Sie alle kennen sicherlich die Börsenweisheit, Gewinne laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen. Viele Trader gehen aus emotionalen Gründen genau entgegengesetzt vor. Die Frage ist letztlich aber, wer sagt uns, dass die Börsenweisheit richtig ist? Immer wieder ist an der Börse nämlich auch zu beobachten, dass wir vieles hinnehmen, ohne die Aussagen zu hinterfragen! Umso größer kann dann am Ende die Enttäuschung sein.

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Der folgende Beitrag ist ein erster Versuch, der Börsenweisheit auf den Grund zu gehen. Sie hegt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Absolutheit, sondern entstammt der Feder eines Traders auf der Suche nach Vorteilen. Aus logischer Perspektive macht es in meinen Augen Sinn, der Börsenweisheit zu folgen und liege ich damit richtig, sollte sich dies auch in harten Zahlen widerspiegeln. Dazu hat ein Traderfreund ein kleines Programm geschrieben, welches wir „Stärke Halten“ genannt haben. Im Rahmen des „Systems“ werden nach einem Kaufsignal im MDAX-Index auf Tageschartebene (Rate of Change > 10) alle Aktien aus dem Index ins Depot gekauft. Im Anschluss daran wird jede Periode (jeden Tag) die am schwächsten performende Aktie verkauft, bis am Ende nur noch 10 Aktien übrig sind. Dies sind formal die stärksten Aktien seit Eröffnung der Trades. Parallel dazu gibt es ein globales Verkaufssignal für alle Aktien. Sofern die Rate of Change im MDAX-Index unter Null fällt, wird das Portfolio vollständig geschlossen.

Was ist dran, an der Börsenweisheit?

Entscheidend für mich war an dieser Stelle nicht, ob das System einen Gewinn erzielt oder nicht. Vielmehr war ich an einem Vergleich zwischen dieser Logik und einer Buy&Hold-Strategie bei gleicher Signallage interessiert. Im Rahmen der Buy&Hold-Idee gelten ausschließlich die Regeln der Rate of Change. Es werden alle MDAX-Aktien gekauft, sofern der Schwellenwert von 10 überschritten wird und alle MDAX-Aktien wieder verkauft, sofern die ROC unter Null zurückfällt. Auf den Passus, zwischenzeitlich die schwächsten Aktien zu verkaufen, wird verzichtet.

Bezugnehmend auf unsere Ausgangsfrage, sollte die Stärke-Halten-Taktik vor allem mit Blick auf das Chance-Risiko-Profil besser abschneiden. Im Gegensatz zur B&H-Taktik werden schließlich die "schlechten" Aktien frühzeitig aussortiert und nur die guten laufen gelassen. Genau dies machte sie in verschiedenen Variationen aber nicht. Exemplarisch sehen Sie in den folgenden beiden Abbildungen die Performance-Reports für eine Periodenlänge des ROCs von 100 Kerzen.

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Chart wurde mit Tradesignal erstellt, Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH

Wie Sie unschwer erkennen können, bleibt die Stärke-Halten-Taktik in wichtigen Kennzahlen wie dem Profit, dem Profitfaktor, der Trefferquote oder auch dem Nettoprofit in % zum max. Intradaydrawdown hinter der Buy&Hold-Vergleichstaktik zurück. Dieses Bild zeigt sich auch bei anderen Variationen der ROC-Länge, wobei erwähnt werden muss, dass hier nur stichprobenartig Veränderungen vorgenommen wurden.

Mein persönliches Fazit

Ich muss gestehen, vom Ergebnis ein wenig enttäuscht gewesen zu sein. Ich hatte mir schlichtweg mehr erhofft. Natürlich ist dieser Test kein Beweis dafür, dass die Börsenweisheiten: Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen oder Kaufe die Starken und verkaufe die Schwachen falsch sind, aber so unvoreingenommen danach handeln sollte man anscheinend auch nicht. Es wäre schon großes Pech, wenn ich im Rahmen meines stichprobenartigen Tests genau die Situationen erwischt hätte, bei denen es ausnahmsweise einmal nicht funktioniert. Wahrscheinlich ist dies jedenfalls nicht. In diesem Umfeld hat es sich jedenfalls nicht bewährt, die starken Aktien im Depot zu lassen und die schwachen zu verkaufen. Eine Outperformance (CRV) gegenüber der Buy&Hold-Taktik war nicht zu erkennen.

Viel Erfolg

Rene Berteit

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