Der vom Physiker Thomas Gebert bereits in den 90er Jahren entwickelte "Börsenindikator Deutschland", heute meist als Gebert-Indikator bezeichnet, hat in den vergangenen Jahrzehnten die Entwicklung des DAX treffsicher prognostiziert. Als "Big Data" und "Data Mining" noch völlig neue Konzepte waren, wertete Gebert bereits zahlreiche Zeitreihen mit unterschiedlichen Wirtschaftsdaten computergestützt danach aus, welche Daten sich dazu eigneten, Ein- und Ausstiegssignale für den Aktienmarkt zu liefern. Er identifizierte schließlich vier Datenreihen, mit denen sich sehr zuverlässig DAX-Signale generieren lassen.

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    Dass Gebert bei der Konstruktion seines Systems sehr gründlich vorging zeigt auch die Tatsache, dass das Gebert-System auch nach seiner erstmaligen Publikation, anders als zahlreiche andere Indikatorsysteme, weiterhin sehr gut funktionierte. Von Anfang 1993 bis Anfang März 2019 hätten es Anleger mit der Gebert-Strategie ungehebelt auf einen Gesamtgewinn von mehr als 2.600 Prozent gebracht. Wer einfach immer im DAX investiert war (Buy-and-hold-Strategie), zum Beispiel über einen Indexfonds oder ein Zertifikat, hätte in der gleichen Zeit vor Kosten nur einen Gewinn von 650 Prozent verbucht. Aus 1.000 Euro, die Anfang 1993 investiert wurden, wären so im ersten Fall mehr als 27.000 Euro und im zweiten Fall rund 7.500 Euro geworden.

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    So wird der Gebert-Indikator berechnet

    Der Gebert-Indikator basiert auf drei fundamentalen und einem saisonalen Kriterium. Für jeden der Teilindikatoren wird entweder 1 Punkt oder 0 Punkte vergeben. Insgesamt kann der Gebert-Indikator also zwischen null und vier Punkten schwanken.

    Wie werden die einzelnen Punkte nun berechnet? Um die Punkte zu vergeben oder nicht zu vergeben muss der Anleger nur vier einfache Fragen beantworten:

    • Leitzins: War die letzte Leitzinsänderung der EZB eine Zinssenkung? Falls ja, dann gibt es einen Punkt. Wenn die letzte Zinsveränderung durch die EZB eine Erhöhung war, gibt es null Punkte. Dabei wird jeweils die letzte Leitzinsveränderung berücksichtigt, egal, wie lange diese bereits zurück liegt.
    • Inflationsrate: Ist die von Eurostat ermittelte Inflationsrate für die Eurozone (HCPI, harmonisierter Verbraucherpreisindex) tiefer als im entsprechenden Monat des Vorjahres? Wenn die Frage mit "ja" beantwortet werden muss, gibt es einen Punkt, sonst null Punkte. Vorläufige Inflationsdaten werden nicht berücksichtigt, sondern nur die zuletzt veröffentlichten endgültigen Daten (die sich dann in der Regel auf den Vor-Vormonat des jeweils aktuellen Monats beziehen).
    • Euro/Dollar-Wechselkurs: Steht der Euro/Dollar-Kurs (EUR/USD-Kurs) heute tiefer als vor einem Jahr? Wenn er tiefer steht, gibt es einen Punkt, sonst null Punkte.
    • Saisonalität: Befinden wir uns aktuell im Zeitraum zwischen 1. November und 30. April? Falls ja, gibt es einen Punkt, sonst null Punkte.

    Die Punkte aus den vier Teilindikatoren werden aufaddiert. Ergibt sich eine Summe von drei oder vier Punkten, ist der Anleger im DAX investiert (zum Beispiel über einen ETF oder ein Indexzertifikat). Steht der Indikator auf null oder einem Punkt, ist der Anleger nur im Geldmarkt investiert bzw. parkt sein Geld auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto. Bei zwei Punkten wird die bisherige Positionierung (also entweder DAX oder Giro- bzw. Tagesgeldkonto) beibehalten. Der Punktestand wird jeweils zum Monatsanfang überprüft.

    Der aktuelle Stand des Gebert-Indikators sowie historische Daten können einem Google-Spreadsheet im Internet entnommen werden, das vom Blogger "DAX-Jäger" veröffentlicht wird. Auf den Daten aus diesem Spreadsheet basiert auch der oben gezeigte Backtest für diesen Artikel.

    Hinweis: Der Gebert-Indikator sollte nicht mit einer weiteren von Thomas Gebert entwickelten Strategie verwechselt werden, die auf einem 16-Wochen-Zyklus basiert und erst in den vergangenen Jahren vorgestellt wurde. Die neue Strategie wird häufig auch als "16-Wochen-Strategie" bezeichnet.

    Den aktuellen Stand des Gebert-Indikators können Sie dem folgenden Artikel entnehmen: Gebert-Indikator: Es bleibt beim Long-Signal im DAX!


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