Die Fast-Stochastik wie in Abbildung 1 im unteren Teil dargestellt, ist auch heute noch eine der bekanntesten und am häufig genutzten Oszillatoren und das trotz seines schon recht hohen Alters.

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    Entwickelt/vorgestellt wurde der Indikator Ende der 50iger Jahre von G.C. Lane und war ursprünglich als Kontertrendsystem gedacht. Mit Hilfe der Stochastik sollten Trendwenden angezeigt werden. In dieser Funktion kann der Indikator jedoch nur bedingt überzeugen. Stattdessen macht es Sinn, die Stochastik nicht als alleiniges Entscheidungskriterium zu verwenden, sondern diesen mit anderen Analyseverfahren zu kombinieren und dem Indikator vor allem eine Trendanalyse voranzustellen. Warum wird sehr schnell deutlich, wenn wir uns die Berechnung, Funktionsweise und das Abschneiden klassischer Signale des Indikators einmal genauer anschauen.

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    Berechnung der Stochastik

    In einfachen Worten zeigt uns die Stochastik, wo innerhalb der vom Trader festgelegten Berechnungsspanne der aktuelle Schlusskurs zu finden ist. Dazu wird die Spanne aus höchstem und tiefstem Kurs des Betrachtungszeitraums ermittelt und in diese Spanne der derzeitige Schlusskurs eingeordnet.

    Zunächst ist folglich vom Trader die zu betrachtende Periode festzulegen, wobei in der Regel Werte zwischen 5 und 14 Perioden gebräuchlich sind. Ausgehend von der getroffenen Auswahl wird der höchste (H) und tiefste (L) Kurs des betrachteten Zeitraums ermittelt. Im zweiten Schritt wird der aktuelle Schlusskurs in Relation zu dieser Spanne gesetzt. Dazu wird die Differenz aus aktuellem Schlusskurs ( C ) und niedrigstem Kurs( L) gebildet und diese anschließend durch die gesamte Handelsspanne dividiert. Das Ergebnis ist die als %K bezeichnete Fast-Stochastik:

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    Mit Blick auf die Berechnung wird schnell klar, dass der Indikator lediglich Werte zwischen 0 und 100 annehmen kann – schließlich kann der aktuelle Schlusskurs nicht außerhalb der Handelsspanne der letzten X Kerzen liegen, sondern maximal am Hoch oder Tief dieser Spanne. In der klassischen Interpretation des Indikators gelten Werte der %K von 80 oder größer als überkauft und Werte von 20 oder kleiner als überverkauft. Abbildung 2 zeigt die Stochastik zusammen mit den überkauften und überverkauften Zonen. Notiert der Indikator in diesen Bereichen, wird in den meisten Fällen die Fläche darunter eingefärbt, um den überkauften bzw. überverkauften Zustand optisch hervorzuheben.

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    Wie in Abbildung 2 zu sehen, kann die Stochastik sehr stark schwanken und um den Verlauf einerseits zu glätten, andererseits aber weitere Signale erzeugen zu können, wurde auf die %K-Linie ein gleitender Durchschnitt gelegt (%D). Im Falle der Standardeinstellung der Stochastik beträgt die Glättung 3 Perioden. Abbildung 3 zeigt nun den vollständigen Indikator mit seiner Stochastiklinie (gelb) und der Signallinie (türkis) inklusive der überkauften und überverkauften Zonen.

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    Interpretation

    Aufgrund seiner Konstruktion ließe die Stochastik eine ganze Reihe von Interpretationen und Signalen zu. So zeigt ein Eintauchen des Kurses in den überkauften bzw. überverkauften Bereich klassisch einen zu weit gestiegenen oder gefallenen Markt an und eine Gegenreaktion wäre zu erwarten. Der Trader muss gemäß dieser Interpretation davon ausgehen, dass sich die aktuelle Bewegung erschöpfen wird und die Kurse ein Topp bzw. Low ausbilden könnten. Direkt aus dem Indikator heraus könnte so ein entsprechendes Signal generiert werden, wenn die Stochastik die Extremzone wieder verlässt. Fällt diese bspw. aus dem überkauften Marktbereich wieder unter die 80iger Marke zurück, könnte man dies als Verkaufssignal interpretieren. Ein Anstieg der %K Linie aus dem überverkauften Bereich zurück über Werte von 20 hingegen suggeriert ein Kaufsignal – nach dem bärischen Extrema laufen die Kurse wieder zurück in den Normalbereich (siehe Abb. 3.1).

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    Abbildung 4 zeigt die Performance dieses Systems im DAX Tageschart seit 1997. Gehandelt wurden hier lediglich die Longsignale. Verlässt der Indikator also den überverkauften Bereich, wird zur Eröffnung der nächsten Kerze eine Longposition eingegangen. Gemäß der Standardinterpretation des Indikators macht es Sinn, die Position beim Erreichen des überkauften Markts zu schließen und das Ganze mit einem Stopploss auf dem bisher erreichten Tief abzusichern. Unter Berücksichtigung von 2 Punkten Kosten ist das Ergebnis ernüchternd und die Taktik ist nicht profitabel.

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    Chart wurde mit Tradesignal erstellt

    Zwar zeigt uns der Performancereport in Abbildung 5 eine Trefferquote von leicht mehr als 50 % an, aber die Verluste sind in Relation zum Gewinn einfach zu groß.

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    Chart wurde mit Tradesignal erstellt

    Dass die Performance im DAX keine Ausnahme bildet, zeigt der zufällig ausgewählte Versuch des Systems in der Adidas Aktie in Abbildung 6. Auch hier konnte mit der Fast-Stochastik in der Standardeinstellung kein Gewinn erzielt werden.

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    Chart wurde mit Tradesignal erstellt, Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

    Vor diesem Hintergrund bliebe dem Trader die Option, mit den Periodenlängen zu experimentieren und/oder die überkauften und überverkauften Zonen anders zu definieren. Weitere Möglichkeiten bestünden darin, dem Signal einen Trendfilter voranzusetzen und bspw. nur dann Kaufsignale nach obigem Muster wahrzunehmen, wenn sich der betrachtete Basiswert in einem Bullenmarkt befindet (für Shortsignale vice versa). Dies kann, aber muss nicht zwangsläufig zu einem besseren Abschneiden des Indikators führen.

    Neben dieser ersten Interpretationsmöglichkeit lässt der Indikator aber noch einige weitere Ansätze zu. So könnte die gleiche Idee statt auf die %K Linie – wie oben gemacht – auf die Durchschnittslinie %D angewendet werden. Da diese aufgrund ihrer Glättung verzögert reagiert, dürfte sich vor allem die Signalhäufigkeit reduzieren. Natürlich ließe sich auch direkt aus dem Überkreuzen der %K-Linie und der Signallinie %D ein entsprechendes Signal ableiten. Abschließend bleibt auch bei der Stochastik die Möglichkeit, diesen auf Divergenzen zwischen dem Verlauf des Indikators und des Basiswerts hin zu untersuchen, um nachlassendes Momentum in der aktuellen Bewegung zu erkennen. Die konkreten Einstiegssignale können dann direkt aus der Stochastik abgeleitet oder aber auch auf Basis anderer Faktoren getroffen werden.

    Fazit: Mit der Stochastik wird dem Trader ein weiteres Werkzeug an die Hand gegeben, um Entscheidungen zu treffen. Dabei handelt es sich beim Indikator um ein recht einfaches Konzept: Schaue, wo der aktuelle Schlusskurs des betrachteten Basiswerts in Relation zur Preisspanne der letzten X Kerzen liegt. Natürlich ließe sich dies mit einem genaueren Blick auch direkt aus dem Chart heraus erkennen, aber der Indikator stellt die Antwort klarer zur Verfügung. Zudem lassen sich aus diesem heraus konkrete Signale ableiten. Überkreuzungen und Divergenzen bilden dabei die Basis für unterschiedlichste Ansätze, die aber in ihrer Standardeinstellung nicht überzeugen können. Die Vorteile sind, wenn überhaupt vorhanden, meist nur sehr klein und werden oftmals spätestens nach Berücksichtigung von Kosten vernichtet. Eine alleinige Anwendung des Indikators und seiner Signale in der Standardeinstellung ist daher nicht zu empfehlen. In Kombination mit anderen Einflussfaktoren hingegen bietet die Fast Stochastik einen immer noch interessanten Ansatz. Es obliegt jedoch dem Trader, erfolgreiche Kombinationen zu entwickeln.

    Viel Erfolg

    Ihr Rene Berteit