Wer den DAX handelt, wird es wissen: nur selten eröffnet der Markt am Morgen dort, wo er am Vorabend geschlossen hat. Die Diskrepanz zwischen Schlusskurs und Eröffnungskurs bezeichnet man als Gap. Gaps treten quasi täglich auf, wobei in der Regel nur die besonders auffallen, die mit einer relativ großen Lücke daherkommen. Dabei sollte der neue Eröffnungskurs möglichst nicht im Bereich der Vortageskerze liegen, so dass eine echte Lücke zwischen zwei Kerzen entsteht. Solche Gaps hatten wir zuletzt am 30. August und am 08. August, wie die folgende Abbildung zeigt.

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Dass diese Definition eines Gaps nur eine Sonderform darstellt, wird spätestens dann deutlich, wenn man etwas genauer auf die einzelnen Kerzen schaut. Eröffnungskurs und Schlusskurs liegen nur selten beisammen. Stattdessen gibt es morgens ein Gap, welches jedoch in der Regel noch am gleichen Tag geschlossen wird. Sehr gut zu sehen ist dieses Verhalten, wenn man sich einen Intradaychart anschaut.

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Weil Gaps so häufig auftreten, haben sie sich natürlich auch ins Bewusstsein von Tradern und Anlegern geschlichen. Im Rahmen statistischer Analysen konzentrierte man sich auf die Frage, ob Gaps geschlossen werden. Das Ergebnis war recht eindeutig: Ja, die meisten Gaps werden innerhalb relativ kurzer Zeit geschlossen. Zudem lässt sich ein gewisser Zusammenhang zwischen Gapgröße und Impulschance ausmachen. Je größer ein Gap ist, desto größer ist im DAX auch die Chance, dieses für eine gewisse Zeit offen zu halten.

Interessant ist, dass man sich bei Gaps oft nur auf diese eine Seite konzentriert. Dabei geht es doch auch anders herum: wenn der Markt quasi täglich einen Kurssprung macht, gibt es eine bevorzugte Richtung oder kann man vom Gap selbst anderweitig profitieren?

Dieser Frage lässt sich relativ schnell auf den Grund gehen. Dazu wird der DAX jeden Abend gekauft und am Morgen zum Eröffnungskurs wieder verkauft. Die Investitionssumme von 100.000 EUR in jeden Trade soll sicherstellen, dass der absolute Kursstand des DAX auf die Performance keinen Einfluss hat. Das Ergebnis dieses simplen Handelsansatzes vor Tradingkosten und Steuern sehen Sie in der nächsten Abbildung.

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Den DAX Abends zum Schlusskurs zu kaufen und morgens zum Open zu veräußern, bringt einen marginalen Vorteil mit sich. Knapp 55 % aller Tage eröffnet der DAX höher, als er am Vortag schloss. Insgesamt konnten bei der jeweils angepassten Positionsgröße 152.542 DAX-Punkte vor Kosten & Co ertradet werde. Das hört sich viel an, ist es letztlich aber nicht. Die nur knapp positive Performance wird beim Blick auf den Profitfaktor deutlich. Zudem dürften bei 4.499 Trade auch eine ganze Menge an Tradinggebühren hinzukommen.

In Summe ist der Ansatz als stures System wieder einmal nicht zu gebrauchen. Ungeachtet dessen aber gibt er uns einen weiteren Einblick in das Kursverhalten des Deutschen Aktienindex. Mit ein wenig Übung, Erfahrung und „Optimierung“ könnte dies durchaus profitabel genutzt werden. Mir persönlich stellt sich beispielsweise die Frage, ob Trendfilter o.ä. die Statistik signifikant verbessern können. Einer Frage, der ich die Tage in meinem Guidants-Stream nachgehen werde: Folgen Sie mir @Guidants!.

Viel Erfolg

Rene Berteit