Zum Jahresende kommt noch einmal Bewegung in die Börsen. Institutionelle Trader schichten im sogenannten Window-Dressing ihre Portfolios um, was in Einzelwerten bestehende Trends verstärkt. Die starken Aktien werden gekauft, die schwachen abgestoßen – so zumindest die Theorie. Natürlich kann mit diesem Vorgehen einmal verpasste Performance nicht mehr aufgeholt werden, aber immerhin kann man den eigenen Kunden aufzeigen, die starken Werte im Depot zu haben.

    Window Dressing als Basis für eine Tradingstrategie

    Spinnen wir diesen Gedanken weiter und berücksichtigen, dass im Investmentbereich der Fokus deutlich stärker auf dem „Kaufen“ denn „Verkaufen“ liegt, kommt man schnell auf die Idee, dass die Kurse in der Vorweihnachtszeit eher steigen, denn fallen. Diese Idee lässt sich in einem einfachen Trading-Ansatz aufgreifen. Ohne weitere Überlegungen startete ich mit dem Gedanken, eine Longposition zum ersten Handelstag im Dezember zu eröffnen, während ich diese am ersten Handelstag im neuen Jahr veräußere.

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    Damit der Ansatz für private Trader auch praktikabel wird, kaufen wir keine Einzelwerte, sondern einen Index wie den Dax. Dies hat mehrere Vorteile. Zum einen wird das Kapital damit auf viele Werte verteilt und damit das Risiko gestreut. Parallel dazu muss der Trader selbst keine Auswahl treffen. Dies ist umso mehr von Vorteil, als dass man sich vor Augen hält, dass das Kapital vieler privater Trader eher klein ist. Nur den wenigsten normalen Anlegern dürfte es keine Probleme bereiten, ein Portfolio aus 30 Aktien mit jeweils größeren Positionen aufzubauen.

    Ich hoffe, Sie sitzen!

    Lassen Sie uns diesen einfachen Ansatz und auf den Deutschen Aktienindex anwenden. Zur Verfügung stehen mir die Daten seit dem Jahr 2000, so dass insgesamt 17 Geschäfte zustande kommen. Dei Trades sind in Abbildung 1 oben in den Chart eingezeichnet. Darunter sehen Sie die Performancekurve und sofern immer ein Dax (1 CFD) gekauft wird, hätten vor Kosten 1.701 Punkte ertradet werden können. Selbst nach Gebühren dürfte noch ein schöner Gewinn übrig bleiben.

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    Chart erstellt mit (c) Tradesignal

    Der Gewinn an sich stimmt Trader und Anleger bereits positiv. In Verzückung gerät man aber auch mit Blick auf die Performancekurve selbst. Gerade in der Zeit von 2004-2014 hat die Taktik grandios funktioniert. Die Performancekurve sieht wie eine stetig steigende Treppe aus. Da kommt man gerne ins Träumen. Wie so oft holt einen die Realität nach einer sehr guten Phase meist auch wieder ein. Die Entwicklung im Dezember 2015 war ein Desaster. Hier verlor der Investor ca. 1.000 Punkte. Glücklicherweise konnten die Verluste durch die enorme Rally des vergangenen Jahres fast wieder wettgemacht werden. Immerhin etwas, aber an der Tatsache, dass es mit Blick auf die letzten beiden Jahre im Rahmen dieser Strategie relativ volatil zuging, ändert es wenig.

    In Summe handelt es sich bei der Strategie um eine durchaus beeindruckende Performance. Dies unterstreicht auch ein Blick auf die Statistik. Mit 76 % hat die Taktik eine relativ hohe Trefferquote und auch der Profitfaktor von über 2 weiß zu überzeugen.

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    Chart erstellt mit (c)Tradesignal

    Es ist nicht alles Gold…

    Ein fader Beigeschmack bleibt jedoch mit Blick auf die Volatilität in den letzten beiden Jahren. So gänzlich ohne Stopps zu arbeiten und in einem Jahr 1.000 Punkte zu riskieren, muss man als Trader erst einmal verkraften. In diesem Sinne ist die Taktik auch wieder ein schönes Beispiel dafür, dass man sich nicht nur auf die rechte Seite der Performancekurve konzentrieren sollte. Natürlich steht dort ein schöner Gewinn und auch die statistischen Kennzahlen überzeugen. Letztlich aber muss der Trader den Weg der Performancekurve über die Jahre auch ablaufen. Wer erst in 2015 mit der Strategie anfing, dürfte gleich ins Wanken gekommen sein. Aber selbst Trader die schon seit Jahren dabei waren, erlitten einen herben Rückschlag. Immerhin stand das Konto in 2016 wieder da, wo man sich in etwa auch 2008 schon befand.

    Fassen wir die bisherigen Erkenntnisse zusammen, bleibt haften, dass es sich durchaus lohnt, im Dezember die Longkarte zu zücken. Bereits mit einem einfachen Ansatz zeigen sich relativ deutliche Vorteile. In einem nächsten Schritt könnte versucht werden, Ausrutscher wie das Jahr 2015 zumindest zu begrenzen. Welches Optimierungspotenzial die Taktik noch hat, werden wir in weiteren Artikeln ergründen.

    Viel Erfolg

    Rene Berteit

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