Im Trading, heißt es, verlieren etwa 90 Prozent der Trader dauerhaft Geld. Wissenschaftler gehen davon aus, dass gut 90 Prozent unseres Verhaltens unbewusst passiert. Ob es da wohl einen Zusammenhang gibt?

Alles, was der Mensch wahrnimmt, läuft über eine Kommandozentrale im Gehirn: das Angst- und Panikzentrum. Dieses liegt in den sogenannten Mandelkernen (Amygdalae). Ihr Gegenspieler ist das Glücks- und Belohnungszentrum. Beide können wir nicht bewusst kontrollieren. Nehmen wir Signale im Außen wahr, gelangen diese Informationen zunächst in diese emotionale Überprüfungszentrale unseres Gehirns. Hier werden sie auf Gefahr oder Freude analysiert. Noch bevor uns die Bedeutung bewusst wird, werden diese Eindrücke als Gefühl verpackt und veranlassen uns zu Handlungen. Entstehen Emotionen von Angst und Bedrohung, bekommen wir den Impuls für Kampf, Flucht oder Erstarrung.

Am Beispiel Trading: Sie nehmen wahr, dass Sie gerade bei einemTrade Geld verlieren, weil der Markt gegen Ihre Position läuft. Diese Information gelangt zur emotionalen Kommandozentrale Ihres Gehirns, zum Angstund Panikzentrum, sowie zum Belohnungszentrum. Da Geldverlust für den modernen Menschen in der Regel Gefahr bedeutet, nämlich Existenzverlust, gehen nun alle Reaktionen vom Angst- und Panikzentrum aus. Ihr Gehirn will Sie vor Schaden schützen und verursacht eine Handlung: kämpfen, fliehen oder erstarren. Sie fliehen – und verkaufen ihre Trading-Position mit einem kleinen Gewinn, weil Sie befürchteten alle Gewinne wieder zu verlieren oder Verluste zu machen.

Der gesamte Ablauf geschieht unbewusst. Etwa 230 Millisekunden, bevor Ihnen all das bewusst wird. Das Fatale ist, dass unser Gehirn selbst entscheidet, was Richtig und was Falsch ist. Wir sind sozusagen auf Autopilot gestellt. Die Auslöser für unbewusste Handlungen sind vielfältig und von unseren Erfahrungen geprägt. Denn Börsenkurse selbst sind niemals beängstigend, nur unsere Reaktion darauf.

„Ich kann nur erfolgreich werden, wenn ich diszipliniert trade, also tue ich das jetzt mal!“ oder „Ich habe keine Angst mehr, ausgestoppt zu werden, das gehört doch zum Trading dazu!“ Um sich vor angstauslösenden Handlungen zu schützen, reichen bewusst getroffene Entscheidungen nicht aus. Denken hilft zwar, die Zusammenhänge zu verstehen, aber verstehen alleine nützt nichts. Unser Verstand zieht gegen unser Unbewusstes meist den Kürzeren.

Auch wenn die meisten Prozessabläufe in unserem Gehirn schnell und präzise ablaufen, macht es auf jeder Ebene Fehler. Unbewusste Fehler sind für uns allerdings schwer zu erkennen. Sie beeinflussen uns, ohne dass wir es merken. Beim Trading erkennen wir dies oft daran, dass es uns schwerfällt, eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster zu korrigieren. Zwar wissen wir, dass wir immer wieder die gleichen Probleme haben, etwa „Ich muss die Gewinne laufen lassen, mache es aber nicht“, sind aber nicht in der Lage, sie abzustellen. Um sich beim Trading vor solchen Fallstricken zu schützen, benötigt man stabile Handlungsabläufe. Diese müssen förmlich unbewusst abgespult werden. Es empfiehlt sich deshalb, aktiv an seinen negativen Denk- und Verhaltensmustern zu arbeiten und sie in gewinnbringende, unbewusste Kompetenzen umzuwandeln.

Glaubenssätze

Was wir denken, das sind wir. Und was wir bisher gedacht haben, hat uns zum größten Teil zu dem werden lassen, der wir heute sind. Denn der Mensch ist immer bestrebt, seine Gedanken in die Realität umzusetzen. In den meisten Fällen passiert das unbewusst.

Der Mensch will sich verwirklichen. Das gibt ihm die Bestätigung, zu sein, und er fühlt sich dadurch als handlungsfähiger Mensch. Jeder Glaubenssatz hat eine Verbindung zu einer endlosen Kette von Ursache und Wirkung. Das zeigt sich auch immer wieder beim Trading. Denn man tradet nicht die Märkte, sondern seine Überzeugungen von den Märkten.

Viele sind sich ihrer Glaubenssätze nicht bewusst. Es gibt hilfreiche Möglichkeiten, diese herauszufinden. Am besten ist eine Selbstbeobachtung. Man kann etwa durch die Analyse seiner Fehl-Trades entdecken, welche typischen Handlungs- und Glaubensmuster sich dahinter verbergen. Die zweite Möglichkeit ist die, dass man sich nach jedem Trade sofort notiert, was man zu diesem Trade über sich und den Trade denkt. „Ich bin ein routinierter Trader...“, „Ich glaube, der Markt dreht jetzt...“

Menschen sind Lebewesen mit einer Persönlichkeit. Diese ist geprägt von individuellen Eigenschaften, Denk-und Handlungsweisen. Wer nicht von sich glaubt, dass er mit Trading erfolgreich sein kann, der wird es sehr schwer haben, ein profitabler Trader zu werden. Und wer täglich an das Trading mit der Überzeugung herangeht „Ich trade mal ein bisschen rum“, der muss sich nicht wundern, wenn er ständig unbefriedigende Ergebnisse erzielt.

Manches in unserem Leben gestalten wir bewusst, um uns damit von anderen abzugrenzen. Das meiste aber wird beeinflusst. Die Erziehung der Eltern spielt hier ebenso eine große Rolle wie Freunde, Kollegen, Gesellschaftsstrukturen, Medien, Werbung und die landestypische Kultur. Wer etwa glaubt, dass Trading ein unseriöses Geschäft ist, der wird es schwer haben, mit der nötigen Disziplin und Verantwortung zu traden.

Die Gedanken eines Menschen ermöglichen die Wahrnehmung, dass man ein Teil des Ganzen und dennoch einzigartig ist. Mit den individuellen Überzeugungen und Glaubensätzen schafft sich jeder Mensch seine eigene Realität. Wer etwa von sich sagt „Ich habe kein Selbstbewusstsein“, der wird sich entsprechend verhalten. Dadurch wird sein Umfeld ihn ebenso wahrnehmen und ihn genauso behandeln. Diese Reaktion wiederum wird als Bestätigung der Selbsteinschätzung empfunden. Ein Teufelskreis, der in ähnlicher Form beim Trading immer wieder zu beobachten ist.

Dieser Spruch bringt die Macht unserer Gedanken auf den Punkt:

· „Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.

· Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.

· Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.

· Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.

· Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal."

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Autoaggression

Trading ist gerade zu Beginn für viele eine emotionale Achterbahnfahrt. Der ständige Wechsel zwischen Gewinn und Verlust lässt beim Trader Gefühle von Wut, Freude, Hoffnungslosigkeit, Euphorie, Aussichtlosigkeit, Übermut und vieles mehr entstehen. Da Menschen dazu neigen, ihre Gefühle in Handlungen umsetzen zu wollen, können starke Emotionen beim Trading schnell zu einem Problem werden. Das gilt für positive wie negative Gefühle gleichermaßen. Beginnt jedoch ein Trader, die Reaktionen seines Tradings persönlich zu nehmen, so kann dieses zu autoaggressivem Verhalten führen. Typisch dafür sind solche Gedanken: „Jetzt werde ich schon zum dritten Mal hintereinander ausgestoppt, nun hole ich mir mein Geld zurück!“ „Ich habe jetzt keine Lust mehr, immer nur der Verlierer zu sein, dem zeige ich, wer der Stärkere ist!“

Der Stärkere ist immer die Börse selbst. Wer sich aufgrund solcher destruktiven Gedanken zu unüberlegten Handlungen verleiten lässt, wird letztlich der Verlierer sein. Die Märkte zu personifizieren, führt zwangsläufig in die falsche Richtung. Denn der Börsenhandel ist immer neutral. Niemand weiß, wer sein Gegenspieler ist und hat es auch nicht auf jemanden Spezielles abgesehen, mit dem noch eine offene Rechnung beglichen werden muss.

Um sich vor Selbst-Sabotage zu schützen, sollte man am besten seine Emotionen in einem Trading-Journal schriftlich festhalten. So kommt man ihnen am schnellsten auf die Schliche.

Wie die ersten Lebensjahre prägen

Es ist ein Irrtum, anzunehmen, dass man als Erwachsener unvoreingenommen an das Trading herangeht. Genau das Gegenteil ist der Fall. Je älter wir sind, desto mehr Überzeugungen haben wir, aus denen heraus wir das Trading umsetzen.

Die Zeit der Prägungen in unserem Leben beginnt früh. Bereits vor der Geburt ist der Fötus für die Einflüsse anderer aufnahmefähig. Die Neurowissenschaften haben verdeutlicht, dass das Gehirn in den ersten Lebensmonaten und Jahren am meisten damit beschäftigt ist, Verknüpfungen zu bilden. Das bedeutet, dass Geschehnisse aus früheren Zeiten bis heute Auswirkungen auf das Trading haben können.

Jeder Mensch ist durch seine Vergangenheit beeinflusst, aber er wird nicht komplett durch sie bestimmt. Und es sind weniger die Ereignisse der Vergangenheit, die am stärksten unser Leben bestimmen. Sehr viel bedeutsamer als die Ereignisse selbst ist unsere Haltung diesen Erlebnissen gegenüber.

Entscheidend für eine gesunde Entwicklung und Persönlichkeit in den ersten Lebensjahren sind die Eltern. Haben sie es in der Erziehung versäumt, eine stabile Bindung aufzubauen, so kann das bei dem späteren Erwachsenen unter anderem zu Selbstwertproblemen führen: „Ich kann nichts“, „Ich muss mich anpassen, sonst werde ich nicht geliebt“, „Ich habe Angst, Verantwortung zu übernehmen".

Wer ein sehr geringes Selbstwertgefühl hat, der könnte durchaus versuchen, diesen Mangel über das Trading ausgleichen zu wollen. Ungeduld und Disziplinlosigkeit sind dann Tür und Tor geöffnet. Hat man in den Kindheitstagen die Erfahrung gemacht, dass die Eltern einem nichts zutrauen, ist man mit hoher Wahrscheinlichkeit auch heute als Trader stark verunsichert und auf Anerkennung beim Trading angewiesen. Mehrmaliges ausgestoppt werden etwa kann dann schnell als „Ich bin nichts wert" interpretiert werden. Der Händler wird in dem Fall unbewusst versuchen, diesen inneren Konflikt über die Märkte auszutragen, etwa mit dem Gedanken: „Dem Markt werde ich es jetzt mal zeigen!"

Als Trader sollte man sich regelmäßig genauen Verhaltensbeobachtungen unterziehen. Taucht ein Fehler immer wieder auf, so kann der Grund dafür seine Wurzeln in der Kindheit haben. Die Unterstützung durch einen gut ausgebildeten Trader-Coach kann da helfen.

Wunderwaffe Disziplin

Die wohl größte und zugleich wichtigste Herausforderung beim Traden ist Disziplin. Zahlreiche Studien belegen, dass Trader nicht an ihren Handelssystem scheitern, sondern an dessen präziser Ausführung. Denn erst die konstante und exakte Umsetzung des eigenen Regelwerks führt zum Erfolg.

Doch warum fällt es Tradern so schwer, sich an ihren Handelsplan zu halten? Stopps werden unbedacht versetzt oder wieder gelöscht, Gewinne zu früh realisiert, ein Wiedereinstieg in den Markt nicht gewagt, Positionen unbedacht erhöht. Dies und vieles mehr sind Verzweiflungshandlungen, meist ausgelöst durch die eigenen Emotionen. Denn kleinste Ausreißer im eigenen Verhalten führen oft zu einer Kettenreaktion von Fehlern mit fatalen Folgen.

Wichtig ist, dass man ein Handelssystem tradet, das zu einem passt. Denn nur dem wird man absolut vertrauen. Wer etwa ungern in kurzen Zeiteinheiten handelt, der wird auch keine Motivation haben, dieses Regelwerk diszipliniert umzusetzen.

Der größte Gegenspieler der Disziplin ist die Angst. Sie kommt meist dann auf, wenn das Risiko zu hoch ist. Trader sollten deshalb darauf achten, dass sie nicht zu viel riskieren. Wer spürt, dass er zu unruhig tradet, wenn er ein Prozent seines Handelskontos pro Trade verliert, sollte es einmal mit 0,5 oder 0,25 Prozent versuchen. Niemand zwingt uns, mit Angst zu traden, außer wir selbst. Ein weiterer Punkt ist die Nähe zum Trading. Nicht jeder ist in der Lage, vor seiner Trading-Plattform zu sitzen und die Volatilität des Marktes gelassen hinnehmen. Neigt ein Trader in solchen Fällen dazu, ins aktuelle Trading- Geschehen einzugreifen, sollte er mit festen Gewinnzielen arbeiten. Und um mangelnde Disziplin als Risikoaspekt beim Trading völlig auszuschalten, bietet sich der Einsatz eines automatisierten Handelssystems an.

Trading und Stress

Der Begriff „Stress" kommt aus dem englischen und bedeutet ursprünglich Druck, Zug oder hohe Beanspruchung eines Materials. In den 1930er-Jahren bezog der Naturwissenschaftler und Mediziner Hans Selye (1907-1982) das Wort zum ersten Mal auf den Menschen und seine körperlichen Belastungen. Selye machte deutlich, dass Stress eine Reaktion auf eine Bedrohung ist und nicht die Bedrohung selbst.

Entscheidend ist also, wie wir eine Situation, die stressen könnte, bewerten und darauf reagieren. Stress ist beim Trading immer gegenwärtig. Denn jeder Trade wird von Unsicherheit begleitet. Doch die meisten Menschen streben nach Sicherheit und empfinden Situationen als angenehmer, wenn sie diese kontrollieren können. Ist das nicht so, entsteht schnell Stress. Auslöser dafür sind unsere Körper- und Hirnfunktionen, die maßgeblich durch Hormone gesteuert werden. Die wichtigsten Stresshormone sind Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Cortisol.

Die bekanntesten Stressarten sind der „Adrenalinstress" und der „Cortisolstress'.' Adrenalinstress wird sehr schnell ausgelöst. Man spricht hier auch vom sogenannten „Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt" Anders beim Cortisolstress, den man auch als Dauerstress bezeichnen kann. Situationen und Umstände halten das Stressniveau dann dauerhaft hoch. Wesentlich gefährlicher ist der Cortisolstress, da er Körper und Geist mehr belastet.

Neben dem zeitlichen Aspekt gibt es zwei Arten von Stress: Bei „Eustress" handelt es sich um positiven Stress, bei „Distress" um negativen. Eustress kann man auch als Motivator sehen, der die Leistungsfähigkeit steigert. Beim Distress kommt es eher zur Leistungsminderung. Distress ist verbunden mit einem Gefühl von Bedrohung und Versagen. Leichter Stress kann anregend und lernfördernd sein.