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    ETFs, sogenannte Exchange Traded Funds, erfreuen sich einer immer größeren Anhängerschafft. Auch Warren Buffett hat die Vorteile von ETF-Indexfonds längst erkannt. Sein Testament sieht vor, 90 Prozent des an seine Frau zu vererbende Vermögens in einen ETF auf den S&P 500 zu investieren. "Die meisten Anleger seien mit einem ETF deutlich besser beraten als mit einem klassischen, aktiv gemanagten Fonds", so Buffett. Grund genug, sich mit diesem Thema näher zu beschäftigen.

    Doch was ist dran an Exchange Traded Funds? Wie sind diese entstanden und wo liegt der Unterschied zu klassischen Investmentfonds? Welche Typen gilt es hier zu unterscheiden? Wo liegen die Vorteile? Wie ist der jüngste Trend in Richtung strategischer ETFs zu bewerten und wie steht es eigentlich um die rechtlichen Grundlagen? Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Sie diesem ausführlichen ETF-Leitfaden.


    Übersicht

    1 Was ist ein ETF? Eine Definition

    2 ETF Geschichte und Entwicklung

    3 Vorteile und Nachteile von ETF
    3.1 Vorteile
    3.2 Nachteile

    4 ETF-Typen im Überblick
    4.1 Nach Assetklasse
    4.2 Nach Investmentstrategien
    4.2.1 ETF-Indexfonds
    4.2.2 RAFI (Research Affiliated Fundamental Indexing)
    4.3 Nach Art der Index-Nachbildung

    5 Rechtliche Grundlagen von ETF
    5.1 Anforderungen an ETFs
    5.2 Sondervermögen

    6 Exkurs: ETF vs. ETC - Wo liegt der Unterschied?

    7 ETF Sparpläne

    8 "Der beste Dax-ETF?"

    9 Liste der wichtigsten ETF Anbieter

    10 Liste der wichtigsten Index-Provider

    11 Fazit und ETF-Finder


    1 Was ist ein ETF? Eine Definition

    Ein Exchange Traded Fund, kurz ETF, ist ein börsengehandelter Fonds, der in aller Regel einen Index abzubilden versucht. Ziel des ETF ist also, den Kursverlauf eines Vergleichsindex so exakt wie möglich nachzubilden.

    Im Vergleich zu vielen Investmentfonds, die üblicherweise über die emittierende Investmentgesellschaft erworben oder veräußert werden können, sind ETFs wie etwa eine Aktie (nach dem Börsengang) über den Sekundärmarkt einfach und unkompliziert handelbar. Dabei bieten ETFs jedoch die Möglichkeit, mit nur einem Produkt bereits einen gesamten Markt (bspw. den DAX oder EUROSTOXX) oder etwa ein Branchenexposure zu erwerben und somit kostengünstig zu diversifizieren.

    Aufgrund des Fehlens von aktiven Fondsmanager-Entscheidungen wird ein Teil der ETF-Produkte auch als passive Indexfonds bezeichnet. Weitere technischere Erläuterungen zur grundsätzlichen Ausgestaltung von ETFs finden Sie im weiteren Verlauf oder in einem ausführlichen Artikel von Thomas May.


    2 ETF Geschichte und Entwicklung

    Auch wenn ETFs erst in den letzten 20 Jahren spürbar an Bekanntheit zunehmen, sind die Grundgedanken an indexorientierten, börsengehandelten Fonds bereits auf die 50er-Jahre des 20 Jahrhunderts zurückzuführen. Im Folgenden finden Sie einen kurzen Überblick der ETF-Entstehungsgeschichte. Weitere Informationen hierzu finden Sie zudem im zugrundeliegenden Spezialartikel.

    • 1952: Zunächst existieren Indexfonds nur als Idee von US-Ökonomen. Im Zentrum steht Harry Markowitz, der 1952 mit seiner Modern Portfolio-Theorie den Grundstein dieses Anlagekonzepts legt. Viele Wertpapiere im Portfolio senken das unsystematische Risiko, so die Idee. Indizes - und deshalb auch ETFs auf Indizes - würden diesen Ansatz bereits sehr gut abbilden.
    • 1970: Eugene Fama präsentiert seine Efficient Market Theory. Die Märkte - präziser ausgedrückt eine Benchmark - können langfristig nicht geschlagen werden. Auch nicht mit geschicktem Stockpicking. Auch wenn es Gegenbeispiele gibt - schwer ist es allemal.
    • 1971: William Sharpe und Bill Fouse kreieren bei Wells Fargo mit dem "Samsonite Pension Fund" den ersten Indexfonds für institutionelle Investoren.
    • 1976: John Bogle und Burton Malkiel entwickelten rund 5 Jahre später mit dem Vanguard 500 den ersten Indexfonds speziell für Privatanleger.
    • Anfang der 80er Jahre: Programmhandel und Futures ermöglichen es institutionellen Investoren mit sehr viel weniger Aufwand große Aktienkörbe zu kaufen und zu verwalten.
    • 1987: Handelsstart von Cash Index Participations (CIPs) an der Philadelphia Stock Exchange und Index Participation Shares (IPS) an der American Stock Exchange.
    • 1988: Erster Indexfonds "CB German Index Fund" für Institutionelle Investoren in Deutschland. Der Emittent: Luxemburger Commerzbanktocher CB German Index Fund Company.
    • 1989: Der Handel mit den auf dem TSE-35-Index basierenden Toronto Index Participation Shares (TIPS) beginnt in Kanada. TIPS sind das erste aktienbasierte Instrument zum Indexhandel. Wenig später werden die Toronto 100 Index Participations (HIPs) nach dem gleichen Prinzip eingeführt.
    • 1990: Zulassungsprozess für ETFs wird in Gang gesetzt.
    • 1992: Erster deutscher Index-Publikumsfonds "Oppenheim DAX-Werte Fonds" vom Bankhaus Oppenheim.
    • 1993: Erster ETF mit Namen SPDRs (Standard & Poor's Depository Receipts) an der American Stock Exchange
    • 1996: "WEBS" und "Country Baskets" sind die ersten ETFs, die auf einzelnen Länderkörben basieren.
    • 1998: Einführung von "Diamonds", "HOLDRs" und "Select Sector SPDRs".
    • 1999: Einführung von Nasdaq-100-Trust-Anteile "Cubes".
    • 2000: Der ETF-Handel in Europa wird erlaubt. In Deutschland, Großbritannien, Israel, der Schweiz und Schweden nimmt die Entwicklung einen schnellen Lauf.
    • 2004: Gold- und Immobilien-ETFs werden initiiert. ETFs für Schwellenländer werden lanciert
    • 2005: ETFs erobern neue Märkte: Osteuropa- und Südafrika-ETFs gehen an den Start. Börse Dublin legt ersten ETF für irische Aktien auf.
    • 2010: Erster High Yield ETF auf Unternehmensanleihen in Europa
    • 2011: Erster ETF auf Volatilität in Europa
    • 2014: Erster ETF mit direktem Zugang zu chinesischen A-Aktien

    Folgender Chart verdeutlicht die rasante Entwicklung von ETFs seit 2000 am Beispiel des europäischen Marktes. Die Marke von 300 Mrd. EUR wurde im Jahr 2015 erstmals geknackt, finale Daten stehen jedoch noch aus.

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    3 ETF Vorteile und Nachteile

    Die erwähnten Zahlen sprechen also für sich. Doch wo genau liegen die Vorteile von Exchange Traded Funds? Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Pro-Argumente und zwei Contra-Argumente kurz aufgelistet und erläutert. Für eine deutlich umfassendere Abhandlung finden Sie unter folgendem Link einen Artikel über die Vorteile von Exchange Traded Funds.

    3.1 Vorteile

    • Sehr geringe Kosten
      ETFs sind traditionell wesentlich günstiger als Investmentfonds. Weder ist beim Erwerb ein Ausgabeaufschlag zu zahlen, noch verlangt die ETF-Gesellschaft beim Verkauf eine Rücknahmegebühr. Auch sind die Managementmentgebühren, die pro Jahr fällig werden, deutlich geringer als bei klassischen Investmentfonds. Der Grund ist, dass durch den passiven, Index-abbildenden Ansatz bei ETFs eben auch weniger bis kein aktives Portfoliomanagement notwendig ist.
    • Meist geringer Spread
      ETFs besitzen weiterhin eine ähnliche Handelskostenstruktur wie Aktien. Der Spread, also der Unterschied zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs (Bid und Ask), ist sehr gering und liegt häufig bei nur rund 10 Basispunkten (0,10 Prozent). Grund hierfür ist unter anderem die häufig hohe Liquidität bei ETFs.
    • Hohe Transparenz
      ETFs sind deutlicher transparenter als Investmentfonds. Alle notwendigen Börseninformationen wie etwa Kurse oder Handelsvolumina sind auf den Internetseiten der Emittenten, Börsen oder Nachrichtenagenturen abrufbar. Zudem muss die Zusammensetzung des ETF-Portfolios täglich neu zu veröffentlicht werden.
    • Fortlaufender und sekundenschneller Handel
      Auch hier kann ein Vergleich zu Aktien gezogen werden: ETFs sind während den üblichen Börsenöffnungszeiten jederzeit handelbar. Traditionelle Fonds hingegen stellen hierbei in der Regel nur einmal pro Tag den Anteilspreis fest.
    • Hohe Flexibilität
      Der vorherige Punkt führt zu weiteren Vorteilen. So kann bei ETFs bei Bedarf auch mit den bekannten Stop-Loss-Orders oder Limit-Orders gearbeitet werden. Zudem können Sie wie bereits erwähnt mit nur einem Investment gleich ganze Märkte kaufen.
    • Hohe Diversifikation
      Die Möglichkeit, gleich einen ganzen Wertpapierkorb zu kaufen, erleichtert die Diversifikation ungemein. Gleichzeitig ist nur ein Bruchteil der Ordergebühren notwendig, die fällig wären, wenn man einen Markt manuell nachbilden möchte.
    • Zunehmend strategisch orientierte Produktpalette
      Inzwischen ist auch ein Trend weg von reinen ETF-Indexfonds hin zu strategischeren ETF-Portfolien entstanden. Dabei können inzwischen auch Aktien mit gewissen Kriterien als Korb erworben werden. Etwa Aktien aus einer gewissen Branche, oder aber auch Unternehmen mit isolierten Value-, Growth-, Momentum- oder Low-Volatility-Eigenschaften.

    Der folgende Chart zeigt beispielhaft, wie der Kursverlauf von Dax und einem bekannten Dax-ETF in jeder Marktlage nahezu identisch ist. Abweichungen kommen in aller Regel lediglich durch die üblichen Gebühren zustande.

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    Dax (gelb) und Dax-ETF (blau) im Vergleich.

    3.2 Nachteile

    Wo es Vorteile gibt, muss es Nachteile geben. Wie immer gilt: Was Vor- und was Nachteil ist, bestimmen letztlich Ihre persönlichen Präferenzen.

    • Keine Outperformance des gewählten Index möglich
      Logisch: Wenn ein ETF lediglich einen Index abzubilden versucht, entfällt die Möglichkeit einer Outperformance gegenüber diesem Index komplett. Fraglich ist an dieser Stelle üblicherweise, ob denn einem klassischen Fonds dieses Unterfangen nach Abzug von Kosten gelingt.
    • Swap-basierte ETFs beherbergen zum Teil Emittentenrisiko
      Wie im weiteren Verlauf des Artikels erläuter wird, gibt es verschiedene Arten der Abbildung eines ETF. Swap-basierte ETFs beherbergen hierbei ein gewisses Kontrahentenrisiko - dazu später mehr.

    4 ETF-Typen im Überblick

    In die inzwischen sehr breite Produktpalette an ETFs Ordnung zu bringen, fällt bei der Recherche zunächst nicht leicht. In diesem Kapitel finden Sie deshalb mehrere Querschnitte bzw. Unterscheidungen im ETF-Markt. Zunächst nach Assetklasse, dann nach Art der verfolgten Investmentstrategie sowie abschließend nach der Art der Nachbildung.

    4.1 Nach Assetklasse

    ETFs gibt es inzwischen für Indizes jeder erdenklichen Assetklasse. Zu den verbreitetsten Anlageklassen gehören hierbei:

    • Aktien
    • Anleihen
    • Geldmarkt
    • Währungen
    • Rohstoffe und
    • Immobilien

    Zudem wird sich im folgenden Abschnitt zeigen, dass sich ein Teil des ETF-Marktes vom grundsätzlich indexgebundenen Ansatz entfernt hat und ETF-Produkte auf bestimmte Strategien anbietet. So existieren auch ETFs auf Alternative Investment-Strategien (bspw. Managed Futures, Merger Arbitrage, etc.) oder spezielle Faktoren einer Assetklasse (sog. Factor-Investing).

    4.2 Nach Investmentstrategien

    Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal im ETF-Dschungel ist das der Investmentstrategien. Vor einigen Jahren noch hätte man dieses Thema nur stiefmütterlich abhandeln können, da die ursprüngliche Idee eines ETF die Abbildung eines Referenzindex war. Doch zwei Tatsachen haben weitere Anwendungsmöglichkeiten neben der reinen Indexabbildungsstrategie hervorgebracht.

    4.2.1 ETF Indexfonds

    • Einerseits existieren Indizes nicht nur auf breitere Aktienmärkte wie etwa DAX, S&P 500 oder MSCI World. Auch gibt es Indizes auf verschiedene Branchen oder aber auf in einem Index zusammengefasste Schwellenländer, die dann wiederum von ETF-Anbietern nachgebildet werden können. Hierbei kann der Investor also auch maßgeschneidertere Strategien spielen und bspw. ein komplette Branche mit nur einem ETF erwerben.
    • Weiterhin bieten Indexprovider wie MSCI oder Dow Jones seit langem nicht mehr nur nach Marktkapitalisierung gewichtete Indizes an, sondern haben beispielsweise auch entsprechende Aktienindizes auf Unternehmen mit gewissen fundamentalen oder zeitreihenbezogenen Faktoren im Angebot. Ein Quality-Index etwa enthält aus einem definierten Universum nur diejenigen Aktien mit einem attraktiven Debt-to-Equity-Ratio. Ein Low-Volatility-Index hingegen hält per fest definierter Regel nur Aktien mit historisch betrachtet geringer Volatilität. Wieder gilt: Auf jeden existierenden Index kann ein ETF aufgelegt werden, und wieder kann mir nur einer Order ein in sich diversifiziertes Faktor-Portfolio gehandelt werden.

    4.2.2 RAFI (Research Affiliated Fundamental Indexing)

    Dieser in Deutschland bislang eher weniger bekannte Begriff bezeichnet einen weiteren und neueren strategischen Ansatz im ETF-Markt. Grundsätzlich werden dabei ETFs aufgesetzt, die nach gewissen quantitativen Modellen bspw. Aktien mit gewissen fundamentalen Merkmalen identifizieren und ins Portfolio übernehmen. Der Unterschied ist, dass sich ein RAFI-ETF nicht zwangsläufig auf einen Index beziehen muss, sondern ein durch den ETF-Anbieter vorgegebenes Modell darstellt, nach dem die Investitionsentscheidung getroffen wird. Freilich handelt es sich dann nicht mehr um einen typischen passiven ETF, denn zu einem gewissen Grad greift der ETF-Anbieter aktiv ins Portfolio ein, wenn auch auf Basis vorher festgelegter und eindeutiger Regeln. Konsequenterweise sind RAFI-ETFs dann etwas teurer als ein durchschnittlicher rein passiver ETF.

    In der Praxis ist die Überschneidung zwischen RAFI-Strategien und den im letzten Kapitel erwähnten Indizes auf fundamentale oder zeitreihenbezogene Faktoren teils sehr groß. Der Grund ist, dass solche Faktoren in der Regel nur dann den Weg in ein RAFI-ETF finden, wenn der jeweilige Faktor historisch getestet wurde und nachweislich zumindest in vielen Marktphasen ein Benchmark outperformt. Ist dies jedoch der Fall, ist ein Indexprovider wie etwa MSCI höchstwahrscheinlich bereits selbst Anbieter eines entsprechenden Index.

    Einige bekannte Konzepte von RAFI-ETFs sind

    • Factor-Investing
      Factorinvesting beschreibt die Strategie, gewisse fundamentale Faktoren (bzw. deren Ausprägungen), die langfristig eine Benchmark outperformen, aufzuspüren und anschließend gezielt in die Investitionsentscheidung einfließen zu lassen. Typische Faktoren sind etwa Cashflow, Price-to-Book-Ratio, Verschuldungsgrad, aber auch zeitreihenbezogene Faktoren wie etwa Momentum oder Low Volatility.
    • Balanced-Risk
      Im Vergleich zu den üblicherweise marktkapitalisierungsgewichteten Indizes wie etwa Dax oder S&P 500 gewichten Balanced-Risk-ETFs die Indexkomponenten nach dessen Risiko, also deren Volatilität. Eine historisch schwankungsärmere Aktie (bspw. ein Pharmawert) wird dann etwas höher gewichtet als eine historisch betrachtet schwankungsstärkere Aktie (bspw. ein Automobilwert).
    • Smart Beta ETFs
      Smart Beta bezeichnet eine Reihe von Investmentstrategien, bei denen alternative Indexkonstruktionsregeln implementiert werden als bei den klassischen, nach Marktkapitalisierung gewichteten und daher mit Konstruktionsnachteilen behafteten Indizes. So kann Smart Beta bspw. bedeuten, dass ein Portfolio nach dem jeweiligen Risiko (im Sinne der Volatilität) gewichtet wird (siehe "Balanced-Risk"). Eine andere Strategie sieht hingegen schlicht eine Gleichgewichtung aller Wertpapiere vor. Smart Beta ist jedoch kein präzise definierter Begriff. So verstehen manche Anbieter unter Smart Beta auch die Idee, ein Minimum-Varianz-Portfolio zu konstruieren. Hier werden lediglich Aktien mit historisch geringerer Schwankungsbreite, also geringerer Volatilität gekauft. Der Grund für diese Strategie ist die Tatsache, dass Aktien mit geringer Volatilität solche mit hoher Volatilität langfristig outperformen bzw. der häufig angenommene lineare Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko nicht besteht.

    4.3 Nach Art der Nachbildung

    Grundsätzlich können Exchange Traded Funds weiterhin nach deren Nachbildungs-Methode abgegrenzt werden.

    • Physische Nachbildung oder Full-Replication-Methode
      Die erste der beiden Methoden ist intuitiv und simpel. Die Fondsesellschaft trägt dafür sorge, dass der ETF sämtliche Wertpapiere enthält, die im Index ebenfalls enthalten sind. Berücksichtigt werden natürlich auch die jeweiligen Gewichte der einzelnen Indexkomponenten. In diesem Fall spricht man von einer „Vollreplikation“, da der Index zu 100 % nachgebaut wird. Ist die Anzahl der Indexmitglieder hierbei überschaubar, stellt dieses Unterfangen kein Problem dar. Geht die Anzahl der Indexmitglieder wie etwa beim MSCI World in den vierstelligen Bereich, kann eine physische Nachbildung im Sinne einer Vollreplikation jedoch mitunter schwierig werden.
    • Physische Nachbildung mit Sampling-Methode
      In diesem Falle nutzen Fondsgesellschaften gerne die Sampling-Methode, in der nur ein Teil des Index nachgebaut wird. Hierbei wird versucht, die Indexnachbildung des ETF zu optimieren, jedoch wird die Möglichkeit von geringeren Abweichungen etwa aus Kostengründen der komplexen Replikation bewusst in Kauf genommen.
    • Synthetische Nachbildung
      Eine verbreitete Alternative besteht darin, den ETF - oder einen Teil des ETFs - mit Tauschgeschäften (sogenannte Swaps) nachzubilden. Dabei tauscht der ETF-Anbieter die Wertentwicklung eines Teiles seines Aktienportfolios gegen die exakte Wertentwicklung des gewünschten Index mit einem Kontrahenten wie bspw. einer Investmentbank. Getauscht wird also eine potentielle, im Vergleich zum gewünschten Index erzielte Underperformance (die dann dem ETF ausgeglichen würde) gegen eine potentielle Outperformance des ETF gegenüber dem Index (die dann dem Kontrahenten auszuhändigen ist). Der Vorteil: Für den ETF-Anbieter ist dies eine kostengünstigere Methode als eine physische Replikation mit der insbesondere auch illiquidere Werte nachgebildet werden können. Der Nachteil: Fällt der Kontrahent aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten aus, kann auch der komplette Swap wertlos verfallen - und somit zumindest ein Teil des Kapitals der Investoren. Die gute Nachricht ist allerdings, dass zumindest bei Aktien-ETFs gemäß UCITS III maximal 10 % des Fondsvermögens für Swap-Geschäfte oder Derivate genutzt werden darf.

    5 ETF Rechtliche Grundlagen

    5.1 Anforderungen an ETFs

    Die Veröffentlichung der Zusammensetzung von ETFs muss börsentäglich geschehen. Das ist eine rechtliche Anforderung an das Produkt „ETF“. Zudem obliegt diese Produktklasse bei Zu- und Verkäufen einem eigenem Vorgang, dem sogenannten Creation- & Redemption-Prozess. Dieser stellt sicher, dass Marktteilnehmer jederzeit ein der Indexzusammensetzung entsprechendes ETF-Paket erwerben bzw. veräußern können.

    5.2 Sondervermögen

    Möglichkeiten, einen Index abzubilden, gibt es viele. Im Folgenden soll hierbei auf die rechtlichen Unterschiede von diversen Investitionsmöglichkeiten eingegangen werden.
    ETFs sind rechtlich betrachtet Fonds, das investierte Kapital wird deshalb als Sondervermögen eingeordnet und vom sonstigen Vermögen des Emittenten, also dem Anbieter, getrennt verwahrt. Konkret heißt dies, dass im Falle einer Insolvenz des ETF-Anbieters das Anlagekapital nicht von den Gläubigern oder Insolvenzverwaltern angetastet werden kann.

    Während dieser Vorteil für klassische Investmentfonds und ETFs Anwendung findet, sind Indexzertifikate, die ja ebenfalls einen Index abzubilden versuchen, kein Sondervermögen. Vielmehr handelt es sich hierbei um Inhaberschuldverschreibungen gegenüber dem Emittenten wie etwa einer Bank. Mit dem Erwerb eines Indexzertifikates holt man sich zwangsweise auch ein Emittentenrisiko ins Boot, denn sollte dieser Pleite gehen, darf das eingesetzte Kapital in die Insolvenzmasse eingehen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit für solch ein Szenario zugegebenermaßen äußerst gering ist, sollte diese Tatsache zumindest berücksichtigt werden.


    6 Exkurs: ETF vs. ETC - Wo liegt der Unterschied?

    Wer in Rohstoffe investieren möchte, ist sicherlich früher oder später beim Ausloten der Möglichkeiten über sogenannte Exchange Traded Commodities (ETC) gestolpert. ETCs ermöglichen das direkte Investment in Rohstoffe wie etwa Rohöl, ohne dass der Weg über Futures gegangen werden muss.

    Aber Achtung: Ein paar wichtige rechtliche Unterschiede sind im Detail zu beachten. Zwar sind ETCs wie ETFs fortlaufend börsengehandelt und ebenfalls bereits in kleinen Stückelungen zu erwerben, jedoch handelt es sich bei ETCs - im Vergleich zu ETFs - nicht um eine Fondskonstruktion und das Anlagekapital wird folglich nicht als Sondervermögen verwaltet. Ein ETC stellt also im Grunde eine besicherte, unbefristete Schuldverschreibung dar, die den dort üblichen Emittentenrisiken unterliegt. Für Verwirrung sorgt hier bei der Recherche überdies die Bezeichnung mancher ETCs. Beispiel: Ein bekannter Anbieter von ETCs, namens „ETF Securities“ führt seine ETC Sparte unter dem Namen ETFS (Exchange Traded Fund Securities). Auch hier handelt es sich also um ETCs.

    Eine Alternative: Wer das Emittentenrisiko nicht eingehen möchte, muss deswegen nicht gleich auf Rohstoffinvestments verzichten. Denn der Weg über Rohstoffindizes, die dann wiederum über ETFs nachgebildet werden können, steht weiterhin offen.


    7 ETF Sparpläne als beliebte Investmentstrategie

    Aufgrund der geringen Kosten, der einfachen Stückelung, der Diversifizierungsmöglichkeit über ein breites Anlageuniversum mit nur wenigen Produkten sowie vielen weiteren Vorteilen werden ETFs gerne genutzt, um langfristige Sparpläne aufzusetzen.

    Sei es für ein Konto für den Nachwuchs oder für andere Sparziele: Regelmäßiges Sparen an den Kapitalmärkten mit fixen Beträgen ermöglicht es auch, sich den Cost-Average-Effekt zunutze zu machen.


    8 „Der beste Dax-ETF?“

    Diese Frage ist nun leicht zu beantworten. Denn schließlich liegt die Aufgabe eines Dax-ETFs darin, den Index selbst so exakt wie möglich nachzubilden. Die grundsätzliche Frage nach „dem besten ETF“ muss letztlich vor allem durch zwei Kriterien beantwortet werden: Wie genau gelingt es dem Indexfonds, bspw. den DAX nachzubilden, und mit welcher Kostenstruktur für den Kunden gelingt ihm dies.

    Ein weiterer Faktor, den Anleger berücksichtigen sollten, ist das besprochene Kontrahentenrisiko bei SWAP-basierten ETF-Produkten. Sofern alle anderen Faktoren identisch sind, sind ETFs mit Full-Replication-Methode den SWAP-basierten Varianten vorzuziehen.


    9 Liste der wichtigsten ETF-Anbieter

    • iShares
    • Invesco PowerShares
    • Lyxor
    • db x-trackers
    • EasyETF
    • ETF Securities
    • ABN AMRO
    • Credit Suisse
    • UBS

    10 Liste der wichtigsten Index-Provider

    • Deutsche Börse
    • Dow Jones Indices
    • Dow Jones Stoxx
    • FTSE
    • iBoxx
    • MSCI

    11 Fazit

    ETF sind ein beliebtes und einfaches Produkt, um Investmentstrategien sinnvoll und mit geringer Kostenstruktur abzubilden. Neben den klassischen ETF-Indexfonds existieren inzwischen immer mehr ETFs, die auch alternative Portfolien abbilden. Hat man sich hierbei für einen abzubildenden Index entschieden, sind die Gebührenstruktur sowie die Replikationsmethode die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale. Auf GodmodeTrader finden Sie eine umfangreiche ETF-Such-Maske.

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