Ein Trader sollte niemals über seine eigene Risikokomfortzone hinausgehen und diese Grenzen dieser Risikokomfortzone auszuloten, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Erfolg. Sind die Grenzen des eigenen Wohlbefindens gefunden, geht es im Detail um die konkrete Frage nach den Positionsgrößen.

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Welchen zentralen Einfluss die Wahl der Positionsgröße (Risiko & Moneymanasgement) hat, verdeutlicht Abbildung 1 sehr eindrucksvoll. Dargestellt sind zwei Performancekurven, deren Profitunterschiede größer nicht sein könnten. Dies ist umso erstaunlicher, als dass es sich bei beiden Performancekurven um die gleichen Trades, jedoch mit unterschiedlichen Positionsgrößenmodellen handelt. Allein die richtige Wahl der Positionsgröße konnte einen fast zehnmal größeren Profit hervorbringen.

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Martingale- und Antimartingale: Zocken oder klug spekulieren,was darf es sein?

Grundsätzlich wird innerhalb des Risiko & Moneymanagements zwischen sogenannten Martingale- und Antimartingale-Taktiken unterschieden. Erstere zeichnet vor allem aus, dass nach Verlusttrades das Risiko erhöht wird, während Antimartingale-Taktiken nach solchen das Risiko, also die Positionsgröße, verkleinern. Bekanntestes Beispiel von Martingale-Strategien ist wohl das Roulettespiel, in dem der Spieler auf Schwarz oder Rot setzt und nach einem Verlust, seinen Einsatz etwas mehr als verdoppelt. Die Idee dahinter ist simpel und entspricht unserem typischen Denkmuster. Wir mögen es nicht zu verlieren und wollen nach einem Verlust den Ausgangszustand so schnell wie möglich wieder erreichen. Verdoppeln wir nach einem Verlierer unseren Einsatz und gewinnen beim nächsten Wurf, können wir mit dem Gewinn auch die vorangegangenen Verluste wieder reinspielen. Unter bestimmten Annahmen wäre ein solches Vorgehen beim Roulette sogar sinnvoll, spätestens jedoch wenn angeführt wird, dass dem Spieler unendlich viel Kapital zur Verfügung stehen müsste und es gleichzeitig keine Maximaleinsätze seitens der Casinos gibt, muss diese verlockende Idee wohl zu den Akten gelegt werden.

Werden Martingale-Taktiken auf das Trading übertragen, droht dem Trader ein böses Ende. Allein nach fünf Verlusten in Folge wäre der Einsatz schon sechszehn mal größer als beim ersten Trade. Dabei sind fünf Verluste in Folge alles andere als selten. Ziehen wir unsere Kernaussagen bezüglich der eigenen Risikokomfortzone aus den vorausgegangenen Artikeln hinzu, dürfte schnell klar werden, dass selbst bei ausreichend vorhandenem Kapital der Trader früher oder später aufgrund des enorm großen Drawdowns, einknicken würde.

Martingale-Taktiken mögen verführerisch wirken, führen im Trading jedoch meist in den Ruin. Interessanter sind jedoch Ansätze aus dem Antimartingale Bereich. Innerhalb dieser Taktiken wird das Risiko nach jedem Verlusttrade systematisch verkleinert. Drawdowns werden bei diesen Taktiken in der Regel kleiner ausfallen, während in Erfolgsphasen der "Zinseszinseffekt" positiv auf die Performancekurve wirkt (siehe Abb.1, schwarze Performancekurve). Im direkten Vergleich sind folglich Antimartingale-Taktiken zu bevorzugen.

Der Fixed-Ratio-Ansatz

Das Standard Modell innerhalb der Antimartingale-Taktiken ist sicherlich der Fixed-Ratio-Ansatz. In diesem wird ein vom Trader festgelegter und über einen gewissen Zeitraum fixer Prozentsatz der aktuellen Kontogröße im nächsten Trade riskiert. Die Auswirkungen eines solchen Ansatzes haben Sie beispielsweise bereits mit dem Performancevergleich in Abbildung 1 sehen können. Greifen wir zur Erläuterung unser bekanntes Commerzbank-Beispiel auf (Abbildung 2). Der Trader visierte in diesem einen Shorttrade bei 1,40 Euro an und platzierte seinen Stopploss bei 1,47 Euro. Damit belief sich das Risiko pro Aktie auf 0,07 Euro. Wie viele CFD Shorts er ordern kann, hängt von seinem gewählten Prozentsatz und dem aktuellen Kontostand ab. Angenommen die Risikokompfortzone des Traders liegt bei 1 % und sein Depotauszug zeigt derzeit einen Kontostand von 25.000 Euro an. Die Kernaussage des Fixed-Ratio-Ansatzes lautet nun, im Falle des Eintreten des Stopploss nicht mehr als 1 Prozent des Kontostandes zu verlieren. Das Gesamtrisiko für diesen Trade beläuft sich somit auf 250,00 Euro (1 % von 25.000 Euro). Da er pro CFD 0,07 Euro riskiert, kann er also 3.571 CFD Short in sein Depot legen (250,00 Euro Gesamtrisiko : 0,07 Euro Risiko pro CFD = 3.571 CFD). Sollte der Trade nun ins Stopploss laufen, entstünde ein Verlust von 250,00 Euro, was ein Prozent seines Kontos ausmachen würde und der eigenen Risikokomfortzone entspricht.

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Das Grundprinzip des Fixed-Ratio-Ansatzes ist relativ einfach und lässt sich leicht in Excel oder anderen Programmen automatisieren. Irritationen gibt es vor allem bei Einsteigern hinsichtlich der Höhe des zum Einsatz kommenden Prozentsatzes. So sei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich erwähnt, dass die Größe des Prozentsatzes der eigenen Risikokomfortzone enstpringt, wie wir sie uns in den letzten beiden Artikeln zum Thema Risiko angeschaut haben. Gleichzeitig wird dieser nicht "willkürlich" bei jedem Trade neu festgelegt, sondern ist in der Regel über einen längeren Zeitraum eine konstante Größe. Ein weiterer Aspekt, der im Rahmen des Fixed-Ratio-Ansatzes aufkommen könnte, ist die Frage, wie bei der Ermittlung des aktuellen Kontostandes mit offenen Buchgewinnen und -verlusten umzugehen ist. Diese mit in die Berechnung einfließen zu lassen, hat Vor- aber auch Nachteile. Eine abschließende und allgemeingültige Aussage kann nicht getroffen werden. Hier muss der Trader selbst abwägen. Die wichtigste Forderung ist aber auch in diesem Zusammenhang, die eigene Kompfortzone nicht zu verlassen. Gleiches gilt für die ebenfalls oft gestellte Frage, inwieweit der Risikobetrag noch um die Ordergebühren zu reduzieren.

Variationen sind erlaubt

Der Fixed-Ratio-Ansatz stellt ein Basismodell innerhalb der Antimartingale Strategien dar und lässt sich durch Variationen leicht an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Diese ergeben sich aus den individuellen Rahmenbedingungen des Traders, sowie seinen Zielen. Risikofreudige Trader mit einem kleinen Account und dem kurzfristigen Ziel, dieses möglichst zügig, aber unter Einhaltung der eigenen Kompfortzone aufzubauen, könnten beispielsweise einen Teil der bisher realisierten Gewinne wieder reinvestieren. Ein fiktives Beispiel in diese Richtung wäre, ein Prozent des aktuellen Kontostands zuzüglich drei Prozent der bisherigen Gewinne im nächsten Trade zu riskieren. Startete der Trader mit 20.000 Euro seine Tradingkarriere und der aktuelle Kontostand beträgt 25.000 Euro, dann darf der Trader im nächsten Trade 250,00 Euro (1 % von 25.000) zuzüglich 150,00 Euro (3 % von 5.000 Euro) riskieren. Da dieser Mehrbetrag nur anfällt, wenn das Tradingkonto im Gewinn ist, bleiben die Vorteile der Antimartingale Strategien erhalten. Im Falle eines im Minus stehenden Kontos wäre die Taktik identisch mit der 1-Prozentmethodik.

Natürlich ist auch mit diesem Beispiel die Grenze des Möglichen noch nicht erreicht und der Phantasie des Traders sind nur wenige Grenzen gesetzt, sein Risiko & Moneymanagement perfekt auf den eigenen Tradingstil abzustimmen. Bei all dem Performancehunger, den die meisten Trader mit an die Börse bringen und den vielen Möglichkeiten die das Risiko & Moneymanagements im Detail bietet, bleibt das oberste Gebot jedoch, ausschließlich innerhalb seiner eigenen Komfortzone zu handeln. Nur so stehen die Chancen gut, ein diszipliniertes und erfolgreiches Tradinggeschäft aufzubauen.

Über den Autor:

Rene Berteit beschäftigt sich seit 1999 intensiv mit den Finanzmärkten und dem Trading von Aktien, Währungen, Rohstoffen und den wichtigsten Indizes. Während der Riesenhausse bis ins Jahr 2000 stand für die meisten Trader Verlieren nicht auf der Agenda. Egal was man kaufte, es stieg. Dies lockte auch den BWL-Studenten Rene Berteit an die Märkte. Er platzierte die ersten Orders – mit Erfolg . Doch mit Ende des Hypes im Neuen Markt kam auch für ihn die Zeit der Qualen. Dennoch beschäftigte er sich neben dem Studium und während der späteren Tätigkeit als Logistikleiter jede freie Minute mit Märkten und Strategien und sammelte so ein breites Know-how. Sein Spezialgebiet: der kurzfristige Handel – das so genannte Daytrading – von Dow Jones, DAX und dem Währungspaar Euro/US-Dollar. Seine Erfahrung kommt auch den Teilnehmern des von ihm seit 2007 bei GodmodeTrader betreuten Ausbildungs-Services zugute.