Eine Frage, die sich jeder Trader indirekt stellt oder zumindest einmal stellen sollte, ist die Frage, wie wichtig das Einstiegstiming ist. Welchen Anteil hat dieses am Erfolg? Ist es vielleicht unwichtig und Dinge wie die Psychologie und/oder das Risiko und Moneymanagement bestimmen größtenteils Ihren Erfolg? Wenn ja, dann könnten wir letztlich auch mit einem Zufallseinstieg arbeiten. Wozu also all die Mühe, den Markt prognostizieren zu wollen?

    Dies sind nur einige der Fragen, die sich direkt und indirekt aus der Bedeutung des Einstiegstimings ableiten lassen. Auch wenn wir nicht jede dieser Fragen in diesem Artikel tiefgründig beantworten können –wahrscheinlich würde dies mehrere Bücher füllen– so möchte ich ein paar interessante Erkenntnisse mit Ihnen hinsichtlich dieser Problematik teilen. Erkenntnisse, die zumindest zum Nachdenken anregen dürften und direkten Einfluss auf Ihr Verständnis vom Trading und Ihre Entscheidungen nehmen könnten.

    Herhalten muss für unsere Analyse die RWE Aktie. In der folgenden Abbildung sehen Sie den langfristigen Chart von RWE und man kann viel von dieser behaupten, aber nicht unbedingt, dass sie ein großer Bulle ist.

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    Chart wurde mit Tradesignal erstellt, Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

    Vor dem Hintergrund einer anderen Fragestellung wurde ein kleines Programm geschrieben, in dem jede Tageskerze zum Schlusskurs eine Longposition eröffnet wurde. Um das Risiko zu begrenzen, wurde das Stoploss 5 % unterhalb des Einstiegskurses gesetzt. Das Ziel lag ebenfalls bei 5 %. Über die letzten 15 Jahre sollte nun ermittelt werden, wie wahrscheinlich es war, einen Gewinn von 5 % zu erzielen. Die Statistik zeigte dafür eine Chance von 49,81 % an. Wie zu erwarten war, gab es Phasen, in denen das Kursziel erreicht wurde, während in anderen Phasen die Stopps ausgelöst wurden. Diese Phasenlängen wurden gemessen und die Verteilung der Phasen sehen Sie in der folgenden Abbildung.

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    Die Y-Achse gibt dabei die Phasendauer in Tagen an. Zeigt der Balken bspw. einen Wert von 60, dann bedeutet dies vereinfacht, dass RWE eine Phase von 60 Tagen in Folge hatte, an denen man hätte kaufen und ein Gewinn von 5 % erzielen hätte können. In dieser Phase also spielte es für das Ziel, aus dem Trade einen Gewinn von 5 % herausziehen zu wollen, keine Rolle, an welchem Tag genau gekauft wurde. Hauptsache man erwischt diese Phase.

    Wir wollen uns jedoch nicht an den absoluten Zahlen als solches aufhalten. Interessant wird es nämlich, wenn wir die Ziele als auch die Stopps vergrößern. Statt einen Gewinn/Stopp von 5 % anzuvisieren, nehmen wir nun ein Ziel von 30 % bei gleich großem Stopp. Auch für diese Ziele wurde wieder jeden Tag eine Position eröffnet, die Trefferquote und die Phasenlänge ermittelt. Letztere ist in der nächsten Abbildung zu sehen.

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    Entscheidend ist nun der Vergleich beider Phasenlängen. Wie unschwer zu erkennen ist, gibt es bei größeren Zielen/Stopps wesentlich weniger Phasenwechsel und eine einzelne Phase hält wesentlich länger. Lag der Spitzenwert beim 5-Prozentigen-Ziel bei einer Phasenlänge von 99 Tagen, so gab es beim 30-Prozent-Ziel einen Spitzenwert von 962 Tagen. Zudem finden sich eine ganze Reihe weiterer Phasen mit Längen jenseits von 200 Tagen.

    Aus diesem Vergleich lässt sich schließen, dass Trader, die einerseits größere Ziele anstreben und dem Trade mehr Raum geben, weniger auf ein gutes Timing angewiesen zu sein scheinen. Je kurzfristiger aber agiert, desto schwieriger wird es, auch die richtige Phase für einen Gewinn zu erwischen.

    Etwas anschaulicher geht es mit einem artfremden Beispiel. Stellen Sie sich vor, Ihre Trades sind Schüsse aus einem Gewehr auf eine Zielscheibe mit verbundenen Augen (Sie timen Ihre Trades/Schüsse quasi nicht). Eine größere Phasenlänge bedeutet nun einfach, dass Ihre Zielscheibe größer ist. Die Chance, zu treffen, ist einfach höher.

    Denken wir ein wenig um die Ecke, folgt unweigerlich der Schluss, dass die Chancen, erfolgreich an der Börse zu agieren, mit zunehmender Zielgröße / Langfristigkeit steigen. Wer in größeren Dimensionen denkt, hat selbst mit einem vermeintlich schlechten Timing, größere Chancen den Platz trotzdem als Gewinner zu verlassen. Kurzfristig agierende Trader hingegen müssen zunehmend Wert auf Ihr Timing legen, womit das kurzfristige Trading schwieriger zu sein scheint.

    Für unseren Test wurde bewusst eine Aktie ausgewählt, die nicht gerade durch einen großen Bullenmarkt überzeugen konnte. In einer Continental oder Fresenius könnte das Ergebnis noch deutlicher ausfallen, wobei auch die Wahrscheinlichkeit für einen Gewinn selbst über die 50 % klettern dürfte. In RWE lag diese noch darunter.

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    Chart wurde mit Tradesignal erstellt, Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

    Bitte verstehen Sie diesen Beitrag als das was er ist: ein Denkanstoß, der keinen Anspruch auf der Weisheit letzten Schluss legt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen

    Viel Erfolg

    Ihr Rene Berteit

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