Im Zuge der Corona-Krise kam es am Markt nicht nur zu einem großen Kurseinbruch, sondern auch zu einem neuen Ansturm von Tradern und Investoren und vielleicht gehören auch Sie dazu. Falls ja, dürften die folgenden Zeilen höchst interessant für Sie werden. Sie können Ihnen eine Menge Ärger ersparen!

Die Corona-Krise

Um uns einzustimmen, werfen wir einen Blick auf die Märkte und den Verlauf seit der Krise.

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Unschwer zu erkennen ist, dass wir die Krise extrem gut verdaut haben. Vor allen Dingen beim Blick auf den US-Technologieindex Nasdaq 100 wird einem schwindlig. Der damalige Crash von ca. 30 % fällt überhaupt nicht mehr auf. Seit dem Crashtief hat der Nasdaq 100 mehr als 120 % zulegen können und sämtliche Korrekturen wurden gekauft.

Aus eigener Erfahrung und aus dem Coaching weiß ich, dass die meisten Tradingneulinge mit einem Longbias an die Börse kommen. Es ist einfach naheliegender, Aktien zu kaufen, als diese zu Shorten. Vielen ist zu Beginn ihrer Karriere noch nicht einmal bewusst, dass man dies überhaupt kann.

Wie stehen Tradingneulinge aktuell da?

Unterstellen wir, dass die meisten Trader in den vergangenen Monaten gekauft haben, dann dürfte es nahezu kaum einen Verlierer geben. Schließlich kamen die Märkte kaum über kleine Korrekturen hinaus und die Krise war schnell vergessen. Der Nasdaq 100 erreichte beispielsweise schon Anfang Juni 2020 ein neues Allzeithoch. Aber selbst wenn der Index einmal über ein paar Wochen nachgab, brauchte man nur nachkaufen und ein wenig warten, um weitere Gewinne zu erzielen. „Buy the Dip“ war in den vergangenen Monaten die perfekte Strategie, um zu gewinnen und das unzählige Male.

Was haben Tradingeinsteiger bisher gelernt?

Mittlerweile sind die Tradingeinsteiger mehr als ein Jahr an der Börse aktiv, dürften große Gewinne erzielt haben, wobei man zwischenzeitlich „schwierigere“ Phasen mit nachkaufen nicht nur problemlos überstanden hat, sondern durch die zusätzlichen Positionen die eigenen Gewinne noch pushen konnte. Dabei haben sich die Trader an die vorherrschende Schwankungsbreite gewöhnt. Im Nasdaq 100 lagen die Korrekturen beispielsweise zwischen 8 und 13 %. Ähnlich ging es auch im Dow und DAX zu.

Fassen wir die derzeitige Situation zusammen, dürften Neulinge an der Börse gute Gewinne erzielt haben, während man mittlerweile mehr als ein Jahr aktiv gewesen ist und dabei ein bestimmtes Marktverhalten kennengelernt hat. Zu diesem Zeitpunkt kommt es häufig zu einem großen Problem. Man überschätzt sein eigenes Können! Darüber hinaus wird die eigene Erfahrung verallgemeinert und man denkt, man kennt den Markt.

Das böse Erwachen

Früher oder später wird jedoch jeder auf den Boden der Realität zurückgeholt. Mit den Regeln und Argumenten, mit denen man bisher viel Geld verdient hat, verliert man jetzt enorme Summen. Der Grund dafür ist im Nachhinein schnell ausgemacht: das Marktumfeld hat sich verändert! Mehr als ein Jahr lang erfolgreich zu handeln, hört sich viel an, ist es jedoch nicht. Wir haben seit der Corona-Krise nur eine Facette des Marktes kennengelernt. Märkte haben jedoch noch andere Gesichter. Diese anderen Gesichter verlangen andere Tradingstrategie bzw. relativieren die bisherigen Ergebnisse. Wie gravierend dies sein kann, möchte ich Ihnen am Beispiel eines kleinen Chartmusters zeigen. Reden kann schließlich jeder, aber Zahlen lügen nicht!

Ein kleiner Swing gefällig?

Greifen wir unseren „buy the dip-Ansatz“ auf und schauen uns dazu die Adidas-Aktie an. Immer wenn diese fällt, also beispielsweise eine Tageskerzen mit einem tieferen Kerzenhoch und Kerzentief als am Vortag ausbildet, haben wir eine kleine Korrektur und diese Korrektur können wir kaufen, sofern die Kurse wieder anziehen. Wir wollen dabei gar keine große Bewegung erwischen, sondern einfach eine Longposition mit einer Haltedauer von beispielsweise drei Tagen eingehen. Mit Blick auf die letzten Monate haben sich so sehr schöne Tradingchancen in der Adidas-Aktie ergeben:

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Wer diese Taktik in den vergangenen Wochen praktizierte, hatte in etwa 65 % der Fälle gewinnen können. In 65 % schaffte es die Adidas-Aktie drei oder mehr Tage hintereinander zu steigen (höhere Kerzentiefs).

Das Problem

Das Problem ist jedoch, dass dies nicht der Normalität entspricht. Ganz im Gegenteil. Adidas hat aktuell mit Blick auf das vorgestellte Muster eine extrem gute Phase. Betrachten wir das gleiche Muster über einen Zeitraum von fast 20 Jahren, wird schnell deutlich, wie überdurchschnittlich gut die aktuelle Phase ist. Die folgende Grafik zeigt den Wahrscheinlichkeitsverlauf für unser Chartmuster und wir sehen, dass die Wahrscheinlichkeit nach 20 Jahren bei nur 36,7 % statt der aktuellen 65 % liegt.

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Zeit ist wichtig!

Fassen wir die bisherigen Erkenntnisse zusammen, können wir festhalten:

  1. Kurse bewegen sich im Zeitablauf unterschiedlich. Salopp formuliert gibt es Phasen, in denen Strategie A gut funktioniert und andere, in denen sie weniger gut abschneidet.
  2. Um sich abschließend eine Meinung über die Wertigkeit einer Strategie bilden zu können, ist Zeit nötig. Erst dann, wenn man alle Marktphasen durchlaufen hat, kann man sich ein abschließendes Urteil bilden.

Diese beiden Punkte werden in der folgenden Grafik noch einmal verdeutlicht und wir bekommen gleichzeitig einen Hinweis darauf, wie lange es bei unserem Muster beispielsweise brauchte, um die unterschiedlichen Marktphasen zu erleben. Es handelt sich um die gleiche Grafik, wie zuvor, nur dass wir jetzt den Blick auf den Anfang dieser richten. Wir sehen, wie stark die Wahrscheinlichkeit zunächst schwankt. Sie nimmt gerade zum Beginn Größenordnungen von 100 % Trefferquote bis hin zu nur 12,16 % Trefferquote an. Erst im Zeitablauf pendelt sich der Wert auf unsere 36 % ein. Dies dauert knapp ein Jahr.

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Zeit versus Häufigkeit!

Kommen wir zur Corona-Krise und Ihnen, als Tradingneuling zurück. Viele von Ihnen mögen jetzt denken: das ist doch kein Problem! Schließlich ist die Krise schon mehr als ein Jahr her und damit eigentlich genügend Zeit vergangen. Wenn ich die bisherigen Ausführungen als Referenzmaßstab ansetze, dürfte sich der statistische Durchschnitt doch schon eingependelt haben, oder?

Das ist natürlich nicht gänzlich ausgeschlossen aber wir müssen berücksichtigen, dass wir mit „buy the dip“ über ein gänzlich anderes Muster sprechen. In den Indizes gab es in den letzten Monaten erst drei oder vier zwischenzeitliche Konsolidierungen/Korrekturen. Im gleichen Zeitraum hat unser Muster in der Adidas-Aktie durchschnittlich 30 Signale gemacht. Das ist fast zehnmal so viel und erst dann hat sich der statistische Durchschnitt eingependelt. Rechnen wir dies auf „buy the dip“ in den Indizes auf mittelfristiger Ebene hoch, reden wir von einem zeitlichen Vergleichsmaßstab von zehn Jahren. Ob es nun wirklich so lange dauern wird, weiß ich nicht. Fakt ist jedoch, drei oder vier Muster reichen einfach nicht aus, um die Ergebnisse zu verallgemeinern, egal wie viel Zeit dabei vergangen ist.

Fazit: ich hoffe dieses Beispiel macht deutlich, wie wichtig es ist, vorsichtig zu bleiben. Nur weil man ein oder zwei Jahre höchst erfolgreich gewesen ist, heißt dies nicht zwangsläufig, dass man die Börse kennt. Wenn Sie erst in den letzten ein oder zwei Jahren an die Börse gekommen sind und langfristig bestehen wollen, sollten Sie sich darauf vorbereiten, dass die schwierigen Zeiten erst noch kommen werden. Das kann durchaus noch ein, zwei oder mehr Jahre dauern aber auch schon nächsten Monat der Fall sein. Wer jedoch vorsichtig unterwegs ist und auf Veränderungen achtet, dürfte mit dem Wechsel der Marktphase kein Problem haben. Wenn Sie also einmal das Gefühl haben, es läuft nicht mehr so, wie in den letzten Wochen und Monaten, sollten Sie reagieren! Falsch wäre es, mit der Brechstange an alten Regeln und Vorgehensweisen festzuhalten. Genauso falsch ist es natürlich auch, Können mit Glück zu verwechseln oder nach ein paar Monaten und 200 % Gewinnen zu denken, man weiß, wie die Börse tickt!

Viel Erfolg

Ihr Tradingcoach Rene Berteit