Exchange Traded Fonds (ETF) sind börsengehandelte Fonds, die meist passiv einen bestimmten Index nachbilden und sich im Vergleich zu „normalen“ Investmentfonds besonders durch eine günstige Kostenstruktur auszeichnen.

Exchange Traded Fonds (ETF) haben in den vergangenen Jahren die Märkte im Sturm erobert. ETFs sind von ihrer Konstruktion Investmentfonds, die beispielsweise in Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder andere Basiswerte investieren. Im Gegensatz zu normalen Fonds zeichnen sich ETFs aber durch einige Besonderheiten aus. Das namensgebende Charakteristikum der ETFs ist, dass diese Fonds an Börsen gehandelt werden. Anleger können einen ETF-Anteil also wie eine Aktie zu den üblichen Handelszeiten über eine Börse erwerben. Anders als beim Kauf eines normalen Fondsanteils über die Kapitalanlagegesellschaft fällt beim Kauf eines ETF-Anteils über eine Börse kein Ausgabeaufschlag an. Typische ETFs zeichnen sich aber noch durch andere Faktoren aus: So sind ETFs in der Regel passive Indexfonds. Im Gegensatz zu traditionellen Investmentfonds gibt also kein aktives Portfoliomanagement, sondern der ETF bildet einen Index wie den DAX oder den S&P 500 passiv nach.

Auch wenn sich der Verzicht auf ein aktives Fondsmanagement zunächst wie ein Nachteil anhört, handelt es sich doch um einen großen Vorteil. Denn ein aktives Fondsmanagement verursacht oft hohe Kosten, ohne dass dadurch die Performance überhaupt gesteigert werden kann. Die meisten Fonds schneiden nicht besser, sondern eher schlechter ab als der Gesamtmarkt. Genau dies ist einer der Vorteile der ETFs: Sie verzichten auf ein aktives Fondsmanagement und sind deshalb deutlich kostengünstiger als „normale“ Fonds.

Durch den Kauf eines ETF-Anteils können Anleger eine Investition in einen gesamten Index tätigen. Anleger müssen also beispielsweise den DAX nicht mehr selbst nachbilden, indem sie alle darin enthaltenen Aktien erwerben, sondern kaufen mit einem ETF auf den DAX indirekt eben diese Aktien. Gegenüber Zertifikaten, die ebenfalls einen Index nachbilden können, haben ETFs dabei Vorteile. Denn Zertifikate sind letztlich nur Schuldverschreibungen des Emittenten. Wird der Emittent zahlungsunfähig, ist auch sein Zahlungsversprechen gegenüber dem Anleger nicht mehr viel wert. Mit anderen Worten: Zertifikate-Anleger müssen bei einer Pleite des Zertifikate-Emittenten mit Verlusten bis hin zum Totalverlust rechnen. Dieses Risiko besteht bei ETFs nicht. Denn ETFs stellen wie normale Fonds ein Sondervermögen dar, das unabhängig vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwaltet wird. Geht die Fondsgesellschaft oder der ETF-Anbieter also pleite, müssen die Anleger in der Regel nicht mit Verlusten rechnen.

Obwohl ETFs einen Index nachbilden, sind mit diesem Instrument aber nicht nur Investitionen in den Gesamtmarkt möglich. Denn ETFs existieren für eine breite Palette unterschiedlicher Indizes. So gibt es spezielle Branchenindizes, durch die die Investition in eine bestimmte Branche möglich wird. Aber auch Strategieindizes, die eine bestimmte Anlagestrategie abbilden, können Grundlage für ETFs sein. Ein Beispiel sind spezielle Indizes und entsprechender ETFs, die Aktien einer bestimmten Region mit einer hohen Dividendenrendite enthalten.

Obwohl ETFs auf einfache Weise gekauft und verkauft werden können, sollten Anleger bei der ETF-Auswahl gründlich vorgehen. Neben der Entscheidung über den passenden Basisindex und die Höhe der Kosten beim jeweiligen ETF können weitere Faktoren bei der ETF-Auswahl eine Rolle spielen. Verschiedene ETFs auf den gleichen Index können sich insbesondere durch den Tracking Error und die Replikationsmethode unterscheiden. Der Tracking Error gibt an, wie groß der Unterschied zwischen der Ertragsentwicklung des ETF und des Basisindex ausfällt. Anleger sollten also auf einen möglichst geringen Tracking Error achten. Die Replikationsmethode gibt an, ob wie der ETF den jeweiligen Index nachbildet. Nur bei der vollständigen Nachbildung (Full-Replication-Methode) werden sämtliche Bestandteile des nachzubildenden Index tatsächlich durch den ETF erworben. Daneben ist auch die synthetische Nachbildung verbreitet. Bei dieser Replikationsmethode erwirbt der ETF ein Basisportfolio, das sich völlig vom Zielindex unterscheiden kann und schließt dann mit einer Investmentbank eine Swap-Vereinbarung ab, die den Austausch der Erträge aus dem Basisportfolio mit denen des Zielindex zum Inhalt hat. Dadurch kann ein ETF beispielsweise einen indischen Aktienindex nachbilden, ohne tatsächlich indische Aktien erwerben zu müssen. Allerdings gibt es bei der synthetischen Nachbildung ein (theoretisches) Kontrahentenrisiko, da die Gegenpartei des Swap-Geschäfts zahlungsunfähig werden kann und dann die Verpflichtungen aus dem Swap-Geschäft möglicherweise nicht mehr erfüllen kann. Dies ist in der Realität allerdings noch nie vorgekommen. Synthetische ETFs haben gegenüber voll replizierenden ETFs auch Vorteile: Häufig sind bei synthetischen ETFs die Kosten geringer (da bei Indexveränderungen Transaktionskosten nur in geringerem Umfang anfallen). Außerdem haben synthetische ETFs nur einen geringen Tracking Error.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich ETFs hervorragend als Alternative zu klassischen Investmentfonds eignen, da sie meist kostengünstiger und transparenter sind. ETFs sind besonders für Anleger mit einem längerfristigen Anlagehorizont geeignet, die nicht in Einzelwerte, sondern in den Gesamtmarkt oder ein breites Spektrum an Basiswerten investieren wollen.