Auf unseren Portalen: godmode-trader.de und Guidants.com finden Sie täglich eine Unmenge an Analysen und charttechnischen Kommentaren und dabei verwenden wir in unseren Ausblicken immer wieder Prognosepfeile in unterschiedlichen Farben. Um Ihnen als Leser einen noch größeren Mehrwert zu geben, wollen wir zukünftig nicht nur grafisch, sondern auch verbal forcierter unsere ganz persönliche Meinung zum Ausdruck bringen - natürlich nur soweit es im rechtlichen Rahmen möglich ist, denn ob Sie es glauben oder nicht, als Analyst unterliegen sie einer ganzen Menge an Anforderungen. Dazu gehören auch die von „uns allen geliebten Formulierungen“ im Konjunktiv und das Aufzeigen mehrerer Szenarien.

Wahrscheinlichkeit, Chance und Präferenz - Das ist wichtig zu wissen!

Um diese Probleme soll es an dieser Stelle aber gar nicht gehen. Ich möchte in diesem Zusammenhang die Chance nutzen, auf ein paar wichtige Punkte hinzuweisen. Diese sollten Ihnen helfen, Analysen & Co richtig zu verstehen und für sich selbst profitabel zu nutzen.

Was ist eine Präferenz?

Als Tradingcoach weiß ich, dass viele unserer Leser immer wieder sehr großen Wert auf die Trefferquote legen. Ein blauer Pfeil nach oben bedeutet in unseren Analysen grundlegend, dass wir die Longseite favorisieren. Was aber heißt favorisieren in diesem Zusammenhang genau?

Ich halte es für sinnvoll, zwischen Wahrscheinlichkeiten und interessierenden Tradingchancen zu differenzieren. Was nützt mir die beste Wahrscheinlichkeit, wenn die gesamte Tradingidee, sofern ich sie wiederholt umsetze, nicht profitabel ist. Es ist super, in 90 % der Fälle 100 EUR zu gewinnen, hilft mir aber trotzdem nicht weiter, wenn ich in den restlichen 10 % der Trades zu viel Geld verliere.

Eine Präferenz für die Longseite zu haben, muss also nicht zwangsweise bedeuten, dass es wesentlich wahrscheinlicher ist, dass die Kurse steigen. Es ist einfach die aus Sicht des Traders bzw. Analysten interessantere Seite. Natürlich schließt dies nicht automatisch eine gute Wahrscheinlichkeit aus. Das wäre natürlich der Idealfall, ist aber kein Muss.

Besonders deutlich dürfte dies bspw. sein, wenn in der Analyse ein Trigger und eine Wenn-Dann-Bedingung für das präferierte Szenario genutzt wird: „Steigt die Aktie über X an, dann…“. Eine solche Formulierung zielt meist auf die Tradingidee und nicht die Wahrscheinlichkeit ab. Wenn ich den Anstieg über X nämlich als hochwahrscheinlich ansehen würde, dann bräuchte ich diese „Wenn-Dann-Beziehung“ nicht mehr. Der Trigger ist der Punkt, an dem sich die Wahrscheinlichkeiten erst erhöhen. Trotzdem kann dieses Szenario schon vor dem Ausbruch die spannendere Idee sein und deshalb präferiert werden. Ich hoffe an diesem Beispiel wurde deutlich, dass Präferenz nicht immer etwas mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu tun haben muss.

Analysen & Co richtig lesen!

In unseren Analysen skizzieren wir immer verschiedene Szenarien, bevor wir uns grafisch und verbal für eines entscheiden. Eine Präferenz zu haben, bedeutet jedoch nicht zwangsweise, dass die Wahrscheinlichkeit für das präferierte Szenario deutlich größer ist als die Wahrscheinlichkeit für das Alternativszenario. Es kann sich dabei einfach auch um die interessantere Tradingidee handeln.

Es wird zukünftig nicht immer einfach sein, innerhalb einer Analyse unterscheiden zu können, ob sich der Autor auf eine große Trefferquote oder eine erfolgreiche Tradingidee bezieht. Da hilft jedoch ein einfacher Trick: Gehen Sie davon aus, es wird nicht über die Trefferquote gesprochen (auch wenn es zugegebenermaßen oft der Fall ist). Das ist aus psychologischer Sicht einfach die bessere Option. Wenn dann doch die Trefferquote gemeint war, umso besser. Ich denke, gegen eine hohe Trefferquote hat keiner was, oder?

Viel Erfolg

Rene Berteit