Viele Trader gehen relativ leger mit ihren Vermögenswerten um, vor allem wenn es sich um Buchverluste bzw. Buchgewinne handelt. Aber auch in der Finanzliteratur und im Internet ist immer wieder einmal zu lesen, dass nur „Bares wahres ist“. Ein beliebter Spruch auf der Verlustseite ist, „…dass dies halb so schlimm sei, schließlich sind es nur Buchverluste. Erst wenn ich realisiere, wird auch der Verlust real, aber das mache ich nicht, weil, die Aktie kommt wieder…“.

Oft genutzt ist auf der Gegenseite folgendes: „…wenn Sie Ihren Stopp in den Gewinn ziehen, haben Sie einen Freetrade und können nichts mehr verlieren. Jetzt können Sie...“. Und abschließend noch ein Beispiel, welches mir im Rahmen des Coachings ab und an über den Weg läuft, natürlich schön überspitzt formuliert, damit es richtig wirkt: „Ich habe ein Portfolio aus 100.000 EUR gebildet und am Anfang lief es auch gut. Die Performance lief bis 1 Mio. EUR hoch, aber dann kam der dumme Bärenmarkt. Den habe ich natürlich ausgesessen, immer in der Hoffnung, die Kurse ziehen wieder an, aber als das Depot dann wieder bei 110.000 EUR stand, habe ich alles verkauft. Puh, was für eine Achterbahnfahrt, aber wenigstens nichts verloren.“

Alle diese Aussagen sind natürlich völliger Nonsens. Bleiben wir bei unserem genialen Investor aus dem letzten Beispiel, dann mag die Wahrheit schmerzen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass dieser 890.000 EUR verzockt hat. Er hätte jederzeit sein Depot bei 1 Mio. EUR, bei 750.000 EUR, ja gar bei 200.000 EUR auflösen können. Ob das Vermögen nun in Bargeld oder als Mix aus Bargeld und Depotbeständen besteht, ist für Ihr echtes, wahres Vermögen im Trading unbedeutend. Sie können beides jederzeit über die Börse umwandeln. Nur weil ein Gewinn oder Verlust aus einem Geschäft noch nicht realisiert ist, ist dieser nicht weniger real!

Wer jetzt immer noch zweifelt und Buchgewinne bzw. Buchverluste als „minderwertige, nichtreale“ Größen ansieht, der kann einen Blick auf folgende Abbildung werfen. Auf der linken Seite sehen Sie die Performancekurve einer Strategie, blau für die ausschließlich realisierten Trades und orange inkl. aller Buchgewinne und –verluste. Rechts daneben sehen Sie die dazugehörige Statistik, die sich natürlich in Sachen Trefferquote etc. nur auf die realisierten, also geschlossenen Geschäfte beziehen kann.

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Ja Sie sehen richtig, die Strategie hat bei 378 Trades de facto keinen Verlusttrade (Trefferquote 98 %) und die Performancekurve der abgeschlossenen Trades zeigt kontinuierlich nach oben bzw. in schwierigen Phasen maximal seitwärts. Würde ich mit nur diesen beiden Daten werben und Ihnen das System für teures Geld verkaufen, liefe spätestens dann meine Telefonleitung heiß, wenn Sie das System handeln. Dann laufen Sie nämlich die orangene Performancekurve mit all dem Auf und AB entlang und spätestens dann dürften Sie mir Augenwischerei und mehr vorwerfen. Von wegen, nur Gewinntrades etc. Was ist mit all den Buchverlusten zwischendrin?

Falls ich Sie immer noch nicht überzeugen konnte, dass auch Buchgewinne und –verluste sehr real sind, dann soll es so sein. Für 5.000 EUR gehört die Strategie Ihnen ;-).

Fazit

Als Trader sollten Sie keinen Unterschied zwischen realisierten Tradingergebnissen und Buchgewinnen und –verlusten machen. Wir sagen salopp zwar, dass wir an der Börse sind, um Geld zu verdienen, aber korrekter wäre zu formulieren, dass wir hier sind, um unser Vermögen zu mehren. Dies schließt nämlich Buchgewinne und Buchverluste mit ein. Relevant wird das Thema innerhalb des Risiko & Moneymanagements, wenn Sie sich bspw. fragen, wie groß die Positionsgröße des nächsten Trades sein darf. Ganz essentiell ist das Thema auch beim aktiven Management offener Positionen, wie unsere Eingangsbeispiele zeigten. Ein Depotwert von 1 Mio. EUR zurück auf 110.000 EUR fallen zu lassen, macht genauso wenig Sinn, wie an einem Verlusttrade festzuhalten, nur mit der Begründung, dass es ja nur Buchverluste sind. In diesem Sinne

Viel Erfolg

Rene Berteit