packen, sondern entwickeln Sie für unterschiedliche Marktphasen unterschiedliche Ansätze und handeln diese parallel. Keine Taktik funktioniert zu jeder Zeit und in jedem Umfeld. Jede Taktik wird ihre Schwierigkeiten haben, aber was zählt ist nicht der einzelne Trade oder die einzelne Taktik, sondern die Summe aus diesen. Je weiter ihr Portfolio auch an Tradingtaktiken gestreut ist, desto größer werden Ihre Chancen. Die Portfoliotheorie sowohl bei den gehandelten Basiswerten als auch hinsichtlich der zur Anwendung kommenden Tradingstrategien ist ein essentieller Baustein des professionellen Tradings, sei es bei erfolgreichen privaten Tradern, Institutionen oder Hedgefonds. Der Mix macht´s! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg!