Risikomanagement mit Optionsscheinen kann aber auch dadurch realisiert werden, dass sie schlichtweg als Alternative zum Direktinvestment eingesetzt werden, ihre Hebelwirkung dabei aber nicht zur Risikoausweitung sondern zur Risikobegrenzung genutzt wird. Lesen Sie in diesem Teil der Beitragsreihe, wie sich eine solche Position selbst hedgt.

Grundlegendes

Die Hebelwirkung von Optionsscheinen entsteht durch den im Vergleich zum Direktinvestment geringeren Kapitaleinsatz. Diese Hebelwirkung kann einerseits zu Spekulationszwecken genutzt werden. Dabei investiert der Anleger den vorgesehenen Betrag nicht in den Basiswert sondern komplett in Optionsscheine auf diesen Basiswert.

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Andererseits kann die Hebelwirkung aber auch dazu genutzt werden, Ihren Kapitaleinsatz, mithin Ihr Risiko, zu verkleinern. Stellen Sie sich vor, Sie würden nur so viele Optionsscheine kaufen, wie es der Anzahl an Basiswertstücken entspricht, die Sie mit dem vorgesehenen Betrag kaufen könnten. Sie würden dann genau so an der Wertentwicklung des Basiswertes teilhaben, als wenn Sie den vollen Betrag direkt in den Basiswert investiert hätten, könnten den freien Restbetrag jedoch anderweitig investieren und hätten Ihr Verlustrisiko bei der Position deutlich begrenzt. Auf diese Weise würden Sie die Hebelwirkung der Optionsscheine lediglich dazu nutzen, Ihr Anlagekapital breiter streuen zu können, als wenn Sie ohne Hebel investiert hätten.

Werden Short-Engagements mithilfe von gekauften Put Optionsscheinen statt durch einen Leerverkauf des Basiswerts umgesetzt, lässt sich auch das potenziell unbegrenzte Verlustrisiko, das beim Shortselling bestehen würde vermeiden.

Beispiele

Die folgenden Beispiele sollen zunächst die Strategie erläutern, mithilfe der Hebelwirkung von Optionsscheinen Ihr Risiko im Vergleich zum Kauf des Basiswertes zu verkleinern anstatt zu vergrößern (Varianten 1). Danach wird diese Strategie mit einem gehedgten Direktinvestment in den Basiswert verglichen (Varianten 2). Vereinfacht wird die Darstellung dadurch, dass Gebühren und Kommissionen unberücksichtigt bleiben.

Variante 1: Kauf von Call Optionsscheinen anstatt Kauf des Basiswertes

Wenn Sie 5000 Euro zum Beispiel in Daimler Aktien investieren wollen, könnten Sie dafür bei einem Kurs von 69,65 Euro 71 Aktien erwerben. Wenn Sie statt dessen den Betrag jedoch in Call Optionsscheine auf Daimler mit einer Laufzeit bis zum 13. Juni 2018 und Basispreis bei 60 Euro investieren würden, konnten Sie damit am Vormittag des 2. Januar 2018 bis zu 4901 Optionsscheine (mit Bezugsverhältnis 1/10) a 1,02 Euro kaufen. Sie würden also durch Kauf der Optionsscheine knapp 6 Monate an der Kursentwicklung von 490 Daimler Aktien teilhaben können, obwohl Sie mit dem Betrag eigentlich nur 71 Daimler Aktien kaufen könnten. Wenn Sie nun jedoch nur so viele Optionsscheine kaufen würden, wie es der Anzahl an Aktien entspricht, die Sie mit dem Betrag kaufen könnten, reduzieren Sie mithilfe der Hebelwirkung Ihr Risiko. Sie würden in diesem Fall also lediglich 710 Optionsscheine (entsprechend des Bezugsverhältnisses 1/10) kaufen und hätten die Möglichkeit, an der Kursentwicklung von 71 Daimler Aktien teilzuhaben, obwohl Sie statt 5000 Euro nur rund 724 Euro eingesetzt haben. Darin enthalten ist ein Aufgeld von knapp 2 % p. a. Die Vorteile sind klar: Sie können nur 724 Euro statt 5000 Euro verlieren und Ihnen stehen die restlichen 4276 Euro für andere Investments zur Verfügung, um ihr Kapital breiter zu streuen.

Variante 2: Kauf des Basiswertes bei gleichzeitiger Absicherung mit Put Optionsscheinen

Der klassische Einsatz von Optionsscheinen ist das Absichern einer Position im Basiswert. Hier würde also zunächst der Betrag von 5000 Euro direkt in den Basiswert investiert. Es würden also 71 Daimler Aktien zum Kurs von 69,65 Euro gekauft. Diese Position würde gleichzeitig durch 710 Put Optionsscheine (Bezugsverhältnis 1/10) abgesichert. Ein Put Optionsschein mit Strike-Preis 70 Euro, also leicht im Geld, kostete am Vormittag des 2. Januar 2018 0,54 Euro. Die Absicherung kostet somit für 6 Monate 383,40 Euro (darin enthalten sind 24,85 Euro innerer Wert). Dies entspricht einem Aufgeld von rund 14 % p. a. Jedoch wären Kursverluste unterhalb von 70 Euro abgesichert. Der maximale Betrag, den Sie riskieren, beträgt also 358,55 Euro (Kosten für die Puts abzüglich des inneren Werts). Diesen Betrag können Sie also maximal verlieren, jedoch wären insgesamt rund 5330 Euro gebunden (Basiswertinvestment und Optionsscheine).

Vergleich

Die Variante 1 zeichnet sich durch die geringen Finanzierungskosten in Form von Aufgeld aus. Sie hat darüber hinaus den Vorteil, dass nur eine Position eröffnet werden muss. Die Variante 2 entspricht dem klassischen Hedgingmodell. Sie besteht also aus zwei Positionen – dem Direktinvestment und der Absicherungsposition aus Optionsscheinen. Dies bindet zusätzliches Kapital. Ein weiterer Nachteil: Die Kosten (Aufgeld) der Absicherungsposition aus geldnahen Optionsscheinen (im Beispiel ungefähr 14 % p. a.) führen zu einer ungünstigen Verschiebung des Break Even. Der Kurs des Basiswertes muss also weit mehr in die gewünschte Richtung laufen als bei der Variante 1 , um die Position in die Gewinnzone zu bringen. Das geringere Aufgeld bei der Variante 1 wird jedoch dadurch “erkauft“, dass die verwendeten Optionsscheine relativ weit im Geld liegen. Zwar wird dadurch effektiv mehr Kapital riskiert als bei der Hedgingvariante, jedoch ist immer noch weitaus weniger Kapital gebunden als bei einem Engagement im Basiswert direkt.

Fazit

Die Möglichkeit, durch eine Kombination aus einer Position im Basiswert und einer Absicherungsposition in Optionsscheinen auf diesen Basiswert, eine Risikobegrenzung zu erreichen, ist vielen Anlegern grundsätzlich bekannt. Ziel dieses Beitrags war es jedoch, herauszuarbeiten, dass auch durch ein ausschließliches Investment in Optionsscheine, also als Alternative zum Engagement im Basiswert, eine Risikobegrenzung erreicht werden kann. Voraussetzung dafür ist, dass die Hebelwirkung der Optionsscheine nicht zum spekulativen Einsatz genutzt wird, sondern dazu, dass eingesetzte Kapital entsprechend des Hebels zu reduzieren. Im Vergleich zum Direktinvestment in den Basiswert (gegebenenfalls kombiniert mit absichernden Optionsscheinen) ist deutlich weniger Kapital gebunden. Das verbleibende freie Kapital kann anderweitig investiert werden. Diese Streuung führt indirekt zu einer weiteren Risikobegrenzung. Soweit das verbleibende freie Kapital in einer risikolosen, festverzinslichen Form angelegt wird, deren Ertrag den Kauf der Optionsscheine finanziert, ist die Anlage (abgesehen vom Emittentenausfallrisiko) sogar risikolos.

Im Vergleich zur klassischen Variante, eine Position im Basiswert mit Optionsscheinen abzusichern, erscheint die Strategie attraktiver. Anstatt neben dem ursprünglichen Trade ein weiteres Absicherungsgeschäft eingehen zu müssen, bietet das reine Investieren in Optionsscheine als Alternative zum Direktinvestment bereits einen “eingebauten“ Selbstschutz – und dies zu deutlich geringeren Kosten und mit weniger gebundenem Kapital als beim Hedgen mit geldnahen Optionsscheinen.

Bedacht werden sollte jedoch, dass bei der hier unter Variante 1 vorgestellten Strategie trotz der geringeren Kapitalbindung dennoch mehr Kapital riskiert wird, als beim klassischen Hedgingmodell. Darüber hinaus muss der Anleger auf etwaige Dividendenzahlungen verzichten, die bei einem reinem Optionsscheininvestment ohne parallel bestehendes Investment im Basiswert nicht anfallen. Wie bei jeder Anlage in Optionsscheine ist selbstverständlich auch zu bedenken, dass es sich im Gegensatz zum Direktinvestment, um eine Investition auf Zeit handelt. Für einen erfolgreichen Trade muss die anvisierte Kursentwicklung des Basiswertes also innerhalb der Laufzeit der Optionsscheine eintreten.


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