Es ist festzustellen, dass das Interesse zum Thema Trading im Allgemeinen und Daytrading im Besonderen überraschend groß ist. Auch werden immer wieder Fragen zu Aspekten der analytischen Herangehensweise gestellt und deren Umsetzungsmöglichkeiten und Zuverlässigkeit diskutiert.

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Da mir dabei immer wieder auffällt, dass Begeisterung fürs Thema, aber auch zum Teil noch fehlende Kenntnis und große Wissbegierde aufeinanderprallen, möchte ich mit dieser FAQ (Frequently Asked Questions – häufig gestellte Fragen) einmal die wichtigsten gestellten Fragen der letzten Wochen aufgreifen und nach meinem „besten Wissen und Gewissen“ zu beantworten versuchen. Ich glaube, auf diesem Wege schaffen wir zweierlei: zum einen werden noch einmal in Ruhe - und nicht im „Eifer des Gefechtes“ - diese Fragen erläutert. Zum anderen hat man alle wichtige Fragen und Antworten gebündelt zur Hand, um damit vielleicht ein besseres Verständnis für das zu bekommen, „was wir da tagtäglich so treiben.“

Denn eines erscheint mir ausgesprochen wichtig: Jeder soll wissen, was geht und was nicht geht – vielleicht ist die Klärung dessen, was nicht geht, der wichtigste Aspekt, der jedem Trader bekannt sein muss, wenn er an der Börse Erfolg haben möchte. Denn am Ende zählt nur eines: Wieviel Geld haben wir am Abend mehr auf dem Trading-Konto, als am Morgen. Nur daran misst sich ein Händler.

Nicht alle Fragen wurden genau so gestellt. Ich nehme mir die Freiheit, diese ein wenig umzuformulieren, um dem Kern des Ganzen vielleicht etwas näher zu kommen, aber im Großen und Ganzen habe ich diese aus dem Daytrading-Stream gepickt. Zunächst finden Sie eine Übersicht der gestellten Fragen, anschließend folgen die Antworten in aller Ausführlichkeit. Außerdem: Am Ende des Artikels wartet ein kostenloses und spannendes E-Book auf Sie!

Grundsatzfragen

  • Was ist Daytrading überhaupt? Und wodurch unterscheidet sich dieses vom Positions-Trading?
  • Kann man „nebenbei“ Daytrading betreiben?
  • Ist Daytrading überhaupt das richtige für mich?
  • Werde ich mit Daytrading reich?
  • Kann jeder ein guter Daytrader werden?

Daytrading für Anfänger

  • Wie ist das mit dem Wissen und der Erfahrung? Brauche ich als Positions-Trader weniger Know-How als wenn ich im Daytrading aktiv wäre?
  • Muss ich ein Minimum an Regelwerken kennen oder kann man im „Schnellstart“ an die Börse?
  • Welche Fachliteratur sollte man gelesen haben?
  • Kann ich Trading-Fehler vermeiden und die Lernkurve verkürzen?
  • Warum gibt es so viele Verlierer und nur wenige Gewinner?
  • Warum geht das alles so langsam? Da ist zu wenig Action drin.

Technische Daytrading-Fragen

  • Welchen Stellenwert nimmt fundamentale Analyse im Daytrading ein?
  • Und wie ist das mit der Technischen Analyse?
  • Wie zuverlässig ist die Technische Analyse überhaupt? Kann ich mich auf deren Prognoseaussagen überhaupt verlassen?
  • Ist das „Nachhandeln“ von Empfehlungen sinnvoll, auch wenn diese sehr zuverlässig sind?
  • Was sind Trigger?
  • Was ist ein Richtungsfilter?
  • HC, LC, Pivot-Punkt –was ist das denn jetzt schon wieder?
  • Was ist eine „Kern-Position“?
  • Was taugen Widerstände und Unterstützungen denn nun wirklich?
  • Sind Trendlinien ebenso wichtige Widerstände und Unterstützungen wie horizontale Linien?
  • Wie lange behalten Widerstände und Unterstützungen ihre Gültigkeit?
  • Gibt es feste Regeln, wie man Widerstände, Unterstützungen und Trendlinien in einem Chart anträgt?
  • Haben Widerstände und Unterstützungen in kurzfristigen Chartfenstern die gleiche Bedeutung wie in längerfristigen Chartfenstern?
  • Welcher Chart-Typ ist „der beste“? Und welches Zeitfenster soll ich handeln?

Was ist Daytrading überhaupt? Und wodurch unterscheidet sich dieses vom Positions-Trading?

Als Daytrading wird im Sinne der Definition eine Handelsstrategie bezeichnet, bei der die Positionseröffnung, als auch deren Schließung während einer Handelssitzung stattfindet. Es werden im Day-Trading grundsätzlich keine Positionen über Nacht gehalten. Das heißt, es kann nie sein, dass eine Position geöffnet bleibt, während die Börse geschlossen ist.

Innerhalb der Kategorie „Daytrading“ gibt es Unterteilungen in Unterarten des Handels. So können Positionen nur wenige Stunden, aber auch nur wenige Minuten im Markt bleiben. Im Hochfrequenzhandel liegen zwischen Positionseröffnung und Positionsschließung mitunter nur wenige Sekunden. Auch diese Art des Handels wird der Obergruppe „Day Trading“ zugeordnet.

  • Das Scalping oder Scalp-Trading ist ebenfalls eine Unterart des Daytradings. Hier geht es nur um die Realisierung weniger Punkte, im FDAX können das Kurs-Ziele von einem halben oder einem ganzen Punkt sein. Um dennoch auch sinnvolle Erträge daraus erzielen zu können, arbeiten Scalper mit vergleichsweise großen Positionen (hier macht es also die „Masse“). Sogenannte Market Maker werden zu den klassischen Scalpern gerechnet.
  • Positions-Trading ist dagegen ein längerfristiges Geschäft. Hier geht es um den Aufbau einer Position (was sich über einen gewissen Zeitraum hinziehen kann, wenn sich die Position in die erwartete Richtung entwickelt), das Beibehalten einer Position (das können Tage oder sogar Wochen sein) und das Schließen einer Position (z.B. durch den scheibchenweisen Abverkauf).

Kann man „nebenbei“ Daytrading lernen und betreiben?

Trading als Hobby? Nebenher, um die Haushaltskasse ein wenig aufzubessern oder um Spaß, Nervenkitzel oder „was zum erzählen zu haben“? Warum nicht? Ich kenne jemanden, der verfügt über entsprechend viel Geld und verliert jedes Jahr per Saldo etwas davon an der Börse. Er macht es seit einigen Jahren und ist noch nie über kleine Gewinne hinausgekommen, meist gibt er in der Runde ab. Aber es macht ihm Spaß. Er sagt: „Das ist mein Hobby. Ob ich jetzt mein Geld in andere Dinge versenke oder hier an der Börse, wo ich den Kitzel als Gegenleistung bekomme – dann doch lieber hier.“ Er betrachtet seine Verluste, die er akzeptiert, als Kosten seines Hobbys.

Aber wer davon leben will, der Vollblut-Trader, der sich der Sache ernsthaft zuwendet – nein, der kann es nicht nebenbei tun. Trading ist eine Berufung und ein Beruf. Kann ein Arzt nebenbei operieren? Kann ein Dachdecker hin und wieder ein Dach professionell decken?

Ich lehne mich aus dem Fenster: wer Trading im Allgemeinen, aber konkret Daytrading im Besonderen als Hobby betrachtet und nebenbei betreibt, wird über kurz oder lang zu denen gehören, die an Banken und Gegenseite einzahlen.

Ist Daytrading überhaupt das Richtige für mich?

Es gibt unter Händlern landläufig die Aussage: „Daytrading ist die Königsklasse des Handels“. Das soll nicht abgehoben klingen, sondern zeigt das eigentliche Problem auf. Daytrading ist wie der Formel 1 Sport im Autofahren. Fehler werden nicht verziehen, sondern kosten Geld. Ich erlebe oft, dass Anfänger an der Börse mit Daytrading ihre Händlerkarriere starten wollen, weil sie die Anforderungen, welche diese Art des Handels an sie stellt, unterschätzen. Ich frage Sie: wie wird man ein guter Autofahrer, Pilot, Arzt oder ähnliches? In dem man es von der Pike auf lernt. An der Börse ist es nicht anders. Es hat sich nun mal so herausgebildet, dass sich das kurz- und kürzestfristige Handeln zur härtesten Disziplin entwickelt hat, wo in kürzester Zeit Gewinne oder Verluste realisiert werden, wo gnadenlos „Punkte geschnitten“ werden, in dem die meisten vollautomatischen Systeme zum Einsatz kommen, weil diese schneller rechnen als wir, nicht ermüden und konsequenter reagieren als wir.

Es sollte sich jeder fragen, ob es das ist, was er will. Ich glaube keine Handelsmethode vereinnahmt einen Händler sosehr, wie das Daytrading. Wenn man es richtig machen will, dann gibt es kein „und“, dann gibt es nur „entweder / oder“. Sie müssen sich fragen und sich selbst ehrlich beantworten: will ich jeden Tag solange auf den Markt schauen und versuchen, für mich die entsprechenden Erträge zu erzielen, wie ich physisch dazu in der Lage bin? Will ich meinen Lebensstil auf diese Art zu handeln abstimmen? Ich kann es immer nur wiederholen: Trading ist der beste Job der Welt, es gibt nichts Vergleichbares, welches Ihnen gleichzeitig hohe geistige Anforderungen und Flexibilität und Wissen abverlangt, gleichzeitig ein Höchstmaß an persönlicher Freiheit gibt, mit der Chance, unabhängig und komfortabel zu leben, als der Handel an der Börse. Aber es gibt auch fast keinen gnadenloseren Job – wenn man es richtig machen will, wohlgemerkt.

Werde ich mit Daytrading reich?

Ich habe einmal in einem Trading-Buch gelesen: „Der Positions-Trader wird reich, der Daytrader verdient seinen Lebensunterhalt“. Ob es wirklich so ist? Ich glaube, es kommt nicht darauf an, welche Art des Handels man bevorzugt, man kann in beiden Fällen gewinnen oder verlieren. Es ist mehr eine Risikobetrachtung. Der Positions-Trader steht über lange Zeiträume im Risiko, kassiert aber dann gut ab, wenn die Märkte sich erwartungsgemäß entwickeln. Der Daytrader ist jeden Tag am Ball, hält das Risiko knapp, verpasst aber mitunter den großen Trend. Aber darauf kommt es nicht an. Der Daytrader verdient im Idealfall täglich dazu, der Positions-Trader wartet mitunter länger, hat naturgemäß ein höheres Risiko, verbunden mit einer guten Chance auf einen ordentlichen Trend. Haben wir über Monate anhaltend starke und zuverlässige Trends, ist der Positions-Trader sicher im Vorteil. In eher unruhigen Märkten mit plötzlichen Richtungsänderungen etc. sollte der Daytrader bessere Karten haben, zumindest im Hinblick auf das Risiko der Position.

Kann jeder Daytrading lernen und ein guter Trader werden?

Gegenfrage: Kann jeder ein guter Arzt werden? Oder ein guter Dolmetscher? Kann jeder tauchen oder Bergsteigen lernen und ein guter Taucher oder Bergsteiger werden? Die Grundlagen des Tradings kann meiner Ansicht nach ein jeder lernen. Am Ende zählt der Wille zur Disziplin, die Bereitschaft für seinen Traum auch alle notwendigen Opfer zu erbringen. Trading ist kein Hexenwerk, folglich sollte jeder der wirklich will, auch als Trader sein Auskommen haben können. Der letzte Unterschied wird aber wahrscheinlich genauso geprägt wie zwischen einem Arzt und einem guten Arzt, zwischen einem Anwalt und einem guten Anwalt oder zwischen einem Dachdecker oder einem wirklichen Könner seines Faches.

Wie ist das mit dem Wissen und der Erfahrung? Brauche ich als Positions-Trader weniger Know-How als wenn ich im Day-Trading aktiv wäre?

Wieder eine Gegenfrage: Müssen Sie als Arzt weniger wissen, als wenn Sie ein guter Arzt sein wollen? Sicher nicht – hoffentlich nicht. Wissen und Erfahrung ist im Trading zwingend, das gilt für jedes Zeitfenster. Und jeder gute Trader sollte über Wissen und Erfahrung verfügen und sollte bereit sein, jeden Tag dazuzulernen, besser und immer besser zu werden. Aber einen Unterschied gibt es meiner persönlichen Meinung nach doch: das Tempo des Abrufs. Der Positions-Trader denkt in anderen Zeitkategorien. Er kann seinen Positionsaufbau praktisch „komponieren“. Der Dayrader kann das nicht. Hier geht alles schneller, bezogen auf viel kürzere Wegstrecken, in denen „das Rauschen“ einen prozentual größeren Streckenteil ausmacht. Hier im Dayrading denken wir anders als Positions-Trader. Wir sind „fertig“, da ist der strategisch orientierte Akteur noch beim Aufbau seiner Position.

Also: Nein! Der Positions-Trader benötigt das gleiche Grundwissen wie sein kürzerfristig agierender Berufskollege. Doch sind am Ende Wissen und Erfahrung auf das jeweilige Handelsgebiet abgestimmt und spezialisiert.

Muss ich ein Minimum an Regelwerken kennen oder kann man im „Schnellstart“ an die Börse?

Diese Frage ist rasch beantwortet: Nein, Sie können nicht im Schnellstart an die Börse und Ja, Sie müssen ein Minimum an Regeln kennen. Sie können auch nicht Auto fahren, wenn Sie nicht das Minimum an Verkehrsregeln kennen. Tun Sie es doch, werden sie rasiert, schneller als Sie es für möglich halten. Ihnen stehen andere Marktteilnehmer gegenüber, die ihr gesamtes berufliches Leben nichts, aber auch gar nichts anderes gemacht haben, als an der Börse zu handeln.

Ich bin mitunter verblüfft, wenn Akteure mit Produkten arbeiten, die sie nicht verstehen, in Märkten die sie kaum kennen. Natürlich, jeder fängt mal an und jeder muss irgendwann anfangen, das Ganze zu lernen. Und ja, jeder muss dann wohl oder übel zu denen gehören, welche einzahlen. Also, damit ich nicht falsch verstanden werde, nicht die Tatsache, DASS an der Börse mit unbekannten, wenig durchdrungenen Produkten gearbeitet wird überrascht, sondern die Selbstsicherheit und händlerische Aggressivität erstaunt, mit der gekauft und verkauft wird und dass die Begründungen dazu meist nachgeliefert werden. Um das Handeln richtig und seriös zu erlernen ist es wichtig, die Gesamtpalette der Ausbildung zu durchlaufen und dazu gehört nicht nur zu kaufen und zu verkaufen. Ganz ehrlich: das „auf den Knopf drücken“ kann am Ende jeder. Die Arbeit und das Lernen muss vorher passieren, im Kopf. Und hier muss auch gelernt, abgeglichen und wiederholt werden. Und dann muss im Nachhinein rekapituliert, Fehler benannt und ausgemerzt werden. Erst dann haben Sie eine Chance, schneller und vor allen Dingen BILLIGER ans Ziel zu kommen.

Welche Fachliteratur sollte man gelesen haben?

„Welche Literatur ist sinnvoll, um sich notwendige Grundlagen anzueignen?“ Diese Frage wird sehr oft gestellt und kann nur individuell beantwortet werden. Es gibt sehr viel wirklich gute Literatur, eine Menge an Büchern kann man aber auch getrost beiseitelegen. Ich habe nicht alles gelesen, somit können meine Empfehlungen auch nur punktuell sein und sich auf die Werke stützen, welche mir persönlich tatsächlich hilfreich waren. Aus der direkten Fachliteratur haben mich vier Bücher geprägt, obwohl es noch einige weitere gibt, welche „wirklich gut sind“. Dennoch möchte ich Ihnen die folgenden vier Werke ans Herz legen.

An konkreter Fachliteratur schlage ich vor:

Sehr interessante Anregungen und einen gesunden Blick über den Tellerrand erhält man bei der Lektüre folgender (aus meiner Sicht) empfehlenswerter Werke:

Kann ich Trading-Fehler vermeiden und die Lernkurve verkürzen?

Ich persönlich glaube das nicht. Fehler werden Sie machen, ob man Sie darauf hinweist oder nicht – und das sollen Sie auch, das müssen Sie auch. Nur so geht das alles in Fleisch und Blut über. Aber man kann vielleicht die Schmerzen geringer halten, wenn man weiß, was auf einen zukommt, wenn das oder das passiert. Als ich in Chicago zum Market Maker in Optionen ausgebildet wurde, wurde uns eingetrichtert „the Put is your friend“. Sollte heißen: out oft he Money Puts werden nicht verkauft, sondern eher gekauft zur Besicherung der Unterseite. Erzählt haben sie (die Ausbilder) uns viel. Hat es geholfen? Nein. Wir verkauften von Verfallmonat zu Verfallmonat die schön teuer gesuchten Puts und freuten uns über Gewinne, die am Ende sogar realisiert werden konnten. Bis es … Sie können es sich denken … krachte. Die Kurse der Basiswerte stürzten ab, die Short-Puts entwickelten sich zu Semtex-Plastiksprengstoff der allerfeinsten Art. Ich will damit sagen, erst diese blutige Nase prügelte uns ins Hirn – behalte die sch… Puts und gib diese niemals her.

Also: Sie können Ihre Lernkurve sicher verkürzen, aber einen kurzen anderen Weg, vorbei an den Fettnäpfchen, bis hin zu den Fett-Tonnen mit 20 Metern Durchmesser, den gibt es leider nicht.

Warum gibt es so viele Verlierer und nur wenige Gewinner?

Man sagt, 90 bis 95 Prozent aller aktiven Marktteilnehmer verlieren meist ihr Geld an der Börse oder haben nur hin und wieder Glück (von Können ist dann nicht die Rede). 10 bis 5 Prozent verdienen an der Börse stetig. Ob diese Prozentzahlen stimmen, kann ich so nicht beurteilen, aber sie erscheinen mir nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Woran liegt es aber, dass die Mehrheit der Akteure über Dauer nicht oder nur wenig erfolgreich ist? Ich glaube, die Hauptursachen dafür sind: Selbstüberschätzung, Disziplinlosigkeit, Gier, mangelnde Selbstbeherrschung, fehlendes Wissen und / oder zu wenig Erfahrung, mangelnde Motivation. Die Reihenfolge ist zufällig.

Wie viele Akteure am Markt, besonders unter den privaten Anlegern, also Nicht-Professionelle, gehen zu locker an den Markt heran und lassen die notwendige Ehrfurcht missen? Ich kenne einen Piloten einer großen deutschen Fluggesellschaft, eine Spitzenkraft in seinem Fach, extrem gut ausgebildet, extrem viel Flugerfahrung – also sprichwörtlich „kein Dummer“. Und doch – wenn da die Börse nicht wäre. Dort bewegt er sich wie einer, der bei weitem nicht mehr so gebildet wirkt, wie in seinem Beruf. Warum ist das so? Warum akzeptieren viele, zu viele Akteure nicht, dass Trading auch etwas ist, was man lernen muss? Etwas, wo man ausgebildet sein muss, Erfahrungen sammeln muss und was eine Tätigkeit ist, der man mindestens genauso respektvoll begegnen muss wie jedem anderen Beruf auf dieser Welt? Es gibt psychologische Studien zu diesem Thema und die kommen zu folgendem Schluss: an der Börse fühlt man sich unbeobachtet und unterliegt dem Reiz des Abenteuers. Konsequenzen trägt man für sich allein und lässt nur die Informationen nach außen dringen, welche man nach außen dringen lassen will.

Aber auch unter den „Professionellen“ gibt es „diese und solche“. Hier unterscheidet wieder Disziplin, Einstellung, Wissen und Erfahrung und wieder Disziplin, Disziplin und Disziplin. Trading und Krieg haben eines gemeinsam: nirgendswo werden Fehler so schnell, konsequent und unwiderruflich geahndet, wie im Feld oder an der Börse. Wer das akzeptiert und die notwendigen Tugenden sich zu Eigen macht, die ihn in beiden Bereichen auf die Seite der Gewinner stellen, wird am Ende auch den entsprechenden Erfolg haben.

Warum geht das alles so langsam? Da ist doch zu wenig Action drin!

Ich frage mich bei diesen Aussagen immer, welche Motivation bringt ein Akteur mit, wenn er so etwas von sich gibt. Es kann nur die Lust am Abenteuer, am Spiel sein. Und wenn es das ist, dann ist es okay, solange es auch beim Spiel bleibt. Mal ganz ehrlich: wenn ich mit einem CFD agiere, der 1 Euro pro Punkt verliert oder erbringt, dann geht das Ganze über Spielen nicht hinaus. Warum sollte ich mir Gedanken über ein sinnvolles Stopp-Kurs-Management machen, wenn ich 100 Punkte gegen mich laufen lassen kann und dann erst 100 Euro im Minus liege? Welchen Sinn machen 10 Punkte Profit, wenn ich damit nur 10 Euro verdiene? Noch verrückter wird es bei Stückelungen, welche 0,10 Euro Wertveränderung im Depot bewirken. Wer so arbeitet, dem sollte man den Spaß lassen, das meine ich ehrlich und freundschaftlich.

Ganz anders sieht es aus, wenn wir Produkte am Start haben, welche im professionellen Handel zum Einsatz kommen. Ein einziger FDAX hat z.B. eine Wertveränderung von 25 Euro pro Punkt. Vier Punkte Schieflage schlägt mit 100 Euro zu Buche, bei 10 Punkten sind es 250 Euro. 100 Punkte kosten 2.500 Euro. Handelt man das mit 2 Kontrakten, verdoppeln sich die Beträge (zu beiden Seiten). Merken Sie, worauf ich hinaus will?

Natürlich ist es Quatsch, jemandem etwas von Daytrading, Disziplin, Risikokontrolle und 10 Punkte-Kurszielen erzählen zu wollen, wenn wir hier von Risiken im 10 Euro-Bereich sprechen. Wahrscheinlich zahlt dieser Akteur bereits 4 Punkte Spread an den Broker, die er erst einmal einbringen muss, um plus / minus Null zu sein. Doch wenn das so ist, dann muss sich dieser Akteur selbst ehrlich die Frage stellen, ob dann Daytrading wirklich das Feld ist, in dem er aktiv werden will. Vielleicht ist er dann tatsächlich besser im Positions-Trading aufgehoben. Auch das meine ich ehrlich und freundschaftlich.

Welchen Stellenwert nimmt fundamentale Analyse im Daytrading ein?

Die fundamentale Analyse nimmt im Daytrading einen untergeordneten Stellenwert ein. Das liegt an dem kurzen Zeitfenster, welches der Dayrader im Auge hat. Dennoch gibt es Aspekte, welche man auch als Dayrader niemals aus den Augen verlieren darf: das sogenannte „Big Picture“. Er muss die monetären Rahmendaten kennen, muss die Intentionen der Zentralbanken durchschauen (sollte es zumindest versuchen). Der Day-Trader muss die Tagestermine kennen und sollte sich Szenarien überlegen, in welche Richtung der Markt reagieren könnte, wenn die jeweilige Zahl wie ausfällt. Wenn wir wissen, worauf die großen Investoren achten und erahnen, in welche Richtung die Anlagen erfolgen, stellen wir uns im Day-Trading doch nicht dagegen – oder?!

Behalten Sie immer im Hinterkopf: es geht an der Börse NICHT darum, RECHT zu haben. Es geht darum, rasch zu erfassen, wohin der Hase läuft und dann rasch umzudenken, wenn es mit dem ursprünglichen Szenario nicht übereinstimmt. Und wenn das fundamentale Umfeld bullish ist, kann man die bearish´e Seite nur hochspekulativ traden.

Und wie ist das mit der Technischen Analyse?

Die Technische Analyse ist im Daytrading das Werkzeug schlechthin, wenn wir hier auch das Lesen und Interpretieren des Orderbuches mit einbeziehen.

Wie zuverlässig ist die Technische Analyse überhaupt? Kann ich mich auf deren Prognoseaussagen überhaupt verlassen?

Ich hatte einen Artikel zu diesem Thema geschrieben und auf GodmodeTrader unter dem Titel „Technische Analyse – macht das alles überhaupt Sinn?“ eingestellt. Ich möchte diesen hier folglich nicht komplett wiederholen, sondern einige Quintessenzen ansprechen.

  • Technische Analyse ist kein (!) Prognoseinstrument. Sie ist es nicht, sie war es noch nie und sie wird nie ein solches sein. Wir können mit der Technischen Analyse den Markt nur diagnostizieren. Wir können sagen: so sieht er jetzt aus. So hat er sich bis hierher entwickelt. Und da eine der entscheidenden Prämissen der technischen Analyse die Kursentwicklung in Trends ist, lassen sich Szenarien entwickeln und Erwartungshaltungen skizzieren. Im Grunde machen wir nichts anderes, wie etwa ein Wetterforscher, der aus den vorliegenden Daten das Wetter für heute diagnostiziert, aus der Vergangenheit ermittelt, wie es bis hierher gekommen ist und wie es sich für die nächsten Jahre hochrechnen lässt. Und dann muss er (der Wetterforscher) mit seinen Instrumenten herantreten und sein Szenario mit der Realität abgleichen. Und nötigenfalls Korrekturen vornehmen. Nichts anderes tun wir. Wer der technischen Analyse Prognosecharakter unterstellt und an diesem auch noch festhält, handelt fahrlässig.
  • Die Technische Analyse hat einen einzigen Vorteil, den sie alleine hat und welcher sie von allen anderen Analysemethoden unterscheidet: Sie sagt uns, wann wir uns geirrt haben. Sie erlaubt es uns, Kursniveaus zu definieren, an denen wir sagen: „Stopp – wir müssen Szenario B aktivieren“.

Der Markt ist ein lebendes Konstrukt. Wir alle sind der Markt und wir leben. Unser aller Erwartung, Anlageziele und –sorgen, spiegeln sich im Kursverlauf wider. Deshalb nennt man einen Kurs auch „kollektives Reiz-Reaktionsschema“. Die technische Analyse kann bei richtigem Einsatz das Aufstellen eines Fahrplanes erleichtern, sie kann Wegemarkierungen ermöglichen und mit Hilfe der technischen Analyse lassen sich Regelwerke definieren und gegebenenfalls testen, um Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Ereignisse zu errechnen. Aber Kurse werden letztendlich von Menschen gemacht und nicht von willenlosen Kreaturen. Folglich müssen wir die menschliche Fähigkeit bewahren, auch flexibel, aber im Sinne eines im Vorfeld durchdachten Ersatzszenarios zu reagieren.

Ist das „Nachhandeln“ von Empfehlungen sinnvoll, auch wenn diese sehr zuverlässig sind?

Ich halte stures Nachhandeln für sehr problematisch. Verliert man Geld, ist es überaus ärgerlich. Aber selbst wenn man Geld verdient mit einem solchen Trade, hilft es doch nicht wirklich weiter. Das ist genauso, wie man mit Navigator fährt und die Strecke nicht im Kopf behält. Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen es keinen Navigator im Auto gab. Also half nur die Karte und „Augen auf“. Und dann hatte man spätestens nach dem zweiten Male die Strecke im Kopf abgespeichert und fuhr diese sicher ohne Hilfsmittel. Und heute? Wenn ich mit Navigator fahre, bin ich im Falle des Wegbleibens dieser Hilfe mitunter „aufgeschmissen“, wenn es eine fremde lange Strecke ist, auch wenn ich diese vielleicht mit Navigator schon 5 Mal gefahren bin.

Ich möchte Ihnen abraten, eins zu eins mit zu handeln. Viel wichtiger ist zu verstehen, warum soll hier oder da gehandelt werden. Warum wird wo was wie gesetzt. So lernt man viel schneller, seinen Stil zu finden und selbstsicherer zu werden. Und man lernt Demut gegenüber dem Markt und gegenüber sich selbst. Denn dann haben Sie selbst den Trade durchdacht, geplant und erfolgreich zu Ende gebracht.

Was sind Trigger?

Unter einem Trigger oder auch Auslöser versteht man ein charttechnisch definiertes Kursniveau, bei dessen Über- oder Unterschreitung eine Handelsaktivität (Kauf oder Verkauf) ausgelöst wird. Als Triggerpunkt werden in der Regel Formationsbegrenzungen, Trendlinien, Indikatorlinien etc. definiert. Wird ein Trigger überschritten, wird (je nach Definition und Marktpositionierung) eine Long Position aufgebaut (siehe Long Position) bzw. eine Short Position (siehe Short Position) geschlossen. Wird ein Trigger unterschritten, wird (je nach Definition und Marktpositionierung) eine Short Position aufgebaut bzw. eine Long Position geschlossen.

Was ist ein Richtungsfilter?

Als Richtungsfilter bezeichnet man ein Regelwerk, welches definiert, unter welchen Bedingungen ein Aufwärtstrend, ein Abwärtstrend oder eine neutrale Kurstendenz im jeweiligen Zeitfenster vorliegt. Die gängigste Variante ist der Einsatz einer Kombination von zwei oder drei gleitenden Durchschnitten, deren Anordnung und Verlauf die Trendrichtung geglättet abbildet. Bevorzugt wird eine Kombination aus einem 10 und einem 20 Tagesdurchschnitt eingesetzt, aber auch eine Kombination aus einem 4, 9 und 18 Tagesdurchschnitt ist gängig. Der Richtungsfilter weist einen gültigen Aufwärtstrend aus, wenn der kurze Durchschnittüber dem langen Durchschnitt liegt (und als Ergänzung möglich) beide Durchschnitte aufwärts ausgerichtet sind. Der Richtungsfilter weist einen gültigen Abwärtstrend aus, wenn der kurze Durchschnitt unter dem langen Durchschnitt liegt (und als Ergänzung möglich) beide Durchschnitte abwärts ausgerichtet sind. In der Dreierkombination liegt ein Aufwärtstrend vor, wenn der kurze Durchschnitt über dem mittleren Durchschnitt und der mittlere Durchschnitt über dem langen Durchschnitt liegt. Von einem Abwärtstrend sprechen wir in der Dreierkombination, wenn der kurze Durchschnitt unter dem mittleren Durchschnitt und der mittlere Durchschnitt unter dem langen Durchschnitt liegt.

HC, LC, Pivot-Punkt –was ist das denn jetzt schon wieder?

Eine LC (auch Low Connection bezeichnet) definiert eine steigende Trendlinie in einem Markt, in dem steigende Reaktionstiefs (die „Lows“ miteinander verbunden (connected) werden. Das Gegenstück ist die sogenannte HC (auch High Connection genannt). Hier wird eine fallende Trendlinie mit den fallenden Reaktionshochs verbunden.

Ihren Ursprung haben die so genannten Pivot Punkte bei den Floor Tradern in den USA. Mittlerweile werden diese auch von immer mehr Tradern in Europa genutzt, um potentielle Wendepunkte bzw. intra-day Chartmarken zu berechnen.

Bevorzugt werden Pivot Punkte von kurzfristig orientierten Daytradern in Terminmärkten genutzt. Ihre Berechnung dient dazu, dem Trader eine Hilfestellung zu geben, auf welchen Kursniveaus (neben den, aus dem Chart herleitbare) Widerstände bzw. Unterstützungen liegen könnten. Pivot Punkte gehören mit hoher Wahrscheinlichkeit zu der Kategorie von technischen Instrumenten, für deren Existenz es keine rationale Erklärung gibt. Besonders in sehr aktiv gehandelten Terminmärkten haben diese errechneten Chartmarken dennoch mitunter eine hohe Bedeutung. Somit sollte jeder Daytrader die aktuellen Pivot Punkte für den Tag zumindest kennen.

Berechnung:
Die herkömmliche Berechnung der Pivot Punkte liefert fünf verschiedene Kursniveaus, die als tagesrelevante Chartmarken beachtet werden sollten. Den Ausgangspunkt für die Berechnung bilden der jeweilige Tageshöchst-, Tagestiefst- und Tagesschlußkurs des Vortages. So können bereits zum Handelsschluß die potentiellen, tagesgültigen (untergeordneten) Widerstände bzw. Unterstützungen für den Folgetag errechnet werden.

Pivot = (High + Low + Close) / 3 

Der Pivot Punkt wird durch den Mittelwert der drei genannten Kurse ermittelt. Damit wird das psychologische Marktverhalten des Vortages quantifiziert. Da eine grundlegende These der Technischen Analyse in der Annahme besteht, dass die Entwicklung der Kurse des Vortages die Basis für das Kursverhalten des Folgetages bildet, stellt der Pivot Punkt einen Gleichgewichtspreis dar. Die oben angesprochenen Tageswiderstände und –unterstützungen werden auf der Grundlage des Pivot Punktes nach folgenden Formeln berechnet:

  1. Widerstand = 2 * Pivot – Tiefstkurs
  2. Widerstand = Pivot + Höchstkurs – Tiefstkurs
  3. Unterstützung = 2 * Pivot – Höchstkurs
  4. Unterstützung = Pivot + Tiefstkurs – Höchstkurs

Was ist eine „Kern-Position“?

Als „Kern-Position“ bezeichnen wir eine eingegangene Position, welche in Richtung des Tagestrends eröffnet wird. Sie ist praktisch das „Frontschiff“ aller Tages-Positionen und soll den Tagestrend möglichst weit ausreizen. Nach einer Marktanalyse und dem Definieren der wahrscheinlichsten Tagestendenz wird für die Eröffnung einer „Kern-Position“ ein Einstieg gesucht, der sich möglichst aus einem Ausbruch aus einer Einstiegsformation heraus ergibt. Wird eine „Kern-Position“ nach ihrer Eröffnung durch Erreichen des Stopp-Kurses wieder geschlossen, ist sie faktisch aus dem Markt und folglich fokussiert sich ein Händler für diesen Tag im Anschluss nur noch auf kurzfristig einzugehende intraday-Positionen, da das Timing oder gar die Grundausrichtung der „Kern-Position“ falsch war. Geht eine „Kern-Position“ jedoch in den Gewinn, wird der Stopp-Kurs möglichst rasch auf Einstand angezogen, so dass diese keinen Verlust mehr produzieren kann. Von da an kann eine Stopp-Kurs-Anpassung dann „großzügig“ oder „restriktiv“ erfolgen, je nach CRV-Empfinden. Es empfiehlt sich eine Positionsschließung, wenn (a) das erwartete und analytisch definierte Kurs-Ziel des Tages erreicht wurde oder sich (b) eine nachhaltige Impulserschöpfung oder Impulsumkehr anbahnt und vollendet. Neben einer eingegangenen „Kern-Position“ bietet es sich an, weitere Daytrading-Positionierungen einzugehen, welche neben einer „Kern-Position“ mitgehandelt werden und diese folglich hedgen oder auch hebeln. In der Regel wird eine „Kern-Position“ spätestens vor Handelsschluss wieder geschlossen.

Was taugen Widerstände und Unterstützungen denn nun wirklich?

Hierzu wollen wir zunächst definieren, was Widerstände oder Unterstützungen überhaupt sind:

Widerstände (Unterstützungen) zeichnen sich als Bereiche aus, an denen eine höhere Konzentration an Angebot (Nachfrage) vorliegt und somit das Kräfteverhältnis gegenüber der Nachfrage (des Angebots) zu Gunsten des Angebots (Nachfrage) punktuell verändert ist. Widerstände (Unterstützungen) „stören“ damit den „Fluss der Dinge“, hier formiert sich die Gegenseite des Marktes „zum Gegenangriff“.

Widerstände bzw. Unterstützungen sind Bereiche, in denen die Wahrscheinlichkeit, dass intakte Kursbewegungen zumindest ins Straucheln kommen, wenn nicht sogar umgekehrt werden, am höchsten ist. Widerstände bzw. Unterstützungen sind Resultate realer Entwicklungsprozesse im Markt und sind Ergebnisse emotionaler Aktivitäten der Marktteilnehmer.

„Emotionale Aktivitäten“ heißt in diesem Falle konkret, dass Widerstände bzw. Unterstützungen meist Kursniveaus sind, welche im Vorfeld angehandelt wurden, denen eine plötzliche Impulswende folgte, was zu einigen Positionsschieflagen auf diesem bzw. nahe diesem Niveau führte. Das heißt, Widerstände zeichnen sich dadurch aus, dass an oder nahe diesem Wendepunkt offene Kaufpositionen liegen, welche mit dem anschließenden Kursrückgang ins Minus abrutschten. Im Falle einer Unterstützung werden an den Wendepunkten des Kursverlaufes folgerichtig Angebots-Schieflagen liegen, welche mit steigendem Kurs ins Minus laufen. Jeder Käufer wird nun zum potentiellen Verkäufer und jeder Verkäufer wird nun ein potentieller Käufer, der emotional umso angespannter ist, je tiefer die Position in die Schieflage rutscht. Nähert sich der Kurs nun wiederholt einem vorherigen Impulswendepunkt an, wird dort der Marktteilnehmer auf der Gegenseite aktiv, dessen Position vormals in die Schieflage gelangt ist und der jetzt eine Chance hat, aus dieser Position wieder herauszufinden.

Somit soll deutlich werden, dass der Ursprung eines Widerstandes bzw. einer Unterstützung in realen Positionsschieflagen zu erklären ist und nicht in der Tatsache, dass man dort mögliche Linien antragen kann.

Angebots- oder Nachfrageüberhänge, welche sich aus Positionsschieflagen heraus definieren lassen, können als relativ „zuverlässig“ eingestuft werden, da hier Käufer bzw. Verkäufer im Markt sind, welche „Schmerzen“ mit ihrer Position haben und folglich ihre Schieflagen schließen wollen. Marktteilnehmer, welche sich „ohne emotionaler Not“ an solchen Marken positionieren, gelten dagegen als „nicht zuverlässig“, da sie jederzeit ihre Order löschen könnten, während Orders zur Schließung von Positionsschieflagen in der Regel konsequent im Markt bleiben.

Daraus ergibt sich folgende Anschlussfrage:

Sind Trendlinien ebenso wichtige Widerstände und Unterstützungen beim Daytrading wie horizontale Linien?

Nein, sie sind es nicht. Sie können es nicht sein, weil sich Trendlinien nicht aus Positionsschieflagen heraus erklären. Mitunter verlaufen Trendlinien in Bereichen, in denen im Vorfeld nicht gehandelt wurde und somit keine Positionsschieflagen liegen können. Folglich positionieren sich an Trendlinien (wenn überhaupt) nur „unzuverlässige“ Anbieter oder Nachfrager. Wie alte Charts aus den 30ger und 40ger Jahren des vorigen Jahrhunderts bestätigend zeigen, erwiesen sich Widerstände und Unterstützungen, welche aus Schieflagen heraus erklärt werden konnten, als vergleichbar zu heutigen charttechnischen Hürden. Trendlinien spielten dagegen zu dieser Zeit kaum eine Rolle als mögliche Widerstände oder Unterstützungen. Erst mit steigender Popularität der Trendlinien, stieg auch ihre Wirkungsweise als Unterstützung oder als Widerstand, was zeigt, dass diese Signallinien halten, weil diese von Marktteilnehmern „erkannt“ werden und zur Orderplatzierung genutzt werden. Folglich steigt deren Bedeutung, je offensichtlicher sie im Chartverlauf sichtbar sind.

Wie lange behalten Widerstände und Unterstützungen ihre Gültigkeit?

Ein Widerstand oder eine Unterstützung bleibt „zuverlässig“, solange eine Positionsschieflage im Markt bleibt. Wird diese durch das Ziehen eines Stopp-Kurses „eliminiert“, weil sich der Kurs entweder zu weit wegentwickelt hat (und der Schmerz folglich für den Akteur zu groß wurde) oder einfach zu viel Zeit ins Land gegangen ist, als dass auf jenem Niveau noch irgendwer seine Positionsschieflage aufrecht erhalten würde, verliert ein Widerstand oder eine Unterstützung seine „zuverlässigen“ Orders und wird damit zunehmend nur noch eine Orientierungsgröße.

Es gibt grundsätzliche Erkenntnisse, das Widerstände und Unterstützungen in institutionell dominierten Märkten ihre Funktionen als Kurshürden früher und rascher einbüßen, als in Märkten, welche vorrangig von Privatanlegern dominiert werden. Das begründet sich damit, dass von institutioneller Seite her rascher auf Schieflagen reagiert wird und folglich rascher und konsequenter Schieflagen geschlossen werden, als es ein privater Anleger tut. Dieser hält statistisch gesehen länger an „faulen“ Positionen fest, sitzt diese förmlich aus und ist noch nach Monaten oder Jahren im Markt und wird aktiv, wenn sich der Kurs wieder in die Nähe dieser Marke bewegt.

Folglich ist es purer Unsinn, von nachhaltigen Unterstützungen oder Widerständen in großen Indexmärkten (welche in der Regel institutionell dominiert sind) zu sprechen, wenn man damit Marken meint, von denen sich der Kurs bereits um mehrere Prozent entfernt hat bzw., welche bereits Monate (oder gar Jahre) alt sind. Ich kenne eine alte Analyse, da wurde im Nikkei 225 eine Unterstützung an einem Kursniveau in der Presse definiert, welches seit Jahren nicht mehr gehandelt wurde und von dem sich der Kurs um eine hohe zweistellige Prozentzahl bereits temporär entfernt hatte. Man muss sich hier ernsthaft fragen: wer soll hier vor Jahren eine Verkaufsposition eingegangen sein, um dieser über Jahre hinweg massiv gegen sich laufen zu lassen, um diese irgendwann einmal wieder mit plus / minus null einzudecken? Völliger Unsinn.

Gibt es feste Regeln, wie man Widerstände, Unterstützungen und Trendlinien in einem Chart anträgt?

Ja und Nein. Tom de Mark hat einmal ein Regelwerk zum Ermitteln und Antragen von Trendlinien, Widerständen und Unterstützungen erarbeitet. Hier geht es nicht um das Antragen von entsprechenden Linien an den jeweiligen Extrempunkten, sondern dort, wo möglichst viele Schnittpunkte eines Trends auftreten. Er begründet diese Vorgehensweise damit, dass nicht alle potentiellen Positionsschieflagen punktgenau auf einer Ebene liegen, sondern „um ein Niveau herum“ platziert sind. Folglich suchte er einen möglichen Mittelwert des Bereiches, innerhalb dessen die Positionsschieflagen (welche Widerstand oder Unterstützung definieren) vorrangig liegen könnten.

Statistische Tests zeigen allerdings, dass mit dieser Methode keine „besseren“ Unterstützungen oder Widerstände gefunden werden können. Vielmehr halten wir es für unerheblich, welcher Ansatz zur Antragung von Widerständen, Unterstützungen oder Trendlinien genutzt wird. Wichtig ist lediglich, dass immer der gleiche Ansatz genutzt wird, um Konsistenz hineinzubekommen.

Haben Widerstände und Unterstützungen in kurzfristigen Chartfenstern die gleiche Bedeutung wie in längerfristigen Chartfenstern?

Die Bedeutung von Widerständen und Unterstützungen steigt oder fällt mit der Bedeutung des jeweiligen Zeitfensters, in dem diese auftreten und welche von möglichst vielen Akteuren auch gehandelt werden. So kann man ja klar sagen, dass entsprechende Marken in größeren Zeitfenstern immer auch in den kleineren Zeitfenstern auftreten, aber niemals umgekehrt alle Widerstände oder Unterstützungen aus kleinen Chartfenstern in den großen Zeitfenstern ableitbar sind. Wir messen den Chartmarken in den Tages- und Stunden-Charts folglich eine höhere Bedeutung bei, als in den 5 oder 3 und 1 Minuten-Charts.

Welcher Chart-Typ ist „der beste“? Und welches Zeitfenster soll ich handeln?

Als Chart bezeichnet man die graphische Darstellung des Kursverlaufes eines an der Börse gehandelten Gutes. Grundsätzlich werden hierbei zwei Arten von Charts unterschieden:

  • Die zeitabhängigen Charts, die auf Basis eines Ticks-, in Minuten, in Stunden, in Tagen, in Wochen, in Monaten bzw. in Jahren dargestellt werden. Ein zeitabhängiger Chart ist eine Darstellungsweise des Kursverlaufes, bei der jeder Preis in Abhängigkeit zum Zeitpunkt seines Zustandekommens auf eine Preis / Zeitskala abgetragen wird.
  • Die zweite Darstellungsmöglichkeit ist der zeitunabhängige Chart. Hierbei wird der Zeitpunkt der Preisbildung nicht berücksichtigt, sondern nur der Veränderungsgrad eines Preises gegenüber dem vorangegangenen Preises.

Charts stellen im Grunde sogenannte “Reiz- Reaktionsschemata” der Marktteilnehmer dar, und sollen somit die Veränderung des allgemeinen Angebots- / Nachfrageverhältnisses im Markt über einen bestimmten Zeitraum (zeitabhängige Charts) bzw. auf bestimmten Kursniveaus (zeitunabhängige Charts) darstellen. Während Erstere einen Überblick über die Marktentwicklung in vorbestimmten Zeitabläufen widerspiegeln, eignen sich Zweitere besonders für das Herausfinden von über- und untergeordneten Widerstands- und Unterstützungsmarken.

Zu den bekanntesten zeitabhängigen Chartmodellen werden der Linienchart, der Balkenchart und der Candlestick – Chart gezählt. Das bekannteste zeitunabhängige Chartmodell ist der Point & Figure – Chart. Weiterhin zählen hierzu der Drei–Linien Durchbruchschart, der Kagi- und der Reko–Chart, drei Darstellungsmethoden der alt-japanischen Analysetradition.

Folglich wird deutlich: es gibt keinen wirklich „besten“ Chart. Jede Darstellungsform hat, wie auch jeder Indikator, seine Stärken und Grenzen. Folglich muss man sich im Vorfeld klar darüber sein, welche Informationen man aus dem Chartbild herausfiltern möchte, um Anlageentscheidungen zu treffen. Betrachten Sie einen Chart wie eine Gefechtsfeldkarte. Diese soll Ihnen möglichst viele Informationen geben, Sie aber auch nicht mit Informationen überfrachten, worunter die Übersichtlichkeit leiden würde.

Wir bevorzugen die Candle-Darstellung, da hier viele Informationen auf einen Blick rasch erfasst werden können. Seien Sie aber versichert, jede Darstellung hat auch ihre Schwächen und Grenzen hinsichtlich ihrer Aussagekraft, so dass die bevorzugte Art der Darstellung individuell gesucht werden muss.

Welche Daytrading-Premium-Services gibt es bei GodmodeTrader?

GodmodeTrader bietet derzeit mindestens drei erwähnenswerte Premium-Services an, die sich grundsätzlich auf das Daytrading konzentrieren.

  • Realtime Future Trader
    Seit bereits einigen Jahren betreue ich den Realtime Future Trader auf GodmodeTrader. Mit rund 23 Jahren beruflich aktiver Erfahrung als Day-Trader begleite ich Sie börsentäglich von 6:30 Uhr bis 17:30 Uhr und gebe Einblicke in eine reale Trading-Welt. Nebenbei wird umfassendes praktisches Wissen vermittelt, um die Lernkurve stets aufrecht erhalten zu können. Hier gehts zum Premium-Service »
  • Highspeed Day Trader von Heiko Behrendt
    Minimalste Kursschwankungen ausnutzen in DAX, Dow Jones und EUR/USD - und das in einer sehr hohen Frequenz - das ist die Welt des Highspeed Day Traders Heiko Behrendt. Großer Wert wird zudem auf die Ausbildungskomponente gelegt. Sie können Heiko Behrendt viermal pro Woche über die Schulter schauen und jeweils zwei Stunden live beim Handel verfolgen. Hier gehts zum Premium-Service »
  • KnockOut Trader
    Rocco Gräfe konzentriert sich im KnockOut Trader-Service auf den sehr kurzfristigen bis kurzfristigen (KO-Zertifikaten) bzw. kurzfristigen bis mittelfristigen (Optionsscheine) Anlagehorizont. Tradingsignale, die auch im transparenten Musterdepot umgesetzt werden, erhalten Sie als konkrete Tradeempfehlung für KO-Zertifikate inkl. WKN/ISIN.Hier gehts zum Premium-Service »

Fazit

Ich hoffe, diese Übersicht der am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Daytrading konnte die jeweiligen Themen ausführlich und erschöpfend beantworten. Weitere Fragen können gerne in der unteren Kommentarfunktion gestellt werden. Auf GodmodeTrader werden zudem immer wieder Artikel rund um das Thema Trading bzw. insbesondere Daytrading veröffentlicht.

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