Es war der geradezu dramatische zahlenmäßige Anstieg der Trader und Investoren in Stock Mutual Funds in den 90er Jahren, kombiniert mit einer steigenden Spitzfindigkeit des durchschnittlichen Marktteilnehmers und dem Zugang zu Finanzinformationen über das Internet, der zu dieser Produktinnovation führte. Viele Marktteilnehmer wollten nicht nur die Diversifikation eines Aktienportfolios sondern genauso auch die Freiheit schneller in und aus ihren Funds zu kommen als das ökonomische Klima umschwenkte. Aus dieser Nachfragesituation resultierten die Exchange Traded Funds.

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Im Gegensatz zu den herkömmlichen Investmentfonds werden Exchange Traded Funds (ETFs) an der Börse wie Aktien fortlaufend gehandelt, Geld- sowie Briefkurse werden entsprechend der Angebots- Nachfrage-Konstellation während der Handelszeit also kontinuierlich festgestellt. Die Kurse herkömmlicher Investmentfonds werden hingegen nur einmal täglich gepreist. Nach jedem Handelsschluss kalkulieren die Fondshäuser auf Basis der Schlusskurse der Indexbestandteile den Net Asset Value. Bei diesen ursprünglichen Funds sind Sie gezwungen, zu einem Ihnen unbekannten Kurs zu kaufen und zu verkaufen. Diesen Ausführungskurs erfahren Sie in der Regel erst am Folgetag. Dies ist einer der Gründe dafür, dass diese Investmentfonds nur begrenzte Trading-Opportunitäten bieten. Exchange Traded Funds sind Zusammenstellungen von Aktientiteln, die als Paket hauptsächlich an der American Stock Exchange (AMEX), aber auch der New York Stock Exchange (NYSE) und auch - in Form einer Option - an der Chicago Board Options Exchange (CBOE) ge- und verkauft werden können. Aufgrund der korbartigen Zusammenstellung repräsentieren die ETFs beispielsweise Indizes, wie den Dow Jones Industrial, aber auch Sektoren wie den Philadelphia Semiconductor Index und Subsektoren wie Internet Infrastruktur. Doch damit nicht genug: Auch von der Börsenentwicklung ganzer Länder und Kontinente können Sie partizipieren.

Die meisten ETFs basieren auf Marktindizes, die bekanntesten dieser Art sind:

  • die Diamonds (DIA), die den Dow Jones Industrial (INDU) tracken,
  • der Nasdaq 100 Tracking Stock (QQQ) für den Nasdaq 100 Index (NDX) und
  • die S&P Depository Receipts (SPY), die den S&P 500 Index (SPX) verfolgen.

Ein ETF fungiert sowohl als ein Investmentfonds als auch eine individuelle Beteiligung mittels einer Aktie. Genauso wie ein Investmentfonds bestehen ETFs aus einer Zusammenstellung von 10 bis 50 verschiedenen Aktien und bieten eine einfache Möglichkeit zur Diversifikation für viele Marktteilnehmer, die beispielsweise nicht 20 und mehr verschiedene Aktien selbständig auswählen wollen. Gleichzeitig können ETFs – wie Aktien im allgemeinen auch - mit einem Marginkonto gehandelt werden und dies auch intraday.

Die ETFs können sogar ohne Beachtung einer Uptick Rule leerverkauft werden. Dazu eine kurze Erläuterung: Normalerweise muss der Marktakteur bei Leerverkäufen darauf warten, dass der Preis einen Tick nach oben geht, bevor er geliehene Aktien verkauft. Dies schreibt die sogenannte Uptick Rule vor. Die meisten Signale für Leerverkäufe entstehen durch die Preisbewegung unter spezifische Pivot Points, wie zum Beispiel dem Tief des vorhergehenden Handelstages. Aber dann besteht oft das Problem, diese Aktien sofort leerzuverkaufen, da man auf den nächsten Uptick warten muss. Unter diesen Umständen kann es passieren, dass die Aktie schon um einiges tiefer notiert als zu dem vom Marktakteur gewünschten Entry. Gleichermaßen kann der Uptick in diesem Falle der Beginn eines Rebounds der Aktie darstellen, also mehr als nur ein relativ belangloses Pullback auf dem Weg zu tieferen Tiefs.

Nicht so bei den Exchange Traded Funds: Die Uptick-Regel gilt hier nämlich nicht. Sie können sich jederzeit Aktien eines ETFs leihen und sie ohne Unterbrechnung bei der Abwärtsbewegung, die den Trigger für ihren Leerverkauf darstellt, leerverkaufen. Was alle ETFs bieten, ist die Möglichkeit sehr einfach in allen Sektoren der Wirtschaft zu traden beziehungsweise in diese zu investieren. Diese nahezu grenzenlose Vielfalt soll im folgenden anhand der verschiedenen ETFs erläutert werden:

Exchange Traded Funds und Indizes

Der älteste ETF ist der sogenannte „Standard & Poors Depositary Receipts“, auch als „Spiders“ wegen seines Akronyms SPDR genannt. SPDRs sind börsennotierte ETFs, die aus einem fixierten Portfolio von Aktien aus dem S&P 500 Index basieren. Das Ziel eines SPDRs ist den Preis und die Dividendenperformance des S&P 500 Index nachzuvollziehen. Marktakteure kaufen hier Anteile eines Investmentfonds – Aktien, die anfänglich auf ein Zehntel des Gegenwertes des S&P 500 Index gepreist wurden. Notiert der S&P 500 Index beispielsweise bei 1200, können Marktteilnehmer damit rechnen, dass die SPDRs (SPY) mit $ 120 notieren. Wie auch immer, es muss nicht immer so sein, weil sich die Marktkonditionen aufgrund von Dividendenzahlungen verändern und Preise auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage funktionieren. Andere SPDRs beziehen sich nicht auf einen Index, sondern auf spezifische Sektoren, doch dazu später mehr wenn es im nächsten Kapitel um Exchange Traded Funds und Sektoren geht.

Wenn es nun ETFs für den S&P gibt, dann müssen es doch ähnliche Funds auch für den Dow Jones Industrial Average (DJIA) und die Nasdaq geben, oder?! Richtig, die ETFs, welche den Dow Jones tracken, werden wegen ihres Symbols „DIA“ auch als „Diamonds“ bezeichnet und wie SPY an der AMEX gehandelt. Im Gegensatz zu den SPDRs gibt es nur einen Diamond-ETF. Mittels dieses ETFs kann die Entwicklung des DJIA getrackt werden. Ähnlich ist es bei der Nasdaq – auch sie hat nur einen ETF. Der Nasdaq 100 Index Tracking Stock versucht den Preis und die Dividendenperformance des Nasdaq 100 Index zu tracken und ist bekannt unter der Bezeichnung „The Cube“ (engl., svw. „dritte Potenz“) wegen seines Trading Symbols, QQQ. Eine einzige Nasdaq 100 Tracking Aktie repräsentiert 1/40 des aktuellen Wertes des Nasdaq 100 Index (NDX). Notiert der Nasdaq 100 Index zum Beispiel bei 1600, so sollte der Nasdaq 100 Tracking Stock demzufolge mit 40 notieren, wobei - wie schon bei den Standard & Poors Depositary Receipts (SPY) erwähnt – die Marktkonditionen sich verändern können.

Genauso wie SPDRs sind Cubes und Diamonds so strukturiert, dass auch Dividendenausschüttungen des ETFs nicht wieder automatisch reinvestiert werden, indem zusätzliche Aktien gekauft werden, wie dies zum Beispiel bei den Sektoren-SPDRs und iShares der Fall ist, die in Kürze beschrieben werden.