1. Die Hedger – zu Deutsch: Absicherer

Hedger haben in der Regel keine Gewinnabsichten. Ihnen geht es um die Absicherung des Währungsrisikos. Das heißt, sie kaufen heute schon die Währung, die sie morgen benötigen. Das Motiv ist klar: Den heutigen Preis kennen sie, mit dem können sie kalkulieren. Wie sich der Preis im Zeitablauf ändert, ist hingegen nur schwer zu prognostizieren. Ein Beispiel verdeutlicht den Mechanismus: Ein Exporteur, der eine Maschine für 100.000 US-Dollar in die USA verkauft hat, aber erst in sechs Monaten den Rechnungsbetrag in US-Dollar erhält, sieht sich einem Wechselkursrisiko ausgesetzt und läuft bei einem Wertverlust des US-Dollar Gefahr, Geld zu verlieren. Die Unsicherheit besteht im Grunde darin, dass nicht genau abschätzbar ist, welchen Euro-Gegenwert 100.000 US-Dollar in sechs Monaten haben.

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Beispiel: Absicherung eines USD-Aktiendepots

Wie groß die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen sind, veranschaulicht folgendes Beispiel: Ein Anleger will 100.000 Euro in US-Aktien investieren. Für diese Summe bekommt er Anfang 2002 bei einem EUR/USD-Wechselkurs von 0,90, das heißt 90 Cent pro Euro, knapp 90.000 USD, die er in New York anlegt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt sind die Kurse der Aktien um etwa fünf Prozent gestiegen. Der Wert seines Depots beträgt knapp 95.000 USD und der erfreute Anleger entschließt sich, zu verkaufen. Doch der Greenback hat dem Investor einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Denn der Wert des USD ist inzwischen gesunken und er muss nun 1,12 USD pro Euro bezahlen. Beim Rücktausch erhält er für seinen Depotwert von 94.500 USD, also nur etwas mehr als 84.800 Euro zurück. Von 100.000 Euro hat er somit 15.200 Euro oder über 15 Prozent seines Startkapitals verloren. Der Kursverlust des Greenback hat den Anleger trotz des Aktiengewinns ins Minus gerissen. Aber schon mit einer kleinen Spekulation am Devisenmarkt hätte sich unser Anleger absichern und für sein Depot trotz der Währungsverluste einen ordentlichen Ertrag realisieren können.

2. Die Spekulanten

Der größte Spekulant war zweifellos Jesse Livermore, dessen Nachfolge gegen Ende des 20. Jahrhunderts George Soros angetreten hat. Dazu kommen noch die mittlerweile gewichtige Gruppe der Hedge-Fonds sowie ein Millionenheer von Kleinspekulanten. Allen geht es darum, Gelegenheiten an den Devisenmärkten zu ihrem Vorteil auszunutzen, kurzum Gewinne zu erzielen. Dabei werden Sie werden oft kritisiert, scheinbar auf Kosten anderer verdienen zu wollen. Fakt ist jedoch, dass eigentlich nur Schwachstellen, die ohnehin vorhanden sind und andere zu verantworten haben, durch solche Akteure ausgenutzt werden und sich hierdurch sogar eine wünschenswerte Marktbereinigung ergibt.

3. Die Interventionisten

Zuletzt seien die Interventionisten genannt. Zu ihnen zählen Zentral- und Notenbanken, die weder Gewinn- noch Absicherungsstrategien verfolgen. Sie tätigen Währungskäufe oder -verkäufe aus volkswirtschaftlicher Motivation heraus und versuchen den Kurs der eigenen Währung in die eine oder andere für sie günstige Richtung zu bewegen. Grundsätzlich haben Notenbanken mehrere Möglichkeiten, Wechselkurse in die von ihnen gewünschte Richtung zu dirigieren. Das schwächste Mittel ist die verbale Intervention, die so genannte "Moral Suasion". Bestes Beispiel ist die Europäische Zentralbank (EZB), die sich dieses Mittels gerne bedient. Zu Beginn 2004 beklagte die EZB öffentlich ein zu hohes EUR/USD-Verhältnis und forderte sogar den Chef der US-Notenbank Alan Greenspan über die Presse auf, seiner Währung zumindest verbal den Rücken zu stärken. Soweit die Theorie, bei der ein Faktor allerdings bewusst ausgeblendet wird. Um die Wirkung der verbalen Intervention zu messen, werden die restlichen Parameter als konstant angenommen. Und genau das funktioniert in der Realität eben nicht. Dort ändern sich alle Einflussgrößen permanent.

Drehen die Notenbanken an der Zinsschraube, entspricht dies einer etwas härteren Gangart. Direkten Einfluss auf die Wechselkurse nehmen sie über diesen Weg jedoch nicht, indirekten hingegen schon. Die Erklärung ist einfach: Fallen die Zinsen in einem Land, sinkt die Rendite und Kapitalanlagen werden weniger lukrativ und die entsprechende Währung unattraktiver. Das Prinzip dahinter lässt sich schnell am Beispiel einer US-Staatanleihe verdeutlichen. Um einen solchen Bond zu kaufen, muss die eigene Währung in Dollar getauscht werden, denn die US-Staatsanleihen notieren in ihrer Heimatwährung. Der Dollar-Kauf führt zu höheren Kursen. Fällt jetzt aber das Zinsniveau, steigen die Preise der Anleihen und werden damit für ausländische Investoren doppelt uninteressant. Der Grund: Hohe Anleihekurse und gleichzeitig fallende oder zumindest niedrige Zinsen sind nicht sexy. Dies führt nun dazu, dass weniger Dollar auf den Devisenmärkten nachgefragt werden, um sie in Bonds zu stecken, da das Kapital sich in der Regel die lukrativste Verwendung sucht. Die Folge in dem Beispiel ist klar, der Kurs des Dollar sinkt.

Das stärkste Mittel, die Wechselkurse zu beeinflussen, ist sicher die direkte Intervention am Devisenmarkt, wie es derzeit besonders die asiatischen Notenbanken tun. Die Devisenreserven, die Länder wie China und Japan mittlerweile angehäuft haben, betragen tausende von Milliarden US-Dollar. Berühmt sind auch die Pfund-Stützungskäufe der Bank of England (BoE) Ende der achtziger Jahre oder die seit 2012 laufenden Stützungskäufe der Schweizter Nationalbank SNB um den Schwiezer Franken (CHF) gegenüber dem Euro stabil über einem Wert von 1,20 CHF zu halten. Festzuhalten ist, dass die Notenbanken für diese Strategien Gegenparteien brauchen, die sich unter anderem aus Spekulanten und Hedgern zusammensetzen. Insgesamt machen im System freier Währungen kurzfristige Devisenspekulationen einen Großteil der Gesamtmarkttransaktionen aus. Dies hat zur Folge, dass Notenbank-Interventionen an Bedeutung verlieren und internationale Spekulanten mehr und mehr die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Strukturen beeinflussen.