Die Strategien, mit denen dies möglich ist, sind so nicht mit anderen Hebelprodukten wie Knock-Outs umsetzbar. Wie bereits in den vorausgegangenen Teilen der Beitragsreihe erläutert, bieten Optionsscheine die Möglichkeit, bis zum Ende ihrer Laufzeit investiert zu bleiben, ohne durch eine Knock-Out-Schwelle aus dem Trade geworfen zu werden. So kann man also gleichzeitig auf Kursbewegungen sowohl nach oben als auch nach unten setzen, ohne in einer Richtung ausgeknockt zu werden.

Auf steigende Volatilität setzen

Der Preis eines Optionsscheins wird maßgeblich durch die erwartete Schwankungsbreite (Volatilität) seines Basiswerts beeinflusst. Dadurch sind Optionsscheine in ruhigen Marktphasen häufig besonders günstig. Volatilitätsindizes wie der VDAX-New und der VSTOXX werden auch als "Angstbarometer" bezeichnet. Zur Zeit (18. Dezember 2017) notieren sie niedrig. Anlegern, die auf eine Zunahme der Schwankungsbreite eines bestimmten Basiswerts setzen möchten, bieten Optionsscheine dazu hervorragende Möglichkeiten. Kombiniert man eine gleiche Anzahl an Calls und Puts mit identischer Laufzeit und identischem Basispreis entsteht ein "Straddle". Mit dieser Kombination kann von einer Zunahme der Schwankungsbreite profitiert werden, egal ob der Kurs des Basiswerts steigt oder fällt. Der Verlust ist dabei auf das zum Kauf der Optionsscheine eingesetzte Kapital begrenzt.

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Beispiel: Straddle auf den DAX

Zur Veranschaulichung betrachten wir folgendes Beispiel: Am Nachmittag des 18. Dezember 2017 notiert der DAX ungefähr bei 13.300 Punkten. Wir betrachten einen Call- und einen Put-Optionsschein auf den DAX, mit je einem Basispreis auf diesem Niveau. Beide Optionsscheine laufen bis zum 13. Juni 2018. Der Gesamtpreis für beide Optionsscheine beträgt 10,78 EUR (Call 5,60 EUR + Put 5,18 EUR). Um mit der Strategie am Laufzeitende der Optionsscheine einen Gewinn zu erzielen, muss der DAX über 14.378 Punkte steigen oder unter 12.222 Punkte fallen. Zur Berechnung dieser Break-Even-Punkte gibt es die folgende Formel:

Break-Even-Punkt Long = Basispreis + Optionsscheinpreise ÷ Bezugsverhältnis

14.378 = 13.300 + 10,78 EUR ÷ 0,01 

Break-Even-Punkt Short = Basispreis – Optionsscheinpreise ÷ Bezugsverhältnis

12.222 = 13.300 – 10,78 EUR ÷ 0,01 

Liegt der DAX zur Fälligkeit bei 13.300 Punkten, so haben weder der Call- noch der Put-Optionsschein einen Inneren Wert. Liegt der DAX unterhalb der 13.300-Punkte-Marke, steigt der Innere Wert des Puts beziehungsweise im umgekehrten Fall der des Calls.

Vor dem Laufzeitende kann jedoch noch Zeitwert vorhanden sein, so dass es denkbar ist, dass die Straddle-Position während der Laufzeit auch schon in den Gewinn läuft, ohne dass der DAX die oben genannten Break-Even Punkte erreicht hat.

Auf stark steigende Volatilität setzen

Für Anleger, die sogar von einer starken Zunahme der Schwankungsbreite ausgehen, könnte das Aufsetzen eines Strangles eine geeignete Strategie sein. Ein Strangle besteht ebenfalls aus einem gekauften Call- und einem gekauften Put- Optionsschein. Im Gegensatz zu einem Straddle haben die Optionsscheine aber unterschiedliche, aus dem Geld liegende Basispreise. Die Restlaufzeit ist jedoch weiterhin identisch. Mit einem Strangle setzt man auf größere Kursschwankungen des Basiswerts als mit einem Straddle. Auch hier ist der Verlust auf das zum Kauf der Optionsscheine eingesetzte Kapital begrenzt.

Beispiel: Strangle auf den DAX

Bei einem DAX Stand von ungefähr 13300 Punkten am Nachmittag des 18. Dezember 2017 betrachten wir einen Call-Optionsschein auf den DAX mit einem Basispreis von 13.800 Punkten und einen Put-Optionsschein auf den DAX mit einem Basispreis von 12.800 Punkten. Laufzeitende beider Optionsscheine ist wie bei der Strangle-Position der 13. Juni 2018. Der Gesamtpreis für beide Optionsscheine beträgt 6,48 EUR (Call 3,00 EUR + Put 3,48 EUR). Ein Strangle ist also billiger als ein Straddle. Um mit dieser Strategie am Laufzeitende der Optionsscheine einen Gewinn zu erzielen, muss der DAX über 14.448 Punkte steigen oder unter 12.152 Punkte fallen. Die Break-Even-Punkte sind hier also etwas weiter entfernt, als bei dem Strangle im Beispiel oben. Liegt der DAX zur Fälligkeit der Optionsscheine zwischen 12.800 und 13.800 Punkten, haben weder der Call- noch der Put-Optionsschein einen inneren Wert. Liegt der DAX über 13.800 Punkten oder unter 12.800 Punkten gewinnt der Call beziehungsweise der Put an inneren Wert.

Vor dem Laufzeitende kann jedoch noch ein Teil des Zeitwerts vorhanden sein, so dass es denkbar ist, dass die Straddle-Position während der Laufzeit auch schon in den Gewinn läuft, ohne dass der DAX die oben genannten Break-Even Punkte erreicht hat.

Der nächste Teil der Betragsreihe erscheint in ungefähr 14 Tagen. Wenn Sie meinem Stream auf Guidants folgen, erfahren Sie es sofort, wenn ein neuer Beitrag der Reihe auf GodmodeTrader verfügbar ist.