Der Highest High – Lowest Low Indikator (HHLL) wird auch häufig als Hoch-Tief-Kanal oder Donchian Channel bezeichnet. Dabei trägt er den Namen seines „Entwicklers“, Richard Donchian, der diesen in den 70iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts vorstellte und der nicht zuletzt auch durch die Turtle Trader eine gewisse Berühmtheit erlangte. Diese nutzten den HHLL, um die Märkte zu traden und damit ein Vermögen zu verdienen. Dabei ist, wie wir gleich sehen werden, der Indikator selbst höchst einfach gestrickt.

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Im Grunde zeichnet der Highest High – Lowest Low einen Preiskanal in den Chart, der die höchsten Hochs und tiefsten Tiefs der vom Trader zu wählenden Periode wiederspiegelt. Da dies für jede Kerze neu analysiert wird und die gefundenen Hochs und Tiefs miteinander verbunden werden, ergibt sich ein Preiskanal, der alle Kurse enthält. Im Beispielfall hat der Trader einen 10-Periodenkanal auf den DAX Tageschart angewendet (Abb.1). Ausgehend von der heutigen Kerze wird folglich geguckt, wo sich in den letzten 10 Tagen das höchste Hoch und tiefste Tief befinden und dieses entsprechend im Chart eingezeichnet.

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Interpretation und Anwendung

Der HHLL ist ein weit verbreitetes Analysemittel, vor allem im Rahmen des klassischen Trendtradings. Dieses folgt der Prämisse, dass in einem Aufwärtstrend neue Hochs bzw. in einem Abwärtstrend neue Tiefs erreicht werden und Ausbrüche auf diese entsprechend bullische oder bärische Signale darstellen. Um die Arbeit des Traders zu vereinfachen und diese Momente neuer Hochs und Tiefs schnell erfassen zu können, wurde der Indikator entwickelt. Neben dieser klassischen Anwendung ließe sich auch mit dem HHLL-Indikator experimentieren und weitere Interpretationsmöglichkeiten sind möglich. So könnte beispielsweise die Steigung des Kanals oder die breite dessen gemessen werden, um zusätzliche Informationen zu erhalten. In allen Fällen gilt jedoch: je größer die Periode des HHLL gewählt wird, umso größere „Trends“ stehen im Mittelpunkt der Betrachtungen. Ursprünglich wurde der Indikator zwar eher für diese Trends entwickelt, jedoch findet dieser heute auch in deutlich kleineren Zeitebenen Anwendung, bis hin zum Intradaytrading.

Eine weitere interessante Anwendungsmöglichkeit des HHLL ergibt sich aus dem Blickwinkel von Unterstützungen und Widerständen heraus. So lassen sich die High-Low-Grenzen als solche interpretieren und der Indikator nicht nur bei Bruch dieser, sondern auch beim Anlaufen handeln. In diesem Falle natürlich konträr, denn wird die untere Begrenzung angelaufen, fungiert diese als Unterstützung und könnte für Longpositionen genutzt werden (obere Grenze vice versa).

Kritische Würdigung

Wie so viele Indikatoren hat auch der HHLL seine Sonnen- und Schattenseiten. Als trendfolgender Indikator ist er durchaus in der Lage, dem Trader die Möglichkeit zu geben, bspw. durch Ausbruch auf neue Hochs und Tiefs lukrative Tradingchancen auszumachen. Vor allem aber volatile und trendlose Märkte machen dem Indikator zu schaffen. In solchen Phasen enden Ausbrüche nicht selten als Fehlsignale, so dass der Indikator vor allem innerhalb von Trendphasen genutzt werden sollte. Zudem zeigen auch beim HHLL diverse Untersuchungen, dass dieser alleine nicht ausreicht, um eine stabile Performance zu erzeugen. Der Trader ist folglich gut beraten, den Indikator zu kombinieren und auch abseits der standardisierten Einstellungen zu suchen. Dann lässt sich der Indikator auch heute noch, trotz bspw. volatilerem Marktumfeld, immer noch erfolgreich einsetzen.