Für Trader wäre es ein Segen, ließen sich aus dem Kursgeschehen irgendwelche Gesetzmäßigkeiten ableiten. Solche würde dem Spekulanten die Möglichkeit geben, einen Blick in die Zukunft zu werfen, was natürlich gewinnbringend genutzt werden könnte. Leider aber geht die Börse nicht so freizügig mit ihren Geheimnissen um, sofern sie denn überhaupt existieren. Bisher jedenfalls ist man diesen auch aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht auf die Schliche gekommen, im Gegenteil. Viele ursprünglich interessante Gedanken musste am Ende verworfen werden.

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Gestern haben wir an dieser Stelle einen Blick auf die Volatilität im Deutschen Aktienindex geworfen. Dabei konnten wir zwischen den einzelnen Handelstagen (Montag bis Freitag) gewisse Unterschiede ausmachen, wenn auch nicht in extremem Maße (siehe hier). Daraus abgeleitet ergab sich ein vor allem aus praktischer Sicht ernüchterndes Fazit:

Große Verwerfungen innerhalb der täglichen DAX-Volatilitäten gibt es im Durchschnitt nicht. Dementsprechend lassen sich für den Intradayhändler nur schwer ganz konkrete Tradingansätze ableiten. Dies liegt vor allem auch an der großen Standardabweichung, die innerhalb der täglichen Volatilitäten auszumachen ist.

Das Wissen um diese Punkte ist deshalb nicht unwichtig, aber es hätten sich auch schönere Vorteile zeigen können. Wer sich jedoch intensiver mit der Statistik rund um Aktienkurse beschäftigt, wird letztlich nicht überrascht gewesen sein. Aufgeben kommt jedoch nicht in die Tüte und so erweitern wir heute unseren Blick. Wir fanden heraus, dass die Volatilität im DAX im Durchschnitt recht ähnlich ist, aber großen Abweichungen unterliegt (hohe Standardabweichung). Was zunächst hinderlich erscheint, führt uns jedoch auf einen weiteren Gedanken: hat die gestrige Volatilität einen Einfluss auf die heutige? Es wäre doch nett zu wissen, ob der heutige Handel genauso explosiv wie der gestrige wird, oder?

Gestern Pfui, heute Hui!?

Einen ersten Einblick erhält man mit einem kleinen Trick. Die Volatilität lässt sich schnell auch mit einem Indikator, dem ATR messen. Stellen wir diesen auf eine Periode ein, wird die tägliche Schwankungsbreite inklusive Gaps gemessen (sofern der Indikator im Tageschart angewendet wird). Nun können wir die heutige ATR mit der von gestern vergleichen. Dazu ließe sich beispielsweise die Korrelation berechnen (siehe Abbildung 1)

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Chart wurde mit Tradesignal erstellt, Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Dieser Chart ist sehr interessant, denn er zeigt einen teils eindeutigen und vor allem auch relativ konstanten Zusammenhang zwischen der Volatilität heute und der von gestern. Seit Ende 1999 schaffte es die Korrelation nur einmal sehr kurz in den positiven Bereich. Den Rest der Zeit lag dieser unter Null, wobei ein „Schwerpunkt“ optisch bei -0,50 ausgemacht werden kann. Zwischen der heutigen Volatilität und der gestrigen besteht also ein mittelschwerer negativer Zusammenhang. Ging es gestern rund, ist heute mit einer gewissen Ruhe zu rechnen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die heutige Schwankungsbreite kleiner ist.

Ein interessanter Aspekt, der sich im täglichen Trading nutzen lässt. So ließe sich mit Hilfe der gestrigen Volatilitätsanalyse entscheiden, ob heute trendorientierte oder rangelastige (antizyklische) Taktiken zur Anwendung kommen sollten. Auch für das Ausloten möglicher Tagesspannen ließe sich diese Information nutzen, natürlich in Kombination mit den Erkenntnissen der gestrigen Durchschnittsanalyse. War der gestrige Tag hochdynamisch, könnte man sich heute im Bereich des Durchschnitts oder gar darunter bewegen. Hier ließe sich letztlich auch der Hebel für weitere Recherchen ansetzen. In diesem Sinne

Viel Erfolg und schon jetzt ein schönes Wochenende

Ihr Rene Berteit

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