Die wachsende Beliebtheit verdanken sie insbesondere ihrer einfachen Funktionsweise. Auch wenn alle handelbaren Produkte durchaus ihre Existenzberechtigung und in verschiedenen Szenarien Vor- und Nachteile haben, lohnt es sich öfter als man vielleicht denkt, die Klassiker unter den Finanzprodukten in Betracht zu ziehen.

So haben beispielsweise klassische Optionsscheine keine Knock-Out-Schwelle. Deshalb führen Kursrückgänge des Basiswerts nicht zu einer, teils mit Totalverlust verbundenen, Auflösung der Position. Es besteht also die Chance, noch engagiert zu sein, wenn der Basiswert später wieder in die gewünschte Richtung läuft.

Theoretisch haben CFD-Trader diese Chance auch. Auch diese können, indem sie für ausreichend Deckung auf ihrem Handelskonto sorgen, versuchen, Kursrückgänge “auszusitzen“. Jedoch reduziert sich dann der Hebel. Eine CFD-Position, die zum Beispiel trotz 30 Prozent Verlust gehalten werden soll, erfordert nämlich diese 30 Prozent als Eigenkapital auf dem Konto. Zusätzlich besteht selbst bei einem Stop Loss (soweit es sich nicht um einen garantierten Stop Loss handelt) die Gefahr, dass der maximale Verlust der Position nicht fest eingegrenzt werden kann. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn eine Long-Position durch ein Overnight Gap (Kurslücke zwischen Schlusskurs des Vortags und Eröffnungskurs) unter dem Niveau des Stop Loss geschlossen wird.

Wenn man sich eine Weile mit den Klassikern unter den Derivaten, also Optionen beziehungsweise Optionsscheinen, beschäftigt, kann man erkennen, dass viele Innovationen aus der „schönen neuen Derivatewelt“ letztlich nur alter Wein in neuen Schläuchen sind. Viele Hebelprodukte und auch Anlagezertifikate, die heute emittiert werden, sind eigentlich verbriefte Konstruktionen aus Optionen. Für viele Privatanleger kann es aber durchaus sinnvoll und komfortabel sein, solche Retail-Produkte dem eigenen Handel mit Optionen an einer Terminbörse vorzuziehen. Auch Optionsscheine, die im Gegensatz zu Optionen nicht an Terminbörsen wie der Eurex gehandelt, sondern von Banken emittiert werden, und auch an herkömmlichen Börsen handelbar sind, können in bestimmten Situationen anderen Produkten wie zum Beispiel Knock-Outs überlegen sein.

Mit diesem Beitrag möchte ich eine Reihe beginnen, die Sie mitnimmt auf eine Reise in die spannende und vielseitige Welt der Optionen und Optionsscheine. Gerade weil diese “Alleskönner“ durch CFDs, Anlage-und Hebelzertifikate etwas aus dem Fokus der Anleger verdrängt wurden, möchte ich Ihnen zeigen, wann sich ihr Einsatz auszahlen kann. Nach der Beschäftigung mit Grundlagen werde ich im weiteren Verlauf der Beitragsreihe auch auf einige Strategien mit Optionen zu sprechen kommen und zeigen, wie diese Strategien alternativ mit vorgefertigten Retail-Produkten umgesetzt werden können, falls Sie - wie die meisten Privatanleger - nicht die Möglichkeit haben, an einer Terminbörse zu handeln.

Im kommenden Teil meiner Beitragsreihe möchte ich Ihnen zunächst den Unterschied zwischen "Optionen" und "Optionsscheinen" zeigen und die Funktionsweise der klassischen Optionsscheine, also "Calls" und "Puts", erklären. Wenn Sie meinem Stream auf Guidants folgen, erfahren Sie es sofort, wenn ein neuer Beitrag der Reihe auf Godmode Trader verfügbar ist. Auf Guidants möchte ich im weiteren Verlauf der Reihe auch einige praktische Anwendungsbeispiele zeigen.