• DAX - Kürzel: DAX - ISIN: DE0008469008
    Börse: XETRA / Kursstand: 12.595,12 Pkt

Auf dem Godmode-Trader und in Guidants finden Sie täglich dutzende von Analysen und Tradingideen und als Trader&Redakteur weiß ich, wie schnell man dem Renditewahn verfallen kann. Höher, schneller, weiter ist dann auch beim charttechnischen Ausblick das Motto, denn welcher Leser möchte schon eine Aktie sehen, die gerade einmal ein oder zwei Prozent Potential hat? Irgendwie müssen ja auch die CRVs stimmen, ein Trade soll sich schließlich lohnen, auch noch nach Gebühren.

An diesen Anforderungen und Wünschen ist absolut nichts auszusetzen, aber als Anleger ist es unabdingbar zu wissen, wo die Realität aufhört und die Phantasie beginnt. Überzogene Erwartungen können tödlich sein, sich leider aber auch viel zu schnell entwickeln. Werfen wir also einen nüchternen Blick auf die Performancechancen im Aktienmarkt!

Performancechancen im DAX

Verschaffen wir uns mit der Analyse des Deutschen Aktienindexes einen ersten Überblick. Dazu werfen wir einen Blick auf den Monatschart. Uns interessiert, wie viel Prozent der Dax per Monatssaldo zulegen oder verlieren kann. Dafür schreiben wir ein kleines Programm, in dem jeden Monat zur Eröffnung 100.000 EUR im Dax investiert werden, während der Trade zum Schlusskurs des Monats abgerechnet wird. In Abbildung 1 sehen Sie die dazugehörige Statistik.

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Chart erstellt mit Tradesignal-Terminal

Dadurch, dass wir immer ca. 100.000 EUR investieren, geben uns die durchschnittlichen Gewinne und Verluste einen Überblick darüber, was im Dax in einem Monat möglich ist. Die Trefferquote zeigt uns zunächst, dass es sinnvoller ist, den Index monatlich von der Longseite anzugehen. Wir haben eine 59-prozentige Chance, dass der Dax am Monatsende höher steht, als zu seiner Eröffnung. Dabei gewinnt der Index durchschnittlich 0,71 % bzw. 714,25 EUR je Trade. Betrachten wir nur die Gewinner, haben wir eine durchschnittlichen Ertrag von 4.320 EUR bzw. 4,32 %. Der durchschnittliche Verlusttrade ist jedoch ähnlich hoch. Er liegt bei 4.448 EUR bzw. 4,48 % auf unser eingesetztes Kapital. Die Taktik ist deshalb "profitabel" (aber nicht wirklich handelbar), weil wir eine Chance von über 50 % haben, jeden Monat im Plus zu beenden.

Machen wir aus diesen Zahlen eine kleine Geschichte, um die Messwerte zu verdeutlichen. Schreiben wir zu Beginn des Monats eine Analyse, können wir durchschnittlich Prognosefeile in einer Länge von ca. 4,32 % gen Norden zeichnen. In diesem Preisbereich wird der Dax zum Monatsende wahrscheinlich notieren. In knapp 40 von 100 Analysen liegen wir jedoch falsch. Zudem betrachten wir nur den Durchschnitt, um den herum die realen Ergebnisse schwanken werden. Die Standardabweichung gibt uns Aufschluss darüber, wie stark diese Schwankungen sein können. Mit einer 68,27-prozentigen Wahrscheinlichkeit (Normalverteilung unterstellt) liegt der Kurs irgendwo zwischen dem Durchschnitt und dem Band der einfachen Standardabweichung. Bezogen auf unser Zahlenwerk liegt die Performance zum Monatsende im Gewinnfall mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen knapp 1 % und 7,70 %. Bedenken Sie in diesem Zusammenhang, dass eine Outperformance in einem Monat in einem anderen negiert werden muss, um zum mathematischen Durchschnitt zurückzukehren. Wenn wir also einen Monat mal kräftig zugelegt haben, wird man in einem späteren Monat den Preis dafür bezahlen. Die DAX wird dann zwar ebenfalls steigen, aber unterproportional zum Durchschnitt.

Erwarten Sie nicht zu viel!

Die Bäume wachsen also alles andere als in den Himmel. Unterstellen wir in jedem Monat ca. 21 Handelstage, dann können Sie sich selbst ausrechnen, wie weit die Kurse im Durchschnitt je Tag steigen oder fallen werden, um im Mittel auf eine Monatsrendite positiver Trades von 4,32 % zu kommen. Von der allgemeinen Durchschnittsrendite von 0,71 %, bei der auch alle Verlusttrades berücksichtigt werden, will ich hier mal gar nicht erst ausgehen. Natürlich und zu unserem Glück schwanken die realen Kursbewegungen um den Durchschnitt herum, wobei es in Sondersituationen auch zu starken Abweichungen kommen kann. Ungeachtet dieser Volatilität kehrt man am Ende immer wieder gerne zum Durchschnitt zurück. Die Statistik zeigt, dass Anleger nicht zu viel erwarten sollten. Wer jeden Monat Prognosen und Renditen von zehn oder mehr Prozent erwartet, dürfte es unheimlich schwer haben, seine Träume Realität werden zu lassen.

Viel Erfolg

Rene Berteit

PS: wie das Bild vor einigen Jahren aussah, auch in Aktien,erfahren Sie hier!