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Mit In-Kraft-Treten des Investmentmodernisierungsgesetzes zum 01.01.2004 gesellte sich für den deutschen Privatanleger zu den traditionellen Vermögensklassen Aktien, Renten und Immobilien die neue Gattung der Hedgefonds. Korrekterweise darf man nicht von einer neuen Anlageklasse sprechen. Im Gegenteil, Hedgefonds gibt es bereits seit den Fünfzigern. Der erste Hedgefonds wurde 1949 in den USA gegründet. Ziel der Anlagestrategie war es, die im Fonds gehaltenen Aktien gegen Kursrückschläge abzusichern (to hedge). Dafür wurden verschiedene Finanzinstrumente eingesetzt. Sie waren allerdings nur einem ausgewählten Kreis von Anlegern zugänglich. In diesem erlauchten Kreis galten Hedgefonds als die Königsklasse der Fondswelt. Königlich, weil

  • es die einzige Fondsart ist, die alle irgendwie möglichen Anlagestrategien umsetzen kann,
  • sie sich als so genannte Allwetterfonds stets positiv entwickeln können, egal ob die traditionellen Kapitalmärkte steigen oder fallen,
  • weil sie Investorengruppen vorenthalten waren, die mindestens eine Million US-Dollar oder mehr investieren konnten
  • sie langfristig nur von den besten Fondsmanager der Branche gemanagt werden konnten und diese für ihre herausragenden Managementleistungen die fürstlichsten Vergütungen der gesamten Fondswelt beziehen
  • eine Beimischung in ein traditionelles Vermögensportfolio die Renditechance steigen und das Risiko reduzieren lässt.

Allerdings unterlagen die Hedgefonds nie den deutschen Anlegerschutzgesetzen für Investmentfondsanlagen. Somit wurden sie den Produkten des „grauen Kapitalmarkt“ zugeordnet. Seit dem In-Kraft-Treten der rechtlichen Rahmenbedingungen (Investmentmodernisierungsgesetz) gehören zugelassene Hedgefonds dem regulierten Kapitalmarkt an und gehören unter dem Gesichtspunkt einer gesunden Vermögensstruktur, sprich Streuung in die verschiedenen Vermögensklassen, in jedes Fondsdepot.

So wie der Warnhinweis nicht bei allen Aktienfonds angebracht wäre, gilt dies auch für die Gattung Hedgefonds. Denn Hegdefonds ist nicht gleich Hedgefonds. Natürlich führen die Unterschiede zu traditionellen Fonds:

  • Aktien verkaufen zu dürfen, die man nicht hat („short“ gehen), und
  • Kredite aufzunehmen und damit die Rendite (aber auch das Risiko) zu hebeln,

zu einem höheren Risiko. Wenn Fondsmanager aber über fünf und mehr Jahre in den unterschiedlichsten Kapitalmarktsituation bewiesen haben, dass sie ihre große Anlagefreiheit in positive – von Aktien- und Rentenmärkten völlig unabhängige – Wertentwicklungen umsetzen können, dann ist es auch gerechtfertigt, ihnen Teile Ihres Vermögens anzuvertrauen.

Um die Funktion und die damit – mal geringere, mal höhere – verbundenen Risiken beurteilen zu können, müssen wir auch hier die einzelnen Hedgefondsarten und ihre Strategien analysieren.

1. Single Hedgefonds

Global Macro

Diese Strategie ist darauf ausgerichtet, globale Markttrends an den Finanzmärkten auszunutzen. Es werden alle Chancen der weltweit zur Verfügung stehenden Kapitalmärkte genutzt. Dabei werden Kassa- und Terminpositionen eingegangen. Die Marktanalyse erfolgt auf Grund persönlicher Entscheidungen des Fondsmanagements, meist in Verbindung mit computerunterstützten Handelssystemen.

Wandelanleihen-Arbitrage (Convertible Arbitrage)

Hier nutzt das Management Änderungen bei der Preisabhängigkeit von Wandelanleihen und den dazugehörigen Aktien aus. Die höchsten Ertragschancen entstehen, wenn die Kurse stark schwanken. In der Regel steigen dann die Preisunterschiede bei den Wandelanleihen zu den bezogenen Aktien. Typischerweise werden eine Kaufposition in der Anleihe und eine Verkaufsposition bei der Aktie eingegangen. Die Wertentwicklung zeichnet sich oft durch einen sehr gleichmäßigen Verlauf aus. Erhöhte Risiken finden sich im Zeitwertverfall des Wandelsrechts, der Bonität des jeweiligen Unternehmens, das die Anleihen ausgegeben hat, und von Fondsmanagementseite bei Inanspruchnahme von Krediten, um den Hebel zu erhöhen.

Marktneutrale Strategien (Equity Market Neutral)

Aufbau weitgehend marktneutraler Portfolios – das Marktrisiko zum Aktienmarkt soll nahe null sein. Nutzung von Marktunterschieden durch korrespondierende Positionen auf der Kauf (Long)- und Verkaufs (Short)- Seite in unterschiedlichen Aktiensektoren.

Long/Short Aktienstrategien (Long/Short Equity)

Sehr häufige anzutreffende Strategie, basierend auf gleichzeitigem Kauf und Verkauf von Aktien. Dabei wird versucht, unterbewertete Aktien zu kaufen (long) und gleichzeitig überbewertete leerzuverkaufen (short). Je nachdem, welche Seite überwiegt, wird das Marktrisiko reduziert.

Managed Futures

Bei dieser Strategie werden Trends an den verschiedensten Märkten ausgereizt. Die Art des zugrunde liegenden Marktes spielt dabei keine Rolle, es ist lediglich wichtig, dass man mittel- und langfristige Trends in der Kursentwicklung (steigend oder fallend) erkennt. Die Märkte können sein: Aktien, Renten, Rohstoffe, Währungen oder Agrarprodukte.

Single-Hedgefonds dürfen in Deutschland nicht öffentlich vertrieben werden. Die Beratung und Abwicklung hat der Gesetzgeber auf zugelassene Finanzdienstleister – also der direkten Aufsicht des BAFin unterlegenen Unternehmen – beschränkt. Wenn Sie in solche Fonds investieren wollen, müssen Sie sich bei Ihrer Beraterwahl auf diese Unternehmen beschränken.

2. Dach-Hedgefonds

Das Investmentmodernisierungsgesetz unterscheidet zwischen den Single- Hedgefonds und den Dach-Hedgefonds. Wie im Bereich der traditionellen Dachfonds wird hier Ihr Kapital in viele unterschiedliche Single- Hedgefonds investiert. Einzelne Fonds dürfen maximal 20 Prozent des gesamten Fondsvolumens betragen. Von einem Fondsmanager dürfen nicht mehr als zwei Fonds im gesamten Fondsvermögen investiert sein. Die Streuung auf viele verschiedene Managementstile und Anlagestrategien schützt Sie vor den Risiken einzelner Single-Hedgefonds. Damit stellen Dach-Hedgefonds die risikoärmere Investition in dieser Vermögensklasse dar. Sie sind eine Art Versicherung gegen die Risikohinweise des Finanzministeriums. Schließlich schätze ich den Warnhinweis auf einen Totalverlust bei dieser Fondslösung dann doch als übertrieben und der Theorie zuzuordnend ein. Allerdings dürfte uns die künftige Praxis zeigen, dass die Streuung in unterschiedliche Singe-Hedgefonds noch kein Garant für positive Jahreserträge ist. Selbst wenn uns dies die Verkaufsprospekte und die rückwärts gerechneten Anlagestrategien der jetzt an den Markt kommenden Dach-Hedgefonds versprechen. In dieser Vermögensklasse ist die Qualität des Fondsmanagements, die Erfahrung mit echtem Geld, noch viel bedeutender als bei den traditionellen Vermögensklassen. Ein weiterer Unterschied zu den traditionellen Fondslösungen liegt bei den Hedgefonds in der Verfügbarkeit! In vielen Fällen haben Hedgefonds Bindungsfristen, und selbst wenn diese ausgelaufen sind, ist der Verkauf nur zu festen Terminen quartalsoder monatsweise möglich.