Börsenkurse fahren in keiner Einbahnstraße, sondern unterliegen einem mehr oder minder stark ausgeprägten Aktions- und Reaktionsmuster.

Eine News, ein Ausbruch aus einer charttechnisch wichtigen Formation und viele weitere Informationen lassen beispielsweise die Kurse einer Aktie kräftig ansteigen. Früher oder später aber ist die News, der Ausbruch oder allgemein, der Impulsgeber verdaut und abgearbeitet. Gewinnmitnahmen könnten einsetzen und sicher wird auch der eine oder andere Shortspekulant mit seinen Aktionen die Kurse drücken. Die Aktie reagiert auf den ursprünglichen Impuls im Idealfall mit einer Korrektur, einer langsameren und weniger ausgedehnten Gegenbewegung. Sobald sich die Verkäufer ausgetobt haben, sollte der ursprüngliche Impuls wieder aufgenommen werden.

Was unterscheidet einen Impuls von der Korrektur?

Als Impuls bezeichnen Analysten und Trader also eine Initialbewegung, eine Aktion, während die Reaktion die Korrektur darstellt. Dabei sollte der Impuls dynamischer, stabiler und preislich ausgedehnter sein, als die Korrektur. Während bei der preislichen Ausdehnung der Impuls die Nase vorne hat, kann sich dies beim zeitlichen Aspekt zu Gunsten der Korrektur verschieben. Diese dürfen durchaus länger dauern, als der Impuls selbst. Zudem finden wir bei Korrekturen oftmals sich überschneidende Bewegungen. Viele Preise innerhalb der Korrektur sehen wir quasi mehrfach wieder, während sich in Impulsen die Kurse schnell von alten Niveaus entfernen und diese auch länger hinter sich lassen. Oftmals wird bei der Unterscheidung zwischen Impuls und Korrektur auch auf das Handelsvolumen geschaut. Das Volumen innerhalb des Impulses sollte zunehmen und relativ hoch sein, während es in der Korrektur abnimmt und insgesamt moderater ausfällt. Bringen wir es salopp auf den Punkt, ist ein Impuls, schwungvoll, kraftvoll und beschert dem Trade in Richtung des Impulses schöne Gewinne, während eine Korrektur "nervig" zu handeln ist. Die Position kommt irgendwie nicht in die Gänge.

Welche Schlussfolgerungen lässt ein Impuls-Korrekturmuster zu?

Sofern eine Impulsbewegung und ein darauffolgendes korrektives Kursmuster ausgemacht werden können, steht die Annahme im Raum, dass nach Abschluss der Korrektur die ursprüngliche Impulsbewegung wieder aufgenommen wird. Parallel dazu sollte die Korrektur nicht die gesamte Bewegungsstrecke des Impulses "auffressen". Gerne werden zur Abschätzung solcher Korrekturniveaus Fibonacci-Retracements eingesetzt. Aber auch alte Ausbruchsniveaus respektive Unterstützungen und Widerstände lassen sich nutzen, um Korrekturniveaus abzuleiten.

Impuls und Korrekturmuster im Chart

Die folgenden Charts zeigen einige Beispiele von Impuls und Korrekturmustern. Wie Sie anhand dieser sehen werden, lässt sich das Wechselspiel von Impuls- und Korrekturmustern überall finden. Optisch jedoch kann dieses Spiel sehr unterschiedlich ablaufen, vor allem im Falle der Korrekturen (Gegenbewegungen). Flaggen, Dreiecke, Seitwärtsbewegungen sind genauso möglich, wie einfach nur „irgendwie“ gegenläufige Bewegungen, die in keines der klassischen Muster passen.

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Der praktische Umgang mit Impuls- und Korrekturmustern

Betrachten wir einen historischen Chart, fällt es uns mehr als leicht, die passenden Impuls- und Korrekturmuster zuzuordnen. Das dürften die obigen Beispiel mehr als deutlich machen. Wir wissen im Nachhinein, wohin die große Bewegung ging und können dann untergeordnet nach den Korrekturen suchen. Live am sich entwickelnden Chart sieht dies jedoch oftmals anders aus. „Schuld“ daran ist zum Teil die Vielfalt der korrektiven Muster, aber natürlich auch die Tatsache, dass einem Impuls im hier beschriebenen Sinne nicht zwangsläufig eine Korrektur folgen muss. Stattdessen kann der eine Impuls quasi von einem anderen abgelöst werden, der sich zudem aus einer zunächst korrektiv erscheinenden Bewegung heraus entwickeln kann. Ein Paradebeispiel hierfür haben wir gerade erst vor ein paar Monaten live erleben dürften (müssen). Im Zuge der ersten Corona-Krise crashte der DAX impulsiv, nur um dann genauso impulsiv zu steigen:

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Entsprechend wichtig ist es, als Trader zu üben und zu trainieren. Sich viele Charts anzuschauen (rückwirkend als auch live) hilft, die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu schulen. Dabei wird man gewisse Basisregeln wie oben beschrieben aufstellen können. Letztlich aber füllt die eigene Interpretation genauer aus, was man unter dynamisch, stabil und korrektiv versteht. Diese Dinge lassen sich nur bedingt systematisieren und in starre Regeln pressen. Übung macht folglich den Meister!

Management versus Prognose

Ein wichtiger Aspekt beim praktischen Umgang mit diesem Konzept ist auch die Frage, wie man Impuls und Korrektur vorausschauend erkennen kann. Die Antwort ist extrem simpel: gar nicht. Börsenkurse lassen sich nie sicher prognostizieren. Maximal können wir mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten. So haben Aktien beispielsweise eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, langfristig zu steigen. Wir könnten also davon ausgehen, dass wir bei Aktien tendenziell auf der Longseite impulsive Bewegungen sehen, während wir auf der Shortseite eher korrektive Muster erwarten dürften, zumindest im langfristigem Kontext.

Wichtiger als die Prognose ist jedoch das Management von Positionen. Es geht also weniger darum, die berühmte Glaskugel zu bemühen, sondern einfach das zu traden, was man sieht. Glauben Sie mir, wenn Sie live viele impulsive Muster erlebt haben, dann werden Sie ein Gefühl dafür bekommen, ob es sich bei der aktuellen Bewegung um ein solches handelt oder nicht. Genau danach werden und müssen Sie jetzt einfach ihre Positionen managen.

Es hört sich banal an, aber im Grunde ist es das auch. Begrenzen Sie Ihre Verluste und lassen Sie Gewinne laufen. Sie müssen mit ihren Entscheidungen nicht immer richtig liegen. Es wird Trades geben, in denen Sie einen Impuls vermuten, es am Ende aber nur eine Korrektur geworden ist. Bei anderen Bewegungen scheint es so, als handelt es sich bei der aktuellen Bewegung doch nur um eine Korrektur, aber es wird einem Puls. Darüber hinaus werden Sie bei den meisten Bewegungen zu früh oder zu spät aussteigen. Aber darum geht es überhaupt nicht. An der Börse geht es nicht darum perfekt zu sein, sondern sich aus dem was der Markt bietet, seinen Teil herauszuschneiden. Dabei muss man nicht immer richtig liegen.

Elliottwellen – Spezialfall Korrektur und Impulsmuster

Während wir in den bisherigen Ausführungen auf die allgemeine Definition von Impuls- und Korrekturmustern eingegangen sind, muss abschließend noch die Elliottwellentheorie angesprochen werden. Die Basisidee von Impuls- und Korrekturmustern bleibt bestehen, jedoch werden beide Begrifflichkeiten wesentlich genauer definiert. Im Rahmen der EW-Theorie handelt es sich bei einer Impulswelle um eine mindestens fünfwellige Bewegung, denen eine dreiwellige Korrektur folgt. Dabei unterliegen sowohl die Impulswelle als auch die Korrekturwelle strengeren Regeln. Wer sich genauer mit diesem Analysestil beschäftigen möchte, dem seien Andre Tiedjes Buch: „Elliott-Wellen leicht verständlich“ und seine Trading- bzw. Analyseservices bei uns ans Herz gelegt.

Viel Erfolg

Ihr Tradingcoach Rene Berteit