Jeden ersten Freitag im Monat warten Investoren und Trader gleichermaßen auf die Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten. Bei den sogenannten Nonfarm-Payrolls handelt es sich um die Anzahl der neugeschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft in den USA. Sie spiegeln die ökonomische Verfassung wider, was die Zahlen in Kombination mit der schnellen Veröffentlichung nach dem Berichtsmonat zu einem vielbeachteten Indikator macht. Berühmtheit bei Trader erlangten die Nonfarms vor allem durch die teils heftigen Kursausschläge, die sich im Zuge der Veröffentlichung ergeben. Abbildung 1 zeigt die Historie der Daten in den letzten Jahren, wobei zu beachten ist, das größere Werte natürlich positiv zu werten sind. Je mehr Stellen geschaffen werden, desto besser.

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    Nonfarms auf dem Prüfstand

    Wenn den Nonfarm Payrolls so viel Beachtung geschenkt wird, dann darf die Frage gestellt werden, was diese „wert“ sind? Geben sie vielleicht Aufschluss über den Kursverlauf für den restlichen Monat auch im DAX?

    Um dieser Frage nachzugehen, wird im ersten Schritt ein visueller Test der Daten vorgenommen. Hierzu wurden die Nonfarm-Payrolls-Tage im Chart mit einem grünen Punkt markiert(siehe Abb. 2).

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    Chart wurde mit Tradesignal erstellt, Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

    Wie unschwer zu erkennen ist, treten die Nonfarms nicht unbedingt an sofort auffälligen Zwischenhochs oder –tiefs auf, sondern verteilen sich mehr oder minder „normal“ über den Chart. Irgendwie ein wenig enttäuschend, letztlich aber auch nicht ungewöhnlich. Schließlich werden die Daten monatlich veröffentlicht und nicht jeden Monat kann es mittelfristig markante Trendwenden geben.

    Glücklicherweise muss eine Recherche an dieser Stelle nicht abgebrochen werden, denn kennt der Computer erst einmal die Nonfarm-Tage, darf man weitere Fragen stellen. Meine erste war: wenn der Tag positiv endete, was kann ich verdienen, wenn ich am Folgetag zum Eröffnungskurs Long einsteige und die Position X Tage später wieder schließe. Die Variable X lief über 1 – 13 Handelstage, womit man im Normalfall im Rahmen eines Monats bleiben sollte.

    Da es natürlich an den Nonfarm-Tagen durchaus auch Verkäufe gab und man sich am Ende roten Tageskerzen im DAX gegenübersah, wurde die Logik vice versa auf die Shortseite übertragen. In Summe wurde unmittelbar nach jeden Nonfarms eine Position eröffnet und das Ergebnis der Auswertung sehen Sie in der folgenden Abbildung.

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    Chart wurde mit Tradesignal erstellt, Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

    Für einen so viel beachteten und wegweisenden Indikator wie die Nonfarms, zeigt sich in Abbildung 3 ein mehr als enttäuschendes Ergebnis. Maximal hätten mit dem Ansatz 395 DAX-Punkte verdient werden können und das auch noch vor Kosten und Steuern. Im kritischsten Ausstiegstag (13 Handelstage später) fielen Verluste von über 3.000 Punkte an. Insgesamt konnten nur 2 Exittage überhaupt mit einem Gewinn abschneiden, wobei Zufall nicht auszuschließen ist. Dafür ist der Gewinn einfach zu knapp. Zudem kann man auch bei den Trefferquoten nicht überzeugen. Diese liegen um die 50 % und bringen keinen spürbaren Vorteil mit.

    Fazit

    Ein wenig enttäuschend fällt die Prognosekraft der Nonfarms aus. Unter der Annahme, dass die US-Arbeitsmarktdaten für einen Großteil der Bewegungen am Veröffentlichungstag verantwortlich sind und ein positiver Handelsschluss auf eine positive Entwicklung am Arbeitsmarkt und damit auf eine positive Wirtschaftsentwicklung hindeutet (negative Tage vice versa), scheint es nur logisch, positive Nonfarm-Tage zu kaufen (negative vice versa). Mit Logik aber kommt man an dieser Stelle nicht weiter, zumindest dann nicht, wenn man Geld verdienen will. Ein klarer Vorteil dieser Argumentationskette fehlt. Im Gegenteil. Die Ergebnisse würde sich spiegeln, würde man nach einem positiven Nonfarm-Tag short gehen und nach einem negativen Nonfarm-Tag long. An den Trefferquoten würde sich so zwar wenig ändern, aber immerhin könnten so mehr Exit-Tage eine profitable Handelsstrategie abwerfen. Wer jetzt jedoch gleich in Jubelschreie verfällt, dem sei gesagt, dass auch dieser Ansatz nicht vollends überzeugen kann. Vor allem wird man für eingegangene Risiken nicht überdurchschnittlich bezahlt. Selbst beim Bestperformer von 3.000 Punkten liegt der Profitfaktor bei nur ca. 1,20 vor Kosten.

    Alles in allem kommen wir so mit den Nonfarm Payrolls als Indikator auch für den deutschen Markt nicht weiter. So einfach macht es uns die Börse dann doch wieder nicht. Ansätze für Erweiterungen gibt es einige, die ich mir jedoch für potentiell spätere Artikel aufhebe. Was bleibt ist den Nonfarms alleine schon deshalb eine Bedeutung beizumessen, weil alle Welt drauf schaut. Die prognostische Wirkung für den weiteren Kursverlauf hält sich im Sinne dieses einfachen Tests aber mehr als in Grenzen. Das mag einem nicht gefallen, ist aber trotzdem nicht zu ändern.

    Viel Erfolg

    Rene Berteit