Dividenden, also die Gewinnausschüttungen von Aktiengesellschaften an ihre Aktionäre, sind für viele Anleger ein essenzieller Teil des Investierens in Aktien. Dafür gibt es auch gute Gründe: Der eigentliche Sinn und Zweck eines Unternehmens besteht aus Sicht der Eigentümer schließlich darin, Gewinne zu erwirtschaften und die Gewinne auch an die Eigentümer auszuschütten. Bei Aktiengesellschaften sind die Aktionäre die Eigentümer des Unternehmens. Zwar mag es sinnvoll sein, dass junge und stark wachsende Unternehmen keine Dividenden ausschütten, sondern ihre Gewinne vollständig in das Geschäft reinvestieren, wenn sich so hohe Renditen auf das eingesetzte Kapital erzielen lassen. Doch im Interesse der Eigentümer eines Unternehmens ist es eigentlich, wenn ein Unternehmen zumindest einen Teil des jährlich erzielten Überschusses an die Eigentümer ausschüttet, damit diese das Geld auch verkonsumieren können.

Obwohl viele Privatanleger die Dividende herbeisehnen, ist die Ausschüttung auch mit einem Ärgernis verbunden, dem Dividendenabschlag. Der Dividendenabschlag ist der (rechnerische) Kursverlust, der dadurch zustande kommt, dass die Dividende ausgeschüttet wird.

Der Dividendenabschlag ist ein rechnerischer Kursverlust, weil die Kursveränderung am sogenannten Ex-Tag (dem Tag, an dem die Aktie erstmals ohne Dividendenbezugsrecht gehandelt wird) natürlich nicht genau dem Dividendenabschlag entsprechen muss. Unzählige Faktoren beeinflussen schließlich den Kurs einer Aktie, sodass im Einzelfall auch andere Entwicklungen überwiegen können. Es ist auch nicht so, dass die Börse den Kurs tatsächlich um den Dividendenabschlag aktiv heruntersetzt. Vielmehr wissen die Marktteilnehmer, dass die Dividende nicht mehr im Kurs enthalten ist und setzen den Wert der Aktie entsprechend selbst niedriger an.

In Deutschland werden Dividenden in der Regel einmal pro Jahr, in den USA einmal pro Quartal ausgeschüttet. In Deutschland liegt der Ex-Tag einen Tag nach der Hauptversammlung des Unternehmens, auf dem die Ausschüttung beschlossen wurde. Ausgezahlt wird die Dividende in der Regel am dritten Geschäftstag nach der Hauptversammlung. In den USA liegt zwischen dem Ex-Tag und dem Auszahlungstag meist ein längerer Zeitraum von mehreren Wochen. Erst kommt es also zum Dividendenabschlag, und einige Zeit später (in Deutschland Tage später, in den USA Wochen später) erhält der Aktionär die Dividende auf sein Konto überwiesen.

Bei rein kurzfristiger Betrachtung wird die Dividende durch den Dividendenabschlag tatsächlich zu einem Nullsummenspiel:

  • Ein Aktionär, der die Aktie vor dem Stichtag gekauft hat, erhält die Dividende, muss aber damit leben, dass sich der Kurs der Aktie in gleicher Höhe um den Dividendenabschlag verringert. Kostet eine Aktie vor dem Ex-Tag der Dividendenausschüttung 100 Euro und schüttet das Unternehmen eine Dividende von 3 Euro je Aktie aus, so erhält der Aktionär die 3 Euro je Aktie (in Deutschland meist nach Abzug der Abgeltungsteuer) am oder nach dem Zahltag zwar auf sein Konto überwiesen, der Kurs verringert sich aber durch den Dividendenabschlag eben um genau diese 3 Euro von 100 Euro auf 97 Euro, sodass der Aktionär durch die Dividende selbst keinen Gewinn erzielt hat. Was er auf sein Konto überwiesen bekommen hat, hat er durch den Dividendenabschlag im Kurs bereits zuvor verloren (Da die Dividende versteuert wird, unrealisierte Kursgewinne aber nicht, entsteht durch die Dividendenausschüttung in der Regel sogar ein kleiner steuerlicher Nachteil.)
  • Ein Aktionär, der die Aktie erst nach dem Dividendenstichtag erworben hat, kann den Dividendenabschlag zwar vermeiden, erhält aber auch die Dividende nicht mehr und muss bis zur nächsten Gewinnausschüttung des Unternehmens warten (in Deutschland meist ein Jahr, in den USA ein Quartal später).

Dass Dividenden keinen Mehrwert für Anleger erzeugen, gilt bei kurzfristiger Betrachtung also tatsächlich. Was der Aktionär an Dividende erhält, wird ihm in Form des Dividendenabschlags genommen. Es handelt sich gewissermaßen um ein Linke-Tasche-Rechte-Tasche-Spiel, nicht um einen "Free Lunch".

Bei langfristige Betrachtung ist es hingegen so, dass Dividenden tatsächlich einen bedeutenden Teil der Gesamtperformance eines Aktien-Investments darstellen. Wer Aktien sehr lange Zeit hält, bei dem machen die Dividendenerträge nicht selten sogar den Großteil der Gesamtperformance aus.

Wie aber kann eine Dividende langfristig ein bedeutender Renditebestandteil sein, wenn sie bei kurzfristiger Betrachtung jeweils vom Kurs abgezogen wird und demnach keinen Mehrwert produziert? Die Antwort ist genauso einfach wie einleuchtend: Der Mehrwert für Aktionäre kommt nicht durch die Ausschüttung der Dividende selbst zustande, sondern durch die Gewinne bzw. Cashflows, die ein Unternehmen verdient, um Dividenden zahlen zu können. Diese Gewinne bzw. Cashflows sind die Basis dafür, dass ein Unternehmen überhaupt Dividenden ausschütten kann und sorgen im Idealfall dafür, dass der Dividendenabschlag früher oder später wieder wettgemacht wird.

Die Ausschüttung einer Dividende ist also für sich betrachtet tatsächlich ein Nullsummenspiel. Bezieht man aber mit ein, dass ein Unternehmen die ausgeschüttete Dividende in der Regel zunächst in Form von Gewinnen und Cashflows verdient, so ist eine Dividende kein Nullsummenspiel mehr, sondern bei langfristiger Betrachtung oft die wichtigste Renditekomponente eines Aktieninvestments.


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