Ein beliebtes und letztlich auch erfolgreiches Konzept an der Börse ist es, den Bewegungen des Marktes zu folgen. Liegt ein Trend vor, macht es Sinn, in Richtung dessen zu investieren. Können Sie hingegen eine Seitwärtsbewegung ausmachen, ist Rangetrading angesagt. Ein super Tipp, aber was sich in der Theorie so einfach anhört, bringt praktisch eine Menge Schwierigkeiten mit sich.

Trend oder Range?

Ein erstes Problem liegt bereits darin, zu identifizieren, ob ein Trend oder eine Range vorliegt. Hier helfen uns die Charttechnik und/oder Indikatoren weiter. Mit ein wenig Übung in Sachen Markttechnik oder Indikatoren – und dazu bedarf es keiner Wundermittel - stellt die Identifikation der aktuellen Struktur selten ein Problem dar. Schauen Sie sich nur einmal die jüngsten Bewegungen im DAX an. Man muss dem Markt dabei nur ein wenig Zeit geben.

Overtrading-Wer-zu-viel-handelt-verliert-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-1

Overtrading-Wer-zu-viel-handelt-verliert-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-2

Overtrading-Wer-zu-viel-handelt-verliert-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-3

Faktor Zeit!

Wenn das Erkennen der Marktstruktur und der damit verbundenen Vorteile weniger ein Problem ist, warum verlieren dann so viele Trader (abseits der Psychologie und des RMM) Geld? Um diese Frage zu beantworten, muss man sich vor Augen halten, dass eine gewisse Zeit vergeht, bis man erkennt, dass beispielsweise ein Aufwärtstrend vorliegt. Es vergeht Zeit und in dieser Zeit hat der Markt bereits einige Strukturen innerhalb der vorliegenden Marktphase ausgebildet. Erst wenn die Kurse einige Male in einer "fixen" Preiszone seitwärts pendelten, ist die Range definiert worden. Erst wenn die Kurse im Wechselspiel von Bewegung und Korrektur in größtenteils nur eine Richtung laufen, liegt ein Trend vor.

Overtrading-Wer-zu-viel-handelt-verliert-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-2

Verlangen Sie nicht zu viel!

Wenn Zeit vergeht, bis sich Strukturen bilden, muss ein Trader warten können. Wer die Vorteile eines Trends auf seine Seite holen will, muss so lange warten, bis sich ein Trend definieren lässt. Gleiches gilt für eine Range. Können Sie das Umfeld identifizieren, habe ich einen Tipp für Sie: übertreiben Sie es nicht! Wenn sie aus einem Trend ein oder zwei erfolgreiche Trades mitnehmen konnten, werden Sie nicht zu gierig. Gleiches gilt für den erfolgreichen Handel einer Range. Konnten sie hier schon einige positive Trades abschließen, sollten Sie anschließend lieber verzichten.

Vielleicht fragen Sie sich gerade, warum? Warum die Range (den Trend) nicht auskosten? Die Antwort ist simpel: so unsicher die Märkte auch sind, auf eines können Sie sich verlassen: handeln Sie den Trend oder die Range bis zum bitteren Ende durch, wird ihr letzter Trade definitiv ein Verlusttrade sein.

Da weder ein Trend noch eine Range ewig anhalten, gleichzeitig aber auch schon Zeit verbraucht wird, um diese Struktur überhaupt auszubilden, sind ein oder zwei erfolgreiche Trades innerhalb der entsprechenden Marktphase schon sehr gut. Bedenken Sie, dass Sie im ungünstigsten Fall vielleicht schon vier Swings brauchten, um überhaupt eine Range zu erkennen. Wenn Sie dann noch 2 Gewinntrades gemacht haben, muss die Range mindestens schon 6 Swings anhalten. Aber wie wahrscheinlich ist das? Man braucht nur noch einmal einen Blick auf eines der obigen Beispiele werfen. Die Ranges im Tageschart liefen über zwei Monate, aber trotzdem gab es jeweils keine 8 oder 10 interne Swings.

Overtrading-Wer-zu-viel-handelt-verliert-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-4

Fazit: Trader sind und bleiben Spekulanten und "werden dafür bezahlt", Risiken zu übernehmen. Als aktiver Swingtrader, der versucht einen Vorteil aus der derzeit vorliegenden Marktstruktur (Trend oder Range) zu ziehen, sollten Sie es nicht übertreiben. Wer zu viel handelt verdient nicht mehr, sondern riskiert seine Gewinne wieder abzugeben – schon allein aus statistischen/strategischen Gesichtspunkten heraus.

Viel Erfolg

Rene Berteit