Hedgefonds (von Englisch to hedge „absichern“) sind unregulierte oder nur in geringem Maße regulierte Investmentfonds. Sie werden aktiv verwaltet. Ihre Anlagestrategien setzen Hedgefonds mit einem umfangreichen Arsenal von Finanzinstrumenten um, vor allem auch unter Rückgriff auf Derivate und Leerverkäufe. Derivate werden dabei oft zur Absicherung verwendet. Investitionen in Hedgefonds sind zwar oft mit einem hohen Verlustrisiko verbunden, doch im Gegenzug bieten sich auch Chancen auf sehr hohe Renditen. Hedgefonds nutzen häufig Fremdkapital, um Hebeleffekte zu erreichen. Bis 2004 war der Handel mit Hedgefonds in Deutschland für Privatanleger verboten. Nach kleineren Lockerungen wurden der Hedgefonds-Branche in Deutschland 2013 wieder Daumenschrauben angelegt: Ausländische Hedgefonds dürfen in Deutschland nur noch an professionelle bzw. semi-professionelle Anleger verkauft werden. Weil Hedgefonds im Allgemeinen sehr spekulativ vorgehen, haben sie das Potenzial, unerfahrene Investoren in den finanziellen Ruin zu treiben.

Das Management von Hedge-Fonds kann sich einer unüberschaubaren Vielzahl von Strategien bedienen. Weil Hedgefonds nur sehr geringen Regulierungsanforderungen unterliegen, hat das Management weitgehend freie Hand beim Reagieren auf Marktsituationen und bei der Auswahl von Märkten und Instrumenten.

Fünf Beispiele für Hedgefonds-Strategien:

Long Short Equity

Diese Strategie kommt sehr häufig zum Einsatz. Kurszugewinne bei Aktien werden erwartet und deshalb werden Aktien gekauft, negative Erwartungen werden von Aktienleerverkäufen begleitet. Für einen Leerverkauf leiht sich der Fonds die betreffenden Wertpapiere von einem Investor aus und verkauft sie an der Börse zum aktuellen Kurs.

Zu einem späteren Zeitpunkt – günstigstenfalls sind die Aktien weiter im Preis gefallen – erwirbt er diese Aktien an der Börse zurück und liefert sie an den Eigentümer zurück. Sind der Erwartung entsprechend die Kurse weiter zurückgegangen, ist die Differenz zwischen Verkaufs- und Wiederbeschaffungskurs – abzüglich der Zinsen für das Entleihen – der Gewinn, den der Hedgefonds erzielt hat. Der Einsatz von Long- oder Short-Positionen kann dabei in den verschiedensten Finanzinstrumenten aller Märkte (Aktien, Anleihen, Währungen, Rohstoffe und Derivate) erfolgen.


Arbitrage-Geschäfte

Mittels dieser Strategie sollen systematische Risiken (Marktrisiken) ausgeschaltet oder minimiert werden. Hierzu werden Preisunterschiede und -ineffizienzen zwischen gleichen und ähnlichen Anlagen genutzt. So werden zum Beispiel beim einem Zeit-Abitrage-Geschäft temporäre Wertabweichungen zwischen voneinander abhängigen Anlageinstrumenten (z.B. Wandelanleihen/Aktien/oder Stämme/Vorzüge usw.) ausgenutzt. Wenn der Fondsmanager Wertpapiere in New York erwirbt, um sie Sekunden später zu einem höheren Preis in London wieder zu verkaufen, spricht man von einem Raum-Abitrage-Geschäft.

Event Driven

Diese Strategie macht sich die zum Teil heftigen Kursbewegungen zunutze, die von erwarteten oder angekündigten Unternehmensereignissen wie Übernahmen, Fusionen, Restrukturierungen, Sanierungen oder Spin-offs ausgelöst werden. Weil entsprechende Ereignisse häufig auftreten, kann sich hier eine entsprechende Positionierung auszahlen.

Systematic Trend Followers

Mathematische Anlagemodelle werden angewendet, um Trends zu erkennen und Kauf- und Verkaufssignale zu setzen. Analysiert werden Rohstoffmärkte wie Sojabohnen und Schweinebäuche, Währungen und Edelmetalle, sowie Aktienindizes und Zinsprodukte.

Die Umsetzung der Strategie erfolgt in sehr liquiden Märkten durch den Einsatz von Futures, Termingeschäften und Optionen. Gleichzeitig dient ein Risikomanagement-System dazu, größere Verluste zu vermeiden. Der Erfolg dieser Strategie steht und fällt mit der Qualität der verwendeten oft komplexen Systeme.

Global Macro

Diese Strategie setzt auf die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen verschiedener Märkte und Branchen. Versucht wird mit Hilfe von Analysen und Prognosen auf der Grundlage makroökonomischer Daten Käufe und Verkäufe gewinnbringend zu tätigen. So werden Long- oder Short-Positionen in Aktien oder Aktienmärkten, Zinsprodukten, Währungen oder Rohstoffen eingenommen. In der Rückschau gesehen gehört die Global Macro-Strategie zu den erfolgreichsten Hedgefonds-Strategien.

Märchengewinnen stehen Horrorverluste gegenüber

Immer wieder geraten Hedgefonds in die Schlagzeilen: So hat im Juli 2014 der US-Hedgefonds Adage Capital an nur einem Tag einen Gewinn von einer Milliarde USD erzielt. Hintergrund war die Beteiligung an einem Biotech-Unternehmen, dessen Aktie nach dem erfolgreichen Test eines Medikaments um fast 300 Prozent zulegte.

Natürlich gibt es auch drastische Beispiele für Verluste von Hedgefonds, wenn sie mit ihren Erwartungen daneben liegen: So wurde im Herbst 2013 eine Anzahl von Hedgefonds vom Nokia- Microsoft-Deal kalt erwischt: Sie hatten darauf gewettet, dass der schwächelnde Aktienkurs des ehemaligen Handy-Marktführers noch weiter absinken würde. Stattdessen gingen Nokia-Aktien nach Bekanntgabe der 5,4 Milliarden USD schweren Übernahme durch Microsoft durch die Decke und legten um rund 50 Prozent zu. Infolgedessen summierten sich die Verluste der Hedgefonds, die mit Leerverkäufen eigentlich ein Schnäppchen machen wollten, auf eine knappe Milliarde USD.

(geschrieben von Helge Rehbein)