„An der Börse gewinnt, wer die Lage relativ gut einschätzen kann.“ So pauschal würde ich diese Aussage zwar nicht unterschreiben, aber falsch ist sie sicher auch nicht. Wer seinen Markt kennt und innerhalb dessen ein gutes Gespür entwickelt, was die Kurse als nächstes tun könnten, der hat einen gewinnbringenden Vorteil. Um Antworten darauf zu finden, bediene ich mich gerne der Statistik. Wir haben schließlich nicht viel mehr als die Vergangenheit, um uns ein Bild von den möglichen Kursverläufen im Markt zu machen. Das sich diese nicht eins zu eins wiederholen, ist klar, aber ein kleiner Anhaltspunkt ist besser als gar keiner.

    Vor diesem Hintergrund schrieb ich am Wochenende ein kleines Programm, welches mir zeigen sollte, wie „dynamisch“ der DAX Future (als handelbares Derivat des DAX) im Minutenchart steigen kann. Diese Idee ist natürlich dem Umstand geschuldet, dass ich kurzfristig trade und am liebsten Trades habe, die nach meinem Einstieg in meine Richtung laufen und das für einige Kerzen. Stein des Anstoßes war ein Trade in der vergangenen Woche, bei dem ich quasi zu früh ausgestiegen bin, während der DAX Future nach meinem Exit noch einige Kerzen weiter durchzog. Da stellte sich mir prompt die Frage, wie wahrscheinlich solche dynamischen Kaufwellen eigentlich sind. Exemplarisch zeigt Abbildung 1 die Problematik.

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    Im Future läuft eine Kaufwelle, die zu kontinuierlich steigenden Kerzen führt. Im Beispielfall steigt der DAX 12 Minutenkerzen an, ohne dass es zu einem Rückfall unter das Tief der vorangegangen Minutenkerze kommt. Einige Male war es knapp, aber es reichte. Meine Frage war nun, wie viele Kerzen kontinuierlich steigen können und wie die Häufigkeiten dafür in den letzten Monaten aussahen.

    Werfen wir einen Blick auf Abbildung 2, bekommen wir eine Antwort. Auf der X-Achse sind die Anzahl von Kerzen abgetragen, die der DAX Future kontinuierlich stieg, ohne das Vorkerzentief zu unterschreiten. Die Y-Achse spiegelt die Chance wieder, dass der DAX genau X Kerzen steigt. Dabei wurden Situationen in denen man nur eine oder zwei Kerzen stieg, ignoriert. Auf dieser Basis kamen insgesamt 4.154 Serien mit 3 oder mehr steigenden Kerzen in Folge zusammen, deren Verteilung (Häufigkeit) in Abbildung 2 zu sehen ist.

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    Wie zu erkennen, nehmen die Wahrscheinlichkeiten nach hinten hin deutlich ab. Abbildung 2 gibt jedoch nur an, wie groß die Wahrscheinlichkeit (Häufigkeit) ist, GENAU X Kerzen in Folge zu steigen. Mich als Trader interessiert aber auch die Frage zur Restwahrscheinlichkeit. Wie groß ist folglich die Chance, wenn wir bereits 3 Kerzen im Sinne unserer Definition gestiegen sind, noch mindestens eine weitere zu sehen. Die Wahrscheinlichkeiten hierzu sind in Abbildung 3 zu sehen.

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    Nicht zu viel erwarten!

    Serien von vielen steigenden Kerzen in Folge sind selten und die Wahrscheinlichkeit bricht nach oben hin exponentiell ab. Dies zeigt unsere Analyse des DAX Future Minutencharts über die letzten sechs Monate, die in ihren Grundzügen sicherlich auch auf andere Zeitebenen und Märkte übertragen werden kann. Überraschend ist diese Erkenntnis sicher nicht, sofern man die Märkte nüchtern betrachtet. Es klingt nur logisch, dass Kurse nicht ständig wie verrückt in nur eine Richtung laufen können. Diese Logik tritt jedoch im praktischen Trading oft in den Hintergrund, meist dann, wenn man einen Trade am Laufen hat und hofft dass es noch mehr und größere Gewinne werden. Wahrscheinlich noch häufiger anzutreffen ist das Problem jedoch in Situationen, wo man den eigentlich perfekten Einstieg verpasst hat und der Kurs schon eine Weile in Traderichtung gelaufen ist. Dann kommt die Angst auf, den großen Treffer zu verpassen und man springt hinterher. Statistisch gesehen muss man sich nicht wundern, dass der Trade kurze Zeit später im Minus notiert. Ja, es gibt sie, die genialen Rallys in denen der Kurs dutzende Wochenkerzen nur steigt, aber gehen wir von einer gewissen Selbstähnlichkeit der Märkte aus und übertragen unsere DAX-Statistik auf andere Märkte & Co, dann sollten man sich eingestehen, wenn man zu spät dran ist. In diesem Sinne

    Viel Erfolg

    Ihr Rene Berteit