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    Ein Indikator, der in den letzten Jahren deutlich an Popularität gewonnen hat, ist der Supertrend. Vielleicht liegt es ja am Namen, dass dieser zunehmend im Repertoire vieler privater Trader auftauchte, aber den wirklichen Grund werden wir wohl nie erfahren. Sei´s drum, lassen Sie uns auf den folgenden Seiten lieber einen einleitenden Blick auf den Supertrend werfen. Es könnte ja sein, dass der Indikator seinen Namen zu Recht verdient hat.

    Starten wir zunächst mit einer Definition des Supertrend Indikators. In Guidants ist der Supertrend unter den sonstigen Indikatoren zu finden, wobei mit Blick auf Abbildung 1 schnell klar wird, dass es sich bei diesem eher um einen trendfolgenden Indikator handeln dürfte.

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    Basis des Supertrends ist ein gewichteter Mittelkurs des Basiswerts. Ausgehend von diesem Mittelwert wird nun die sogenannte Average True Range über die letzten N-Perioden gebildet. Diesen Indikator haben wir uns bereits in der CFD-Report Ausgabe vom 05. Mai angeschaut. Entwickelt von Wilder misst die Average True Range (kurz: ATR) die „wahre durchschnittliche Schwankungsbreite“ einzelner Kerzen über die letzten N-Perioden. Entstand im Rahmen der Kursbewegungen ein Gap, wird dieses mit berücksichtigt und zur eigentlichen Handelsspanne der jeweils betrachteten Kerzen hinzugezählt. Durch einfache Durchschnittsbildung dieser Volatilität über die letzten N-Perioden erhalten wir den heutigen Wert der ATR.

    Im dritten Schritt lässt sich aufbauend auf den beiden Einzelgrößen Durchschnittskurs und ATR der Supertrend ermitteln. Dazu ist die ATR zunächst mit einem vom Trader zu bestimmenden Faktor zu multiplizieren. Standardmäßig ist dieser Faktor in Guidants auf 3 gesetzt. Ist der aktuelle Trend im Indikator bärisch, wird zum derzeitigen Mittelkurs des Basiswerts die dreifache ATR-Spanne hinzugezählt und im nächsten Schritt mit dem vorherigen Wert des Supertrends verglichen. Ist dieser größer als der neu ermittelte, wird der Wert des Supertrends durch den neu berechneten ersetzt. Liegt der neue über dem vorangegangenen Wert des Supertrends, wird der alte Wert beibehalten. Dies führt dazu, dass in einem Abwärtstrend der Supertrendindikator ausschließlich fallen kann.

    Vice versa ist es im Rahmen eines bestehenden Aufwärtstrends. In diesem Fall wird vom aktuellen Mittelwert der Aktie oder des Index die dreifache ATR-Spanne abgezogen und mit dem vorangegangenen Wert des Supertrends verglichen. Liegt dieser unterhalb des aktuell berechneten Wertes, wird der alte Wert beibehalten, falls nicht, wird der alte Wert durch den neuen ersetzt. Im Falle eines Aufwärtstrends kann der Supertrend Indikator ausschließlich steigen und sich dem aktuellen Kurs annähern.

    Abschließend ist die Frage zu klären, wann es im Supertrend zu einem Trendwechsel kommt? Die Logik ist simpel: Befindet sich der Markt in einem Aufwärtstrend und durchbricht der aktuelle Schlusskurs den Supertrend nach unten, erfolgt ein bärischer Trendwechseln. Liegt hingegen ein Abwärtstrend vor und der aktuelle Schlusskurs durchbricht den Supertrend von unten nach oben, liegt ein bullischer Trendwechsel vor.

    Die rein verbale Beschreibung des Supertrend-Indikators kann durchaus verwirrend sein, aber das Prinzip dessen lässt sich sehr einfach zusammenfassen. Ausgehend von einem intakten Abwärtstrend (Supertrend = rot) muss der Basiswert per Schlusskurs um ein Vielfaches der normalen Schwankungsbreite steigen, um einen Trendwechsel herbeizuführen. Befindet sich der Basiswert hingegen in einen Aufwärtstrend, so ist ein Vielfaches der normalen Schwankungsbreite an Abwärtsbewegung nötig, um den Supertrend auf die Verkäuferseite wechseln zu lassen (siehe Abbildung 2). Der Supertrend selbst kann sich innerhalb einer Trendbewegung immer nur in Richtung des Trends verändern.

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    Lassen wir die Definition des Supertrends ein wenig auf uns wirken, könnten wir hinter diesem im Groß sehr einfachen Konzept einen gut funktionierenden Indikator vermuten. Es erscheint einleuchtend, dass der Markt für einen Trendwechsel eine signifikante Bewegung in Gegenrichtung ausbilden muss. Über den von uns zu bestimmenden Faktor können wir diese Signifikanz festlegen und letztlich müssten wir die Spanne nur groß genug wählen, um uns vom sogenannten Rauschen der Kursbewegungen fernzuhalten. Lassen Sie uns gemeinsam schauen, wie gut der Supertrend funktioniert.

    Beginnen wir unsere Analyse beim naheliegendsten Gedanken. Der Supertrends selbst generiert Kauf- und Verkaufssignale, die wir im Rahmen eines einfachen Trendfolgesystems nutzen können. Dabei wird ausgehend von einem neuen Signal die Position so lange gehalten, bis es im Supertrend zu einem Trendwechsel kommt. In diesem Fall schließen wir die alte Position und eröffnen eine neue in Gegenrichtung. Dieses einfache System ist folglich immer im Markt und versucht die Trends im Basiswert zu handeln. Da uns nicht wenige Chartprogramme eine Standardeinstellung von 10/3 für den Supertrend vorschlagen, starten wir auch mit dieser Grundeinstellung. Abbildung 3 zeigt die Systematik anhand des DAX Tagescharts. Ein grüner Pfeil markiert dabei das Eröffnen einer Long- und das Schließen einer Shortposition. Ein roter Pfeil hingegen markiert die Punkte, an denen bestehende Longpositionen geschlossen und neue Shortpositionen eröffnet werden.

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    Chart wurde mit Tradesignal erstellt

    Wenden wir diese Systematik auf den DAX seit Anfang 2000 an, ist das Ergebnis ernüchternd (siehe Abb. 4).

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    Chart wurde mit Tradesignal erstellt

    Zusammen bringen es alle abgeschlossenen Trades gerade einmal auf einen Gewinn von 137,68 Punkten und das bei einer Trefferquote von 37,40 %. Letzteres ist für ein reines Trendfolgesystem nicht ungewöhnlich, aber bei diesem nur sehr kleinen Gesamtgewinn kann die Standardeinstellung nicht überzeugen.

    Nicht wesentlich überzeugender fällt die Anwendung der Standardeinstellung für alle im DAX 30 gelisteten Aktien in diesem Zeitraum aus (Abb. 5).

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    Chart wurde mit Tradesignal erstellt

    Sofern von jeder Aktie bei jedem Signal ein Stück ge- bzw. verkauft wird, kann ein Gewinn von 407,02 Euro vor Kosten erzielt werden. Dies liegt zwar im positiven Bereich, aber bereits der Blick auf den Verlauf der Kontokurve zeigt, dass es sich um einen wohl kaum praktisch handelbaren Ansatz handelt. In den Jahren von 2003 bis 2008 würde der Trader im Minus arbeiten und das für einen insgesamt mageren Vorteil, den die Taktik mitbringen würde. Dieser verschwindet zudem gänzlich, wenn wir Kosten mit berücksichtigen. Insgesamt wurden seit 2000 über 3.000 Trades abgespult. Gebühren von nur wenigen Euros pro Trade würden die Gewinne in Verluste verwandeln. Auch hier kann der Supertrend in seiner Standardeinstellung am Ende nicht überzeugen.

    Ein kleines Zwischenfazit

    Fassen wir unsere ersten Testergebnisse zusammen, müssen wir uns die Frage stellen, warum dieser Indikator mit Supertrend bezeichnet wird? Das Ergebnis unseres Tests ist alles andere als super und wenn Sie sich einmal die Entwicklung von Aktien oder dem DAX-Index in den letzten knapp 15 Jahren anschauen, dann können wir wohl kaum von einem trendlosen Markt sprechen. Im Gegenteil. Größere und kleinere Trends gab es zur Genüge, aber in der Summe war der Supertrend nicht in der Lage, diese einzufangen und ein profitables System zu erzeugen.

    Ehrlich gesagt, verwundert mich dieses Ergebnis nicht. Wenn Börse so einfach wäre, wären wir alle Millionäre. Gehen wir also einen Schritt weiter als die breite Masse und fragen uns, ob es vielleicht an den Basiseinstellungen zum Supertrend lag. Schließlich haben wir die Möglichkeit, sowohl die Periodenlänge zur Ermittlung der ATR als auch den Faktor zu variieren. Vielleicht hilft uns ja ein größerer Faktor, um das Rauschen noch besser herauszufiltern?

    Ran an die Optimierung

    Zum Glück müssen wir auch diesen Schritt nicht „zu Fuß“ erledigen, sondern können die Hauptarbeit dem Computer überlassen. Während ich diese Zeilen schreibe, spielt dieser gerade alle Kombinationen einer Periodenlänge von 5 – 50 Kerzen und Faktorvariationen von 0,5 bis hin zu 10 in 0,25iger Schritten am Beispiel des DAX Index durch. Das ergibt stolze 1.794 mögliche Einstellungen für den Supertrend und das Ergebnis ist in Abbildung 6 zu sehen.

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    Chart wurde mit Tradesignal erstellt

    Während auf der X- und Y-Achse unsere einzustellenden Parameter abzulesen sind, zeigt die Farbe den Nettoprofit vor Kosten der jeweiligen Kombination an. Grün steht dabei für einen Gewinn, während Rot eine verlustige Kombination darstellt. Auffällig ist, dass vor allem größere Einstellungen sowohl bei der Periodenlänge als auch dem Faktor Chancen auf einen Gewinn haben. Der höchste Nettoprofit vor Kosten wird bei einer Einstellung von 30 Perioden und einem Faktor von 9,50 erreicht. Insgesamt konnte so mit nur 11 Trades ein Gewinn von 8.351 Punkten vor Kosten bei einer Trefferquote von 63 % erreicht werden. Abbildung 7 zeigt die Anwendung dieser Einstellungen auf den DAX (oben) und die dazugehörige Performancekurve (unten).

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    Chart wurde mit Tradesignal erstellt

    Bei nur 11 Trades wird sehr schnell klar, dass auch nach Kosten ein ordentlicher Gewinn übrig bleiben dürfte. Gleichzeitig aber müssen wir uns die Frage stellen, ob dieses Ergebnis statistisch aussagekräftig genug ist, schließlich sind nur 11 Trades zustande gekommen. Übrigens, dieser „optimalen“ Einstellung nach ist der DAX bereits seit dem 13. März in einem Abwärtstrend und müsste derzeit per Tagesschluss über 9.766 Punkte klettern, um zurück in den Käufermarkt zu wechseln.

    Hat das Ergebnis Bestand?

    Abschließend möchte ich unsere optimale Einstellung „blind“ auf alle DAX 30 Aktien übertragen. So erzeugen wir zumindest schon einmal ein paar mehr Handelssignale und können die Signifikanz unseres Ergebnisses überprüfen. Das Ergebnis dieses Durchlaufs ist in Abbildung 8 dargestellt.

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    Chart wurde mit Tradesignal erstellt, Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

    Bereits optisch hat die Performancekurve an Attraktivität gegenüber Abbildung 5 zugelegt, wirklich überzeugend ist diese aber immer noch nicht. Mit einer Trefferquote von nur noch 43 % weicht das Ergebnis zudem sehr deutlich von unserer im DAX gefundenen Trefferquote ab. Ein Indiz dafür, dass die Einstellung im DAX „überoptimiert“ ist. Angewendet auf alle DAX 30 Aktien wird bei knapp 400 Trades ein Gewinn von 1.380 Euro erzielt, sofern von jeder Aktie immer nur ein Stück gehandelt wird. Auch dies kann nicht vollends überzeugen, zumal wir festhalten müssen, dass vor allem hochpreisige Aktien und die Trades in diesen viel stärker ins Gewicht fallen. Für eine realitätsnahe Performance müsste die Positionsgröße dem Preis der Aktie angepasst werden. Auf diesen Schritt wird an dieser Stelle jedoch verzichtet, da es uns bei diesem Test in den DAX-Aktien vor allem um eine Verifizierung der im DAX gefundenen Ergebnisse ging.

    Was bleibt vom Supertrend nach dieser Basisanalyse übrig?

    Nun, am besten lässt sich unser bisheriges Testergebnis wohl damit zusammenfassen, dass wir das „Super“ aus dem Namen des Indikators einfach streichen und ihn als das bezeichnen sollten, was er von seiner Performance her ist: ein einfacher Trendindikator, der in seine Grundlogik am Markt nicht vollends überzeugen kann. Selbst mit den optimalen Einstellungen wird im Rahmen eines simplen Trendfolgeansatzes ein eher bescheidenes Ergebnis erzielt. Spätestens wenn wir die mentale Seite des Tradings ins Spiel bringen, dürfte die Basislogik des Supertrends im praktischen Handel scheitern. Wer tradet schon gerne 5 Jahre relativ aktiv unter Wasser und kann nach so langer Zeit immer noch relaxet den nächsten Trade eingehen?

    Müssen wir den Supertrend deshalb komplett verbannen? Sicher nicht. Wie bereits in unseren einfachen Tests zu sehen war, ließ sich mit veränderten Einstellungen bei den Parametern durchaus einiges bewirken. Zudem dürfen wir nicht übersehen, dass wir an dieser Stelle den Supertrend lediglich in seiner Grundkonzeption als Trendindikator angewendet haben. Kauf- und Verkaufssignale haben wir direkt aus diesem abgeleitet, aber dies stellt nicht die einzige Anwendungsmöglichkeit für den Indikator dar. So könnte dieser auch lediglich als Trendfilter dienen. Zeigt der Supertrend einen Abwärtstrend an, werden nur Shortsignale beispielsweise aus anderen Indikatoren oder klassischen charttechnischen Signalen wahrgenommen. Parallel dazu könnte der Supertrend als Trailingstopp genutzt werden, eine Anwendung, die bei vielen Tradern durchaus beliebt ist.

    Ziehen wir ein Fazit, müssen wir wieder einmal feststellen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Eine Anwendung des Supertrends in der hier beschriebenen Form kann nicht empfohlen werden. Wieder einmal versagen Standardeinstellungen und Basisargumentationen. Glücklicherweise bietet der Indikator noch weitere Einsatzmöglichkeiten und ich bin mir relativ sicher, dass auch der Supertrend als ein Bestandteil einer umfassenden Tradingstrategie seinen Beitrag zum Erfolg leisten wird. Nur eben in der Basiseinstellung ist dies nicht der Fall. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg,

    Ihr Rene Berteit

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