Anleger und Trader stehen ständig vor der Wahl, in welche Wertpapiere bzw. Vermögenswerte sie investieren sollen. Dabei besteht in der Regel ein inverses Verhältnis zwischen Risiko und Rendite. Je höher das eingegangene Risiko, desto höher auch das Renditepotenzial.

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Im Großen wie im Kleinen schwankt die Stimmung der Anleger ständig. Ist die Stimmung insgesamt gut, fließt auch viel Kapital in eher riskante Vermögenswerte. Nimmt die Stimmung und das Vertrauen in das Finanzsystem ab, setzt eine Flucht in als eher sicher geltende Vermögenswerte ein. Wichtiger Einflussfaktor für die Stimmung ist auch die Liquidität im Finanzsystem. Steht sie im Überfluss zur Verfügung und sind die Zinsen eher niedrig, dann fließt auch mehr Kapital in eher riskante Vermögenswerte.

Der US-Ökonom John Exter hat mit seiner inversen Pyramide der Vermögenswerte eine Grafik entwickelt, die diesen Zusammenhang eindrücklich vor Augen führt. Eher riskante Vermögenswerte sind ganz oben in der umgekehrten Pyramide zu finden, weniger riskante unten. Die folgende Grafik entspricht dabei nicht in allen Aspeten der originalen Grafik von Exter, sondern wurde für diesen Artikel den aktuellen Gegebenheiten angepasst.

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  • Ganz oben in der Pyramide stehen unsichere und volatile Vermögenswerte wie Kunst, Derivate oder unbesicherte Pensionsansprüche. Diese Vermögenswerte haben nur in Zeiten hoher Liquidität und wirtschaftlicher Expansion eine positive Renditeerwartung. Sind die Zeiten gut, dann sind mit einigen dieser Vermögenswerte (z.B. Kunst, Derivate) sehr hohe Renditen möglich. Nimmt aber die Liquidität ab und das Sicherheitsbedürfnis der Anleger zu, dann sinken bei diesen Vermögenswerten die Preise als Erstes.
  • Etwas weniger unsicher als die Vermögenswerte in der obersten Kategorie sind Rohstoffe wie Öl, Anteile an nicht-börsennotierten Unternehmen und Immobilien. Aber auch diese Vermögenswerte sind letztlich von einer hohen Liquidität und einer eher guten Stimmung im Finanzsystem abhängig.
  • Ungefähr in der Mitte der Pyramide stehen Unternehmensanleihen und Aktien. Diese Vermögenswerte entwickeln sich am besten bei guter Liquidität und Stimmung. Sie sind in der Regel weniger riskant als Derivate oder Anteile an nicht-börsennotierten Unternehmen, aber gleichzeitig riskanter als Staatsanleihen.
  • Staatsanleihen gelten als "sicherer Hafen" und profitieren häufig von einer Baisse an den Aktienmärkten. Traditionell galt auch die Vorstellung, dass Staaten nicht pleitegehen können, da sie sich im Notfall das von ihnen benötigte Geld einfach selbst drucken können. Die Geschichte ist allerdings voll von Beispielen, in denen Staaten ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten oder wollten. Deshalb ist die Sicherheit von Staatsanleihen auch nur eine relative Sicherheit. Geht das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit oder -willigkeit eines Staates verloren, dann flüchtet das Kapital durchaus auch aus Staatspapieren.
  • Etwas sicherer als Staatsanleihen ist Papiergeld, denn dieses ist nicht von der künftigen Zahlungsfähigkeit des Staates abhängig. Erst, wenn das Vertrauen in das Währungssystem als Ganzes schwindet, z.B. in Zeiten von Hyperinflation, ist auch Papiergeld nicht mehr sicher.
  • Ganz unten in John Exters Vermögenspyramide steht Gold. Auch Silber lässt sich hier eingruppieren. Diese Vermögenswerte gelten als langfristig wertstabil, auch wenn kurzfristig durchaus große Schwankungen möglich sind. Gold und Silber profitieren von schweren Krisen, die das Vertrauen in die Stabilität der Staaten und des Finanzsystems aushöhlen. Denn Gold und Silber gelten auch dann noch als werthaltig, wenn das Vertrauen in das Papiergeldsystem schwindet.

Insgesamt ist in der Regel deutlich mehr Geld in den als "unsicher" geltenden Vermögenswerten oben in der Pyramide investiert als in den Vermögenswerten an der Basis. Viel mehr Geld steckt etwa in unsicheren Derivaten als in Staatsanleihen und in Staatsanleihen wiederum viel mehr Geld als in Gold. Dieser Zusammenhang wird auch durch die Pyramidenform der Grafik ausgedrückt.

Das Sicherheitsbedürfnis und die Risikofreude der Anleger schwanken einerseits über längere Zeiträume, sie können aber durchaus auch von Tag zu Tag oder gar von Stunde zu Stunde variabel sein. Nimmt das Sicherheitsbedürfnis der Anleger zu, dann flüchtet mehr Kapital in die "sicheren Häfen" im unteren Teil der Pyramide. Nimmt die Riskofreudigkeit der Anleger zu, fließt mehr Geld in die "Renditebringer" im oberen Bereich der Pyramide.

Wer Kursbewegungen in unterschiedlichen Märkten verstehen will, sollte John Exters umgekehrte Pyramide der Vermögenswerte immer im Hinterkopf behalten.


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