An der Börse und im Trading gibt es eine ganze Reihe von Weisheiten, die von vielen Tradern vorbehaltlos als Wahrheit akzeptiert werden. Ein Beispiel hierzu könnte die klassische Aussage sein, dass Gaps meist relativ schnell geschlossen werden. Nutzen wir die heutige Marktschwäche im DAX, um einen Blick auf Abwärtsgaps zu werfen. Sind diese wirklich gute Longchancen?

Glücklicherweise handelt es sich bei dieser Strategie um eine sehr einfach zu programmierende. Damit möchte ich weniger meine Fähigkeiten hervorheben, sondern Sie vielmehr darauf aufmerksam machen, wie einfach es zum Teil ist, bestimmten Aussagen auf den Grund zu gehen und auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Als Tradingcoach erlebe ich immer wieder, wie sehr sich Trader auf alte Weisheiten verlassen. Viele dieser Weisheiten entstanden jedoch zu einer Zeit, in der vor allen Dingen subjektive Statistiken aufgestellt wurden. Trader erlebten die eine oder andere Situation mehrfach und verallgemeinern diese unter Umständen vorschnell. Ein einfaches Beispiel hierfür wäre die Aussage, dass Kurse mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit täglich steigen. Natürlich wird man dies im Rahmen einer dynamischen Kaufwelle über zwei, drei Monate vermehrt feststellen können, wenn man jedoch die zeitliche Perspektive vergrößert und so auch Verkaufswellen und Bärenmärkte in die Datenbasis einbezieht, nähert sich die Wahrscheinlichkeit ganz stark der 50-Prozent-Marke an. Sie ist zwar am Ende immer noch leicht besser als der Zufall, aber von einem großen Vorteil kann nicht gesprochen werden.

Abwärtsgaps auf dem Prüfstand!

Nun jedoch zurück zur eigentlichen Fragestellung: lohnt es sich an einem Tag, an dem der Dax mit einem Abwärtsgap eröffnet, bis zur Schlussglocke long zu gehen?

Im ersten Schritt müssen wir ein Abwärtsgap definieren. Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie nur extrem selten einen Eröffnungskurs, der genau auf dem Schlusskurs von gestern liegt. Insofern haben wir nahezu täglich ein Gap, eine Kurslücke. Oftmals wird der Begriff Gap jedoch für eine Eröffnung genutzt, die vollständig außerhalb der Handelsspanne der vorangegangenen Kerze liegt. Dieser Definition werden wir in unserem kleinen Test folgen.

Um die Trades im Dax seit Ende 2000 miteinander vergleichen zu können, werden in den Index jeweils 200.000 EUR investiert. Damit soll die Positionsgröße dem Preisniveau angepasst werden. Schließlich handelte der Index im Jahr 2003 zu Kursen unterhalb von 2.500 Punkten. Sollte es hier zu erfolgreichen Signale gekommen sein, hätten diese nur einen kleinen Punktegewinn zur gesamten Performance beigetragen, während das gleiche Gap zu aktuellen Kursen von 12.650 Punkten ein wahrscheinlich viel größeres Gewicht hätte, einfach weil sich die Kurse in Punkten gemessen viel stärker bewegen. Eine solche Verzerrung wollen wir durch die Anpassung der Positionsgröße vermeiden.

Lohnt es sich, den DAX heute zu kaufen?

Kommen wir jetzt zur Statistik. Sofern der Deutsche Aktienindex mit einem Abwärtsgap eröffnet, gehen wir zum ersten Kurs long. Die Position wird bis zur Schlussglocke gehalten und mit dieser verkauft. Gebühren werden in unserem Test nicht berücksichtigt. Wie sie Abbildung 1 entnehmen können, handelt es sich bei dieser Tradingidee um eine schlechte Entscheidung. Über die letzten Jahre wäre ein Verlust von 50.500 EUR angehäuft worden, was in etwa 25 % des eingesetzten Kapitals entspricht. Mit einer Trefferquote von 49 % hätten wir sogar noch nicht einmal in der Mehrzahl der Fälle recht.

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Zusammenfassend können wir sagen, dass es sich nicht lohnt, Abwärtsgaps im Deutschen Aktienindex direkt zur Eröffnung zu kaufen und darauf zu spekulieren, dass man um 17:30 Uhr höher notiert. Vielmehr wäre sogar das Gegenteil der Fall. Wird zur Eröffnung eine Shortposition eingegangen, hätte man vor Kosten aus dem Verlust von 25 % immerhin einen 25-prozentigen Gewinn machen können. Wirklich überzeugend ist aber auch dieser Tradingansatz nicht, wenn man sich die Performancekurve aus Abb. 1 gespiegelt vorstellt.

Mit dieser kleinen Analyse von Abwärtsgaps haben wir zwar keine wirklich spannende Taktik gefunden, aber wir wissen zumindest, was wir nicht machen sollten. Nicht zu verlieren, ist der erste Schritt zum Erfolg, wenn natürlich auch noch ein recht unbefriedigender. In diesem Sinne gutes Gelingen bei den nächsten Schritten, Ihr

Rene Berteit

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