Wissen Sie, was an einer Tradingcommunity so hochinteressant ist? Es kommen „Handelsgemeinschaften“ zusammen, die tagtäglich am selben Thema arbeiten und man erlebt dabei, wie sich Schritt für Schritt Entwicklungen bei einzelnen Tradern vollziehen. Und es gibt auch sogenannte Rückkopplungseffekte. Fragen, die immer wieder aufgeworfen werden stoßen Themen an, an welche man selbst schon nicht mehr dachte. Fragen, welche im Grunde bereits automatisierte Abläufe berühren, über welche man sich selbst keine Gedanken mehr machte und die am Ende doch so substanziell sind, dass es von großem Wert ist, dass genau diese Fragen gestellt werden. Denn sie zwingen zum Nachdenken, zum nochmaligen Reflektieren und bewirken, sich auch nach Jahrzehnten wieder mit den Basisthemen auseinanderzusetzen und dabei erneut zu lernen.

„Ich will Trader werden“, schrieb mir ein Leser , der eine Thematik zusammenfasste, an der viele Börsenaktive mitunter zu verzweifeln drohen. Nämlich der Tatsache, in der Theorie durchaus schon eine Vorstellung davon zu haben, wie das Ganze funktioniert oder funktionieren müsste, in der praktischen Umsetzung jedoch „hapert“. „Ich nehme Gewinne zu früh mit und sehe dem Kurs dann hinterher“ (kenne ich), „ich habe mir einen Stopp-Kurs gesetzt, aber als er dran war, habe ich ihn nicht gezogen“ (allseits bekannt), „ich wollte diszipliniert sein, aber ich schaffe es nicht so, wie es sein müsste“, (das geht Millionen so, weltweit).

Es wird nach Fachliteratur gesucht, in der Punkt für Punkt, möglichst ganz dezidiert erklärt wird, wie man sich Eigenschaften aneignet, welche einen „Super-Trader“ aus einem machen. Am Ende soll eine Person entstehen, welche „im Schlaf fehlerfrei an der Börse agiert, keine Fehler macht, immer genau weiß, was sie tut“. Wir sprechen hier praktisch von der Entstehung eines Roboters. Aber ist es das?

Ich kenne einige Händler, welche meisterlich an der Börse agieren, nahezu tagtäglich ihre Scheibe am Kapitalmarkt abschneiden. Sie produzieren Verluste, ja, aber die sind klein und werden konsequent realisiert. Und sie nehmen Gewinne mit, schöne Strecken, mit denen wirklich Geld verdient wird. Ich kannte diese in der Bank und ich kenne solche außerhalb der Handelsräume. Aber sind das Roboter? Nein. Die sind wie Sie. Also habe ich überlegt und nachgedacht: was sind die wohl tatsächlichen Schaltstellen, an denen die Unterschiede gemacht werden, zwischen denen und demjenigen, der verzweifelt an seiner „Undiszipliniertheit“?

Vielleicht gibt es einige solcher Schaltstellen oder auch Stellschrauben. Aber zwei halte ich für substantiell. Und beide verlangen nichts Übermenschliches von Ihnen. Vielleicht sind diese auch nicht „formvollendet“ definiert, aber dennoch denke ich, dass es genau diese beiden Weichen sind, an denen sich ein Großteil Ihrer Einstellung und damit Ihres Erfolges oder Misserfolges entscheidet. (Wichtig ist freilich auch das notwendig Handwerkszeug. GodmodeTrader bietet einen kostenlosen Charttechnik-Ratber an. Hier geht's zum Download)

Stellschraube 1: Die Einstellung zum eigenen Handelskapital

Verluste tun weh, sie verunsichern usw. …. Haben wir alles schon geschrieben, gelesen, gehört und verinnerlicht. Wir wissen, wie wir mit ihnen umgehen sollen. Jawohl, es sind unsere Kosten, jawohl, Verluste immer gleich realisieren, nicht aussitzen. Und doch passiert es immer und immer wieder: sie schmerzen. Das Geld ist weg. Die Schuldsuche geht los und es schmerzt am allermeisten, wenn Sie sich selbst als Schuldigen identifizieren. Und dann kommen Selbstzweifel und die Frage, ob das Ganze hier überhaupt das Richtige ist.

Ich will jetzt nicht zum 100sten Male mit den Argumenten und Hinweisen kommen, die Sie alle schon kennen. Ich will Ihnen kurz erläutern, wie es im Berufshandel läuft und was man als privater Akteur daraus für Schlüsse für sich selbst ziehen könnte, um die erste Weichenstellung vielleicht mit Erfolg zu nehmen.

Im Berufshandel werden Verluste genauso realisiert, wie es ein privater Trader tun muss. Es ist ein nicht tot zu kriegendes Märchen, das in den Handelsräumen sogenannte „Big Boys“ sitzen, welche es nur darauf abgesehen haben, Ihnen das Fell über die Ohren zu ziehen. Ich kann nur immer wiederholen, das ist ganz großer Quatsch. Diese Leute sind einfach nur gut, in dem, was sie tun, da es ihr Beruf ist. Die machen den ganzen Tag nichts anderes, als ihren Job, dafür sind sie ausgebildet und dafür werden sie bezahlt. Und wenn sie nicht gut sind, dann werden sie gefeuert. Und ob sie gut sind oder nicht, weiß man sehr schnell.

Glauben Sie mir: in der Regel versucht ein Händler nicht Ihnen das Fell über die Ohren zu ziehen, sondern müht sich, nicht selbst das Fell über die Ohren gezogen zu bekommen. Es stehen sich helle Köpfe gegenüber, mit der Auflage bzw. Berufung, Geld zu verdienen, in einem Markt, der keinen Mehrwert schafft. Und diese Berufshändler müssen genauso wie Sie, mit Verlusten fertig werden, ebenso mit allen Konsequenzen, welche sich daraus ergeben.

Aber es vollzieht sich ein mentaler Wandel, der aus meiner Sicht substanziell ist: es ist die Einstellung zum Handelskapital. Die Summen, mit denen ein Bankhändler tagtäglich arbeitet, sind so hoch, dass in der Regel eine Distanz dazu entsteht. Das Handelskapital der Bank besteht aus Nummern. Es besteht keine persönliche Beziehung zwischen dem Kapital und dem Händler. Und es soll auch keine persönliche Beziehung entstehen. Wie soll ein Händler sachlich und ruhig arbeiten, wenn er bei einem Verlust nachrechnet und feststellt, dass das mal gerade ein Einfamilienhaus war? Oder andersherum: wird ein Gewinn in Höhe des Wertes eines Hauses realisiert, ist dies kein Grund für Euphorie, schon gar nicht für Übermut.

Für Sie als Privat-Trader sieht das ein bisschen anders aus. Sie haben einen direkten persönlichen Bezug zu Ihrem Kapital, denn es wird Ihnen nicht als Arbeitskapital gestellt, sondern Sie haben hart dafür in Ihrem Beruf gearbeitet. Und dennoch: Ihr Anlagekapital ist auch in Ihrem Falle Ihr Arbeitskapital. Sie dürfen folglich nur das Kapital zum Handeln nutzen, auf welches Sie nicht angewiesen sind. Dieses Kapital ist praktisch weg. Dieses nutzen Sie nur noch, um damit Ihre Trader-Tätigkeit am Laufen halten zu können. Damit finanzieren Sie Ihre Besicherungen (Margin-Kapital), damit finanzieren Sie Ihre Kosten (Verluste), daraus erwirtschaften Sie Ihre Gewinne. Versuchen Sie, zu diesem Kapital eine andere Einstellung / Beziehung zu bekommen, wie zu dem, woraus Sie Ihren Lebensunterhalt und Ihre Annehmlichkeiten finanzieren.

Ein Dachdecker rechnet ja auch nicht bei jedem Nagel, der beim Vernageln der Dachpappe vom Dach fällt bzw. bei jeder zerbrochenen Dachschindel gleich nach, was er sich für dieses Geld hätte anderes leisten können. Er hat das „große“ Ziel vor Augen – die Fertigstellung des Daches. Das heißt: achten Sie darauf, dass Ihr Arbeitskapital wirklich Ihr zweckgebundenes Arbeitskapital ist. Stellen Sie sich vor, dass Sie mit Ihrem Geld eine „Handelswährung“ erworben haben, aus der heraus Sie Ihre Handelstätigkeit finanzieren. Folglich wäre es müßig darüber nachzudenken, was Sie sich mit möglichen Verlusten hätten alles kaufen können. Wenn Sie sich ein Buch kaufen, dann rechnen Sie ja wahrscheinlich auch nicht im selben Augenblick durch, wieviel Nudeln und Suppengrün stattdessen hätten erworben werden können. Und wenn Sie so rechnen müssen, dann reduzieren Sie entsprechend Ihr Handelskapital.

Das heißt: die Angst und der Schmerz, welcher aus Verlusten resultiert und Sie hemmen und blockieren kann, welcher Sie in Ihrer Motivation einschränkt und lähmt, kann überwunden (oder zumindest verringert) werden, wenn sich Ihr Blickwinkel darauf verändert. Dann wird Ihre Einstellung dazu sachlicher und weniger emotional und erlaubt es Ihnen, konsequenter Ihren Fahrplan abzuhandeln.

Stellschraube 2: Wie handle ich rationaler? (Machen Sie ein völlig verrücktes Experiment)

Diese Frage impliziert, dass wir uns auf einen Grad an Rationalität hin entwickeln können, welcher nahezu seelenlose Handelsmaschinen aus uns macht. Doch das funktioniert nicht, also sollten wir es überhaupt nicht erst versuchen. Es gibt Unmengen an Literatur, welche die Thematik der menschlichen Rationalität bereits von oben bis unten und von vorn bis hinten durchgescannt haben.

Ein beliebtes Beispiel für die tatsächliche Unfähigkeit des allgemeinen, durchschnittlichen Menschen, zu dem wir uns überwiegend ja wohl alle zählen, wirklich mega-rational zu agieren, ist die Beschreibung eines „Party-Spiels“, welches der britische Wirtschaftswissenschaftler Martin J. Shubik erdachte.

Im Kern geht es um die Versteigerung eines US-Dollars, wobei das Mindestgebot ein Cent darstellt. Die Spielregel ist einfach und verläuft nach den bei Versteigerungen üblichen Vorgehensweisen ab. Es gibt allerdings eine Ausnahme, welche dem Spiel eine interessante psychologische Messfunktion beimischt: es bezahlt am Ende nicht nur der höchste Bieter für den ersteigerten USD, sondern auch der zweithöchste Bieter muss sein Gebot bezahlen, obwohl er leer ausgeht. Das heißt, das zweithöchste Gebot wird immer ein Totalverlust. Nur der höchste Bieter erhält den US-Dollar.

Auswertungen dieses Spiels Anfang der 70ger Jahre zeigten Erstaunliches: durchschnittlich erzielte der Auktionator 340 Cents für einen USD (siehe dazu „Die Logik der Unvernunft, Spieltheorie und die Psychologie des Handelns“ von Lászlo´ Mérö, Seite 14). Da er auch das zweite Gebot einstrich, lag der Erlös für einen Dollar bei fast sieben USD!

Für den gesunden Menschenverstand ist dieses Ergebnis fast nicht nachvollziehbar und könnte auf erhöhten Alkoholgenuss der Spieler während der Party zurückgeführt werden. Doch zeigten spätere, sorgfältig geplante Experimente mit demselben Spielaufbau ähnliche Ergebnisse. Es ist tatsächlich so, dass gesunde, erwachsene und intelligente Menschen bewusst entschieden haben, für einen USD drei bis vier USD zu bezahlen. Shubik hebt in seinen Auswertungen hervor, dass es sich nicht um Gegenstände gehandelt hat, welche einen Dollar wert waren, für den Bieter aber einen weit höheren subjektiven Wert hätten haben können, sondern ein einfacher und ganz gewöhnlicher 1 USD Schein zur Versteigerung stand.

Auswertungen der Spielreihen ergaben, dass die Teilnehmer (selbst in sterilen Laboratorien) deutliche Gefühlsregungen zeigten. So zeigte sich, dass mit Überschreiten der 1 USD-Grenze (ab hier macht das Ganze auch für den Sieger der Auktion keinen Sinn mehr) messbare Veränderungen bei den Spielern auftraten. Sie schwitzten, blickten nervös umher und einige sollen sogar geschrien haben. Körperlich sollen die Körper der Spieler Merkmale aufgewiesen haben, wie sie für Fallschirmspringer vor dem Sprung typisch sind. (ebenda Seite 17)

In späteren Auswertungsgesprächen wurde durch die befragten Teilnehmer meist immer nur abschätzig über den Gegner gesprochen. Dieser sei ja wohl „völlig durchgedreht“, hieß es da, denn es sei ja „nicht normal, für einen Dollar mehr zu bieten als einen Dollar“. Auffällig war dabei, dass fast niemand dabei erklärte, dass er selbst oberhalb der 1 Dollar-Grenze geboten hatte.

Das aber erstaunlichste Phänomen dieses Spieles war, dass selbst bei Wiederholungen, bereits „erfahrene Spieler“ wieder in die gleiche überhitzte Rolle zurückfielen, obwohl sie aus der ersten Hysterie ja doch gelernt haben sollten. Selbst eine weitere Modifizierung des Spiels führte nicht zur Ernüchterung: die Spieler sollten vor jedem Gebot einen Fragebogen ausfüllen. Doch selbst nach diesen künstlichen Unterbrechungen stieg das Gebot meist über einen USD.

Die kritischste Phase in diesem Spiel ist der Moment, wenn das Gebot über den Wert des zu versteigernden Gegenstandes hinausgeht. Ab hier muss sich der Spieler vor Augen halten: gewinne ich, verliere ich nur den Betrag, welcher über dem realen Wert des ersteigerten Gegenstandes (hier der eine US-Dollar) gezahlt wurde. Verliere ich die Auktion, bekomme ich nicht nur nicht den ersteigerten Wert (in unserem Falle wieder der eine USD), sondern ich verliere den gesamten Einsatz.

Man könnte meinen, ein solches Phänomen schlägt sich in Party-Spielen nieder, aber findet nicht im realen Leben statt. Leider nein, dieses menschliche Gebaren ist ein im praktischen Leben immer wieder anzutreffendes Prinzip. So führt der Autor in seinem Werk einige Beispiele aus der Praxis auf, welche genau diese Handlungsweise beschreiben und in der Psychologie als Macbeth-Effekt bezeichnet werden. Hat man erst einmal mehr geboten, als den Wert des zu ersteigernden Stückes, ist einem Bieter danach der Gegenstand meist jede Summe wert. Häufig ist erst die Unfähigkeit, mehr zahlen zu können, das Ende dieser Spirale.

Und jetzt werden Sie sich vielleicht beim Handeln und beim Umgang mit Ihren Verlusten oder Ihren im Vorfeld fest verankerten Handelsprinzipien wiedererkennen, denn wir kennen dieses Phänomen auch unter dem Begriff „zu spät zum Aufhören“ bzw. „ich kann nicht glattstellen, ich habe bereits zu viel damit verloren“. Mérö führt weitere bekannte Beispiele an. Die Kosten der Concorde (britisch-französisches Überschallflugzeug für die zivile Luftfahrt) stiegen im Laufe der Entwicklung drastisch an und lagen über einem Mehrfachen des ursprünglich veranschlagten Rahmens. Schon in der Startphase des Projektes soll offensichtlich geworden sein, dass dieses Unternehmen ökonomisch ein gewaltiger Verlustbringer werden wird. Dennoch wurde an diesem Projekt festgehalten, koste es, was es wolle.

Auch die jüngere Geschichte zeigt entsprechende Fallbeispiele, selbst in unserem Land: genannt sei die Hamburger Elbphilharmonie, der Berliner Großflughafen, der Stuttgarter Bahnhof.

Doch auch im Alltagsleben lassen sich diese Effekte feststellen: Haben Sie schon einmal an der Bushaltestelle gestanden und auf den Bus gewartet? Je länger man wartet, umso schwieriger tut man sich, ein Taxi zu rufen, um nicht „umsonst“ gewartet zu haben. Mérö führt auch das Beispiel des Streiks an. Er schreibt, dass Streiks oft mehr kosten und damit auch mehr Schaden anrichten, als wenn man den Forderungen der Streikenden gleich nachgegeben hätte. Am Ende basieren die Entscheidungen der Akteure nicht mehr auf grundsätzlichen ökonomischen Faktoren, sondern es geht um Grundsatzpositionen.

Also was tun?

Wir müssen ausbrechen aus der Rationalitätsfalle, welche uns unsere Art intellektuell zu reflektieren, immer wieder stellt. Tiere sind im Übrigen viel rationaler als wir. Tiere erkennen instinktiv schneller, ab wann es sich nicht mehr lohnt, für ein Ziel kämpfen zu müssen, weil Aufwand / Nutzen nicht mehr stimmig ist. Warum? Weil Tiere überwiegend instinktorientiert ihre „Entscheidungen“ treffen, Tiere leben im Hier und Jetzt. Unsere Fähigkeit, uns aus dieser Gegenwartsgebundenheit herauszuziehen, abstrahieren zu können und folglich Konsequenzen für die Zukunft treffen zu können, hat uns auch die Fähigkeit ermöglicht, alle Entscheidungen zu hinterfragen, zu zweifeln und emotional zu reagieren.

Wir wollen und wir können diese Eigenschaft auch nicht „abtrainieren“. Die einzige Möglichkeit, dieser möglichen Hürde entgegenzuwirken, ist ein planmäßiges Arbeiten. Und hier gilt meiner Erfahrung nach: je weniger Handelserfahrung Sie haben, je weniger Praxis und Routine Sie „auf dem Buckel“ haben, desto wichtiger ist ein detaillierter Handelsplan.

Ich habe früher, als junger Händler, immer die Ansicht vertreten, dass ein Anfänger diskretionär an der Börse arbeitet und erst mit der Zeit die „hohe Schule“ des systematischen Tradings beginnt. Heute sehe ich es anders. Ich glaube, dass bereits ein junger Händler zwingend systematisch, regelorientiert arbeiten sollte, nur so erhält er einen Fahrplan für Disziplin und Planung. Und erst wenn diese Herangehensweise routiniert und verinnerlicht, somit „automatisiert“ abläuft, dann kommt die „hohe Schule“ der diskretionären Modifizierungen. Verstehen Sie, auf was ich hinaus will? Ohne Planung, werden Sie erfolglos bleiben, mit Planung hat Ihre Arbeit Struktur. Und Sie lernen, an einer Struktur festzuhalten, was es den Emotionen schwerer macht, Ihren Plan über den Haufen zu werfen. Der spätere Übergang in einen etwas diskretionär modifizierten Arbeitsstil, stellt Ihre Grundsatzplanungen nicht in Frage, er macht Ihre strikte Planung nur flexibler und anpassungsfähiger – nicht mehr und nicht weniger.

Warum dieser Weg? Robert Greene hat dafür eine hervorragende Begründung in seinem Buch „Perfekt“ geliefert. Er bezeichnet diese erste Phase, in der Sie sich vielleicht noch befinden, als „Lernabschnitt“, in dem es noch nicht um Perfektion geht, sondern erst um die Erlangung von Fertigkeiten und das Verstehen von Abläufen. Definieren Sie sich zunächst einen einfachen Plan, der zu Ihnen passt – kein komplexes Regelwerk. Versuchen Sie nicht mal hier und mal da Aufgeschnapptes gleich umzusetzen. Sondern halten Sie an Ihrem Plan fest, den Sie vielleicht mit wachsender Erfahrung modifizieren und verbessern. Greift Ihr Ansatz an einem Tag nicht, warten Sie auf den nächsten. Wir haben rund 240 Handelstage im Jahr, somit alle Zeit der Welt, um sich ein solides Regelwerk zu erarbeiten. Und dann kommt es irgendwann, der Schritt vom „Lernenden“ zum wirklich „Praktizierenden“, wie Greene es nennt. Er schreibt: „Nun folgen wir unseren eigenen Ideen und erhalten dabei wertvolle Rückschlüsse. Unser stetig anwachsendes Wissen wenden wir auf immer kreativere Weise an. Anstatt stur das Vorgehen anderer zu kopieren, bringen wir nun unseren eigenen Stil und unsere Persönlichkeit ins Spiel.“

Ich fasse zusammen:

Zwei Aspekte sollten wir verinnerlichen:

  • Unsere Einstellung zu unserem Handelskapital sollte eine gewisse Distanz haben. Es ist nicht das gleiche Geld, wie das, welches Sie auf Ihrem Konto haben. Ihr Handelskapital ist ein Arbeitsmittel, welches Sie zweckgebunden für Ihre Handelsaktivität zum Einsatz bringen, denn ohne dieses könnten Sie diese Tätigkeit nicht durchführen. Ziel dieser Distanz soll sein, dass Sie emotionsärmer an Ihren Handel herangehen und eher bereit sind, Ihr Regelwerk (Einstiege, Gewinnmitnahmen und Verluste) zu realisieren.
  • Unsere Einstellung zu unserer grundsätzlichen Herangehensweise an den Markt. Versuchen wir nicht erst, wie eine Maschine zu denken und zu handeln. Das gelingt nicht und kann auch nicht erstrebenswert sein. Da wir nicht wie Maschinen arbeiten wollen und uns über die Tatsache bewusst sind, keine (bis ins Letzte) rational handelnde Wirtschaftseinheiten zu sein, ist die Entwicklung von zunächst einfachen, aber dann auch konsequent handelbaren Regelwerken notwendig. Wir schaffen uns zunächst ein einfaches Regelwerk, an dem wir strikt festhalten und erliegen nicht den Versuchungen, ständig neue Ideen umzusetzen. Erst wenn wir einen Handelsansatz beherrschen, sicher den Einstieg finden, sicher in der konsequenten Positionseröffnung sind und auch souverän Stopp- und Ziel-Kurs beherrschen, erst dann gehen wir den nächsten Schritt. Sie stehen nicht unter Zeitdruck.

Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus, sind diese beiden Aspekte ein wichtiger Schlüssel, welcher mir, aber auch vielen Händlern, welche ich über die Jahre kennenlernte, geholfen hat. Abschließend möchte ich Sie in diesem Sinne gerne einladen, sich meinem Trading-Service anzuschauen. Nähere Informationen zu meinem Realtime-Future-Trader finden Sie hier.